Bericht Türkei Teil 2 von Istanbul - Göreme
Vom 12.Juni.2014 - 2.Juli.2014; 21 Tage
815 km


Vom 12.Juni 2014 – 17.Juni 2014 Tag 76 – Tag 81
Etappe Istanbul – Iznik 158 km; Gesamtkilometer: 3808 km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Die Räder stehen gepackt vorm Hotel, eine asiatische Reisegruppe, die gerade ihren Reisebus verlassen haben, fachsimpeln über die Klickpedalen. Ich unterhalte mich noch mit einem Mädchen, die mit ihrer Familie im Hotel wohnt und drücke ihr zum Abschied eine Karte mit unserer Homepage in die Hand. Ich bin ziemlich aufgeregt, habe nicht gut geschlafen, denn wir haben uns entschieden über die Bosporusbrücke zu fahren. Sie sieht groß und sehr hoch aus, ist meist stark befahren und eigentlich als Autobahn ausgewiesen und somit für Radler gesperrt. Aber wir wollen es versuchen, denn die Kontinente radelnd über eine Brücke zu wechseln ist schon etwas Besonderes. Ich fixiere noch die Kamera am Helm und los geht’s, über den Vorplatz der Blauen Moschee, zum Sultan Ahmed Platz, vorbei an der Hagia Sophia und in eine Nebenstraße direkt in den Stau. Die Autofahrer sprechen uns auf die Reise an, ein Kleinbusfahrer lässt uns vor und hilft mir noch mit meinem schweren Rad, an der verstopften Kreuzung werden wir wieder vorgelassen und nehmen die Busspur. Jetzt geht es zügiger voran und wir gelangen zur Galatabrücke, sie verbindet den Stadtteil Fatih mit Beyoglu. Wir folgen der Straße und biegen ab, einen Hang hinauf, Serpentine um Serpentine schrauben wir uns hoch, sehen die Brücke doch keine Auffahrt. Es gibt keine Hinweise, keine Schilder, das Navi hilft auch nicht wirklich. Ein vorbeifahrender Motorradfahrer zeigt uns eine Auffahrt, die eigentlich mit großen Betonklötzen gesperrt ist, denn es gibt irgendwo neue Zufahrten, es wird eben ständig umgebaut, um dem Verkehrschaos irgendwie gerecht zu werden. Jedenfalls sollen wie dort lang fahren, macht er auch immer. Gesagt getan und schon sind wir auf der Standspur unterwegs, es geht bergab, wir sind schneller als die Autos. Die Spur teilen wir uns mit Mofa´s, die hier auch illegal unterwegs sind, wie gesagt Autobahn! Ein alter Mann läuft mitten in dem Chaos zwischen den Autokolonnen durch und hofft auf ein paar Münzen. Eine erste Polizeikontrolle kommt in Sicht, ich rufe, das war´s dann wohl, doch die beiden Verkehrspolizisten rühren sich nicht! Vielleicht sind wir mit über 40 km einfach zu schnell. Wir kommen der Brücke immer näher, denken jetzt ist es geschafft, es geht wieder leicht bergan, die Autofahrer winken uns zu. Ich bin ein bisschen gerührt, nach mehr als 3600 km auf dem Rad auf diese Brücke zu fahren eine gigantische Aussicht auf den Bosporus zu haben und gleich in Asien zu sein! Dann ein zweiter Kontrollposten, der wohl immer direkt an der Brücke steht, winkt uns hektisch raus. Ich wollte einfach vorbeifahren, doch Micha hat angehalten, war auch die bessere Entscheidung, sonst hätte es bestimmt mächtig Ärger und eine Strafe gegeben. Jedenfalls erklärte er wir dürfen hier nicht einfach weiter, wir müssen über den Versorgungsweg der Brücke fahren, eigentlich der perfekte Radweg, denn da fahren keine Autos! Nur alleine dürfen wir da nicht her, er ruft bei der Verkehrspolizei an und bestellt eine Eskorte. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, dann taucht ein Motorradfahrer der Verkehrspolizei auf, er setzt sich vor uns und geleitet uns über die Brücke. Bauarbeiter mit ihrem Transporter müssen noch ausweichen, damit wir vorbei kommen und schon begrüßt uns das Schild Welcome to Asia! Der Verkehrspolizist entlässt uns wieder, zeigt uns noch die richtige Abfahrt und wir pedalen über einen Hügel runter ans Wasser, machen eine kleine Pause mit bestem Blick auf die Brücke. Die Straße zieht sich am Wasser vorbei, verkehrsarm, wir finden sogar Radwege, die direkt an den Uferpromenaden lang führen, so wird das stadtauswärts Fahren ein Kinderspiel. Unterkunft finden ist schwierig, alle Hotels sind teuer, teurer als in Istanbuls Altstadt. Wir treffen einen Deutschen, der beruflich hier ist und seine Unterkunft bezahlt bekommt. Er erklärt, dass hier eine große Werft ist und viele Unternehmen und das deshalb die Preise recht hoch sind. Wir finden doch noch ein Hotel, direkt an der lauten D 100, Fenster öffnen geht nicht, viel zu laut, der Verkehrslärm übertönt sogar den Muezzin.
Der Weg führt leider nicht mehr ruhig am Wasser vorbei, zum Teil durch ein großes Militärgebiet versperrt, wir müssen auf die laute D 100, viel Lärm, die Sonne knallt unablässig, kein Vergnügen. In Gebze rasten wir an einer Tankstelle und sehen im Tal Fähren über das Wasser kreuzen. Kurzer Blick in die Karte und wir wollen die Seite wechseln. Die Fähren fahren ständig, kostet nur etwa 3,50 Euro und in nicht mal 20 Minuten sind wir drüben. Der Verkehr nimmt merklich ab, die Hitze nicht und so Quartieren wir uns in einem Hotel mit Seeblick ein, bevor es morgen in die Berge geht. Im Minimarkt kaufen wir das Nötigste, so auch 2 Efes, die wir mit Blick in die untergehende Sonne genießen. Der Minimarkt-Besitzer hatte nicht genug Wechselgeld und so habe ich sogar noch weniger bezahlt, so was gibt es auch, das machte die Abzocke in der Imbissbude vom Vorabend wieder wett.
Bei mir macht sich so langsam eine Erkältung bemerkbar und so hatte ich morgens ordentlich Halsschmerzen, zu allem Überfluss haben die im Hotel auch noch unser Frühstück vergessen! Es waren wohl außer uns keine Gäste da, das Hotel ist noch nicht ganz startklar, der Pool wurde noch befüllt, letzte Aufräumarbeiten erledigt, aber nach einigem hin und her klappte es noch mit dem Frühstück. Es geht wieder in die Berge, die kleine Straße wird leerer und es ist herrlich ruhig. Meine Erkältung nimmt zu, es ist heiß und mit Halsschmerzen und Schnupfen mehr eine Quälerei als eine entspannte Tour. In einem kleinen Dorf kaufen wir Wasser und Cola und werden zum Tee eingeladen. Mittagspause im Schatten eines Baumes, ein Autofahrer hält an und schenkt uns Kirschen, einfach so! Die Straße geht plötzlich steil runter zum See und wir kommen an unzähligen Olivenplantagen vorbei. Die Sonne brennt noch immer, wir schaffen es bis Iznik, am gleichnamigen See und finden ein günstiges Hotel, direkt daneben eine Teestube, auch hier haben wir schon Tee umsonst bekommen. Wir bleiben länger als geplant, denn meine Erkältung wird schlimmer statt besser, da hilft nur abwarten und Tee trinken.


Vom 18.Juni 2014 – 22.Juni 2014 Tag 82 – Tag 86
Etappe Iznik – Sivrihisar 262 km; Gesamtkilometer: 4071 km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Die Erkältung ist hartnäckig und will einfach nicht verschwinden, ich hab keine Lust mehr im Hotel rumzuhängen, also fahren wir weiter. Bevor es los geht müssen wir in der Teestube noch einen Abschieds-Cay trinken, die Sonne strahlt schon vom blauen Himmel, keine Wolke in Sicht, wie gehabt. Durch Olivenplantagen, manchmal Obstbäume näheren wir uns dem Berg. In Serpentinen immer weiter hoch, manchmal unglaublich steil, ich bin noch schlapp und Micha fährt auch noch mein Rad, während ich zu Fuß gehe. Ein LKW-Fahrer hält uns an und reicht uns sein gekühltes Wasser, hmmm lecker. Ich lasse mal wieder mein Rad stehen und laufe hinter Micha her, sehe im vorüber gehen, wie an einer Baustelle die Arbeiter diskutieren. Ehe Micha wieder zurück laufen kann, um mein Rad hoch zu fahren, schwingt sich einer der Bauarbeiter auf mein Rad und fährt es mir hoch. Der Arme war ganz schön fertig, denn die Schaltung stand nicht im kleinsten Gang! Aber er und seine Kollegen hatten Spaß und wir auch.
Die Vegetation verändert sich stetig, jetzt keine Oliven mehr, dafür Getreide und Sonnenblumenfelder so weit das Auge reicht. Genauso schnell wie sich die Landschaft ändert, ändert sich auch die Bevölkerung. Eben noch viele Menschen in eher westlicher Kleidung und jetzt sehr traditionell gekleidete Leute. Die Menschen erleben wir eher abwartend und zurückhaltender, nach einiger Zeit jedoch sehr hilfsbereit und herzlich. Wir sitzen in Inegöl (200 000 Einwohner) auf einem Platz an der Moschee, andere Leute setzen sich dazu und beobachten uns. Dann eröffnet ein Mann das Gespräch, wir unterhalten uns in einer Mischung aus englisch, türkisch und mittels Gesten, andere Leute kommen hinzu und plötzlich sind wir mitten im Geschehen. Verständigen klappt immer irgendwie, so hat Micha auch seinen Wunschhaarschnitt erhalten. Der Friseur wollte ihm gar nicht so viel abschneiden, aber mittels Übersetzer aus dem Internet, das natürlich auch beim Friseur funktioniert, hat der Friseur Micha´s Anliegen verstanden.
Der vorherige Abend ließ auf kühlere Temperaturen hoffen, denn es gab endlich Regen. Also nichts wie los auf die D 200 ( E90 ) Richtung Eskisehir, es ist sonnig und dann die ersehnten Wolken. Der Himmel ist bedeckt, ein Traum für jeden Radler, der auf einer großen Straße ohne Baumbestand unterwegs ist und sich langsam in bergiger Regionen vorarbeitet. Wir rasten an einer Tankstelle, kochen Kaffee und schmieren Brote, da radeln tatsächlich Reiseradler vorbei. Sie sehen uns und pausieren auch hier, eine französisches Paar, Anne-Ce und Nico, sie sind mit ihren Liegerädern auf dem Weg nach Thailand. Wir tauschen Erfahrungen aus, sprechen über die Route und verabschieden uns wieder, natürlich noch Homepage austauschen. Danach haben wir sie noch zweimal getroffen, denn es kam Regen auf und durch Zwangspausen trifft man sich wieder. Netterweise regnete es immer, wenn eine Unterstellmöglichkeit in der Nähe ist, einmal ein Bushaus, dann eine Brücke oder eine Tankstelle. Nach 107 km kommen wir in Eskisehir ( 600 000 Einwohner ) an, nicht einfach so, nein, ich hatte noch einen Platten am Hinterrad, Glasscherbe war Schuld. Wir finden ein Ibis-Hotel, doch die wollen uns nicht! Ist uns noch nie passiert, dass uns ein Hotel ablehnt, dann eben nicht, in Sichtweite sind noch andere Unterkünfte. So beziehen wir wenig später im Namli Grand Hotel ein ganzes Apartment, das sogar noch billiger ist!
Das Hotel-Restaurant befindet sich in einem Delikatessenladen, dementsprechend übig ist das Frühstücksbuffet und wir radeln gestärkt weiter. Nichts mehr mit bewölkt und Schatten, Sonne satt auf der D 200. Pausieren im Schatten einer Tankstelle, es ist Mittag, wieder ein Reiseradler, diesmal aus Polen. Rafal ist in 21 Tagen von Warschau bis hier her geradelt bzw. gerast! Er will über Göreme (Kappadokien) nach Trabzon (Schwarzmeerküste) nach Georgien, dort eine große Runde drehen und dann zurück nach Polen radeln. Wir sind deutlich langsamer unterwegs und schauen von Tag zu Tag wie weit es geht. Auch rasten wir häufiger, nicht nur zum Essen oder Trinken, auch um die Landschaft wahrzunehmen. Die Hochebene ( Zentralanatolien ) wirkt wenig einladend, karg und menschenleer mit einer unglaublichen Weitsicht, alles nur durch das graue Band der D 200 unterbrochen. Und doch hat die Gegend eine ganz eigene faszinierende Schönheit, karge Flächen wechseln mit Weiden- oder Ackerland, in der Ferne kleine Dörfer und alles eingerahmt von hohen Bergen. Es gibt außer Tankstellen nichts an dieser Straße, hin und wieder gehen kleine Straßen in die umliegenden Dörfer ab, die sind manchmal 20 km entfernt und so rasten wir mal wieder an einer Tankstelle. Kaufen Schokoriegel und Kuchen, trinken Cola und Saft und werden von den beiden Angestellten beobachtet. Dann ist die Neugierde doch größer, sie geben ihre Zurückhaltung auf, wir fragen nach Unterkünften im nächsten Ort, sie bringen uns Cay und schon entsteht so etwas wie ein Gespräch. Nach 102 km kommen wir in Sivrihisar an, eine anatolische Kleinstadt mit 10 000 Einwohnern, es ist schon spät, wir brauchen ein Hotel, denn es kommt noch Fußball! Ein Mopedfahrer aus einem Restaurant fährt voraus und so finden wir eine nette Unterkunft, im Bett liegend mit Bier und Chips freuen wir uns auf´s Deutschlandspiel.
Wir bleiben einfach 2 Nächte, es gibt sogar einen Stadtplan mit Sehenswürdigkeiten, doch vor der Besichtigungstour müssen wir den obligatorischen Cay in der Teestube annehmen. Die Menschen sind sehr nett, versuchen mit uns ins Gespräch zu kommen, auch wenn wir kein bisschen türkisch verstehen ist jeder bemüht sich mit uns zu verständigen. Noch ein paar Hinweise zu den Sehenswürdigkeiten und dann dürfen wir los, es gibt ein antikes Hamam, eine restaurierte armenische Kirche, diverse Moscheen, eine besondere mit Holzbalken und vielen Pfeilern, die gerade saniert wird und schöne restaurierte alte Häuser. Diverse Plätze und Gassen und ein paar Kinder, denen es Spaß macht hinter uns her zu laufen um zu sehen, was die komischen Touristen da machen.


Vom 23.Juni 2014 – 02.Juli 2014 Tag 87 – Tag 97
Etappe Sivrihisar – Göreme 395 km; Gesamtkilometer: 4466 km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Genug Pause in Sivrihisar, es geht zurück auf die E 90. Wir sind früh und trotzdem ist es schon sehr warm, obwohl wir auf über 1000 m Höhe sind. Die Landschaft ist eher karg, die Hügel leuchten in braun und weiß und das graue Band der Straße bildet fast eine Schneise. An eine kurze Rast ist nicht zu denken, kein Schatten weit und breit und so pausieren wir erst gegen Mittag an einer Tankstelle. Die Türkische Familie neben uns beschenkt uns mit Melone, so hatten wir noch einen leckeren Nachtisch. Campingplätze gibt es hier nicht und so haben wir an einer Tankstelle gefragt ob wir zelten dürfen. Kein Problem, Platz ist genug und so ist das Zelt schnell aufgebaut. Hier ist auch noch ein Trainingsplatz für den Fußballverein, der Platzwart war schon da und wir versuchten eine Unterhaltung. Ein Fotoalbum von unserer Heimat und den Familienbildern war hilfreich und er hat es mit Begeisterung angeschaut. Das Fußballteam kam erst um 22:00 Uhr zum Training wegen der Hitze, dass hat uns aber nicht am Schlafen gehindert.
Jetzt geht es zur Abwechselung auf eine kleine Nebenstraßen Richtung Haymana, der Tankwart erzählte noch, dass es dort Thermalquellen gibt und der Ort sehenswert sei. Wir genossen die Ruhe auf der Nebenstraßen, kaum Auto´s unterwegs, schöne bergige Landschaft, wieder grüner mit viel Ackerbau und Schaf- bzw. Ziegenherden. Die Anstiege knackig, viel Sonne und wenig Schatten, da muss auch mal ein Mini-Baum für die Pause reichen. Besorgte Autofahrer halten und fragen ob alles Okay ist oder bieten Wasser an, kaum das man mal kurz an der Straße verschnauft. Natürlich liegt Haymana auf einem Berg, also nochmal 8% Steigung in glühender Hitze! Wir fanden eine kleine Pension, hat ein Einheimischer empfohlen, mit Thermalquelle. Im Keller befanden sich mehrere Räume mit großen Becken, in diese sprudelte das heiße Thermalwasser und so entspannten wir die müden Radlerknochen.
Man denkt, man ist im hintersten Winkel Anatoliens und keiner versteht uns, da kommt ein Traktor vorbei und die Familie quatscht uns auf deutsch an! Wir sind auf der Nebenstraße nach Calis unterwegs und es begegnen uns immer wieder Türken die Deutsch sprechen, einige mit unverkennbarem Dialekt. Schon lustig, wenn ein Türke mitten in Anatolien „schwäbelt“ und mit Ade grüßt. Jedenfalls sind sie erfreut, dass Deutsche ihr Land besuchen und dann auch noch mit dem Fahrrad.
Zurück auf der E 90 treffen wir auch türkische Radler, sie sind in Ankara gestartet und wollen nach Antalya. Sie erzählen noch von einem Freund, der in Münster studiert und zu Besuch kommen will. Vom Salzsee werde sie nicht so viel sehen, sie biegen vorher ab. Wir nächtigen an einer Tankstelle kurz vorm Salzsee (Tuz Gölü). Wären wir bloß noch ein Stückchen weiter geradelt, dann hätten wir auf dem Salzsee zelten können, wie der Reiseradler aus Amsterdam, denn wir am nächsten Tag treffen, schade schade!
Der Salzsee wirkt bizarr in der trockenen Gegend. Er ist groß, der zweitgrößte See des Landes (1665 km²), teils mit Wasser bedeckt und das Salz leuchtet fast grell-weiß in der Sonne. Die Straße verläuft unmittelbar am See entlang, hier sollen Flamingos nisten, leider sehen wir keine. In Sereflikochisar gönnen wir uns ein Hotel und gucken Fußball-WM. Der Besitzer bietet uns ein Spray zur Erfrischung an, mir kommt der Geruch bekannt vor, erinnerte mich an meine Oma. Es ist Kölnisch Wasser, denn der Mann hat Verwandtschaft in Köln, die demnächst zu Besuch kommt.
Wir folgen weiter dem Salzsee, hinter Aksaray biegen wir ab Richtung Kappadokien. In Aksaray soll es einen Campingplatz geben und wir finden ihn tatsächlich direkt neben einem MC Donald! Camping, Caravan, Hotel usw. steht auf dem Schild, natürlich ist der Campingbereich geschlossen, stattdessen können wir ein Zimmer für 100 US-Dollar haben. Ganz toll, die wollen wohl lieber ihre überteuerten Zimmer an den Mann bringen, als Zeltplätze vermieten. Zelten bringt wohl nicht genug Geld ein. Also futtern wir im MC Donald Pommes und Tavukulu-Burger und schlafen an der nächsten Tankstelle hinter dem Ort!
Wir waren eindeutig verwöhnt, was die Straßen betrifft, überall haben wir gelesen, wie schlecht die in der Türkei sein sollen und hatten bisher nur gute Straßen, viele neu ausgebaut mit großzügigem Randstreifen, selbst Nebenstraßen in tadellosem Zustand. Nun endlich ist es soweit, der Grobasphalt überzieht die D 300. Zwischen groben Steinen befinden sich Asphalt-Lachen, die spätestens gegen 11:00 Uhr morgens aufweichen. Es entsteht eine klebrige Masse, man hat das Gefühl über Pattex zu radeln und diese zähe Klebemasse setzt sich im Reifenprofil mit diversen kleinen Steinchen fest, herrlich. Am späten Nachmittag ziehen Wolken auf, der Wind nimmt stetig zu, wir sitzen an einer Tankstelle, wo auch sonst, und trinken Cola. Spontan schlagen wir das Zelt auf, obwohl es nicht mehr weit ist bis Göreme. Gute Entscheidung, denn kurze Zeit später stürmt und regnet es ordentlich. Ramadan hat auch schon angefangen, Essen und Getränke kaufen geht ohne Probleme und wir bekommen schon wieder Geschenke. Diesmal stellt uns ein Kunde der Tankstelle eine große Cola und Chips hin, keine Ahnung ob wir so bedürftig aussahen, wie wir da auf dem Boden saßen.
Nur noch 25 km bis Göreme, in Nevsehir treffen wir Polen auf einer Rundreise von Istanbul über Kappadokien und zum Schwarzen Meer zurück nach Istanbul. Sie versuchen Info´s über Sehenswürdigkeiten zu bekommen und suchen eine Touristeninformation. Gute Touristeninformationen habe ich hier noch nie gesehen, wenn man mal eine entdeckt bekommt man da höchstens Infos zu Hotels und zu teuren Rundfahrten mit Bussen.
Von den berühmten Felsformationen von Kappadokien ist immer noch nichts zu sehen, wir radeln durch Uchisar, am Ortsausgang fällt die Straße plötzlich steil ab und da sind sie. Eine unglaublich schöne sich stetig anders darstellende Felslandschaft zeigt sich. Die Landschaft ist vulkanischen Ursprungs und besteht aus Tuff, dieses weiche Gestein ist teils mit festeren Schichten durchzogen, verändert sich jedoch stetig weiter durch Erosion. Sie erscheinen in unterschiedlichen Farben, rot, gelblich, grau-weiß oder bräunlich. Das weiche Gestein wurde zu Wohnzwecken bearbeitet und so entstanden Wohnhöhlen und sogar Kirchen, die teilweise noch erhalten sind. Wir sind früh am Morgen aufgebrochen und haben das Gebiet 5 Stunden erwandert, es gibt wunderschöne enge Schluchten, dann geht es hoch und man hat unglaubliche Ausblicke auf die Landschaft! Man kann es nicht beschreiben, muss Jeder mit eigenen Augen sehen, vielleicht können unserer Bilder einen kleinen Eindruck vermitteln.
Wir genießen die Zeit hier in Göreme auf dem Campingplatz, haben noch andere Reiseradler getroffen, endlich auch mal aus Deutschland. Das Französische Pärchen haben wir auch wieder gesehen, alles trifft sich in Göreme zum Erfahrungsaustausch, zur Entspannung und zur Routenplanung.

 

 

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