Bericht Türkei Teil 3 von Göreme - Grenze Sarp
Vom 03.Juli.2014 - 26.Juli.2014; 24 Tage
868 km Gesamt Türkei (1940km)


Vom 04.Juli 2014 – 09.Juli 2014 Tag 97 – Tag 102
Etappe Göreme – Zara 350 km; Gesamtkilometer: 4816 km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Patrick, Reiseradler aus Bochum verabschiedete sich schon früher, er will weiter über Malatya in den Süden und zum Van See. Robert, Reiseradler aus Wien, hat noch Besuch von seinem Freund Ibo bekommen und wir haben gemeinsam einen netten Abend verbracht. Robert will wie wir weiter nach Trabzon an die Schwarzmeerküste, auch er versucht dort ein Iranvisum zu erhalten. Wir sind per Email in Kontakt und treffen uns evtl. in Trabzon.
Aus Ingolstadt trudelte noch ein Ehepaar per Wohnmobil ein, sie bereisen gerade die Türkei und kommen vom Schwarzen Meer, von ihnen haben wir noch ein paar hilfreiche Routeninfos und Besichtigungstipps erhalten.
Über Avanos haben wir die Berge Kappadokiens verlassen und fuhren weiter Richtung Kayseri. Die Millionenstadt wollten wir auf keinen Fall durchqueren und so fuhren wir die relativ neue Ortsumgehung. Ein Umweg mit Berg und keine Übernachtungsmöglichkeiten, keine Tankstelle, nichts. Also haben wir unser Zelt abseits der Straße an eine felsige Anhöhe gestellt und ein ruhige Nacht verbracht.
Um 6:15 Uhr saßen wir wieder auf dem Rad und haben an der nächsten Tankstelle Wasser besorgt und kleine Törtchen gefuttert, Brot gab es nirgends zu kaufen, auch nicht an größeren Raststätten. In einem Restaurant haben wir Cay getrunken und Brot geschenkt bekommen. Beim nächsten Restaurant hat Micha erneut versucht welches zu kaufen, manchmal verkaufen sie dort Brote, doch der Mann hat ihm einfach so eine Tüte voll Brotscheiben gepackt und so waren wir erst mal versorgt.
Auf der Passhöhe von 1360 m hatten wir einen schönen Blick auf den Tuzla Gölü, ein kleiner Salzsee. Gegen späten Nachmittag stellte sich Gegenwind ein, der zunehmend heftiger wurde, also haben wir an der nächsten Tankstelle campiert. Das Restaurant existierte schon länger nicht mehr, aber ein kleiner Laden, der öffnete erst wieder, als der Besitzer vom Melken zurück war, der kleine laden ist die einzige Einkaufsmöglichkeit für die Ortschaft. Er zeigte uns alle Waren die er hatte, wir entschieden uns für Fladenbrot und Oliven, denn Käse hatten wir noch.
Im Tankstellenbüro haben wir uns mittels Gesten und online Übersetzer unterhalten, der junge Mann ist zwar in Deutschland geboren, aber schon als Einjähriger zurück in die Türkei gekommen. Auch ohne Türkisch-Kenntnisse sind Gespräche möglich, jeder versucht den anderen zu verstehen, mir gelingt das manchmal besser als Michael, wahrscheinlich kann ich viele Dinge besser erkennen bzw. deuten, weil ich das aus meiner Arbeit mit Kindern und Erwachsenen mit Handicap gewohnt bin. Micha hat im Internet den Fußball Liveticker verfolgt und nebenbei das Wetter bei wetter.com gecheckt, der Wind soll angeblich erst am Nachmittag auffrischen und es soll heiß werden, deshalb wollten wir am nächsten Morgen früh starten.
Auf wetter.com ist auch kein Verlass mehr, morgens war es kalt, sogar Micha hat sein Langarm-Shirt angezogen, der Wind wehte unverändert stark, aber es war bewölkt. Endlich Wolken, juhu, nicht den ganzen Tag von der Sonne gebraten werden!!! Voller Tatendrang auf die Räder und ab auf die D 260, endlich in Yenicuhuk Supermärkte entdeckt und die Provianttasche gefüllt, alles ging nicht hinein und musste auf der Quertasche befestigt werden. Als eine einigermaßen windstille Stelle gefunden war kochten wir Kaffee und füllten unsere leeren Bäuche. Plötzlich, wie aus dem nichts stand ein Feldarbeiter neben uns, er war für die Bewässerung der umliegenden Felder zuständig. Er setzte sich einfach dazu und begann eine Unterhaltung, bot Cay an und Zigaretten, wollte von uns nichts annehmen. Obwohl Ramadan ist sehen wir häufig Leute beim Essen und Trinken, das wird hier sehr unterschiedlich gehandhabt. Wir verabschiedeten uns, noch schnell ein Foto und weiter geht’s. Bei der nächsten kurzen Verschnaufpause sehen wir in der Ferne eine Familie auf dem Feld sitzen. Der Mann schwingt sich mal eben auf sein Pferd und kommt angeritten, er will uns zu sich einladen, wir lehnen dankend ab, wenn wir jede ausgesprochene Einladung annehmen, dann sind wir in 3 Monaten noch in der Türkei. In Sarkisla haben wir uns ein Hotel gegönnt, hier wird Ramadan ernst genommen, der erste Ort in dem alle Restaurants geschlossen sind! Die Supermärkte sind voll, alle wollen sich versorgen, damit nach Sonnenuntergang ordentlich gegessen werden kann, an einer Bäckerei musste man sogar Schlange stehen. Als die Sonne untergegangen war und die Leute endlich Essen durften, war die Stadt wie leergefegt, eine gespenstische Ruhe auf der Straße. Am nächsten Morgen war auch noch keiner zu sehen, kein Geschäft war geöffnet und so verliesen wir eine stille schlafende Stadt. Auf dem Weg mussten zwei Pässe überwunden werden, einer heißt Bestepeler und ist 1350m hoch. Von hier hat man einen schönen Blick auf den Yilanidag mit 2599m und den Gürlevik mit 2688m. Zur Entspannung suchten wir uns ein nettes Plätzchen in einem kleinen Waldstück, ein LKW-Fahrer parkte weiter vor uns auf dem Randstreifen. Er sauste im Rückwärtsgang zurück, klemmte seine Wolldecke unter den Arm und gesellte sich zu uns. Alleine die Pause verbringen klappt nicht mehr, aber die Gesellschaft und das Interesse der Leute hier ist auch ein Erlebnis. Er spricht natürlich nur türkisch, wie gesagt eine Unterhaltung geht immer irgendwie. Er fährt die Strecke Konya- Erzurum und transportiert Tierfutter. Die Familie sieht er nicht so oft, ein Leben auf der Straße, wie so viele andere LKW-Fahrer auch. An der Kreuzung von der D 260 und der D 860 hatten wir 3 Tankstellen zur Übernachtungsauswahl. Diesmal hat die Shell-Tankstelle gewonnen. Hier standen viele LKW, die mit allem Möglichen beladen waren, meist landwirtschaftliche Erzeugnisse oder Schrott, Ladungssicherung ist hier ein Fremdwort, Hauptsache es ist alles irgendwie drauf! Wo viele LKW-Fahrer essen, da muss es gut sein und so speisten wir im Restaurant, reichhaltiges Essen zu moderaten Preisen. Hier lebte auch eine kleine Hundefamilie, anatolische Hirtenhunde, Sivas Kangal. Die kleinen Welpen hatten viel Spaß, weckten uns morgens, den ihnen war langweilig und sie wollten spielen. Allen Hunden geht es hier nicht so gut, die Hundehaltung und die Zucht ist nicht gerade tierfreundlich. Oft sieht man angekettete Tiere, manchmal ist die Leine nur einen halben Meter lang und lässt kaum Bewegungen zu. Zuchtbetriebe haben wir auch gesehen, die Hunde sind an Mini-Hütten angekettet, können sich kaum bewegen, haben keinen Schatten und ab und zu kommt jemand zum Füttern vorbei! Solche Tiere bekommt man zum Kauf angeboten, kein Wunder wenn diese Tier aggressiv und verstört sind.
Am Stadtrand von Sivas haben wir die Vorräte wieder aufgefüllt und einen Teil an Ort und Stelle verzerrt, natürlich in Gesellschaft zweier Türken. Gestärkt den nächsten Pass rauf, jetzt 1420m und dafür zügig runter, bei einer Pause am Bach schenkte uns ein LKW-Fahrer aus seinem Lieferwagen Weintrauben und so erübrigte sich die Frage was wir essen. Die Straße geht hügelig weiter, immer zwischen 1300 und 1400m und als ein Rastplatz kam wollten wir kochen. Ein Mann pausierte hier ebenfalls und so verbrachten wir die Pause gemeinsam. Er holte seinen Riesengaskocher raus, so geht kochen etwas schneller, er spendete Melone, Kekse und Cay. Auch er schläft irgendwo unterwegs im Auto, kommt aus Ankara und will zu seiner Familie in Erzurum. Jedenfalls wusste er, dass es in Hafik Tankstellen gibt und es soll nur noch bergab gehen. Nun denn, das mit dem Bergab ist Ansichtssache, für einen Autofahrer geht es tendenziell bergab, aber ein Radler merkt jede Steigung und zu allem Unglück nahm der Wind wieder stetig zu. Das Zelt an der Tankstelle bauten wir im Sturm auf, klappte auch und nachts flaute es endlich ab. Morgens wieder Sonne und Windstille. Es sind nur noch 35km bis Zara, aber laut Karte soll noch ein Pass mit 1690m kommen. Es kam kein Pass, auch gut, dafür Blick auf einen kleinen See. Dank der wenigen Flüsse und der kleinen Seen ist es relativ grün und es wird viel Ackerbau betrieben. Auch wird zunehmend aufgeforstet, an den Straßenrändern werden Bäume gepflanzt, die noch zu klein sind, um als Windschutz zu dienen, deshalb stehen überall Schutzwände. Großflächige Aufforstungsprogramme sieht man auch oft, man muss der Erosion durch Wind irgendwie Einhalt gebieten, sonst wächst hier in Zukunft nichts mehr.
In Zara angekommen beziehen wir ein Hotel, schließlich kommt abends WM-Halbfinale, es gibt sogar Efes zu kaufen. Alkohol gibt es nicht in jedem Ort und wenn, dann nur in speziellen Läden. Dort bekommt man immer eine schwarze undurchsichtige Tüte, man kommt sich so vor, als ob man irgendwas illegales tut und jeder, der schwarze Tüten dabei hat, hat Alkohol gekauft, schon lustig.
Wir bummeln durch die Stadt, auf dem Wochenmarkt herrscht großer Betrieb, es gibt Obst, Gemüse, Kleidung, Haushaltswaren, doch das Tollste sind eingefärbte Küken. Es gibt sie in pink, lila, giftgrün usw., keine Ahnung, ob die sich besser verkaufen!
Natürlich merkt jeder sofort das wir Touristen sind, hat sich schnell herumgesprochen, als wir mit unseren Rädern in die Kleinstadt fuhren, Zara hat 12800 Einwohner. Viele Türken sind aus Deutschland zu Besuch, aus Paderborn und aus Bergisch Gladbach bei Köln und alle fragen ob wir Hilfe benötigen oder sonst etwas brauchen. Unseren Ruhetag haben wir genossen und gut erholt geht es morgen nach Susehri, die hohen Berge kommen näher, wir müssen so langsam aber sicher auf etwa 2000m.


Vom 10.Juli 2014 – 14.Juli 2014 Tag 103 – Tag 107
Etappe Zara-Siran 175 km; Gesamtkilometer: 4990 km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Kurz nach Zara ist die Straße eine Schotterpiste, Baustelle, zum Glück nur wenige Kilometer. Es geht stetig bergauf, wir müssen auf 2010m, manche Passagen lassen sich gut fahren, andere sind wieder furchtbar steil, selbst die LKW schnaufen im Schneckentempo hinauf. Hier wird neben Ackerbau auch viel Honig produziert. Auf vielen bunt blühenden Wiesen stehen Bienenkästen und Imker sind eifrig bei der Arbeit, man kann den Honig direkt am Straßenrand kaufen. Trotz großer Hitze ist es hier erstaunlich grün, ein kleiner Fluss spendet genügend Wasser und mittels Bewässerungsleitungen gelangt das Wasser auf die Felder. Viele Schlangen haben wir schon überfahren auf der Straße gesehen, die Einheimischen warnen auch regelmäßig vor Schlangen, folglich sind wir beim Zelten immer wachsam. Nun endlich sehen wir auch mal ein großes lebendiges Exemplar gemächlich über den heißen Grobasphalt kriechen. Micha zückt noch schnell die Kamera und bevor sie in einer Felsspalte verschwindet hat er sie abgelichtet. Schön langsam arbeiten wir uns weiter den Berg hinauf, als ein Mini-Bus neben Micha anhält, er hat wohl Mitleid und will uns tatsächlich mitnehmen, doch noch schaffen wir es ohne fremde Hilfe! Endlich oben verschnaufen wir, aus einem Bauwagen ruft uns ein Mann herbei. Der Bauwagen gehört den LKW-Fahrern und wir werden zum Cay trinken eingeladen. Der Bauwagen ist für die LKW-Fahrer Teestube, Restaurant und Schlafplatz, denn auch zwei Betten stehen in der enge Hütte. Wir sitzen entspannt zwischen 5 LKW-Fahrern, trotz Sprachbarriere verstehen sie uns, betrachten die Landkarte und zeigen uns noch eine Route, die nicht eingezeichnet ist, aber sehr schön sein soll. Zunächst aber 25 km bergab, leider nicht so entspannend wie gedacht, denn die Straße war durch die Hitze aufgeweicht, der schmierige Asphalt ist teilweise mit einem Kies-Sand-Gemisch abgestreut und somit gefährlich rutschig. Endlich unten mussten wir erneut hoch nach Susehri, im Ort war es richtig steil, selbst Micha war am stöhnen. Wir wollten aber unbedingt nochmal ins Hotel, Dusche genießen, denn die nächsten Tage wird keine Duschgelegenheit mehr kommen.
Der Tag beginnt warm, wir fahren auf einer großen Straße, weit und breit kein Schatten und die Hitze nimmt stetig zu. Selbst der Wind bläst warm und bringt keinerlei Abkühlung, man merkt, dass wir nur noch auf etwa 900 m sind und dazu in einem Tal. Mittags legen wir uns an einer Tankstelle 3 Stunden unter einen kleinen Baum, nichts geht mehr. Gegen 15 Uhr brechen wir auf und biegen ab auf eine kleine Bergstraße, ein LKW-Fahrer rät uns ab, die Straße soll zu steil sein. Wir fahren trotzdem weiter, der Asphalt ist okay, teilweise hat auch hier die Hitze für große Blasen gesorgt. Erinnert mich an einen Sandkuchen, der oben aufgeplatzt ist. Wir finden eine schöne kleine Lichtung zum Zelten, haben uns gerade niedergelassen, als wir Leute hören, dann das Muhen von Kühen. Wir sind mucksmäuschenstill und warten ab, Micha schleicht herum und versucht irgendetwas zu erkennen. Ich sehe plötzlich die Kühe und den dazugehörigen Kuhhirten und glaube er hat uns auch entdeckt. Hoffentlich müssen wir jetzt nicht weiter, es ist spät und wir sind ziemlich geschafft, außerdem findet sich so schnell kein neues Plätzchen. Der Hirte treibt seine Kühe in unsere Nähe, er will wohl genauer sehen was wir da machen, dann zieht er sich wieder zurück. Micha ergreift die Initiative, geht zu ihm und versucht ihm zu erklären, dass wir hier eine Nacht schlafen wollen. Ob der Hirte alles verstanden hat bleibt unklar, auf jeden Fall verbringen wir eine ungestörte ruhige Vollmondnacht.
Der Wecker geht um 5 Uhr, früh aufstehen, das Radlerleben ist schließlich keine Kaffeefahrt :-) Es ist noch angenehm kühl, man kann sogar in der Sonne sitzen und frühstücken, später werden wir wieder verzweifelt nach schattigen Plätzen Ausschau halten. Noch 250 Höhenmeter sind zu bewältigen, die haben es aber auch in sich, es ist richtig steil und offroad, ich gehe mal wieder zu Fuß. Doch wir kommen oben an, sitzen an einer Kreuzung am Brunnenhäuschen und waschen uns kalt ab, herrlich. Jetzt 500 Höhenmeter bergab, teilweise steile Serpentinen und ein überwältigender Blick ins Tal. Das Tal gleicht einer Schlucht, ein grüne Band zieht sich hindurch und wir erkennen den Fluss mit Vorstaubecken. Unten im Tal werden wir gleich von zwei Männer überschwänglich mit „Hos Geldiniz“ begrüßt (=Herzlich Willkommen). Sie müssen uns noch den weiteren Weg beschreiben, der eigentlich klar ist, denn es gibt nur diese eine Straße. Wir folgen weiter dem Flusslauf, passieren kleine Ortschaften, natürlich alle Läden geschlossen, Ramadan. In Kocak sitzen Männer vor einer Moschee, einer spricht deutsch, er hat bei Mannesmann in Mülheim an der Ruhr geschafft. Wir halten ein Schwätzchen und bekommen frisches kaltes Wasser, super. Wir kommen an der Talsperre vorbei, herrlich grün leuchtendes Wasser, das bei der Hitze zum Baden einlädt, doch überall stehen Warnschilder, mal ganz abgesehen davon, dass das Ufer zu steil ist um ans Wasser zu gelangen. Asphalt-Reste wechseln mit Offroad-Passagen, es geht unten am Fluss vorbei, doch die Dörfer liegen natürlich am Hang, also müssen wir auch ständig kleinere Anstiege bewältigen. Im Dorf Findikli sitzen wir am Brunnenhäuschen, das leider kein Wasser mehr spendet. Frauen von Gegenüber kommen mit einem kleinen Jungen, wir wecken mal wieder Neugier. Die älteste Frau befühlt meine Wasserflaschen und ist wohl mit der Temperatur nicht zufrieden, wir bekommen erneut frisches kühles Wasser gebracht. Sie setzen sich zu uns, so etwas wie eine Unterhaltung entsteht und sie wollen unbedingt, dass wir ein Foto von ihnen machen. Später kommt noch der ältere Sohn, wie könnt es anders sein, er spricht deutsch, denn er arbeitet in Kulmbach. Das angebotene Essen lehnen wir dankend ab, es ist einfach zu heiß, wir haben überhaupt keinen Hunger. In Camoluk wieder eine asphaltierte Straße, wir steuern den nächsten Supermarkt an und versorgen uns mit dem Nötigsten, denn sobald wird keine Einkaufsmöglichkeit mehr kommen. Im Ort gibt es schattige Pavillons, wir pausieren und kochen Nudeln. Raus aus dem Ort weiter Richtung Siran, nicht ohne einen weiteren Stopp, ein Trecker hält uns an. Der Sohn ist zu Besuch, er ist das erste Mal in seinem Dorf, lebt sonst in Bremen und freut sich Deutsche zu treffen. Wir bekommen noch ein nützliche Tipps zur Route bevor es weiter geht, ein Schlafplatz ist schnell gefunden, eine kleine Anhöhe mit Wiese und Bäumen lädt zum Zelten ein. Wir genießen die Abendstimmung und kochen Tee, der Vollmond strahlt über unseren Platz und bald legen wir uns hin und schlummern ein.
Der Weg geht weiter durch ein grünes Tal, unter uns liegt der Fluss Kelkit, der teilweise durch eine enge Schlucht fließt. Um in das andere Flusstal nach Siran zum kommen müssen wir einen der vielen Berge überwinden. Die Straße ist gut, nur die 4km mit 10% Steigung sind kein Vergnügen. Micha schnauft jeden noch so steilen Berg rauf und klingt dabei wie eine alte Dampflok. Manchmal muss ich passen, schiebe mal mein Rad, auch kein Spaß bei dem Gewicht oder Micha kommt zurück gelaufen und fährt es mir über die steilsten Stücke. Natürlich fahre ich auch, als langsamste Geschwindigkeit zeigt mein Tacho 3,4km/h; zum Vergleich, ein Fußgänger geht etwa mit 5km/h. Micha lobt mich ständig, er findet es erstaunlich wie ich mich die Berge hocharbeite und einfach nicht aufgebe. Nach jedem Berggipfel kommt auch eine schöne Abfahrt, doch unten im Tal empfängt uns die Hitze wieder, an der Straße kein Schatten und wir erreichen zum Glück eine Tankstelle in Siran. Michas Navi hat gemeldet, dass der Ort wider erwarten ein Hotel haben soll, die Tankstellenbetreiber bestätigen das und so fahren wir in das Ortszentrum. Begleitet von einem kleinen Jungen mit Fahrrad finden wir auch das Hotel, während Micha die Preisverhandlungen führt warte ich draußen. Der Junge ist schwerhörig, doch wir unterhalten uns mittels Gesten, als er alles Wesentliche erfahren hat und noch unser Fahrrad anfassen durfte fuhr er winkend nach Hause.
Das Hotel ist keine Luxusherberge, dafür billig und es hat einen Fernseher, schließlich müssen wir das WM- Finale schauen. Nach einem Fernseher wäre eine Dusche wichtig, doch leider kommt kein heißes Wasser. Der Installateur kommt morgen, also improvisieren wir und kochen Wasser auf unserem Gaskocher auf dem Balkon.
Der Ortskern ist ziemlich schäbig, typisch eben, am Ortsrand entstehen unzählige Neubauten, in der Türkei sind Hochhäuser sehr beliebt und so schmücken fast jeden Ort Hochhausbauten. Keiner hat wirklich was zu tun im Ramadan und so sitzen die Männer ohne Cay und ohne Zigarette vor den Teestuben, langweilig. Alle Restaurants sind geschlossen, gegen Abend beginnt geschäftiges Treiben und als der Muezzin um 20:01 Uhr vom Minarett ruft ist die Stadt still, denn endlich darf gegessen werden. Danach füllen sich auch die Teestuben wieder und es wird Cay getrunken und geraucht, als ob es kein Morgen gebe. Wir vertrödeln einen Tag, sitzen auf dem Balkon und gucken Leute, der nächste Berg wartet schon mit einer Passstraße über 2000m.


Vom 15.Juli 2014 – 18.Juli 2014 Tag 109 – Tag 112
Etappe Siran-Macka 125 km; Gesamtkilometer: 5116 km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Zum Fußball-WM-Finale wollte Micha ein lecker Bierchen trinken und so marschierte er los auf der Suche nach einem entsprechenden Laden. Mir zeigt er das Geschäft am nächsten Morgen, es handelte sich um den seltsamen Supermarkt direkt unter unserer Unterkunft. Die Schaufenster des Ladens waren mit lauter alten Waren zugestellt, die gammelig aussehenden Weichspüler, Gläser, Mehltüten und anderes Zeug dienten einzig als Sichtschutz! Michael musste durch einen vergitterten dunklen Flur, im Laden stand alles voller leerer Kästen und nicht genauer erkennbarem Kram. In der hintersten Ecke saß der Verkäufer an einem alten Schreibtisch, die „heiße Ware“ wurde mit Zeitungen umwickelt, niemand soll schließlich erkennen, dass es sich um Bier handelt!
Noch 2 Bergpässe trennen uns vom Schwarzen Meer, den ersten Berg bis Torul wollen wir heute in Angriff nehmen. Es geht stetig bergan, die Sonne brennt wie jeden Tag und wir knacken noch so ganz nebenbei die 5000 km Marke. Micha ritzt die 5000 in den weichen Asphalt, schnell ein Foto und weiter geht es. Viele Bauern sind auf ihren Feldern mit der Ernte beschäftigt oder tuckern mit ihren Traktoren winkend an uns vorüber. Die Felder werden mit unzähligen Kanälen bewässert, die das Wasser aus kleinen Flüssen beziehen. Je weiter wir nach oben kommen, desto karger wird die Landschaft, es kommt noch das ein oder andere Mini-Dorf und plötzlich Lärm. Eine Baustelle, toll, kein Asphalt mehr, aber kurze Zeit später ist auch die Baustelle zu Ende. Micha wartet mal wieder auf mich und bis ich endlich ankomme, ist er bereits von mehreren Leuten, Bauern und LKW-Fahrern, belagert. Jeder muss in seine Karte blicken, es herrscht dichtes Gedränge, ein Mann schmiert mit seinen öligen Fingern auf Michas Karte herum, gut das sie unter einer Hülle steckt! Sie erklären etwas mit 4 oder 6 km und irgendetwas, was mit dem Straßenbelag zu tun hat. Das mit dem Straßenbelag wird kurze Zeit später klar, ein Schild mit 40 km Baustelle kommt in Sicht und der Asphalt ist weg! Die Straße ist auch nicht mehr direkt als solche zu erkennen, jetzt wissen wir auch, warum uns nur ganz vereinzelt Fahrzeuge entgegen kamen. Alles Murren hilft nicht, denn umkehren macht auch keinen Sinn, wir hatten bereits 25 km zurück gelegt. Mittags eine längere Pause, wir liegen auf dem steinigen Untergrund unter dem noch einzigen an der Straße befindlichen Baum. Gegen 16:00 Uhr sind wir endlich oben, auf dem Tersun Dagi Gecidi in 2000 m Höhe. Die Straße bleibt wie sie ist, es geht offroad den Berg hinab, teils eher ein enger Waldweg als eine Straße, immer mal wieder ein Baustellenschild mit unterschiedlichen Kilometerangaben, man kann daraus keine Rückschlüsse auf das Ende der Baustelle ziehen! Als die ersten Dörfer in Sicht kommen haben wir auch eine asphaltierte Straße! Die kleinen Dörfer wirken sehr ärmlich, je weiter man ins Tal kommt, desto gepflegter und wohlhabender erscheinen die Orte. Wir fahren durch eine grandiose schluchtartige Berglandschaft immer weiter ins Tal, nur leider bremst der immense Gegenwind. In Torul wollen wir nur noch duschen, essen und schlafen und so checken wir im Hotel ein. Die Unterkunft hätten wir uns besser vor Bezug angesehen, denn das Gebäude ist mehr eine Baustelle als ein Hotel und der Preis war eindeutig überhöht! Wir haben uns nur kurz geärgert, der Hunger trieb uns ins nächste Lokal, der Muezzin hatte bereits gerufen und so stand der Nahrungsaufnahme nichts mehr im Weg!
Frühstück haben wir uns selbst gemacht, denn die unverschämte Hotelbesitzerin wollte dafür noch extra Geld absahnen! 7:30 Uhr auf dem Rad, zunächst auf der neu ausgebauten Straße noch 5 km bergab, bevor es rauf geht. Es ist schon wieder heiß, alle Bäume sind an der neuen Straße fein säuberlich entfernt wurden und so schwitzen wir jetzt schon. Der Anstieg zog sich über gnadenlose 15 km, die Steigungen hatten es in sich und vom Gipfel nichts zu sehen. Endlich ein Baum zum Pausieren, da kommt doch tatsächlich ein Reiseradler vorbei, noch so ein Verrückter in den Bergen unterwegs. Er ist aus der Schweiz, somit hohe Berge gewöhnt, aber auch er war am Stöhnen. Sein Weg führte von Malatya im Süden hierher und dann weiter nach Trabzon. Wir ließen ihn fahren, er tritt eindeutig schneller in die Pedale! Wir treten auch wieder rein, die LKW tuckern langsam an uns vorbei, noch eine Mittagspause in einer Kurve unter dem einzigen Baum und um 15:00 Uhr stehen wir in 1800 m vorm Tunnel. Je eine Fahrspur in jede Richtung, wenig Licht, aber glücklicherweise ist das Tunnelende in 1702m Entfernung zu sehen. Auf der anderen Seite sind wir endgültig oben, 1818m und nach 900 Höhenmeter Anstieg haben wir eine kalte Cola mehr als verdient! Das Beste an Bergfahrten ist das nach unten Sausen, 30 km Abfahrt bis Macka!!! Das Tal hat sich mit jedem Kilometer verändert, mal bewaldet, kleine Bergdörfer, tiefe felsige Schluchten und immer der Macka Fluss. In Macka sind wir nur noch auf 385 Meter, das Wetter hat sich schlagartig hinter dem Berg verändert, eben noch sonnig und heiß, ist es hier bewölkt, windig und wesentlich kühler. Die Wolken bilden sich über dem nahen Schwarzen Meer und bleiben an den steilen Bergen hängen. Wir sind überaus dankbar für die Wolken und genießen die kühle Brise. Es folgen 3 Luxusübernachtungen im 4 Sterne Hotel, wir bezahlen allerdings nicht mal die Hälfte des regulären Preises, ein Schnäppchen, die nahegelegene Pension sollte fast das Gleiche kosten und die Campingplätze liegen mehrere Kilometer außerhalb vom Ort. Schöner Wohnen tut manchmal auch ganz gut!!!
In einem weiteren Seitental liegt in 16 km Entfernung das Sumela Kloster, dies zu besichtigen hatte uns das Ingolstädter Pärchen in Göreme ans Herz gelegt. Sie sollten Recht behalten, schon die Fahrt durch das enge Tal ist ein Erlebnis! Es passt gerade so die schmale Straße und der Fluss in die Schlucht, die Berghänge wirken riesig und immer wieder rauscht der Fluss in kleinen und großen Wasserfällen vorbei. Noch spektakulärer ist die Fahrt mit einem verrückten türkischen Dolmusfahrer, dem Geschwindigkeitsbegrenzungen und möglicher Gegenverkehr auf der schmalen Straße schnuppe sind! Ich war froh, dass die Straße zunehmend steiler wurde und er nur noch im ersten Gang voran kam. Oben stiegen wir schweißgebadet aus dem Bus und nahmen die restlichen Meter zum Kloster zu Fuß in Angriff.
Die Klosteranlage schmiegt sich an die steile Bergwand und man hat das Gefühl alles rutscht gleich ins Tal. Das Sumela Kloster ist ein ehemals griechisch-orthodoxes Kloster, es liegt im Altindere Nationalpark im Zigana Gebirge in 1071m Höhe. Einer Legende zufolge wurde eine Ikone, die der Evangelist Lukas selbst gemalt haben soll, nach dessen Tod von Engeln in eine Höhle getragen. Zwei Eremiten sind von diesen Engeln auf Wanderschaft geschickt wurden und sie fanden die Ikone in einer Höhle, vermutlich im Jahr 385, es wurde eine erste Kapelle errichtet. Ab dem Jahr 500 begann der Bau eines Klosters, es wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Der wichtigste Teil ist die Felsenkirche mit ihren Fresken, u.a. mit Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament. Seit 1998 wird die Klosteranlage restauriert. Eine beeindruckende Anlage in einer einzigartigen Landschaft lohnt auf jeden Fall einen Besuch. Danach nahmen wir den Weg durch den Wald zurück, der eigentliche Busparkplatz liegt ca. 1,2 km tiefer, man kann auch der Straße folgen, muss dann aber 3km gehen. Ich fürchtete schon die Rückfahrt, denn da bremst unseren verrückten Busfahrer kein Anstieg mehr aus. Meine Befürchtungen sollten sich mehr als Bewahrheiten, zu allem Überfluss musste der Fahrer auch noch die Verspätung rein holen, die uns zwei türkische Mitreisende bescherten. Das Schild forderte eine Höchstgeschwindigkeit von 30km/h, wir rasten mit gefühlten 130km/h ins Tal, dabei diskutierte der Fahrer noch wild gestikulierend mit dem Beifahrer und griff permanent zum Handy. Ich habe mir gewünscht, dass er besser das Lenkrad festhält, Micha hatte Spaß, er fühlte sich wie in der Coloradobahn im Phantasialand! Endlich, meine Bitten wurden erhört, ein langsam fahrender Transporter und dahinter ein Opel bremsten unseren Bus aus. Unser Fahrer übte sich in unterschiedlichen Gesten, schimpfte, setzte immer wieder zum Überholen an, griff zum Handy, bremst wieder abrupt ab. Leider fand er doch noch eine Stelle zum Überholen und unsere rasante Talfahrt setzte sich fort, in Macka hat er vergessen anzuhalten, hätte ich nicht gerufen wären wir bestimmt noch bis Trabzon gerast! Leicht schwindelig verließ ich dankend den Bus, Micha würde gerne nochmal mit dem Fahrer „Achterbahn“ im Minibus fahren, dann aber ohne mich!
Macka ist nichts besonderes, Kleinstadt mit 5400 Einwohnern, ziemlich konservativ, ein paar kleine Läden und eine Minifußgängerzone. Wir sitzen am Fluss, faulenzen und frieren ein wenig bei 27 Grad und Wind! Das Hotel in Trabzon ist schon gebucht, dort bleiben wir bis Donnerstag und bekommen hoffentlich ein Visum für den Iran!


Vom 19.Juli 2014 – 23.Juli 2014 Tag 113 – Tag 117
Etappe Macka-Trabzon 30 km; Gesamtkilometer: 5146 km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Nur noch gut 30 km bergab bis Trabzon, das vor gebuchte Hotel liegt zentral und fußläufig zur Iranischen Botschaft. Es ist Wochenende, die Botschaft ist logischerweise geschlossen, also genießen wir die freie Zeit und vertrödeln den Tag in der Stadt. Viele Menschen sind unterwegs, das Gedränge in der Fußgängerzone erinnert ein wenig an den Trubel in Kölns Schildergasse. Nur die Restaurants und Teestuben sind verweist, es gibt ein paar Plätze für Touristen und einige Restaurants hängen ihre Fenster ab, dort kann man heimlich essen.
Montag, wir haben extra unsere beste Kleidung aus den Taschen gekramt, stapfen wir den Berg hinauf zur Iranischen Botschaft und sind noch überzeugt, dass alles ganz zügig geht. Im Internet ließt man schließlich ständig, an der Botschaft klingeln, reingehen, Formular ausfüllen, Geld an einer bestimmten Bank einzahlen, Visum abholen und fertig. Doch so schnell und reibungslos geht es dann doch nicht! Mit uns stapfen noch 4 Schweizer Radler den Berg hoch, vor der Botschaft stehen bereits 3 Rucksacktouristen aus Polen, noch ein Schweizer Radler, ein Bolivianer und es kamen stetig mehr Leute! Robert, den wir bereits in Göreme kennengelernt haben, trafen wir auch wieder. Irgendwann standen 20 Personen vor der Botschaft, als sich endlich die Türen öffneten. Nur kamen nicht alle rein, es hieß, heute gibt es nur 5 Visa!!! Es war auch völlig gleichgültig, wer zuerst da war, die Schweizer hatten das große Los gezogen und durften rein und danach noch zusätzlich ein Mann. Der Rest hatte Pech gehabt, wir waren ziemlich frustriert und warteten noch eine Weile vor der Botschaft, es kamen noch immer neue Leute hinzu, die Tür ging auf, wir wurden aufgefordert zu gehen. Der Bolivianer fing an zu diskutieren, er überspannte den Bogen eindeutig, der Botschaftsmitarbeiter war mittlerweile total genervt und verlangte jetzt von ihm eine Registrierungsnummer. Die muss beantragt werden, kostet zusätzlich um die 30 Euro und ist mit erheblicher Wartezeit verbunden, jedenfalls zog der Bolivianer ab. Als dann noch ein Pole verlangte mit jemanden zu sprechen, der besser englisch versteht, war es ganz aus, der Botschaftsmitarbeiter schloss die Pforte, nichts mehr mit Visa. Glücklicherweise hatte er vorher einen Blick in Micha´s Reisepass geworfen und von „tomorrow“ gesprochen. Wir zogen frustriert mit Robert in das nächste Gartenlokal, Tee trinken und den Tag vertrödeln, mit der Hoffnung auf „Tomorrow“! Nochmal die beste Kleidung angezogen und wieder den Berg hoch laufen, die Botschaft macht um 9:00 Uhr auf, wir waren eine halbe Stunde eher da. Die Polen waren jetzt zu fünft, noch zwei Asiaten, ein Schweizer, ein Paar mit 3 kleinen Kindern, Robert trudelt ein und der Strom an Menschen riss nicht ab!!! Es standen wieder an die 20 Personen vor der Botschaft, wir haben uns direkt an die Tür gestellt, damit er uns sieht und hoffentlich wieder erkennt. Gute Taktik, wie sich herausstellt, die Tür geht auf und wir kommen gemeinsam mit den Polen rein. Die erste Hürde ist genommen! Wir nehmen in dem kleinen Raum platz, 2 männliche Mitarbeiter und eine Frau sind anwesend, dann bekommen wir ein Antragsformular. Man fühlt sich wie in einer Prüfung, jetzt bloß keinen Fehler machen, sonst könnte es hier schon vorbei sein. Als wir alles ausgefüllt haben, werden die Bögen eingesammelt, in den Nebenraum gebracht und der Botschaftsmitarbeiter lässt jeden an einer Trennscheibe antreten. Micha wird nur begutachtet und darf sich wieder setzen, ich muss ihm dreimal erklären was mein Beruf ist, ich glaube er hat es auch dann noch nicht verstanden, aber auch ich hab „bestanden“ und darf mich setzen. Als nächstes bekommen alle einen schmalen Papierstreifen, darauf steht auf welcher Bank die 75 Euro pro Visa einzuzahlen sind. Die Bank finden wir schließlich nach herumfragen, das Einzahlen ist kein Problem, mit Quittung in der Hand geht es zurück zur Botschaft. Die Familie mit den Kindern ist auch dran gekommen, sowie ein Radler aus der Schweiz, der Rest wartet auf „tomorrow“, so auch Robert. Wir klingeln wieder an der Botschaft, doch wir sollen erst am Nachmittag kommen. So sitzen wir mit Robert und zwei anderen im Gartenlokal bei Tee und sehen Radler auf der Straße. Sie suchen natürlich die Botschaft, eine riesige Gruppe, 5 Portugiesen, einen Franzosen, eine Münchnerin und eine Italienerin!!! Also nochmal 8 Leute zusätzlich und alle wollen nur eins in Trabzon, nämlich ein Iranvisum!!! Der Run auf die Botschaft reißt nicht ab, einfach unglaublich, so viele Radler und Rucksacktouristen aus allen möglichen Ländern trifft man nicht alle Tage.
Nachmittags werden keine neuen Visaanträge bearbeitet, die große Gruppe soll sich am Donnerstag melden. Wir werden auch nochmal weggeschickt und sollen um 16:30 Uhr wieder kommen, die 8 Radler sitzen unterhalb der Botschaft am Rand eines Spielplatzes, Robert treffen wir auch dort, es werden immer mehr und nun sitzt hier eine buntgemischte Gruppe Reisender und diskutiert über Reisepläne, Visa, woher, wohin, einfach schön. Gemeinsam mit den Polen und dem Schweizer stellen wir uns überpünktlich vor die Botschaft und warten. Denn warten können wir richtig gut, hatten ja ausreichend Übung. Die Tür öffnet sich, die Frau erscheint und reicht dem Schweizer den Pass mit 30 Tage Visum, die Familie hat auch das Visum in der Tasche. Sie entschuldigen sich noch, dass es so lange gedauert hat, aber die Dame von der Botschaft hat wohl die Kinderfotos für die Visa verwechselt! Noch sind wir entspannt, denn wir denken es geht alles glatt, aber nein, die Tür fällt ins Schloss und wir warten und warten, nichts tut sich, die Zeit verstreicht. Durch ein anderes Tor geht die Mitarbeiterin nach Hause und wir denken, das war´s jetzt mit Visum, doch sie hat nur Feierabend, also weiter warten! Nach über einer Stunde warten, werden wir 6 Übriggeblieben endlich hereingebeten, 3 Pässe liegen bereit. 3 Polen bekommen ihren Pass mit Visum, die Bilder von uns und einem Polen liegen noch auf dem Schreibtisch. Gedanken kreisen, haben wir was falsch gemacht, bekommen wir kein Visum, die Zeit verstreicht.......und dann auf einmal eine Erklärung und eine Entschuldigung vom Botschaftsmitarbeiter, sie haben Probleme mit dem Drucker!!! Hätte das mal jemand vor über einer Stunde gesagt, dann wären wir alle viel entspannter geblieben! Probleme eingestehen ist ihnen wohl peinlich gewesen, der Botschaftsmitarbeiter entschuldigt sich bei und mehrfach und wünscht uns eine gute Reise. Wir haben das Visum für 30 Tage tatsächlich in der Hand, ich schaue es mir ständig an, geschafft, die Reise kann weiter gehen!!!
Jetzt sind wir entspannt und hoffen, dass auch Robert sein Visum bekommt, wir drücken die Daumen und warten am nächsten Tag gespannt in der Nähe der Botschaft. Es kommen wieder unglaublich viele Menschen den Berg runter und auch Robert ist dabei, er hat es geschafft!!! Gemeinsam sitzen wir auf unserer Hotelterrasse und „feiern“ mit Kaffee und Kuchen.


Vom 24.Juli 2014 – 26.Juli 2014 Tag 118 – Tag 120
Etappe Trabzon-Batumi 212 km; Gesamtkilometer: 5358 km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Donnerstag packen wir, es geht Richtung Georgien, am Hotel kommen zuerst 2 Radler aus den Niederlanden und dann noch ein australischer Reiseradler vorbei, natürlich auf dem Weg zur Iranischen Botschaft. Micha versorgt sie mit Insider-Informationen und erklärt, dass heute eigentlich die große achtköpfige Gruppe dran sein müsste, sie müssen sich auf „tomorrow“ einstellen. Bei schwül warmen sonnigen Wetter machen wir uns auf zur Küstenstraße, D 010, meist 3 Spuren, viele LKW und ungewohnter Lärm. Links das Schwarze Meer, rechts steile Hänge, zum Glück viele Tunnel und so geht es flott voran. An der Küstenstraße liegen noch ein paar Ortschaften, sie leben hauptsächlich vom Teeanbau, der in den unzähligen Teefabriken direkt verarbeitet wird. Ein angenehmer Geruch verbreitet sich. An einer großen Tankstelle mit Restaurant und sogar einer Dusche dürfen wir zelten und haben Meerblick! Auf dem Weg nach Georgien haben wir den Reiseradler aus der Tschechischen Republik wieder getroffen, mal sehen wie viele Bekannte von der Botschaft in Trabzon wir noch treffen werden.
Je näher wir der Grenze kommen, desto mehr LKW sehen wir, die LKW warten auf diversen Parkplätzen oder blockieren einfach die rechte Fahrspur. Es herrscht viel Verkehr am Grenzübergang, wir werden an warteten Auto´s vorbei gewunken, die Autofahrer sind nicht gerade begeistert, dass wir vorfahren dürfen, aber wir werden auch nicht so intensiv kontrolliert. Wie bei der Einreise in die Türkei, müssen wir zur Ausreise auch an 3 Kontrollposten vorbei, Ausreisestempel in den Pass und fertig. Zur Einreise nach Georgien sollen wir durch den Fußgängerbereich gehen, es sieht aus wie am Flughafen, alles super sauber hier, eine Kontrolle reicht hier, Einreisestempel in den Pass und fertig. Türkische Lira in Georgische Lari tauschen und ab auf die Küstenstraße nach Batumi. Nur noch je eine Fahrspur in jede Richtung, die wir uns mir diversen LKW, Bussen und Auto´s teilen. Zusätzlich laufen noch Touristen über die Straße, direkt hinter der Grenze gibt es die ersten Strände. Dann folgen Hotels, größere Strände, Restaurants, Bars usw. das pralle Leben tobt. Nach fast 8 Wochen Türkei komme ich mir vor, als hätte ich eine ganz andere Welt betreten! An der türkischen Schwarzmeerküste gab es keine Strände, kein Strandleben oder irgendetwas vergleichbares und jetzt rennen hier die Menschen im Bikini über die Straße! In Batumi ist auch viel los, eine Unterkunft finden ist schwer, denn hier ist Hauptsaison, wie wir in der Touristeninformation erfahren. Bezahlbare Unterkünfte sind ausgebucht, wir haben bereits vergeblich gesucht und jetzt versucht der Mitarbeiter aus der Touristeninformation eine Bleibe zu finden. Bei Privatleuten ist noch ein Doppelzimmer frei, auch relativ teuer, aber noch im Rahmen. Dafür mitten im Zentrum, somit alles fußläufig zu erreichen. Ein Taxifahrer nimmt sich ein Leihrad und bringt uns hin, der Wirt ist ebenfalls Taxifahrer, der Sohn spricht englisch und so ist schnell alles geklärt. Abends machen wir einen kleinen Rundgang, kaufen im Supermarkt ein, gegenüber unserer Unterkunft ist ein schöner Platz, dort essen wir zu Abend und genießen es sehr. Viele Menschen sind unterwegs, ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich korrekt gekleidet bin, es schallt Live-Musik herüber, wir trinken Bier in der Öffentlichkeit!!! Nach 8 Wochen in einem islamischen Land fühlt sich das alles ungewohnt an, die schnörkeliche Schrift wird bestimmt ungewohnt bleiben.

 

 

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