Bericht Iran Teil 3 von Naein bis Bandar Abbas
Vom 07.Oktober 2014 – 01.November; 26 Tage
Gesamt Iran (2673 km, 58 Tage)


Vom 07.Oktober 2014 – 11.Oktober 2014 Tag 193 – Tag 197
Naein-Yazd 180 km; Gesamtkilometer: 8142

Autor: Andrea Büchsenschütz

Die Wüstenstraße Richtung Yazd gleicht einem schwarzen Asphaltband im weiten Nichts. Ohne den vielen Verkehr, insbesondere LKW, könnte man die Stille genießen. Warnhinweis-Schilder vor Kühe sind jetzt durch Schilder mit Kamel ersetzt. Ich dachte es kommt auch mal mindestens ein Kamel vorbei, aber nichts, weit und breit kein Einziges, die einzigen Kamele sind wohl wir zwei Verrückten auf unseren Drahteseln! Immer mal wieder sieht man Ruinen am Wegesrand, verfallene Siedlungen. Endlich kommt Aqda in Sicht, eine kleine Wüstenstadt mit den typischen Lehmziegelbauten. Es wird viel renoviert im Ort, eine alte Burg ist erkennbar und im kleinen Park haben wir pausiert. Hinter Aqda erneut eine Ruine, der ideale Platz zum Zelten.
Um dem vielen Verkehr zu entfliehen haben wir nicht die Ring Road um Ardekan gewählt, sondern sind durch den Ort gefahren. Ardekan geht nahtlos in Meybod über und danach hat man den Verkehr wieder. Wir suchen eine Möglichkeit zum Zelten, im weiten Nichts ziemlich schwierig, denn es gibt nur sandige Weite oder niedrige Büsche. Bis wieder eine Ruine kommt, dieses mal ist es wohl ein altes Brunnenhaus. Das verfallene Häuschen hat im Inneren einen sehr tiefen Schacht, im Umkreis viele tiefe Brunnenlöcher und immer wieder Reste einer Siedlung. Wir finden einen Platz weit genug entfernt von allen Löchern, denn es sieht so aus, als ob hier eine große unterirdische Brunnenanlage existiert hat und wir wollen auf keinen Fall irgendwo einbrechen. Wir schlafen friedlich, nur ab und zu müssen wir unsere defekten Therm-a-rest Matten aufpusten, ja, Micha´s Matte hat auch aufgegeben. Jetzt können wir Nachts um die Wette die Matten aufpusten! Die Firma anschreiben geht hier nicht, Homepage geblockt, also warten bis Dubai. Nahezu jeder ist immer übermäßig begeistert von Yazd und so war unsere Erwartung hoch. Wir finden ziemlich schnell eine nette Unterkunft direkt bei der Freitagsmoschee, viele andere Backpacker wohnen auch hier. Wir treffen ein Pärchen aus Belgien, sie waren mit den Motorrädern unterwegs. Eine lange Tour über Westafrika, per Schiff nach Malaysia, durch Südostasien über Indien nach Pakistan. Dort haben ihre Motorrädern aufgegeben und nun setzen sie ihre Reise per Bus fort Richtung Heimat! Yazd ist sicherlich eine schöne Wüstenstadt, aber die große Begeisterung können wir nicht teilen. Die Stadt ähnelt den bisher gesehenen Städten und die Sehenswürdigkeiten sind auch nichts besonderes. Freitagsmoschee wie in jedem anderen Ort, die üblichen Lehmziegelbauten mit engen Gassen und ein Basar. Auf dem Basar gibt es meist Gold oder Kleidung, viele Geschäfte sind leer und diese werden einfach zugemauert und mit Lehm verputzt. Man bekommt den Eindruck hier ist mehr Schein als Sein, denn hinter so mancher Mauer ist kein Haus mehr vorhanden, dies bestätigt auch ein Blick vom Dach unserer Unterkunft! Hübsch anzusehen ist die Moschee Amir Chakmagh, allerdings besteht diese nur noch aus der Fassade und es gibt keine Moschee mehr. Leider ist hier der Vorplatz mit einer blauen Plane eingezäunt, es wird renoviert. Die Touristeninformation empfiehlt noch den persischen Garten Dolat Abad, wir laufen hin und siehe da er ist geschlossen, durch das große Eingangstor sieht man nur dahinterliegendes Chaos! Keine Ahnung ob hier gearbeitet wird oder ob der Garten für längere Zeit nicht zugänglich ist.
Trotzdem genießen wir die Tage hier, unsere Unterkunft verfügt über einen schönen luftigen Innenhof, hier lässt es sich herrlich relaxen. Ab und zu ein kleiner Rundgang durch die Gassen, wir besichtigen noch das ein oder andere historische Haus, heute werden diese als Hotel genutzt. Das besondere dieser alten Häuser sind die vielen Windtürme, diese fangen jeden noch so leichten Windhauch ein und der Wind kühlt die Häuser. Wir standen direkt unter einem solchem Windturm, herrlich wie viel kühle Luft tatsächlich nach unten gelangt!
Die nächsten Kilometer nach Shiraz werden anstrengend, es liegen zwei Berge mit über 2500m Höhe vor uns! Eine kleine Oasenstadt, Abarkuh, liegt auf der Strecke und kurz vor Shiraz wollen wir uns Persepolis (altpersische Residenzstadt) anschauen.


Vom 12.Oktober 2014 – 22.Oktober 2014 Tag 199 – Tag 209
Yazd-Shiraz 454 km; Gesamtkilometer: 8597

Autor: Andrea Büchsenschütz

Zwischen Yazd und Shiraz liegt eine große Bergkette, die es zu überwinden gilt. Manch ein Berg ist mehr als 4000m hoch, wir müssen aber nur über 2635m. Nach 1,5 Tagen ist das geschafft, es geht in eine Senke Richtung Abarkuh. Die Oasenstadt Abarkuh besuchen wir und schauen uns die alte Zypresse an. Sie ist die Attraktion im Ort, als wir ankommen steht schon eine Reisegruppe aus Frankreich davor. Die Zypresse ist ca. 4000 Jahre alt, 25m hoch und der Stamm hat einen Durchmesser von 11,5m. Wir machen hier unsere Mittagspause und beobachten die anderen Touristen, die kurz aus ihren komfortablen Reisebussen steigen, Fotos machen und wieder verschwinden. Unsere bepackten Räder werden auch abgelichtet und ein Ehepaar (er Iraner, sie aus dem Irak) sind begeistert und machen Fotos mit uns. Sie wollen uns unbedingt zum Essen einladen, doch leider sind wir satt, die Leute kommen immer nach unserer Mittagspause.
Es geht weiter durch die Senke, dann eine kleine Zwischensteigung und wir sind wieder an der Hauptverkehrsstraße. Viel Verkehr, Abgase, wie gehabt. Der zweite Anstieg liegt vor uns, zunächst gemächlich bergan, dann steiler und immer wieder Gegenwind. Der Wind wechselt oft die Richtung, er bläst meist von vorn oder kommt von der Seite, Rückenwind ist uns nicht vergönnt. Am Morgen weht er noch gemächlich, gegen Mittag heftig und abends ist er meistens verschwunden. Jedenfalls ist er unberechenbar in seiner Intensität. Trotz aller Hindernisse schaffen wir auch die 2565m irgendwie. Immer wieder erstaunlich wie schnell sich die Landschaft verändert, eben noch trocken und kahl, die dominierende Farbe ist braun und nach dem Berg plötzlich grün. Bäume wachsen, wie sehen die ersten Flussläufe mit Wasser, Felder werden bewirtschaftet und sogar ein kleiner Wald, in dem übernachten wir auch, er bietet etwas Schutz vor dem starken Wind.
Der Wind bleibt unser ständiger Begleiter, wir haben sogar kurzzeitig Rückenwind, doch die Freude währt nicht lange. Eine Kurve später bläst er uns mächtig entgegen und wächst sich langsam aber sicher zu einem richtigen Sturm aus. Es entwickelt sich ein ausgewachsener Sandsturm, über die weiten Flächen weht unablässig Staub und Dreck, teilweise ist die Umgebung nicht mehr zu sehen, wahrlich kein Vergnügen. Einmal flüchten wir vor einer besonders starken Böe in eine Unterführung, doch es nützt alles nichts, wir müssen weiter. Die letzten Meter bis zum Abzweig nach Persepolis schiebe ich mein Rad, wir biegen ab und sind raus aus dem Gröbsten. Nach so vielen Radtagen ohne Duschmöglichkeit hat uns das den Rest gegeben, wir sahen schon mal schöner aus!
Endlich in Persepolis angekommen wollen wir die Überreste der alten persischen Stadt besichtigen. Wir suchen den Eingang, denn man sieht zunächst eine riesige Allee, dann einen kleinen Kreisverkehr, enge Poller versperren den weiteren Weg, da passen unsere Räder definitiv nicht durch. An der Einfahrt zum PKW-Parkplatz steht Sicherheitspersonal, die wirken allerdings nicht gerade vertrauenerweckend, denn sie streiten mit einem Belgier, der mit Jeep unterwegs ist. Es stellt sich heraus, das die Leute versucht haben den Belgier abzuzocken. Sie haben ihm einfach eine völlig überhöhte Parkgebühr abgeknöpft und um sein Geld wieder zu bekommen hat er einfach mit seinem Jeep die Einfahrt blockiert. Auf unsere Frage wo denn der Eingang ist und wo es die Tickets für die Besichtigung gibt haben wir keine richtige Auskunft erhalten, plötzlich kann keiner mehr englisch. Wir mussten unsere Räder da parken und zu Fuß die Allee hoch laufen. Mit einem unguten Gefühl haben wir die Räder zurück gelassen, aber nicht ohne sie und die Packtaschen mit diversen Schlössern zu sichern. Das ungute Gefühl sollte sich bestätigen, denn als wir von der Besichtigung zurück kamen versuchten diese Typen Geld von uns zu bekommen! Erst dürfen wir die Räder angeblich nicht mit nehmen, was Blödsinn ist, wie wir später gemerkt haben und dann wollen die noch Geld. Jedenfalls sprachen sie urplötzlich perfektes englisch, sie beschimpften uns, wir ließen uns nichts gefallen, haben ebenfalls geschimpft und sind ohne irgendetwas zu zahlen gefahren! Idioten gibt es auf der ganzen Welt, so auch im Iran!
Persepolis ist eine altpersische Residenzstadt, die 520 v. Chr. gegründet wurde. 1931 bis 1939 fanden erste systematische Ausgrabungen durch deutsche Archäologen statt, 1971 lies der letzte Schah Persepolis restaurieren und er schuf eine großangelegte touristische Infrastruktur. Der große Picknickpark, die Alleen, das Hotel und Parkplätze wirken heute ungepflegt und verwahrlost, der Besucherstrom ist längst nicht so groß wie erwartet. Die Anlage besteht aus mehreren Palästen, dem Hundert-Säulen-Saal und der Audienzhalle, der Eingang wird von einem hohen Tor gebildet, dem Tor aller Länder. Das Tor ist das Symbol für Toleranz gegenüber den unterworfenen Völkern. Des weiteren liegen am Berg die Königsgräber.
Nach der Besichtigung fanden wir ein Plätzchen zum Zelten im Park von Marvdasht. Wir waren gerade eingeschlafen, als Taschenlampen unser Zelt erleuchteten und lautes Rufen uns aus dem Schlaf riss. Die örtliche Polizei öffnet schon den ersten Reißverschluss von unserem Zelt, sie leuchten Micha ins Gesicht, er nennt seinen Namen und unser Herkunftsland, bestätigt, dass alles in Ordnung ist und dann dürfen wir weiter schlafen. Keine Ahnung ob sie die zelteten Iraner auch aus dem Schlaf gerissen haben! Wir haben uns ordentlich erschrocken und eine ganze Weile gebraucht, bis wir wieder eingeschlummert sind.
Noch ca. 40km bis Shiraz, leider nicht ganz so flach wie erwartet, ein paar knackige Steigungen mussten noch überwunden werden. Endlich eine Abfahrt, leider bremste uns ein Polizist aus, nur um zu Fragen aus welchem Land wir sind! Toll, der ganze Schwung für die nächste Steigung dahin, wir fuhren fluchend weiter! Die erste Unterkunft in Shiraz war leider voll, wir bezogen das Hotel, dass uns die beiden Münchner in Yazd empfohlen haben. Auf dem Weg lag tatsächlich eine Touristeninformation und der Mann versteht sogar was von seinem Job! Die erste Touristeninformation, die man weiter empfehlen kann. Meine Zahnschmerzen haben in der letzten Zeit stetig zugenommen und jetzt muss endlich etwas passieren. Neben der Besichtigungstour der wichtigsten Sehenswürdigkeiten muss ein Zahnarzt gefunden werden. Wir liefen über den schönen lebendigen Basar zum Shah-Cheragh-Schrein, dieser liegt in einer großen Moschee, viele glänzende Spiegelmosaike verzieren sie, fotografieren ist leider verboten. Die Nasir-Lo-Molk-Moschee ist eher klein, aber der Gebetsraum ist mit bunten Fenstern ausgestattet durch die das Sonnenlicht hübsche Muster auf den Boden malt. Den Eram Garten besuchten wir noch, ein schönes altes Haus steht auf dem großen Grundstück, dass man nicht besichtigen kann. Der Eram-Garten ist ein botanischer Garten, der bereits seit ca. 1038 besteht, er soll einer der schönsten Gärten von Shiraz sein, kann ich nicht bestätigen, den er ist zum Teil sehr ungepflegt!
Im Internet fanden wir eine Zahnklinik, als ich da anrief ging ein Anrufbeantworter dran, doch mit Ansagen in Farsi kann ich nichts anfangen. Die Dame an der Hotelrezeption musste helfen und die Ansage übersetzen. Sie erklärte, dass das Band die Öffnungszeiten nennt. Ich hatte außerhalb der Sprechzeit angerufen, die Praxis ist am Nachmittag geöffnet. Wir wollten mit dem Taxi hinfahren, leider nicht so einfach wie gedacht, die Taxifahrer kennen sich anscheinend nicht aus in ihrer Stadt. 4 Taxifahrer diskutierten hin und her, wir hofften sie haben verstanden wo es hingehen soll. Endlich fuhren wir los, der Fahrer hielt vor einem großen Gebäude, hier soll die Klinik sein. War sie natürlich nicht, er hat uns zur Universität für Zahnheilkunde gebracht! Vor der Uni standen 2 Studentinnen, ich sprach sie an, sie kennen die Straße und die Praxis wo ich hin muss, die ist ca. 3km entfernt. Pardis bot an uns hinzubringen, wir stiegen in ihren kleinen Peugeot und los ging es. Während der Fahrt unterhielt ich mich nett mit ihr, eine sehr sympathische junge Frau. Wir sprachen über ihr Studium, das Leben hier in Shiraz und ich erzählte von Deutschland und meiner Heimatstadt Köln. Wir bogen in die richtige Straße ein und schon waren wir an der Dr. Mina Dental Clinic. Der Wartebereich war sehr voll, ich rechnete mit einer langen Wartezeit. Zunächst schilderte ich mein Problem am Empfang, die Dame schickte mich weiter, ich wurde erneut nach meinem Problem gefragt, mein Name wird notiert, es wird telefoniert und eine weitere Frau begleitet mich ein Stockwerk höher. Die Chefin Dr. Mina, begrüßt mich, es werden 2 Röntgenaufnahmen gemacht und als ich vom Röntgen komme sieht sich Micha mit der Ärztin auf dem Laptop die Bilder an. Eine Füllung ist gebrochen, die verursacht hauptsächlich die Schmerzen und zwei weitere Zähne haben unter der Füllung Karies und machen ebenfalls Probleme. Sie erklärt die Behandlungsmöglichkeiten und die Kosten und ich haben einen Termin für den nächsten Morgen. Mit mulmigen Gefühl geht es morgens zum Zahnarzt, diesmal zu Fuß, da kommen wir wenigsten sicher ans Ziel. In der Praxis muss noch der Patientenbogen ausgefüllt werden, alles in Farsi, die Frau am Empfang übersetzt und zeigt wo ich meine Daten eintragen muss und dann heißt es warten. Als nächstes werden wir zur Kasse gebeten, die Rechnung begleichen, meine 3 neuen Zahnfüllungen kosten 4.550000 Rial, das sind etwa 110 Euro. Ich werde ins Behandlungszimmer im Erdgeschoss gebracht, eine andere Patientin liegt noch auf dem Stuhl, aber sie ist fast fertig. Komisch bei der Behandlung einer fremden Person anwesend zu sein, hier ist eben alles ein wenig anders. Im oberen Stockwerk werden feste Zahnspangen eingesetzt, Zähne gebleicht etc. hier sieht es aus wie im modernen Großraumbüro, mehrere Behandlungsplätze liegen nebeneinander im Halbkreis ohne Sichtschutz und die Chefin geht umher und schaut, ob alles korrekt gemacht wird. Die andere Patientin ist fertig und nun bin ich dran. Die Ärztin ist sehr nett, wir unterhalten uns zunächst, sie hat sogar mal versucht deutsch zu lernen, um in Deutschland zu studieren, hat es aber wieder aufgegeben, einfach zu schwer. Ich bekomme Betäubungen, spüre von der Behandlung nichts mehr und nach über einer Stunde bin ich fertig. Die Behandlung unterscheidet sich nicht von der in Deutschland, auch hier wird mit Composite-Füllungen gearbeitet, alles ist sauber und steril, ich habe mich gut aufgehoben gefühlt. Nachdem die Betäubung nachgelassen hat, hatte ich noch Schmerzen, essen ging nicht, doch am nächsten Tag war ich beschwerdefrei. Jetzt kann die Reise ohne Zahnschmerzen weiter gehen!


Vom 23.Oktober 2014 – 01.November 2014 Tag 210 – Tag 219
Shiraz-Bandar Abbas-Ferry 614 km; Gesamtkilometer: 9210km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Wieder zurück auf der Straße, die letzten Kilometer bis Bandar Abbas müssen irgendwie bewältigt werden. Die Landschaft ist karg, je weiter südlich wir kommen umso trockener und heißer wird es. Doch zunächst kommen wir an der Fleischmeile vorbei. Unzählige kleine Geschäfte mit ein paar Ziegen oder Schafen vor der Tür, die Tiere stehen in der prallen Sonne und sobald sich ein Kunde eines ausgesucht hat werden die Messer gewetzt und es an Ort und Stelle geschlachtet. Für uns ein wenig gewöhnungsbedürftig! Trotz extremer Trockenheit wird Landwirtschaft betrieben, wir kommen an Plantagen mit Granatäpfeln vorbei und viele Dattelpalmen säumen den Weg, später folgen Baumwollfelder. Der viele Dreck und Staub schlägt einem zunehmend aufs Gemüt, wir sind froh, als wir in Lar ankommen und endlich wieder duschen können. Die letzten 5 Tage waren kein wirkliches Vergnügen mehr, Hitze, ein letzter ordentlicher Anstieg, immer alles voller Dreck, ich war nur noch genervt! Weiter fahren ging nur noch mit dem Gedanken möglichst schnell in Bandar Abbas anzukommen! Hinter Lar wurde es nicht besser, zu allem Übel kommen jetzt noch Fliegen. Bleibt man stehen, so ist man sofort von Fliegenschwärmen umringt, die Biester versuchen möglichst in Augen, Nase, Mund oder Ohren zu krabbeln, grauenhaft! Kochen und essen wird zur Tortur, die Biester sind einfach überall! Wir mussten mit unserem Topf ständig in Bewegung bleiben, damit die Fliegen nicht ständig in unserem Essen sitzen. Wenn langsam die Dämmerung einsetzt verschwinden auch die Fliegen, leider sind sie am nächsten Tag wieder da!
Die Versorgung mit Lebensmitteln und Getränken ist nicht ganz einfach, nur noch ab und zu kleine abseits gelegene Siedlungen. Manchmal kommt eine unscheinbare Bude am Straßenrand, die tatsächlich eine Art Mini-Market ist, aber außer Kaltgetränke und Süßwaren gibt es nichts. So essen wir mittags irgendwelche Kuchen und abends kochen wir etwas aus unseren Vorräten. Ständig nur Kekse und Kuchen zum Mittagessen ist nicht das Wahre auf Dauer, aber was will man machen, wenn man unterwegs kein Brot kaufen kann. Wir freuen uns wie kleine Kinder über eine Tafel Schokolade, als ein Iraner anhält und uns sein Mittagessen anbietet. Es gibt Reis mit Brot und eine Art Gemüse mit etwas Fleisch gemischt. Dazu noch eine Flasche eiskaltes Wasser, endlich mal etwas sinnvolles. Oft genug bekommt man Dinge, die man nicht will, nicht mag und nicht brauchen kann. Ein Iraner meinte uns mit einem ganzen Sack Granatäpfeln beglücken zu müssen. Ein Nein wird grundsätzlich nicht akzeptiert und so stehen wir mitten in der Pampa mit einem Sack Granatäpfeln da, 20 von den Dingern, die wir nicht mögen und schon gar nicht transportieren können! Gastfreundschaft beinhaltet für mich auch ein nein akzeptieren zu können, nicht so im Iran, man muss alles nehmen oder man bekommt es einfach vor die Füße gestellt, ob die Gabe gewollt ist oder gebraucht wird interessiert nicht! Dazu kommen noch die nervigen Mopedfahrer, die einen bedrängen, uns in Gefahr bringen, ihr „Hello“ und „Hwo are you“ anbringen müssen oder uns auslachen, weil wir radeln und nicht Moped fahren. Dann gibt es noch die Sorte Iraner, die einen einfach in jeder Lage abfotografieren, natürlich ohne zu fragen! Schon schwer nachvollziehbar, wenn von uns ständig Rücksichtnahme gegenüber anderen Kulturen gefordert wird, dazu gehört auch, nicht einfach loszuknipsen. Respekt gegenüber Frauen ist ebenfalls nicht vorhanden, als Europäerin bin ich offensichtlich Freiwild und jeder darf mich anfassen! Im Aufzug, im Restaurant, egal wo, plötzlich spüre ich Hände an meinem Körper! Dem Iraner ist es dabei sogar völlig egal, ob mein Mann neben mir steht! Und zu guter Letzt sind wir in Bandar Abbas noch mit Granatäpfeln beworfen wurden! Es gibt glücklicherweise auch ganz normale freundliche Menschen im Land, genauso, wie in anderen Ländern auch, deshalb können wir es nicht verstehen, warum der Iran bezüglich Gastfreundschaft immer so hervorgehoben wird! In der Türkei, Armenien, Georgien und den vielen anderen besuchten Ländern haben wir nette, hilfsbereite und gastfreundliche Menschen getroffen, die auch ein Nein akzeptieren konnten!
Endlich in Bandar Abbas finden wir ein günstiges Hotel und direkt gegenüber ein Reisebüro. Die Bala Parvaz Tour & Travel Agency bucht für uns die Tickets (45 Euro pro Pers.) für die Fähre nach Sharjah, das Emirat liegt neben Dubai. Nur wo der Hafen liegt wissen die Angestellten im Reisebüro nicht, das ist typisch Iran!
Wir sind zum ersten Mal am Persischen Golf und machen einen kleinen Rundgang. Sehen Geschäfte, einen kleinen Bazar, es werden viele Shopping-Center gebaut und dann stehen wir am Meer. Doch nichts ist mit Strandleben, kein Cafe, kein Restaurant am Wasser, nur Shisha rauchende Männer, ein paar Kinder und Männer schwimmen, Frauen sind nicht zu sehen. Doch, 3 Frauen stehen unter Bäumen und langweilen sich, schon traurig, wenn man bei 38 Grad im Schatten nicht mal schwimmen gehen darf! Ich bin mal wieder froh eine Europäerin zu sein.
Dank Navi und herumfragen bekommen wir den richtigen Hafen heraus. Der Shahid Bahonar Port liegt etwa 10 km vom Stadtzentrum entfernt. Wir müssen 4 Stunden vor Abfahrt dort sein, unser Schiff geht um 21 Uhr. Zur Zeit geht die Fähre am Mittwoch und Samstag jeweils um 21 Uhr. Wir haben noch reichlich eingekauft, weil natürlich keiner sagen kann, ob es etwas gibt auf dem Schiff! Ein Pärchen mit Tandem aus Frankreich hat ebenfalls ordentlich eingekauft. Hätten wir uns sparen können, denn an Bord gibt es Abendessen und Frühstück, ist im Ticketpreis enthalten. Unser Gepäck musste komplett durch den Scanner, dann wieder warten in der nächsten Halle bis es auf das Schiff geht. Die Fähre ist eine ehemalige Autofähre und so ist reichlich Platz für die Räder. Aus den 8 Stunden Fahrzeit wurden 12 Stunden, bis weit nach Mitternacht dröhnte der Fernseher mit uralten Kriegsfilmen, dann war endlich Ruhe! Das Schiff war nicht ausgebucht und so konnte man sich auf eine Bank zum Schlafen legen. Morgens in Sharjan wurden die Passagiere mit dem Bus zum Einreiseterminal gebracht, wir Radler wurden von einer Polizeieskorte durch das Hafengelände begleitet. In der Wartehalle sorgte ein Beamter für Ordnung, man wurde in Gruppen aufgerufen und stellt sich dann an den Einreiseschalter, Stempel in den Pass, fertig. In der nächsten Halle wieder das Gepäck durch den Scanner und die Einreiseformalitäten sind erledigt. Wir sind in den Emiraten und ich werfe als erstes mein Kopftuch weg!

 

 

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