Bericht China 1 Grenze Mohan - Dali
Vom 20.März 2015 – 10.April 2015; 21 Tage
Gesamt China: 941km; Gesamt 2014/2015: 13.401 km


Vom 20.März 2015 – 29.März 2014 Tag 60 (325) - Tag 69 (335)
Etappe Luang Namtha - Jingzu 529 km; Gesamtkilometer: 1953

Autor: Andrea Büchsenschütz
Nach nur kurzer Zeit in Laos fahren wir von Luang Namtha nach Boten, der Grenzstadt vor China. Der alte Stadtteil von Boten liegt etwa 5 km vor der eigentlichen Grenze und besteht aus einigen ärmlichen Bauernhöfen, Garküchen und ein paar Unterkünften, zahlreiche LKW warten auf ihre Abfertigung. Wir fahren weiter und gelangen in den neuen Teil von Boten, direkt an der Grenze. Große moderne Hochhäuser prägen den Ort, aber alles liegt mehr oder weniger verlassen dar, denn dass ehemalige Spielerparadies für Chinesen existiert nicht mehr! Glücksspiel ist in China verboten und so wurde direkt an der Grenze das neue Boten mit Spielcasinos und Hotels geschaffen, doch es gab Probleme und so mussten die Casinos geschlossen werden, es wirkt ein bisschen wie eine Geisterstadt. Doch anscheinend ist eine neue Idee geboren, es wird wieder gebaut, die alten Hotels werden wiederbelebt, man setzt wohl jetzt alle Hoffnung auf ein Shopping-Paradies, es entstehen große Einkaufszentren und andere Vergnügungen. Morgens machen wir uns auf zur Grenze, es ist richtig viel los, alle drängeln in die Abfertigungshalle um möglichst schnell die Grenzformalitäten zu erledigen. Die Laoten kommen nicht ganz klar mit den Touristen-Reisepässen, es sind noch 3 andere Radler da, aber irgendwann ist der Ausreisestempel im Pass und wir radeln zur chinesischen Grenzabfertigung. Hier kommt man in eine topmoderne Halle, ein Mitarbeiter empfängt uns, er scannt unsere Pässe für uns ein, die Ein-bzw. Ausreisekarte wird ausgedruckt und wir stellen uns an. Stempel in den Pass und fertig sind wir, ging zügig und absolut unproblematisch! Direkt hinter der Grenze kommt Mohan, eine moderne sehr aufgeräumte Stadt, ein krasser Gegensatz zu Laos. Endlich eine Bank mit ATM, doch unsere Visa-Karte geht hier nicht! Warum weiß keiner so genau, die Visa-Karten der anderen 3 Radler funktionieren auch nicht. Die Bankangestellte erklärt uns den Weg zur Geldwechselstube, denn da müssen wir keine Gebühr zahlen, die Bank müsste für Ausländer etwa 8 Euro Gebühr nehmen. Endlich mit chinesischem Geld versorgt fahren wir weiter nach Mengla, hier soll es noch andere Banken geben und wir hoffen das irgendwo die Visa-Karte geht. Außerdem steht auf unserer Einreisekarte, dass wir uns binnen 24 Stunden nach der Einreise bei der Polizei registrieren müssen. Mengla ist eine große nicht gerade schöne Stadt mit diversen Hochhäusern und es wird immer noch weiter gebaut, aber so sollen wohl alle chinesischen Städte aussehen. Dazwischen stehen alte Häuser, mit kleinen Supermärkten, Garküchen, Hotels und sonstigen Geschäften, alle Schriftzüge in Chinesisch, für uns ist kaum etwas zu lesen. Trotzdem finden wir diverse Banken, nur um immer wieder festzustellen, dass die Visa-Karte nicht funktioniert! Frustriert wollen wir uns wenigstens ordnungsgemäß registrieren, doch die Passanten verstehen entweder kein englisch und können mit unserer Suche nach der Polizei nichts anfangen und die wenigen, die englisch sprechen wissen nicht wo die Polizei ist! Irgendwann kommen wir an der Verkehrspolizei vorbei, auch hier spricht keiner englisch, aber eine Polizistin ruft jemanden an, der gut englisch spricht und unser Anliegen versteht. Ein Verkehrspolizist begleitet uns zur Polizei mit PSB, das PSB ist normalerweise für so etwas auch zuständig, außerdem macht diese Behörde auch Visumverlängerungen. Nach einer gefühlten Ewigkeit verlassen wir das Büro, unsere Pässe sind durch diverse Hände gegangen, es wurde herum telefoniert, doch was wir für eine Registrierung brauchen hat keiner gewusst! Anscheinend kennen die örtlichen Behörden die eigenen Vorschriften nicht, wir haben jetzt genug Zeit vertrödelt und fahren ohne Registrierung weiter! In der nächstbesten Garküche holen wir uns Reis mit Gemüse, kaufen ein und radeln zur Krönung noch über den verbotenen Highway ordentlich bergauf, ein vorbeifahrendes Polizeiauto interessiert das auch nicht! Um nicht über alle Berge zu müssen hat der Highway diverse Tunnel, nicht gerade angenehm durch nicht belüftete Tunnel bergauf zu radeln, aber man kommt auch nicht mehr runter vom Highway, also schnell nochmal tief einatmen und durch den Tunnel. Nach langer Suche finden wir endlich ein Platz zum Zelten, gut das der Tag vorbei ist!
Doch der nächste Tag wird nicht besser, morgens streikt unser Brenner, also kein Kaffee, sondern Muffins mit kaltem Wasser. Wir sind wieder verbotenerweise auf dem Highway, weitere Polizeiautos fahren an uns vorbei ohne uns anzuhalten. Es kommen noch einige Tunnel, die meisten zum Glück endlich bergab, denn alle Tunnel sind nicht belüftet, man sieht vor lauter Abgasen kaum etwas und bei 2km Länge ist man froh endlich hustend an die frische Luft zu kommen! Die Krönung ist schließlich ein komplett unbeleuchteter Tunnel, am Anfang eine Warnleuchte und dann verschluckt einen der dunkle Schlund. Im Dunkeln bergab, die stinkenden LKW kommen uns entgegen und als die Warnlampe das Ende das Tunnels signalisiert bin ich total erleichtert. An einer Kreuzung können wir endlich den Highway verlassen und der alten G 213 folgen. Doch zuerst an der Garküche mit Nudeln in einer Art Suppe stärken! Mit Stäbchen essen kann weder ich noch Michael besonders gut und bei langen Nudeln ist das auch eine echte Herausforderung, also kramen wir unser Besteckt raus. Erst würzen wir unser Essen mit nur einem Hauch von Chili und dann noch Löffel und Gabel, die Chinesen amüsieren sich sehr über uns komische Touristen, so haben wenigstens alle was zu lachen, denn wir lachen einfach mit. Die alte G 213 führt natürlich über die Berge und in Yunnan gibt es davon reichlich, wir kommen ordentlich ins Schwitzen und sind froh, dass die Temperaturen hier deutlich niedriger sind und wir noch durch dichte Wälder radeln können. Die grüne Landschaft entschädigt für die Anstrengung, ab und zu kommen ärmliche Bauerndörfer, die ersten großen Bananenplantagen kommen in Sicht. Alle Stauden sind in blaue Plastiksäcke gehüllt, die bei der Ernte entfernt und durch andere ersetzt werden. Das verschärft die eh schon große Müllproblematik noch mehr. In den Städten existiert eine Müllabfuhr, es gibt sogar Mülltrennung, doch das meiste landet vor den Orten in der Natur, ganze Hänge sind völlig zugemüllt. Manchmal wird der Müll einfach angezündet, irgendwie müssen ihn die Leute ja wegbekommen. Insbesondere in den Dörfern und kleinen Städten hat der Wohlstand und Fortschritt nicht Einzug gehalten, es sind wohl nur einige wenige die vom neuen reichen China mit den chicen Hochhäusern und modernen Einkaufsmeilen profitieren und in teuren vorzugsweise deutschen Oberklasse-Autos durchs Land fahren. Die Dörfer hingegen sind ärmlich, man sieht die Leute beim Sammeln von Beeren und Feuerholz. In Körben, die mit einem Band über dem Kopf getragen werden, laufen sie mit ihrer Ernte die Straßen entlang. Viele haben Hühner, ein paar Schweine und einen kleinen Nutzgarten, das Abwasser läuft schon mal durch die Gräben an der Straße und wer keine eigene Toilette hat, der geht auf die Öffentliche. Die öffentlichen Toiletten sind gemauerte Hütten, ein Loch im Boden und die Exkremente fallen hinter das Häuschen ins Grüne, fertig!
Die meisten Chinesen sind sehr zurückhaltend uns gegenüber, fahren wir vorbei, dann winken manche schüchtern zurück, bei der Suche nach Essbarem oder beim Einkauf werden wir zunächst vorsichtig beäugt. Aber nach einiger Zeit ist das Eis meist gebrochen, man versucht irgendwie mit uns zu kommunizieren, manchmal hilft mein Zeigewörterbuch. Außerdem hilft immer freundlich lächeln, dann lächelt das Gegenüber zurück und bemüht sich uns zu verstehen. Englisch wird fast nirgends gesprochen, mit Glück trifft man mal den ein oder anderen, der ein paar Brocken versteht. Trotzdem bekommen wir meistens das was wir wollen, in Dudagong gab es z.B. Pommes spezial. Die Frau schneidet an ihrer Garküche aus frischen Kartoffeln Pommes, die kommen in den Wok und werden anschließend in diversen Gewürzen, frischen Kräutern und dunkler Soße geschwenkt. Die vielen Chilivariationen lassen wir besser weg und beschränken uns auf 3 verschiedene Sorten Salz. Dazu gibt es ebenfalls im Wok gegarte Würstchen, super lecker. Die Tochter muss nach der Schule helfen und macht nebenbei Hausaufgaben, dabei lässt sie mich zusehen. Ich kann nur Bilder erkennen, mit den schönen chinesischen Schriftzeichen kann ich nichts anfangen, aber sie freut sich, dass ich mich dafür interessiere. Ich habe noch ein paar Euro-Scheine im Portemonnaie und sie und die anderen wollen unbedingt das Geld ansehen, also geht der 10 Euro-Schein von Hand zu Hand und die Neugierde ist befriedigt.
Die G 213 führt immer schön über fast alle Berge, es geht mal auf 1200m, mal auf 1700m, nur um wieder runter auf 800m zu rollen und die nächste Steigung in Angriff zu nehmen. Die Oberschenkeln brennen, aber wir müssen weiter und immer weiter. Nach Bananenplantagen kommt in den Höhenlagen Tee. Alle Hänge sind voller Tee, das Grün leuchtet und der Nebel zieht an den Hängen empor. Es regnet sogar, wir fahren eine komplette Etappe im Regen, ein Gewitter zwingt uns im Zelt zu bleiben und wir kommen erst mittags weiter. Der Zeltplatz war toll, mitten in der Teeplantage mit Blick über die teebewachsenen Berge in denen die Chinesen bedächtig die Blätter von Hand pflücken. Um nochmal auf unsere Registrierung zurückzukommen, in Menglu haben wir ein echt schickes Hotel gefunden und das war auch noch erstaunlich preiswert. Die Hotels, die Touristen beherbergen dürfen, machen automatisch eine Registrierung und man bekommt einen Beleg. Die zweite Registrierung gab es im Hotel in Puwen. Unser Geldproblem hat sich auch gelöst, denn die Mitarbeiter in der Bank in Puwen erklärten, das man mit ausländischer Kreditkarte nur Geld an der Bank of China oder der Agricultural Bank erhält und diese Banken nur in großen Städten zu finden. Mittels Internet hat der Angestellte noch recherchiert wo die nächsten Automaten sind und so sind wir in Puer fündig geworden. Mit genug Geld in der Tasche geht es unbesorgt weiter, wir kommen nach Jingzu, finden ein halbwegs akzeptables Hotel und gönnen uns einen Ruhetag, nach 9 Radeltagen und gefühlten hundert Bergetappen ist das auch bitter nötig. Die Hotelsuche gestaltete sich hier echt zäh, denn entweder waren die Unterkünfte unterirdisch oder die Angestellten haben uns nicht verstanden und uns deshalb lieber abgewiesen. Manchmal wird man abgewiesen, weil die Chinesen Angst haben etwas falsch zu machen oder sie dürfen keine Touristen beherbergen, ist zwar nervig aber nicht zu ändern. Irgendwann haben wir die erstbeste Bleibe genommen, die Dame an der Rezeption spricht sogar ein wenig englisch. Im Zimmer gibt es einen Warmwasserbereiter und die Dusche wird auch heiß. Dusche ist vielleicht zuviel gesagt, es kommt ein schmales Rohr aus der Decke mit heißem Wasserstrahl! Dafür wurde heute morgen sogar unser Bad geputzt, die Fenster auch und die Gardinen wurden gewaschen! Nescafé gibt es auch überall auf der Welt und so kochen wir gleich Kaffee und machen einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Auch hier wird gebaut ohne Ende, es entsteht eine neue schicke Stadt, Hochhäuser werden aus dem Boden gestampft, immerhin mit schönen Dächern verziert, damit sie doch noch irgendwie chinesisch wirken.


Vom 30.März 2015 – 06.April 2014 Tag 70 (336) - Tag 78 (344)
Etappe Jinggu – Weishan 347 km; Gesamtkilometer: 2300

Autor: Andrea Büchsenschütz
Wir verlassen Jinggu und es geht bergig weiter, leider auch ohne richtige Straße. Plötzlich endet der Asphalt und wir rumpeln über eine üble Offroad-Piste stetig bergan. Die Berge sind nebelverhangen und wirken gespenstisch, doch mich interessiert die Bergkulisse gerade überhaupt nicht, denn ich bin genervt. Auf der Piste schaffe ich es kaum zu radeln und quäle mich, mein Rad schiebend den Berg hinauf. Es reicht, ich will nicht mehr, kann keine Berge und schäbigen Dörfer mehr sehen und lasse meinen Frust an Michael aus. Er erträgt meine Wut mit erstaunlicher Gelassenheit, immerhin schaffen wir 48km, wobei ich etwa die Hälfte geschoben habe. Die Schauer am Tag zuvor haben einige Wasserlöcher zurück gelassen und der dicke rötliche Schlamm klebt wie Kleister am Rad, auch das noch!
Neuer Tag, meine Laune besser, die Straße hat auch wieder Asphalt und so geht das Berg rauf und runter weiter. Jedes Fleckchen Erde wird für Ackerbau genutzt, manchmal als große Terrassenfelder oder nur als schmaler Streifen entlang der Straße. Man meint immer China ist das Land welches nur aus Reisfeldern besteht, aber dem ist ganz und gar nicht so, es gibt Terrassenfelder mit Getreide, jede Menge Kartoffeln werden angebaut und jede Art von Gemüse, auch Erdbeeren sehen wir. Geerntet wird meist ohne Maschinen und wir können beobachten wie das Getreide von Hand gedrescht wird. Die Ernte wird auf dem Rücken nach Hause getragen und wer es sich leisten kann, der hat ein kleines Motorrad oder gar einen klapprigen unglaublich lauten Kleinlaster. Die Biester schnaufen mit einem Höllenlärm im Schneckentempo die Berge hinauf und reisen uns regelmäßig beim Zelten aus dem Tiefschlaf. Tagsüber rumpeln sie kaum schneller als wir auf dem Rad an uns vorbei und hüllen uns noch in schwarze Dieselwolken. Doch stinkende Kleinlaster sind nichts im Vergleich zu einer anderen chinesischen Sitte, das hemmungslose Spucken! Ich versuche es in Worte zu fassen, man muss es selbst erlebt, gesehen und vor allen Dingen gehört haben. Der Chinese, Mann oder Frau, röchelt, räuspert und hustet, um aus den tiefen des Bronchialsystems das letzte bisschen Schleim irgendwie nach oben zu befördern. Dann wird der angesammelte Schleim direkt an Ort und Stelle ausgespuckt! Ständig ist der Chinese damit beschäftigt zu spucken, auf der Straße, beim Essen auch beim Shoppen in der Boutique, egal wo, es wird gespuckt! Und so zieren unzählige Schleimbrocken die Straße, also immer schön achtgeben, damit man nichts abbekommt!
Angeblich soll das Spucken verpönt sein, denn China wächst und will modern sein. China wächst tatsächlich und das Spucken bleibt sicher auch noch eine Weile erhalten. Man fährt über die Berge und kommt durch verschlafene Dörfer und plötzlich wie aus dem Nichts tauchen Hochhäuser und Kräne auf. Kleine Orte werden zu Städten ausgebaut, überall Werbeplakate vom vermeintlich schönen neuen modernen China, auch Werbeplakate für Massentierhaltung dürfen nicht fehlen. Große mehrspurige Straßen durchziehen die Städte, doch kaum ist die Ortschaft zu Ende, so wird aus der Straße wieder eine kleine alte rumpelige Piste. Und der Verkehr wächst stetig, das merkt man an den vielen teuren vorwiegend deutschen Autos und an den Fahrschulen. Die Fahrschulautos sind weiß und mit vielen roten Schriftzeichen und warnenden Ausrufezeichen unverkennbar. Uns begegnen sie immer wieder, das Auto mit Fahranfängern vollbesetzt, jeder darf ein kurzes Stück fahren, man sieht wie der Fahrlehrer lenkt und der Schüler nur Gas gibt, denn er ist mit hupen beschäftigt. Ja, hupen, denn hupen ist wichtiger als fahren können! Die Chinesen sind die schlechtesten Autofahrer, die wir bisher gesehen haben, aber sie können am besten Hupen! Kurz vor Weishan kommen wir an einer Art Verkehrsübungsplatz vorbei. Der Platz ist klein und mit Fahrschulautos überfüllt, es dröhnt aus einem Lautsprecher, wartende Fahrschüler wohin man sieht und die allgegenwärtigen Aufseher versuchen wohl das schlimmste zu verhindern. Das Einparken üben ist besonders amüsant, der Wagen wird vorwärts in die Lücke manövriert und dann geradeaus zurückgesetzt in die nächste Lücke und so fährt der Schüler fleißig immer ein Stück vorwärts und rückwärts. Uns wundert es überhaupt nicht, dass man so nicht fahren lernen kann, aber hupen klappt ja, muss wohl reichen.
Wir erreichen die Kleinstadt Weishan mit etwa 20000 Einwohnern und können zunächst nichts besonderes erkennen, bis wir in die Altstadt gelangen. Schmale Straßen, sogar autofrei und hübsche kleine traditionelle Holzhäuser prägen das Bild. Sind die großen Holztüren aufgeklappt, dann kommen Geschäfte, Souvenirläden, Mini-Markets und Garküchen zum Vorschein. Auch ein großer Marktplatz mit Gemüse, Obst, Fleisch und allerlei anderen Sachen darf nicht fehlen und so manche Marktfrau ist in traditioneller Tracht gekleidet. In der Region leben die vom Staat anerkannten ethnischen Minderheiten der Yi und der muslimischen Hui. Der markante Gong Chen Lou Turm wird zur Zeit leider renoviert, doch andere Türme, die einst zur Stadtmauer gehörten sind zu sehen. Unsere Unterkunft befindet sich auch in einem alten traditionellen Haus direkt in der Altstadt und so können wir einen Spaziergang durch die malerischen Gassen genießen. Im Nanzhao Königreich im 8. und 9. Jahrhundert war Weishan ein wichtiger Handelsplatz und in der Gegend wurde der Gründer und erste König Xinulou des Nanzhao Königreiches geboren. Er soll am Weibao Berg (Weibaoshan) die Inspiration für die Gründung des Nanzhou Königreiches gehabt haben. Der Berg mit etwa 2500m Höhe ist ein beliebtes Ausflugsziel, denn hier stehen viele teils alte Taoistische Tempel, die während der Kulturrevolution teilweise zerstört wurden, aber wieder aufgebaut bzw. restauriert werden. Die Tempel werden wieder bewirtschaftet und bewohnt, einige Mönche sind ebenfalls zu sehen. Es führt ein Rundweg über den Berg, gutes Training für die Beine, denn der Weg besteht vorwiegend aus Stufen. Und so schnaufen wir auch die Stufen rauf und runter, besichtigen die schönen Tempel und genießen die gute Sicht über die Bergkulisse. Im Wenchang Tempel sind alle Könige des Nanzhou Königreiches zu sehen und die Geschichte des Königreiches ist dargestellt. Eine beschauliche Altstadt und viele Tempel vor einer schönen Bergkulisse, so stellt man sich das Bilderbuch-China vor. Bis Dali, unser nächstes Ziel sind es nur 60 km, doch es steht natürlich ein Bergpass (2426m) im Weg.


Vom 07.April 2015 – 10.April 2014 Tag 79 (345) - Tag 82 (348)
Etappe Weishan - Dali 124 km; Gesamtkilometer: 2425

Autor: Andrea Büchsenschütz
Der Pass mit 2426m liegt hinter uns, das Wetter war auf unserer Seite, erst in Dali überraschte uns ein Regenschauer. Dank der Hilfe einer deutschen Auswanderin haben wir unsere Unterkunft schnell gefunden. Dali blickt auf eine 3000-jährige Stadtgeschichte zurück, sie hat eine wunderschöne Altstadt, ist teilweise von einer Stadtmauer umgeben und es gibt mehrere Stadttore und Türme. Die reichverzierten Türme ermöglichen eine wunderbare Aussicht über die Stadt, den 3 Pagoden (Wahrzeichen von Dali) und auf das Cangshan-Gebirge. In der Region lebt die Volksgruppe der Bai, eine der 56 anerkannten Minderheiten, auch sie haben eine eigene bunte Tracht mit schönem Kopfschmuck. Natürlich wird so ein Ort auch von zahlreichen Touristen besucht, die chinesischen Touristengruppen werden am örtlichen Busbahnhof in Empfang genommen. Dann in 3 bis 4 Elektrowagen gepackt und mit ihrer zugeteilten Stadtführerin in die Altstadt transportiert. Hier klappt die traditionell gekleidete Reiseführerin ihr lila Schirmchen mit der Gruppennummer auf und alle marschieren durch die Stadt. Unzählige lila Schirmchen bahnen sich ihren Weg durch die Menge, es ist voll, aber nicht überfüllt, alles perfekt durchorganisiert! Selbst wir werden zur Attraktion, denn es sind nicht allzu viele Europäer oder Australier hier und so posieren wir fleißig mit den Chinesen für ihre Erinnerungsfotos. Die Häuser und Gassen in der Altstadt sind hübsch anzusehen, doch wird überall das gleiche verkauft, Schmuck, Nippes, Kleidung, Schuhe,Taschen und Trommeln. Ständig kommt ein Geschäft, in dem Musik von einer CD läuft und dazu wird getrommelt, was das Zeug hält! Aber der Chinese kauft alles und macht alles mit, also werden auch reichlich Trommeln verkauft, Bänder in Haare geflochten oder sonstiger Nippes mitgenommen! Die Chinesin kauft besonders gerne Kleidung und Schuhe, wobei die Schuhe schwindelerregende Absätze haben müssen, mindestens 10 cm. So stöckelt die Chinesin über das Altstadtpflaster, meist in ultrakurzen Röcken und in einer farblich sehr gewöhnungsbedürftigen Kombination. Man kann den Look nicht beschreiben, man muss es gesehen haben, selbst in den entlegenen Städtchen sind Stöckelschuhe und Miniröcke scheinbar Pflicht. So wandert Frau auch über unbefestigte Dorfstraßen! Außerdem sind Hüte wichtig, diverse Sonnenhüte in oft grellen Farben mit Tüll und Blumen zieren die Köpfe, selbst die Feldarbeiterin sitzt mit rosa Tüllhut zwischen ihren Kartoffeln, Hauptsache schön sein. Eine weitere Besonderheit ist das Nachtleben. In einer der Gassen befindet sich die Partymeile, Lokale und Diskotheken reihen sich aneinander und wetteifern um Kundschaft. In jedem Lokal tritt ein Künstler oder eine Band auf und es herrscht eine ohrenbetäubende Geräuschkullise, denn jeder versucht den anderen zu übertönen! Keine Ahnung wie man einen solchen Krach aushalten kann, aber dem Chinesen gefällt es scheinbar.
Als kleine Besonderheit gibt es im Ort ein alte katholische Kirche, die 1927 ein französischer Bischof errichten lies. Sie vereint den lokalen Bai Stil mit europäischer Bauweise. Die Diözese Dali umfasst 200000 km² und zählt 80000 Katholiken. Das Christentum wurde hauptsächlich von französisch sprechenden Missionaren aus Belgien, der Schweiz und Frankreich verbreitet. Vor der Kulturrevolution 1949 gab es ca. 100 Kirchen in der Diözese mit über 40 Priestern, daneben ca. 100 Ordensschwestern und den Bischof. Nach der Revolution wurden die Priester und Ordensschwestern zurück in ihre Heimat geschickt, die Besitztümer wurden beschlagnahmt und Christen wurden verfolgt und gezwungen ihren Glauben aufzugeben. Ab 1983 verbesserte sich die Lage, die katholische Kirche wird wieder genutzt, seit 1998 gibt es einen Priester, der die Restaurierungsarbeiten vorantrieb. Heute gibt es sogar ein kleines Priesterseminar, 3 Priester kümmern sich um die 80000 Gläubigen und es finden wieder regelmäßige Gottesdienste statt.
Neben der Altstadt lohnt sich ein Ausflug zum Cangshan-Gebirge, es erstreckt sich von Nord nach Süd über 50 km, hat 19 Gipfel und 18 kleine Flüsse, die tiefe Schluchten bilden. Der Malong Feng mit 4122m ist der höchste Gipfel. Das Gebirge ist heute ein geologischer Park, man findet zahlreiche Informationen zur Entstehungsgeschichte des Gebirges und der unterschiedlichen Gesteinsarten. Mit einer Gondelbahn gelangen wir auf etwa 2600m Höhe, man blickt in die tiefe Schlucht, hoch zum schneebedeckten Gipfel und zum Erhai See. Unweit der Gondelbahn startet der Cloud Path, der Wanderweg führt über 12km in einer Höhe von 2600 bis 2700m am Gebirge entlang. Man hat spektakuläre Ausblicke ins Tal, über den See und in die Schluchten. Zahlreiche Rhododendren-Arten klammern sich an die Hänge, Pinien und andere Bäume wachsen hier, immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Auf halber Strecke kommen wir an der Mittelbahn vorbei, diese Gondelbahn fährt bis zur schneebedeckten Bergspitze mit über 4000m. Hier tummeln sich wieder viele chinesische Touristen, die Damen natürlich in Stöckelschuhen! Wir lassen die Bergbahn hinter uns und folgen weiter dem Wanderweg, am anderen Ende nehmen wir den kleinen Sessellift zurück ins Tal. Bei der Abfahrt kommen wir noch an vielen Gräbern vorbei, an denen die Gaben vom Ahnenfest zu sehen sind. Beim Ahnenfest werden an den Gräbern Räucherstäbchen entzündet, Opfergaben abgelegt und diverse Kleidungsstücke, Schuhe und Geld aus Papier verbrannt, damit es den Ahnen an nichts mangelt.
Zum Abschluss unseres Aufenthaltes haben wir eine kleine Radtour am Erhai See unternommen. Die alte Straße wird kaum für den Autoverkehr genutzt und so führt der Radweg von Cancun über Xizhou nach Tao Yuan. Auch hier wird unermüdlich gebaut, am See entstehen neue Hotels, ich hoffe hier ist nicht schon bald alles zubetoniert! Wir radeln bis Xizhou, die Altstadt soll besonders schön sein, doch hier wird mittlerweile Eintritt verlangt. Wir haben auch so genug Altstädte gesehen und sparen uns das Geld, die Sehenswürdigkeiten sind so schon teuer genug.
Die Reise soll weiter nach Lijiang gehen, doch dieses mal mit dem Bus. Am örtlichen Busbahnhof zeigen wir Fotos von unseren Rädern und die englisch sprechende Frau bucht für uns den Bus am Samstag Nachmittag, dieser hat einen großen Gepäckraum und so sind unsere Fahrräder kein Problem. Das Busticket kostet 83 Yuan (ca. 13 Euro) und das Gepäck samt Fahrrad 62 Yuan (ca. 9,50 Euro) pro Person.

 

 

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