Bericht Malaysia Teil 1
Vom 08.November 2014 – 30.November 2014; 23 Tage
Gesamt Malaysia (545 km, 23 Tage)


Vom 08.November 2014 – 22.November 2014 Tag 225 – Tag 239
Sepang Airport – Kuala Lumpur – Tanah Rata (Cameron Highlands) 277 km; Gesamtkilometer: 9506km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Der Flughafen in Kuala Lumpur ist nicht gerade übersichtlich, doch irgendwann stehen wir am richtigen Gepäckband und nehmen alle Taschen in Empfang. Nach mehrmaligem Nachfragen finden wir den Bereich, wo unsere Fahrräder ankommen sollen, doch es kommt nichts! 2 Mitarbeiter machen sich auf die Suche, telefonieren herum und schicken uns schon mal ins Büro für vermisste Gepäckstücke. Ich fülle gerade die entsprechende Karte aus, als unsere Räder wohlbehalten auftauchen! Klasse, doch nicht verloren gegangen und sogar alles ganz geblieben. Mir ist noch immer schlecht vom Flug und ich bin froh, dass wir nur noch 25km zum Hotel zu radeln haben. Es ist unangenehm schwül-warm, über 30 Grad und eine unglaublich hohe Luftfeuchtigkeit, es fühlt sich an, als ob wir im Tropenhaus der Kölner Flora radeln wollen! Aber durch die viele Feuchtigkeit wachsen hier jede Menge Pflanzen, unsere Augen sind noch an karge, staubige, sandige Landschaften gewöhnt und das viele Grün erschlägt uns fast. Ich sehe Pflanzen, die man für viel Geld zu Hause im gut sortierten Gartencenter kaufen kann, sie sind hier nur wesentlich größer! Und die ersten Tropfen fallen vom Himmel, ja, endlich mal wieder Regen, sogar den können wir genießen! Wir kommen ziemlich nass an unserer ersten Unterkunft an, ein kleiner Ort namens Dengkil. Das Hotel ist ganz nett, wir haben uns für die preiswerte Variante entschieden, ein Zimmer ohne Fenster. Noch ein kleiner Rundgang durch den Ort und essen im Straßenlokal, ziemlich scharf, aber preiswert und lecker. Morgens sind wir früh auf, das Hotel hat eine kleine Dachterrasse und hier gibt es auch das Frühstück. Wir nehmen uns zunächst bekannte Speisen und trauen uns dann doch an die kleinen Päckchen in Pyramidenform. Man wickelt das Packpapier auf und findet Reis auf einem Bananenblatt dekoriert, mit gekochtem Ei, Gurke und Erdnüssen, dazu ein Päckchen mit Soße. Vorsichtig die Soße testen, es ist eine Art Fischsoße, ziemlich scharf und sehr gewöhnungsbedürftig um 7 Uhr morgens! Mein angeschlagener Magen rebelliert ein wenig, aber da muss er durch! Ein paar Tage später sollten uns die Päckchen nochmal begegnen, wir nächtigen in einem Hotel in dem es eigentlich kein Frühstück gibt. Doch der Besitzer hat nicht nur für sich diese Päckchen mitgebracht, sondern uns auch welche geschenkt. Dazu noch lokalen Kaffee, der Kaffee befindet sich in einem kleinen Beutel, dieser wird direkt in die Tasse gegeben und mit heißem Wasser übergossen, fertig, sehr lecker. Noch halte ich die Päckchen für die gleichen, wie schon ein paar Tage zuvor nur mit schärferer Soße, doch dann beiße ich auf etwas Festes. Ich ziehe es vorsichtig aus dem Mund und sehe, es ist ein kleiner getrockneter Fisch! Der Reis ist heute mit getrockneten Mini-Fischen vermischt, nichts für schwache Nerven, wenn man beim Frühstück in tote kleine Fischaugen blickt! Micha hat seine Fische fein säuberlich an den Rand geschoben, er hat nicht mal einen Fisch probiert!
Wir fahren weiter Richtung Kuala Lumpur, vorbei an vielem Grün, kleine Orte und immer wieder Restaurants, Straßenlokale und Garküchen, toll, endlich überall Essen! Dazu noch diverse Supermärkte, richtige Supermärkte in denen es alles gibt, verhungern werden wir hier ganz sicher nicht! Mittags kehren wir in einem kleinen Lokal ein und essen eine Suppe mit Huhn, wohl chinesisch. Es gibt alle möglichen asiatischen Lokale und auch jede Menge gute indische Restaurants. In großen Städten, wie Kuala Lumpur findet man auch europäische Lokale, wir waren bei einem Italiener und haben dort sogar leckeres belgisches Bier (Leffe) getrunken, direkt an den Petronas Towers.
Der Verkehr Richtung Stadt nimmt zu, wir gewöhnen uns langsam an den Linksverkehr. Die ersten Einheimischen Radler begegnen uns, nette kurze Gespräche. Die Einheimischen sind überhaupt sehr nett, hilfsbereit und gastfreundlich, viele sprechen sehr gut englisch, wir fühlen uns schon nach kurzer Zeit sehr wohl. Das Hotel ist bald gefunden, lustigerweise waren vor kurzem ein französisches Reiseradlerpaar im selben Hotel, wir haben sie über ihre Homepage kontaktiert. Wir wohnen nahe der sog. Golden Triangle, hier gibt es unzählige Bars und Restaurants, die Jalan Alor (Name einer Straße) erwacht besonders in den Abendstunden, wenn die viele Garküchen und Restaurants öffnen und auf Kunden hoffen. In den Nebenstraßen geht es weniger turbulent zu und wir entdecken ein super indisches Lokal!
Unser Hotel ist echt klasse, jeden Morgen gibt es für jeden Gast ein frisch zubereitetes Frühstück! Hervorragende Pfannkuchen, dann Rührei, ein anderes mal leckere Sandwiches und immer frisches Obst! So gestärkt startet unser Besichtigungsprogramm, doch erst mal zur Thailändischen Botschaft, Visum beantragen. Eigentlich bekommt man bei der Einreise an der thailändischen Grenze ein Visum on arrival, doch wenn man über den Landweg einreist und nicht per Flugzeug, gibt es meist nur 15 Tage ohne Verlängerungsmöglichkeit. Jede Menge Leute sind in der Botschaft, alles geht zügig und unkompliziert, am nächsten Tag haben wir unsere 30 Tage Visum mit Verlängerungsmöglichkeit um weitere 30 Tage im Reisepass! Zurück zur Metro, wir fahren zu den Petronas Towers und wollen uns Tickets besorgen. Manchmal hat man einfach Glück, andere Leute haben ihre Tickets storniert und so können wir direkt mit. Bis 2004 galten die Petronas Towers als die höchsten Gebäude der Welt mit 452m und 88 Stockwerken, heute rangieren sie auf Platz 8. Das beeindruckende aber ist die Skybridge, die beide Türme miteinander verbindet. Zuerst geht es mit dem Aufzug in den 41 Stock und man läuft über die Skybridge in 172m Höhe. Die Skybridge verbindet die Türme im 41. und 42. Stockwerk, das 41. Stockwerk ist für die Besucher bestimmt. Es ist schon ein mulmiges Gefühl in dieser Höhe über eine Brücke zu laufen, man hat ständig das Gefühl die gesamte Konstruktion ist ständig in Bewegung! Doch der tolle Blick über die Stadt und in die Berge ist einfach nur schön. Nach einer weiteren kurzen Erklärung geht es wieder in den Aufzug und ab in den 86. Stock auf die Aussichtsplattform. Das Wetter ist gut und so können wir den Ausblick genießen, am nächsten Tag sehen wir, wie die Türme in den Wolken verschwinden! Wir laufen noch durch Chinatown, hier wird alles verkauft, von Touristennippes über frisches Obst, Gemüse, Fleisch bis Fisch ist alles zu haben. Wie das frische Fleisch ohne Einhaltung irgendeiner Kühlkette verarbeitet und verkauft wird ist für hygieneverwöhnte Europäer nur schwer nachzuvollziehen, wir haben bisher beim Verzehr in diversen Lokalen noch keine Probleme gehabt. Ein Fleischhändler hat auch 2 Katzen im Käfig dabei, doch diese sind ausdrücklich nicht zum Verzehr bestimmt! Ein großes Schild weißt darauf hin, dass die Katzen die Haustiere des Fleischverkäufers sind! Unweit vom Markt entfernt liegen noch ein Hindutempel und ein Taoistischer Tempel, beide sehr hübsch und ausgesprochen farbenfroh gestaltet. Farbenfroh geht es auch im Botanischen Garten zu, dort gibt es einen Orchideengarten und einen Hibiskusgarten, die Hibiskusblüte ist die Nationalblume Malaysia´s. Die Gartenanlage ist nicht gerade gut ausgeschildert und der zufällig ergatterte Plan ist nur bedingt hilfreich, doch Fragen hilft bekanntlich und so finden wir auch wieder raus, nicht ohne noch frei lebende große Warane zu sehen.
Nach einem guten Frühstück sollte es direkt los gehen, doch so schnell kommen wir nicht weg, denn die Hotelbesitzerin muss unbedingt noch Foto´s mit uns machen. Damit wir nicht verhungern hat sie uns noch etwas Obst zurechtgemacht, leider weiß ich die Namen der Obstsorten nicht mehr, auf jeden Fall waren sie uns nicht bekannt, aber super lecker. Wir schaffen es dann doch noch los zu kommen und verlassen die Stadt, doch man hat das Gefühl nie raus zu kommen, eine Ortschaft folgt auf die nächste, Malaysia ist dicht besiedelt. Irgendwann lässt der Verkehr nach, die Orte werden weniger, wir fahren durch eine fantastische grüne Landschaft, Farne, unterschiedliche Bäume, Palmen so weit das Auge reicht. Und plötzlich Affen, ja, hier sind wilde Affen unterwegs, was im heimischen Wald die Rehe sind, sind in Malaysia eben Affen. Man hat das Gefühl mitten durch den Dschungel zu radeln, manchmal nimmt man nicht mal die nächste Ortschaft wahr, weil einfach alles zugewachsen ist. Die schwül-warme Luft macht das Radeln nicht gerade einfach, manchmal schaffen wir nur 40km am Tag. Außerdem regnet es täglich, der Regen setzt meist gegen 14 Uhr ein und hört dann auch nicht wieder auf! Es kann auch schon mal gewittern und da ist man doch froh, wenn man ein Hotel gefunden hat. Ein heftiger Regenguss hat uns voll erwischt, wir sind nass bis auf die Knochen geworden, da hilft auch die beste Regenkleidung nicht mehr. So tropfnass sind wir ins erstbeste Guesthouse geflüchtet, gut, dass es hier relativ viele Unterkünfte zu moderaten Preisen gibt! Essen ist nie ein Problem, es gibt ständig Restaurants oder Garküchen, manchmal Speisekarten in englischer Sprache oder schöne Bilder. So wählen wir in einem Fischlokal anhand der bebilderten Tafel unsere Speisen aus, die Kellner sind immer sehr geduldig mit uns. Es gab natürlich Reis, dazu Fischsuppe, diverse Fische im Teigmantel frittiert, Gemüse und sogenannte Ladyfinger. Das sind Okraschoten (eine Gemüsesorte), in unserem Fall mit Fisch gefüllt. Wir bekommen noch erklärt welche der Soßen zu den weniger scharfen gehören und dann lassen wir es uns schmecken. Trotzdem immer genau aufpassen bei der Restaurantwahl, sonst hat man plötzlich frittierte Hühnerfüße oder Spieße mit diversen Innereien auf dem Teller, trifft Beides nicht ganz meinen Geschmack.
Bis Tapah kommen wir ganz gut voran, kaum Steigungen, doch jetzt geht es ab in die Berge. Wir wollen in die Cameron Highlands, in den Ort Tanah Rata auf etwa 1400m Höhe. Gut 60 anstrengende Kilometer liegen vor uns, es geht zunächst moderat bergan, wird dann aber stetig steiler, zum Glück wird das Klima mit jedem Höhenmeter angenehmer. In den Bergen wird es selten wärmer als 20 Grad, nachts kühlt es ordentlich ab, ich werde meine Fleecejacke raus kramen müssen. Kürzlich hat es hier ein schweres Unwetter gegeben, Wassermassen und Schlammlawinen haben so manche Ortschaft heimgesucht, es hat sogar Tote gegeben. Noch immer sieht man abgerutschte Hänge, die Aufräumarbeiten gehen zügig voran und die einzige Straße ist befahrbar. Ein komisches Gefühl bleibt trotzdem, wenn man weiß was hier geschehen ist. Wir machen eine erste längere Pause am Lata Iskandar Wasserfall, endlich Touristen und die dazugehörigen Verkaufsstände, man kann Dinge kaufen, die man wirklich niemals braucht, wir kaufen lieber Bananen und Cola. Natürlich setzt auch heute wieder Regen ein und wir sind froh, als wir in Ringlet ankommen, ein Ort vor Tanah Rata. Es ist schon spät und wir hoffen auf eine Unterkunft, doch leider Fehlanzeige, ein paar Kilometer weiter kommt ein Hotel, doch 100 Euro für eine Übernachtung passt nicht in unser Budget! Wir versuchen es bis Tanah Rata zu schaffen, es regnet, die Straße wird steiler, es ist dunkel und unheimlich laut. Im dichten Regenwald, der bis zur Straße reicht, müssen massenhaft Tiere leben, der Geräuschpegel steigt stetig an, es ist schon ein bisschen unheimlich. Zelten ist hier nicht möglich, steile Hänge und alles dicht bewachsen, so sind wir froh, ein verlassenes Lokal zu sehen. Offensichtlich haben hier auch die Schlammassen großen Schaden angerichtet, deshalb ist hier niemand und so können wir ungestört unser Zelt aufschlagen. Am nächsten Morgen können wir auch endlich sehen wo wir sind, die ersten Teeplantagen tauchen die Berge in ein nicht enden wollendes sattes Grün! Endlich in Tanah Rata angekommen steuern wir Father´s Guesthouse an, sie haben ein Zimmer für uns frei. Das Guesthouse hat einen schönen Außenbereich, 2 große Balkone und liegt in einer ruhigen Seitenstraße. Das Beste aber ist das kleine Restaurant in dem wir uns noch ein übbiges Frühstück gönnen. Mit reichlich Informationen über die angebotenen geführten Touren entspannen wir. Die Entscheidung ist schnell gefallen, es soll in den Regenwald gehen, eine Wanderung zur Rafflesia, der weltgrößten Blume und noch ein Trip auf den Gunung Brinchang (2031m), in den Mossy Forest und zur Teeplantage.
Was uns im Regelwald erwartet und andere Geschichten folgt später!

 

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