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Bericht Iran Teil 2 von Qom bis Naein
Vom 21.September 2014 – 02.Oktober; 16 Tage
Gesamt Iran (1162 km, 33 Tage)


Vom 21.September 2014 – 23.September 2014 Tag 176 – Tag 178
Qom-Kashan 109 km; Gesamtkilometer: 7548

Autor: Andrea Büchsenschütz

Wir waren auf dem Weg raus aus Qom, als wir unzählige Zelte vor einer großen Moschee sahen, es herrschte reges Treiben, ein kommen und gehen. Später recherchierten wir, dass es sich um die Jamkaran- Moschee handelt, eine schiitische Pilgerstätte.
Der Weg Richtung Kashan lies sich gut fahren, der Rückenwind half enorm und zu sehen gab es sowieso wenig. Trockene kahle Landschaft umgeben von Bergen, wenige Ortschaften und ab und zu ein paar Felder. Micha bog von der Hauptstraße in einen kleinen Ort ab und besorgte Wasser, ich wartete an einem ehemaligen Restaurant im Schatten und bekam eine dicke Wassermelone geschenkt. Zum Mitnehmen zu schwer, also besser an Ort und Stelle verzehren, zumal es hier auch Schatten gibt. Das Zelten sollte sich heute auch noch schwieriger gestalten als erwartet. Wir bauten uns mangels Schatten mit unseren Rädern und der Zeltunterlage ein kleines sonnengeschütztes Plätzchen hinter einem Hügel und wollten abwarten bis es dunkler wird. Denn zum Zeltaufbau war es eindeutig zu hell, doch daraus wurde nichts, weil plötzlich zwei Polizisten auftauchten, einer sogar mit Maschinengewehr in der Hand. Zur Unterstützung hatten sie noch einen Mann dabei, der Deutsch sprach. Jedenfalls mussten wir weiter, weil es hier mal wieder angeblich zu gefährlich ist! Toll, es ist schon recht spät, bis Kashan schaffen wir es nicht und trotzdem müssen wir weiter radeln. In die Dämmerung hinein fahren finde ich weit aus gefährlicher als irgendwo im Nichts zu Zelten, aber was soll´s, Widerstand ist bei der hiesigen Polizei sicher keine gute Idee. Natürlich kam erst mal lange keine Zeltmöglichkeit, doch kurz vor Kashan endlich ein kleines Wäldchen und so bauten wir das Zelt bei Dunkelheit auf und kochten noch Abendessen.
So waren wir dichter an Kashan als geplant und dementsprechend früh in der Stadt, doch die Suche nach dem kleinen Hotel nahm noch ziemlich viel Zeit in Anspruch. Die Hotels liegen in den engen alten Gassen und sind in historischen Häusern untergebracht, es gibt Wegweiser, die auch schwer zu finden sind und so umkreisten wir das Viertel, fragten uns durch und kamen ans Ziel. Leider war das erste Hotel ausgebucht, doch das Negin Historical House hatte noch ein schönes Zimmer frei. Die alten historischen Häuser sind meist zweistöckige Lehmziegelbauten mit schönen Innenhöfen. Die Zimmer liegen zum Innenhof und haben mehrere große Türen, der Baustil ist typisch, alle Häuser ähneln sich, das Taj Historical House haben wir noch besichtigt. Der alte Basar ist ebenfalls sehr sehenswert, viele Gassen, immer wieder Innenhöfe und in einem gibt es einen kleinen Teeverkauf, gemütlich. Der Ort ist schon sehr touristisch, so viele Touristen habe ich lange nicht gesehen, trotzdem gibt es hier nicht den sonst üblichen Touristennepp zu kaufen. Verlaufen klappt auch gut hier, denn unser Viertel besteht aus vielen kleine Gassen, alle sehen irgendwie gleich aus. Man sieht immer nur braune Lehmwände, Türen und Bögen, nichts Markantes, dass man sich merken könnte und die Einheimischen sind auch keine große Hilfe bei der Suche. Die Gassen haben natürlich keine Straßenschilder, es wurde zunehmend dunkler und wir waren froh, als wir wieder an einer großen Hauptstraße standen. Erst neu orientieren, dann in die richtige Hauptstraße einbiegen und jetzt schön den selben Weg einschlagen, auf dem wir unser Viertel am Nachmittag verlassen haben. Tatsächlich, unser Hotel taucht auf, große Erleichterung und jetzt können wir entspannt zum Abendessen gehen. Wir waren im Manouchehri Historical House essen, leider kann man hier nie draußen speisen, toller Innenhof und man muss drinnen essen.
Außengastronomie ist hier anscheinend nicht üblich, nur Tee trinken geht auch im Innenhof, sehr schade.
Morgen geht es weiter über Ardestan nach Esfahan, werden wohl am Wochenende dort sein und in der darauffolgenden Woche unsere Visum-Verlängerung in Angriff nehmen. Unser Radlerfründ Robert aus Österreich hat heute weitere 30 Tage erhalten, Glückwunsch.


Vom 24.September 2014 – 28.September 2014 Tag 179 – Tag 184
Kashan-Esfahan 264 km; Gesamtkilometer: 7813

Autor: Andrea Büchsenschütz

Hello! How are you? Wir hören schon fast nichts anderes mehr, jeder Zweite Iraner muss uns wohl zwanghaft mit „Hello“ und „How are you“ ansprechen. Normalerweise sollte daraus ein Gespräch entstehen, doch hier eben gerade nicht, denn Viele beherrschen nur diese beiden Sätze und verstehen nicht mal die Antwort! Diese unzähligen „Hello“ und „How are you“ können wir langsam nicht mehr hören und reagieren oft nicht mal mehr, denn man bekommt schon recht schnell mit, ob sich Jemand wirklich unterhalten will oder nur kurz seine beiden einstudierten Sätze anbringen muss. Glücklicherweise treffen wir genauso oft auf Menschen, die sich gerne mit uns unterhalten wollen und an uns und unserer Reise großes Interesse haben. Wir verlassen Kashan natürlich auch mit unzähligen „Hello“ und „How are you“, doch bald schon ist Ruhe. Die Straße zwischen Kashan und Esfahan ist wenig befahren, ab und zu mal ein LKW oder Auto. Wir sind ziemlich allein in der staubigen trockenen Ebene, in der Ferne kleine Dörfer, sonst weit und breit nichts. Die Sonne brennt wie gehabt vom Himmel, obwohl auch hier Herbst ist, ist es tagsüber noch immer heiß. Mir ist es mittlerweile schon zu viel an Sonne, seit Monaten scheint sie, wir haben mehr oder weniger Dauersommer! Und auf so einsamen Straßen denke ich an die schöne kühle Heimat, an Wolken und Regen und vermisse das viele Grün. Ein bisschen Heimweh kommt hinzu, die Familie, die Freunde fehlen und so bin ich froh nicht allein auf dieser Reise zu sein! Auch wenn unsere Bilder sicher tolle Eindrücke vermitteln, so können sie nicht wiedergeben, wie heiß es gerade ist, wie anstrengend es ist, wie man sich fühlt, so eine Reise ist nicht nur Vergnügen, sondern bringt uns auch oft an die eigenen psychischen und physischen Grenzen.
Zeltplätze finden wird nicht einfacher, doch an diesem Abend finden wir mal wieder eine Unterführung. Es dämmert bereits als wir plötzlich Trommeln hören, wir blicken aus unserer Unterführung und erkennen, dass wir wohl in unmittelbarer Nähe zu einer Kaserne zelten! Ups, gut dass uns keiner gefunden hat, denn das hätte Ärger geben können. Wir befinden uns nämlich in einem Gebiet, wo die unterirdischen Atomanlagen stehen, die natürlich bewacht sind. Bei so viel Militär in unmittelbarer Nähe sind wir natürlich absolut sicher, wir werden schließlich mitbewacht!!!
Durch die Uhrumstellung auf Winterzeit wird es früh dunkel, schon gegen 18:00 Uhr neigt sich der Tag dem Ende zu und um 19:00 Uhr ist es finster. Es wird auch früher hell, deshalb müssen wir schon zwischen 4:30 und 5 Uhr aufstehen. Um 5 Uhr ist es hell und ab 7 Uhr brennt das gelbe Ding namens Sonne erbarmungslos auf die Erde, Schatten bzw. Bäume gibt es nicht, also möglichst früh los, denn in den Morgenstunden ist es noch angenehm. Nachts kühlt es ordentlich ab und so habe ich morgens sogar eine Jacke an, von mir aus könnte es ruhig kühl bleiben! Kühl und schattig ist es nur noch in Parks, die meisten größeren Orte haben mindestens einen Park und so machen wir in Ardestan eine ausgiebige Pause. Die Parks werden gehegt und gepflegt, jede Menge Gärtner sind aktiv und es werden riesige Mengen Wasser benötigt. Oft stehen ganze Baumreihen und Wiesen unter Wasser, sonst würde bei der Hitze alles ganz schnell eingehen. Die Bäume halten auch den Wind und damit verbunden den Staub in Schach. Manchmal ist der Wind so stark, dass es richtige kleine Sandstürme gibt und genau so einer wehte wohl nachts über unser Zelt. Alles war anschließend mit einer feinen Staubschicht überzogen, die Taschen im Vorzelt waren komplett eingestaubt und auch der Zelt-Innenraum blieb nicht verschont! Es wehte morgens noch immer ordentlich und zu allem Überfluss hat sich die Windrichtung geändert, so dass wir jetzt Gegenwind haben!
Im Schneckentempo bergan mit sattem Gegenwind, mich hat es einmal vom Rad geweht, also laufen und Rad schieben, ging sogar schneller. Ich sehe einen kleinen Sandsturm, der ändert die Richtung und weht über mich hinweg, krampfhaft halte ich mein Rad fest und hoffe, dass es bald vorbei ist! Passiert ist nichts, aber es gibt schönere Momente! Orte gibt es auch kaum, nach gut 20 km gegen 13:00 Uhr erreichen wir Bagham, ein kleines Bergdorf. Es ist Freitag, der Mini-Market eigentlich geschlossen, doch die Bewohner holen die Inhaberin und so können wir einkaufen. Wir wollen verschnaufen und unseren eben erworbenen Kuchen essen, doch daraus wird nichts, den Kuchen müssen wir wieder wegpacken. Die Dorfbewohner lassen es sich nicht nehmen uns zu bewirten und so gibt es lecker Hähnchen und einen großen Berg Reis! Wir verlassen den kleinen Ort wieder, wir wollen die Passhöhe vorm Dunkelwerden erreichen und sind nach wenigen Kilometern oben auf 2202m. Kurz vor der Passhöhe warte ich auf Micha, als ein Auto hält, die Familie ist auf dem Rückweg vom Ausflug. Der Fahrer spricht mich mit „Hello Sir“ an, ich Grinse still in mich hinein, denn er hat nicht gemerkt, dass ich eine Frau bin! Ich habe heute die Haare unter dem Helm versteckt und auf das Kopftuch verzichtet, in den weiten Klamotten und mit Sonnenbrille bin ich anscheinend nicht unbedingt als Frau erkennbar! Natürlich trage ich sonst immer Kopftuch, nur hier auf der einsamen Straße merkt das eh niemand und so hat der Gegenwind wenigstens meinen Kopf gekühlt. Jedenfalls habe ich mein Kopftuch wieder angezogen, falls noch mehr Auto´s halten. Auf der Passhöhe hielt prompt das nächste Fahrzeug, eine Familie aus Esfahan überschüttete uns förmlich mit Obst, wir unterhielten uns nett und nachdem sie noch Fotos gemacht haben, waren wir wieder allein und konnten das entdeckte Nachtquartier beziehen, diesmal keine Unterführung, gibt es hier nicht mehr, sondern eine halbfertige Garage.
Der Gegenwind störte am Morgen nicht mehr so sehr, denn es ging wieder bergab, dann über eine Hochebene und weiter runter. Ein Fahrzeug hielt, wir mussten wieder Obst mitnehmen und Micha bekam die Telefonnummer vom Familienvater. Micha kann jetzt schon ein kleines Telefonbuch mit Nummern von Iranern anlegen, lustigerweise sind es zumeist Iraner, die überhaupt kein englisch sprechen. Keine Ahnung, wie sie mit Micha telefonieren wollen, sollte er tatsächlich anrufen, aber es ist sicher nett gemeint, wenn wir Hilfe brauchen können wir anrufen! Es ist jetzt nicht mehr weit bis Esfahan, trotzdem wollen wir noch einmal zelten, denn erst am späten Nachmittag in der Stadt ankommen und Unterkunft suchen ist wenig sinnvoll. In Habibabad finden wir einen Park und ein angrenzendes Waldstück, genau der richtige Ort zum Zelten.
Wir sind früh unterwegs und schon um kurz nach 9:00 Uhr in Esfahan auf dem Meidan-e-Imam, der Hauptsehenswürdigkeit. Als Erstes treffen wir auf eine kleine Reisegruppe aus Hamburg, sehr sympathische Leute, die uns den Weg zu ihrem Hotel erklären, das liegt in einem historischen Haus. Es ist schnell gefunden, doch Pech gehabt, sie haben nur ein Zimmer für zwei Nächte, doch wir brauchen mindestens 4 Nächte, denn neben Sightseeing müssen wir uns um die Verlängerung unseres Visums kümmern. Jetzt beginnt die Odyssee der Hotelsuche, wir klappern eines nach dem anderen ab, durchradeln die halbe Innenstadt, fragen Leute, besichtigen diverse Zimmer, das mit Abstand schlimmste Zimmer liegt im Keller neben der Tiefgarage! Die Hotels sind entweder zu teuer, grauenvoll oder ausgebucht und so zieht sich die Suche bis nachmittags hin. Falls jemand ein Hotel in Esfahan sucht, uns ansprechen, wir kennen uns aus im Zentrum, könnten fast einen Hotelführer schreiben! Unterkünfte übers Internet suchen ist schwierig und wenig ergiebig, Touristeninformationen gibt es nicht und so muss man eben die Stadt abklappern bzw. durchradeln, bei 1,7Mio. Einwohnern sehr zeitaufwendig. Wir finden schließlich ein Apartmenthotel, klasse, viel Platz, wie in einer Ferienwohnung, zentral gelegen und bezahlbar. In der nahegelegenen Einkaufsstraße geht’s ab ins Kentucky House, heute gibt’s Burger mit Pommes, hmm lecker. Ein kleiner Stadtrundgang schließt den anstrengenden Tag ab.


Vom 29.September 2014 – 03.Oktober 2014 Tag 184 – Tag 189
5 Ruhetage in Esfahan 0 km; Gesamtkilometer: 7813

Autor: Andrea Büchsenschütz

Esfahan erlebte seine Blütezeit unter der Herrschaft der Safawiden, eine Fürstendynastie aus Persien, die von 1501 bis etwa 1722 regierte. Schah Abbas der Erste erklärte Esfahan zur Hauptstadt und bekann mit dem Ausbau der Stadt, es entstanden zahlreiche Prachtbauten.
Unsere Sightseeing-Runde startet durch die schönen Parkanlagen vorbei am Hasht Behesht Palast zum Chehel soton Palast (40 Säulenpalast), den wir besichtigen. Der Palast liegt inmitten einer weitläufigen Gartenanlage, verzierte Säulen aus Zypressenholz schmücken den Eingangsbereich. Viele Spiegelkacheln verleihen ihm einem außerordentlichen Glanz und die zahlreichen Wandmalereien im Inneren spiegeln das Leben zur Zeit der Safawiden wider. Nach der Besichtigung genossen wir noch einen Tee im schattigen Garten, bevor wir uns auf den Weg zum Meidan-e-Emam machen.
Der Meidan-e-Emam ist einer der größten Plätze der Welt, er ist über 500m lang und etwa 160m breit. Abbas der Erste ließ den Platz anlegen, an seiner Westseite liegt der Ali Qapu Palast, der Königspalast, der eine Aussichtsplattform mit Zedernholzsäulen hat. Die Aussicht auf den Meidan-e-Emam ist z.Z. leider nur eingeschränkt möglich, da hier umfangreiche Restaurierungsarbeiten stattfinden. Im Süden befindet sich der Eingang zur Masdsched-e-Emam, der Königsmoschee. Da der Platz in Nord-Südausrichtung erbaut wurde, musste die hinter dem Eingangsportal befindliche Moschee im 45 Grad Winkel errichtet werden (Ausrichtung nach Mekka). Im Osten steht die Masdsched-e-Sheich Lotfolläh, diese Moschee wurde bis zur Fertigstellung der Königsmoschee von der Königsfamilie genutzt. Im Norden befindet sich der Eingang zum Königlichen Basar. In anderen Städten hatten wir bereits einige Basare besucht, in denen noch alltäglicher Handel betrieben wird. Hier in Esfahan merkt man jedoch deutlich den Einfluss durch vermehrten Tourismus, zahlreiche Reisegruppen aus Europa bevölkern die Stadt. Und um den Bedürfnissen dieser Gruppen gerecht zu werden findet sich hier mittlerweile auch der mehr oder weniger übliche Touristennepp. Man wird zunächst angesprochen und in ein Gespräch verwickelt, teilweise sprechen die Iraner sogar deutsch, doch dabei handelt es sich häufig um Personen, die uns ihre Läden präsentieren wollen und auf ein gutes Geschäft hoffen. Genug Touristen sind hier unterwegs, die in den zahlreichen Geschäften Teppiche, Taschen und Nippes kaufen, wir tragen unser Geld lieber in das nächste Restaurant und verwöhnen unseren Gaumen.
Unser Visum läuft am 3.10. aus und so fahren wir mit dem Taxi zur Ausländerbehörde in der Roodaky Street. Zunächst muss Micha den Fotoapparat und das Handy abgeben, dann gehen wir getrennt durch die Sicherheitskontrolle, weiter über den Hof ins Gebäude. Wir müssen an Schalter 17, die Zahl steht dort sogar in unserer Schreibweise und nicht nur in Farsi. Wir warten mit anderen Reisenden, ich sehe Pässe aus Aserbaidschan oder dem Irak. Das Mini-Fenster öffnet sich und Micha trägt unser Anliegen vor, für mich interessiert sich keiner, ich bin ja nur die Frau. Der Beamte erfragt unsere Reiseroute und will uns wohl am liebsten abwimmeln, denn wenn wir nach Yazd wollen, dann können wir das Visum ja auch dort verlängern. Micha wirft ein, das wir mit dem Rad unterwegs sind und es bis Yazd noch weit ist. Ich mische mich auch einfach mal ein uns teile ihm mit, dass unser Visum am Freitag ausläuft und heute ist schon Dienstag. Also muss er sich wohl doch mit uns beschäftigen, er gibt uns einen Schnipsel, damit müssen wir zur Melli Bank und jeweils 300.000 Rial einzahlen, dann schickt er uns nach unten in den Hof. Dort steht eine Art Container, die Ausgabe für Anträge aller Art. Viele Leute warten, der Beamte kommt, es wird geschoben und vorgedrängelt, jeder will Erster sein! Hier erhalten wir rosafarbene Mappen und das Antragsformular in dreifacher Ausfertigung für 30.000 Rial. Die erste Hürde ist genommen, wir verlassen das Gebäude, gegenüber ist der Copy-Shop, wo wir Kopien unserer Pässe und vom Visum machen. Jetzt noch auf zur Bank, fragen hilft und so finden wir das Gebäude. Das Geldeinzahlen ist kein Problem, den Einzahlungsschein füllt der Mitarbeiter aus, zum Glück, denn Farsi können wir nicht. Ich bekomme vom Mitarbeiter am Nebenplatz eine Nuss geschenkt und Tee angeboten und schon ist die Quittung fertig. Zurück in der Ausländerbehörde füllen wir den Antrag aus, neben mir sitzt ein Pärchen aus Südkorea, lustigerweise wohnen sie im selben Hotel, wir unterhalten uns später über die jeweiligen Reisepläne. Noch schnell alles in die rosa Mappe sortieren, Antrag, Kopien, Bankbeleg und Passfotos und zurück zum Schalter 17. Das übliche Gedränge herrscht, doch wir kommen dran, er sichtet unsere Mappen, dann knallt er diverse Stempel auf die Dokumente und gibt uns Abholzettel. Wir sollen am nächsten Tag gegen 11:00 Uhr kommen. Scheint mit der Visumverlängerung tatsächlich zu klappen. Nach 2 Stunden Behördenmarathon sind wir geschafft und holen uns zur Stärkung ein Eis. Wir sind in der Nähe vom armenischen Viertel, also laufen wir noch zur Vank-Kathedrale. Ein kurzer Zwischenstopp an einem Reisebüro, weil wir noch ein paar Informationen bezüglich Fähren nach Dubai brauchen. Im Reisebüro hängen Plakate diverser Metropolen und sogar ein Werbeplakat mit Hohenzollernbrücke und Kölner Dom, hier müssen demnach nette Menschen arbeiten. Und so ist es dann auch, obwohl klar ist, dass wir nichts kaufen wollen kümmert sich eine Mitarbeiterin um unser Anliegen. Sie telefoniert herum, sucht im PC und nun wissen wir Fährzeiten und Kosten, super.
Während des Krieges gegen die Osmanen siedelte Abbas der Erste Armenier aus der Stadt Dscholfa in Esfahan an und diese begannen mit dem Bau der Vank-Kathedrale. Im Inneren der Kathedrale finden sich viele gut erhaltene Wandmalereien, u.a. Darstellungen der Schöpfergeschichte, die Kathedrale ist auf jeden Fall sehenswert. Angegliedert ist ein Museum, in dem auch auf den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich 1915 hingewiesen wird. Uns war bis jetzt nicht bewusst, dass ein derartiger Völkermord stattgefunden hat, bei dem ca. 1,5 Mio. Armenier getötet wurden. Die gezeigten Bilder erinnerten sehr stark an Bilder, die wir vom Völkermord an den Juden zur Nazi-Zeit kennen. Von so viele Eindrücken ganz erschöpft sitzen wir im Schatten eines Geschäftes, als wir angesprochen werden. Wir unterhalten uns mit einer sehr netten Familie aus Shiraz, sie befinden sind auf dem Heimweg von ihrer Rundreise. Wir müssen versprechen sie in Shiraz zu besuchen, sie schreiben uns die Adresse und diverse Telefonnummern auf und fügen eine genaue Wegbeschreibung in Farsi für den Taxifahrer hinzu.
Wir haben noch ein ganzes Stück zu laufen und machen uns bald auf den Weg Richtung Fluss. Noch eine Sehenswürdigkeit ist die Si-o-se Pol, die 33 Bogen-Brücke über den Fluss Zayandeh Rud. Natürlich wieder ein Bauwerk von Abbas dem Ersten, er wollte seine 4 Gärten und die Stadtviertel miteinander verbinden. Da wir uns im Dauersommer befinden überspannt die Brücke im Moment einen ausgetrockneten Fluss! Das Flussufer ist begrünt und lädt zum Flanieren ein, nur eben ohne Blick aufs Wasser. Die Tretbote liegen auf dem Trockenen und hoffen auf ihren Einsatz im nächsten Frühjahr!
Die Spannung steigt, werden wir unsere Visumverlängerung bekommen, wieviele Tagen werden genehmigt. Erneut durch die Sicherheitskontrolle, diesesmal muss ich mir einen Tschador umhängen, keine Ahnung warum, beim ersten Besuch brauchte ich keinen! Das übliche Gedränge an Schalter 17, der Beamte holt Micha´s Mappe, er muss noch einen Fingerabdruck abgeben und im Pass ist die gewünschte Verlängerung um 30 Tage. Nur mein Antrag ist nicht fertig!!! Ein kurzes mulmiges Gefühl stellt sich ein. Der Beamte erklärt, das er mit meiner Mappe zu seiner Schwester in ein anderes Büro muss und verschwindet. Wir setzen uns und warten, ich zerfließe so langsam in meinen vielen Kleidungsstücken und der Tschador wärmt zusätzlich! Dann maschiert er wieder an uns vorbei, viele Mappen unter dem Arm, auch meine! Weiter warten, er ruft uns auf, nimmt meinen Fingerabdruck, gibt mir den Pass und fragt noch, ob das mein Ausweis ist, zeigt mir die Verlängerung und wir verabschieden uns erleichtert, hat alles geklappt und das in nur 2 Tagen!!!
Außer diverser Sehenswürdigkeiten und Visumverlängerung gibt es noch Anderes zu tun und zu bestaunen, dazu gehören operierte Nasen! Anscheinend ist es hier Mode sich die Nase richten zu lassen, ich habe noch nie so viele Frauen und auch Männer gesehen, die ganz offensichtlich gerade erst vom Schönheitschirurgen kommen und ihre Nasenpflaster auf den frisch gemachten Nasen präsentieren. Auch schön ist der Laden, in dem man Plastiktüten aller Art kaufen kann, sogar welche mit H&M Aufdruck! Auch wir haben zugeschlagen und eine neue große Tüte für unsere Bastmatte erworben. Nach 6 Monaten hat die Tüte, die immer hinten an meiner Quertasche hängt ausgedient. Fahrradläden haben wir auch gefunden, recht gut sortiert und einen kleinen Outdoorladen. Dieser hat hauptsächlich europäische Produkte bekannter Marken, z.B Rucksäcke, Kleidung, Schlafsäcke, Alles-Brenner, natürlich sind diese Importprodukte richtig teuer!
Nach 5 Tagen in Esfahan geht es wieder auf die Straße, auf nach Yazd! Noch weitere 4 Wochen Zeit für die Reise Richtung Bandar Lenghe, dann mit der Fähre nach Dubai. Wir planen gerade die weitere Route, es wird nach Südostasien gehen, es bleibt spannend!


Vom 03.Oktober 2014 – 06.Oktober 2014 Tag 189 – Tag 192 Esfahan-Naein 150 km; Gesamtkilometer: 7927

Autor: Andrea Büchsenschütz

Esfahan verlassen wir am Freitag, deshalb ist alles ruhig, kein Berufsverkehr, alles schläft noch. Wir kommen durch ein Industriegebiet am Stadtrand, vom Weiten sieht man schon den Smog. Das Atmen fällt schwer, es fühlt sich an, als ob man permanent hinter einem alten stinkenden LKW fährt!
Direkt an der Straße lag ein alter Taubenturm. Als es noch keine Düngemittel gab hat man Tauben in sog. Taubentürmen gehalten und deren Kot als Dünger z.B. in der Landwirtschaft genutzt. Teilweise sind die Türme von Tauben bevölkert, doch ihr Kot wird schon lange nicht mehr als Dünger genutzt.
Beim Radeln brauchte man nicht mal mehr denken, Kurven kommen nicht, es geht immer geradeaus, 80km immer dem schwarzen geraden Asphaltband folgen! Wenn wir 2415m Höhe erreicht haben ist es geschafft, doch die Steigung zieht sich über etwa 100km.
Es brausen LKW und Auto´s an uns vorbei, Mopeds sind viele unterwegs. Meistens sind die Fahrer rücksichtsvoll und bringen uns nicht in Gefahr. Trotzdem gibt es ganz eigene Verkehrsregeln, Mopeds fahren überall, d.h. sie kommen über die Gehwege, fahren entgegen der Fahrtrichtung, ignorieren rote Ampeln und Hupen dabei ständig. Auto´s nehmen es mit der Fahrtrichtung auch nicht immer genau, sie kommen uns schon mal auf dem Standstreifen entgegen oder sie fahren in zügigem Tempo rückwärts. Ich weiß nicht, ob iranische PKW einen Turbo-Rückwärtsgang haben, jedenfalls sind sie unglaublich schnell. Der Rückwärtige Verkehr wird nie beachtet, einfach Rückwärtsgang rein und Vollgas zurück. Dabei passieren auch mal kuriose Dinge, denn ein Fahrer hat es bei einem solchen Manöver geschafft seinen PKW rückwärts auf einen hohen Bordstein einzuparken. Der Wagen hing fest, beide Hinterräder standen in der Luft und drehten sich noch, da konnte ich mir das Lachen einfach nicht verkneifen, Schadenfreude ist doch die schönste Freude! Der Fahrer stieg aus und stand fassungslos neben seinem Saipa (iranische Automarke). Vielleicht hat dieser Fahrer etwas daraus gelernt und ist beim Rückwärtsfahren in Zukunft vorsichtiger.
Die letzten 30km geht es nur noch bergab, wir sehen eine große weite leere Fläche und in der Ferne die Wüstenstadt Naein. Der Wind bläst unablässig stark, meist von der Seite, er trocknet einem alles aus und brennt im Hals und in der Nase. Naein liegt am Rande der Wüste Lut und ist berühmt für eine der ältesten persischen Freitagsmoscheen. Gegründet wurde sie 960 und sie ist nahezu im Original erhalten. Sie wird regelmäßig zum Gebet genutzt, im Winter wird das Gebet im Kellergewölbe verrichtet, dieses wurde durch Alabasterplatten im Boden des Innenhofes beleuchtet.
Zahlreiche Bustouren standen bereits davor, die Moschee wird von allen Reiseveranstaltern angefahren, selten sieht man so viele Touristen auf einmal und in diesem ruhigen Ort gleicht es einer Invasion. Das Restaurant von unserem kleinen Hotel wird auch von eben diesen Reisegruppen heimgesucht, danach kehrt im Ort Ruhe ein. Wir sehen uns den alten Basar an und laufen durch die schönen Gassen der Altstadt, die alten Lehmziegelbauten sind kaum noch bewohnt und verfallen. Im Basar wird nur selten Handel betrieben und so steht auch hier alles leer und bröckelt vor sich hin. Es wirkt, als ob sich der Ort langsam auflöst, auch an der alten Burg nagt der Zahn der Zeit und es ist nicht mehr viel übrig von ihrer einzigen Pracht. Nur die Wasserspeicher, deren Wasser mittels danebenstehender Windtürme gekühlt werden, sind gut erhalten und werden nach wie vor genutzt. Nach einem angenehmen Ruhetag in diesem beschaulichen Ort geht es morgen weiter, wir folgen der Wüstenstraße nach Yazd.

 

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