Bericht Lettland Riga - Grenze Litauen
Vom 13.Mai 2015 – 22.Mai 2015; 10 Tage
Gesamt Lettland: 344km; Gesamt 2014/2015: 13.975km


Vom 13.Mai 2015 – 15.Mai 2014 Tag 114 (372) - Tag 116 (381)
Etappe Riga Flughafen - Riga 10 km Rad; 15 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 2719

Autor: Andrea Büchsenschütz
Nach über 13 Stunden Flug (Zwischenstopp in Moskau) erreichen wir endlich Riga, im kleinen Flughafen geht die Abfertigung fix, als wir die Halle mit der Gepäckausgabe betreten sind die Fahrräder schon unversehrt da und unser Gepäck bereits auf dem Laufband. Stadtpläne liegen aus und so machen wir uns bestens versorgt auf den Weg in die Innenstadt. Nur das kalte Nordeuropäische Wetter ist noch sehr gewöhnungsbedürftig, eisiger Wind und 12 Grad!
Riga mit ca. 800 000 Einwohnern wirkt klein und beschaulich, wir sind die chinesischen Megastädte mit Millionen von Menschen gewohnt und jeder Menge Lärm. Hier nehmen sogar die Autofahrer Rücksicht, ganz ungewohnt. Autos halten am Zebrastreifen, die Straßenbahnen auch, rote Ampeln werden nicht ignoriert und keiner hupt, welch Ruhe. Am meisten freuen wir uns über die vielen leckeren Brotsorten, ein Genuss, endlich wieder Brot mit Wurst und Käse. Die Restaurants bieten leckere Speisen zu moderaten Preisen und man muss sich keine Sorgen machen, ob das Essen wieder zu scharf ist. Es gibt tolle Konditoreien und wir schlagen uns den Bauch mit Kuchen voll. Natürlich wird hier Bier gebraut, richtiges Bier, nicht so ein seltsames Gebräu wie in China! Aber ein bisschen vermissen wir die verrückten Chinesen schon, die Kultur, die hilfsbereiten Menschen und die tolle Landschaft sind unvergleichlich.
Riga hat aber auch einiges an Kultur zu bieten, die wunderschöne Altstadt mit zahlreichen Kirchen, dem schönen Marktplatz mit Rathaus und Schwarzhäupterhaus. Das Schwarzhäupterhaus wurde im zweiten Weltkrieg zerstört, wie viele andere Gebäude auch. Doch 1999 nach alten Motiven wieder aufgebaut strahlt die Fassade im Stil der niederländische Renaissance. Weitere Plätze prägen das Bild der Altstadt, ebenso die Fassaden der alten Handelshäuser und Gildehäuser. Die sogenannten 3 Brüder, ein Gebäudeensemble, das zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert errichtet wurde und viele weitere Gebäude sind zu sehen. Z.B. die alte Börse, das Rigaer Schloss, der Pulverturm, das Freiheitsdenkmal und die schönen Jugendstilvillen in der umgebenden Neustadt. Die Rigaer Katze ist ein Wahrzeichen der Stadt. Auf einem Haus in der Altstadt gibt es auf dem Dach eine große schwarze Katze zu bestaunen. Wie es dazu kam erzählte uns eine Verkäuferin in ihrem Souvenirladen. Normalerweise symbolisiert die schwarze Katze Unglück, doch der Besitzer dieses Hauses hat die schwarze Katze auf das Dach montiert, weil eben diese bei einem Brand gewarnt hat und somit sein Kind gerettet hat. Die zweite Version lautet, das der Hausbesitzer von der Gilde abgelehnt wurde und er deshalb die Katze auf sein Dach montierte, die Katze zeigt dem Gildehaus provokant das Hinterteil. Wir entscheiden uns für die erste Geschichte. In Riga gibt es nicht nur Katzen, sondern auch Bremer Stadtmusikanten. Vor der Peterskirche stehen sie, sie sind ein Geschenk der Partnerstadt Bremen.
Außerhalb der Altstadt befindet sich die kleine Speicherstadt, in der Nähe liegt der Zentralmarkt, der in den 1930er Jahren als der größte und modernste in Europa galt. Er besteht aus 5 großen Hallen, die ehemals Zeppelinhallen waren. In den Hallen werden hauptsächlich Lebensmittel verkauft, so findet man die Fleischhalle, die Käsehalle, die Gemüsehalle usw. Unweit der Hallen befindet sich das Gebäude der Akademie der Wissenschaften, von der Aussichtsplattform im 16. Stock hat man einen schönen Blick über die Stadt und den Fluss Daugava (deut. Düne).
Morgen radeln wir weiter zur Ostsee, hoffen den Ostseeradweg oder den Europaradweg R 1 zu finden.


Vom 16.Mai 2015 – 19.Mai 2014 Tag 117 (382) - Tag 120 (385)
Etappe Riga - Jürkalne 206 km Rad; 8 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 2925

Autor: Andrea Büchsenschütz
Das Sommerwetter der letzten Monate ist vorbei, wir starten in Riga mit kaltem Nordeuropäischen Regenwetter. Aus der Stadt finden wir recht schnell heraus, es gibt sogar einen Radweg, der durch ruhige Wohngebiete führt. Vorbei an Wiesen und Feldern, dann ein Abzweig auf eine ruhige Nebenstraße die in eine unasphaltierte Sandpiste mündet. Wir kommen durch einen kleinen Nationalpark mit einer schönen Seenlandschaft. Bis auf die Laute der vielen Vögel ist nichts zu hören, einfach Natur pur! Das Wetter ist doch auf unserer Seite und endlich strahlt die Sonne, immerhin 12 Grad, also können wir in Tukums auf dem Marktplatz draußen sitzen. Es ist schon Abend, aber hier ist es noch bis 22 Uhr hell. Also radeln wir weiter, in der Touristeninformation erfahren wir endlich wo der Eurovelo 10 verläuft, dem folgen wir bis Kandava. In dem Ort gibt es eine größere Sportanlage und diese bieten Übernachtungsmöglichkeiten zum Schnäppchen-Preis.
Morgens wieder Regen und es hört einfach nicht auf! Deshalb nimmt man von der Umgebung nicht mehr viel wahr, schade, aber wenn man mit Regen und Gegenwind kämpft, hofft man einfach endlich irgendwo anzukommen. In einem kleinen Supermarkt machen wir Pause, ein Kaffeeautomat wird bei der Kälte schnell zum besten Freund und so bleiben wir noch ein bisschen länger. Wieder draußen entdecken wir einen Motorroller mit deutschem Kennzeichen, auch noch mit SU, also Siegunterkreis. Der Besitzer kommt aus Siegburg und lebt seit zwei Jahren in Lettland, hier in dem Kaff namens Renda. Er wundert sich Deutsche zu sehen, wir wundern uns genauso und so quatschen wir noch eine Weile. Der Regen hat auch endlich aufgehört und wir kommen tatsächlich trocken in Kuldiga an. In der kleinen Fußgängerzone stehen noch ein paar schöne alte Häuser, meist Holzhäuser, die alte Backsteinbrücke über den Fluss Venta ist sehenswert, hier gibt es die breitesten Stromschnellen Europas. Die Papiermühle ist leider in sehr schlechtem Zustand, wie so viele andere Gebäude auch. Teils wird investiert, es werden Wege angelegt, Häuser instandgesetzt, vielleicht strahlt der Ort wieder in neuem Glanz. Man meint das Wetter kann kaum noch schlechter werden, aber als es am Morgen nur noch 6 Grad sind, ein eisiger Wind weht und der Himmel sich über uns förmlich ausschüttet, da wissen wir, es geht schlimmer. Auf dem Weg nach Jurkalne an der Ostsee liegen ein paar hübsche kleine Orte mit Schlösser, Burgen, der größten Weißtanne, doch bei dem Wetter schaut man sich absolut nichts an! Der Gegenwind peitscht uns den Regen um die Ohren, wir kommen kaum vorwärts und hoffen die 40km bis Jurkalne zu schaffen. 40Km sind normalerweise ein Klacks, aber nicht bei diesem Wetter, am Nachmittag sind wir endlich da. Das kleine Hotel ist leer, wir sind die einzigen Touristen weit und breit. Nur wenige Meter entfernt hört man die Brandung der Ostsee und wir sitzen endlich im Warmen! Am nächsten Tag hat sich das Wetter beruhigt und wir machen einen Strandspaziergang, kein Mensch weit und breit, nur zwei Fischer wagen sich mit ihrem kleinen Boot aufs Meer. Wir laufen den endlosen Strand entlang, das Steilufer im Blick. Um zum Strand zu gelangen sind an einigen Stellen schmale Treppen gebaut wurden, so kann man das 20m hohe Steilufer gefahrlos überwinden.
Die Wetterprognose ist nicht die Beste, doch morgen wollen wir bis Liepaja. Hier gibt es als Besonderheit das Viertel Karosta (Kriegshafen) mit Kathedrale, Militärgefängnis,der Festung zu sehen. (Siehe u.a. www.karosta.lv/de)


Vom 20.Mai 2015 – 22.Mai 2014 Tag 121 (386) - Tag 123 (388)
Etappe Jurkalne – Sventoji Grenze Litauen 134 km Rad; 8 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 3059

Autor: Andrea Büchsenschütz
Endlich kein Regen und sogar Sonne, echtes Radelwetter! Der Weg war nichts besonderes, wir folgen der Straße entlang der Ostsee, nur das Meer sieht man nicht. Kurz vor der Innenstadt von Liepaja kommen wir durch den Stadtteil Karosta, wir sehen das ehemalige Gefängnis, einen Teil vom alten Kriegshafen und die schöne orthodoxe Kathedrale, die zwischen den Plattenbauten aus Sowjetzeiten heraus schaut. Am Gefängnis machen wir einen kurzen Stopp, schenken uns allerdings die Besichtigung, man kann hier sogar übernachten, falls man mal das Bedürfnis nach Gefängnis-Feeling haben sollte. Wir fahren lieber in die Altstadt und beziehen ein kleines Apartment in einem schönen alten Holzhaus.
Liepajas Altstadt besteht aus vielen Jugendstilvillen und traditionellen Holzhäuser, dazwischen Kirchen, ein belebter Wochenmarkt und eine große Markthalle. Natürlich gibt es auch einen Strand, ein breiter Sandstrand lädt zum Spaziergang ein und bei dem herrlichen Wetter machen das nicht nur wir. Die Runde durch die Stadt und vorbei am Strand ist super ausgeschildert, wir haben eine kleine Karte mit Erläuterungen und statt Schilder sind auf dem Gehweg Noten zu finden, tolle Idee.
Das Wetter bleibt schön, kaum zu glauben, strahlend blauer Himmel. Wir radeln so vor uns hin und dann sitzt da tatsächlich ein Reiseradler an einer Bushaltestelle. Martin ist aus Frankfurt, seit April unterwegs und er will noch weiter durch das Baltikum bevor es wieder nach Hause geht. Wir unterhalten uns nett, er erzählt von anderen Touren z.B. in die Türkei, schön sich mal wieder auszutauschen und dann noch in deutsch. Bis Sventoji ist es nicht mehr weit, wir hatten uns vorher schon um eine Unterkunft gekümmert, schade eigentlich, denn bei dem tollen Wetter hätten wir auch weiter radeln können. Sventoji ist schon in Litauen, von der Grenze ist nichts zu sehen, ein kleiner Grenzpfosten und ein Schild ist das einzig sichtbare Zeichen, dass man das Land wechselt. Nichts mehr mit manchmal nervigen Grenzkontrollen, wir sind halt in Europa!

 

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