Bericht Slowakei von Grenze (CZ) bei Makov bis Grenze (HU) Milhost
Vom 26.April 2014 - 04.Mai.2014; 9 Tage
485 km


Vom 26.April 2014 - 27.April 2014 Tag 29 – Tag 30
Etappe Grenze Slowakei - Stara Bystrica 57 km; Gesamtkilometer: 1550km

Autor: Andrea Büchsenschütz

In der Gästeküche der Pension haben wir uns Frühstück gemacht. Micha musste noch meine Hinterradbremse nachstellen und wollte die Felgen reinigen, die Pensionswirtin, noch im Bademantel, stellte ihm einen Eimer mit Wasser und Lappen zur Verfügung und dann ging´s mit besten Wünschen für die Reise los. Zügig bergab insgesamt 25 km, herrlich. In Cadca Geld geholt, jetzt wieder in Euro bezahlen, dabei auf der anderen Straßenseite einen Reiseradler erblickt. Der sah uns auch und wendete extra, nur um ein kurzes Schwätzchen zu halten. Er ist aus Polen und macht wohl eine Rundreise, war auf den Weg nach Bratislava und weiter nach Prag. Wir verabschiedeten uns, weiter geht’s, noch die richtige Nebenstraße finden, ist manchmal nicht so einfach. Wir landeten auf einer Schnellstraße, die zur Autobahn erweitert wird und standen plötzlich vor einem Tunnel aus dem uns schon die Abgase entgegen strömten. Ein Bauarbeiter auf der anderen Straßenseite kam rüber geeilt, blickt mit Micha in die Karte, machte uns eine Absperrung an der Straße auf und zeigte uns den richtigen Weg, Glück gehabt, kein abgasverseuchten Tunnel fahren müssen! In Krasno nad Kysucou kamen wir ins Bystrica-Tal, das gehört zum Tatra Gebirge und machten Mittagspause im Bushaus mit Osterdeko. Dabei wurden wir von zwei alkoholisierten Typen vollgequatscht, keine Ahnung was die wollten, wir haben sie nicht verstanden und die Beiden haben nicht begriffen, dass wir ihre Sprache nicht sprechen. Jedenfalls sind wir wohl so spannend, dass Einer sogar in unseren Topf gucken musste, um festzustellen was wir gekocht haben. Damit waren sie zufrieden und zogen weiter. Eigentlich wollten wir auf der Nebenstraße bleiben, als uns zwei Männer ansprachen und auf den erst 1 Jahr alten Radweg verwiesen, sie fuhren mit dem Auto vor, denn die Beiden wollten dort auch hin. Ein Radweg in super Zustand, jede Menge Radler, Spaziergänger und Inliner unterwegs, bei mittlerweile herrlichem Sonnenschein. Der Weg verlief immer am Fluss Bystrica durch eine von Bergen gesäumte wunderschöne Landschaft. In Stara Bystrica sind wir spontan geblieben, haben einfach nur das schöne Wetter genossen und die Beine für die nächste Bergetappe entspannt.


Vom 28.April 2014 – 02.Mai 2014 Tag 31 bis Tag 35
Etappe Stara Bystrica–Dedinky 233 km; Gesamtkilometer: 1783km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Der Tag begrüßt uns mit strömenden Regen und es ist kein Ende in Sicht. Wir fragen nach, ob wir die Unterkunft um einen Tag verlängern können, doch leider alles voll. Also rein in die Regenklamotten und zurück auf den Radweg am Fluss. Irgendwann hörte der Regen auf und wir schufen Hoffnung, dann Donnergrollen, wieder unterstellen und warten. Jetzt endlich den Anstieg zum Sedlo Demänova auf 930m angehen und plötzlich regnet es los, wir kommen nicht mal mehr schnell genug in die Regenklamotten, kämpfen uns nass einen üblen Weg nach oben. Und werden mit einem tollen Ausblick zur Hohen Tatra belohnt, die Berggipfel tragen noch ihr Winterkleid und sind teilweise schneebedeckt. Nach einer rasanten Abfahrt konnten wir uns in Oravska Lesna in der Pension aufwärmen und erholen. Der Morgen beginnt mit einer weiteren Abfahrt bis zum Orava Stausee, kurze Rast mit Blick auf die Kirche im See. Wir folgen der Straße 584, stetig bergan bis Zuberec und suchen nach einem Quartier. Wie schon so oft ist alles geschlossen, hier ist erst im Winter Saison, Skigebiet eben. So müssen wir weiter, doch zunächst im Bistro mit Kebab stärken. Immer weiter den Berg hinauf, teilweise 15% Steigung, ich schiebe mal wieder mein Rad. Irgendwann oben, auf über 1000m, es wird langsam dunkel und wir haben keinen Platz zum Wildzelten gefunden. Entweder Steilhänge oder sumpfige Wiesen, toll. Also Abfahrt zum See, ein Reh springt noch fast vor das Fahrrad und um 20:30Uhr sind wir unten. Am See Liptovska Mara entdecken wir ein Hotel, endlich, im Restaurant gönne ich mir noch einen Palatschinken (leckere Süßspeise), der Abend ist gerettet.
Den See haben wir erst am nächsten Morgen richtig gesehen und die schneebedeckten Berge ringsum uns herum bewundert. Das zügige Fahren hatte bald ein Ende, wir müssen wieder hoch auf über 900m. Natürlich oben alles geschlossen, die Saison beginnt hier später. Wir sausen bergab Richtung Poprad und steuern in Svit ein Hotel an, zu teuer. Sonst gibt es hier wohl keine Alternativen, wie uns kurze Zeit später ein anderer Radfahrer erklärt. Er heißt Branislav und ist mit seinem Sohn auf einer kleinen Runde unterwegs. Wir radeln weiter Richtung Poprad und wollen noch in einem Imbiss am Weg Abendessen, als Branislav kommt und uns anbietet in seinem Gästezimmer zu übernachten. Er hat ein sehr schönes Haus, wir bekommen ein Zimmer mit eigenem Bad und werden herzlich aufgenommen. Micha und ich sind ein wenig nervös, wie verhält man sich richtig bei völlig fremden Leuten, doch die Nervosität nimmt irgendwann ab und wir verbringen einen schönen Abend bei Branislav und seiner Familie. Seine Kinder sind sehr aufgeschlossen und freundlich, wir bekommen sogar noch einen Kuchen gebacken. Irgendwann kommt Branislav´s Frau von der Arbeit und staunt über die Gäste. Leider können wir uns mit ihr nicht so gut verständigen, da sie kein Englisch spricht, doch durch ihre herzliche Art und mittels Gesten oder Übersetzungen klappt es. Wir erzählen von unserer Reise, schauen Fotos und sehen den Familienfilm, wo sie im letzten Jahr Urlaub bei der Tour der France gemacht haben. Die ganze Familie ist sehr sportlich.
Am nächsten Morgen gibt’s ein super Frühstück, Branislav, seine Kinder Alexandra und Adrian wollen uns noch ein Stück mit den Rädern begleiten, außerdem kommt noch eine Freundin der Familie, Adriana mit. Wir fahren nach Poprad, trinken zusammen Kaffee und werden zur richtigen Straße begleitet. Verabschiedung mit vielen guten Wünschen für den Weg und wir sind wieder allein. Vielen Dank an die Familie, es war sehr schön bei Euch, wir haben uns wohl gefühlt, werden uns immer gerne an Euch erinnern und wünschen Euch das Beste.

Wir folgten auf Rat von Branislav der Nationalstraße 67, die kaum befahren ist. Sie führte durch ein enges Tal, dann mit bis zu 12% Steigung über 5km zur Passhöhe auf fast 1100m. Schnell ab zum See und zu unserer Unterkunft in Dedinky auf 795m, die Skilifte und die Pistenraupe haben neben unserer Pension gerade Pause und wir genießen unserer verdiente Ruhetag-Pause.


Vom 03.Mai 2014 – 04.Mai 2014 Tag 35 – Tag 37
Grenze Ungarn 129 km; Gesamtkilometer: 1912km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Zum Frühstück gab es nur Hartkekse, Müsliriegel und Kaffee, Reste-Essen, weil wir mangels Einkaufsmöglichkeit nichts anderes hatten. Bei kühlen Temperaturen nahmen wir die vorerst letzten Bergetappen in Angriff, über 1023m und ca. 798m, danach die verdiente Abfahrt. Einkaufen ist in der östlichen Slowakei nicht so einfach, denn hier sind die kleinen Potraviny (Supermarkt) am Sonntag geschlossen, also hungrig weiter. Auch Restaurants gab es selten und wenn, dann geschlossen. In einer Tankstelle haben wir uns mit 2 Kaffee versorgt und eine Tüte Mini-Brötchen vertilgt. Gestärkt weiter durch eine eher arm wirkende Region, die ersten richtigen Armenviertel haben wir durchfahren. Das haben wir mitten in Europa so nicht erwartet, Wellblechhütten, dreckige Kinder, Müll, so, wie man Bilder von Slums aus dem Fernsehen kennt. Später erfuhren wir, dass es sich um Zigeunerviertel handelt, diese Viertel gibt es vorwiegend in der Ostslowakei. Irgendwann, nach fast 100km, kamen wir nach Moldava, vorher war keine Unterkunft zu finden gewesen. Die Pension war nicht gerade toll, aber endlich ein Bett und Dusche, unsere Räder schliefen auch im Zimmer. Der Supermarkt ist geöffnet, auch hier sah man ärmliche zerlumpt gekleidete Leute, der Supermarkt beschäftigt sogar Sicherheitspersonal. Abends bekamen wir noch Besuch von Karol (ehemaliger Kollege von Micha) und seiner Familie, die uns zum Essen eingeladen haben, vielen Dank dafür.
Morgens bereiteten wir ein ordentliches Radlerfrühstück im Zimmer, Micha kochte mit dem Gaskocher Kaffee auf dem Mini-Balkon. Dann Abfahrt Richtung Ungarn, schon mit ganz ordentlich Wind. Später nicht mehr einfach nur Wind, sondern ein echter Sturm, wir kamen kaum dagegen an. Aber mangels Alternativen mussten wir weiter, es gab keine Einkehrmöglichkeiten, keine Unterkunft, nichts, also auf herabfallende Äste achten und notfalls schieben. Kurz vor der Grenze nach Ungarn Rückenwind, ja super, einmal kurz durchatmen, ich rolle ohne in die Pedalen zu treten über 36km, dann hab ich lieber mal angefangen zu bremsen! Hinter der Grenze noch weitere 20 km mit meistens Gegenwind bis Telkibanya gekämpft und endlich eine Pension gefunden.

 

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