Bericht Deutschland von Köln nach Tschechien.
Vom 29.März.2014 - 10.April.2014; 13 Tage
770 km   Köln-Grenze Tschechien


Vom 29.März 2014 - 03.April 2015 Tag 1 - Tag 6
Etappe Köln - Aschaffenburg 330km; Gesamtkilometer: 330km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Die Räder stehen bepackt im Wohnzimmer, es ist Freitag Abend, morgen soll es endlich auf die große Reise gehen. Die Gefühle schwanken zwischen Vorfreude und Abschiedsschmerz, die letzte Nacht im eigenen Bett...Samstag (29.03.) klingelt der Wecker um 6:00 Uhr, schnell einen Kaffee trinken, den Schlüssel bei der Nachbarin in den Briefkasten, ein letzter Blick zurück und los geht’s Richtung Kölner Dom. Die ersten Meter mit dem schweren Rad sind mühsam, aber man gewöhnt sich an alles...Endlich am Dom angekommen erwarten uns schon einige Freunde, die sich nochmal von uns verabschieden wollen. Kerze im Dom anzünden, Umarmungen, Tränen fließen schon wieder und dann machen wir uns mit Begleitung auf den Weg raus aus der Stadt. Irgendwann sind wir allein unterwegs und realisieren noch nicht wirklich was jetzt passiert. Immer mehr Passanten Fragen nach dem woher und wohin, stauen, wenn wir antworten es geht vom Rhein zum Main und dann Richtung Istanbul.

Auf dem bekannten Rheinradweg fahren wir weiter Richtung Koblenz, hier wollten sich Martina und Bernd nochmal mit uns treffen. Wir haben als Ziel den Campingplatz gegenüber vom Deutschen Eck anvisiert, doch der war noch zu! Ich hatte Hunger wie ein Bär und so standen wir Brot kauend vor einer Kleingartenanlage, als uns Gisela ansprach. Schnell war klar das weder in Koblenz noch in der nähren Umgebung ein Campingplatz zu finden ist und so bot sie ihren Garten als Übernachtungsmöglichkeit an. Das hat sie schon bei anderen Radlern in ähnlich misslicher Lage gemacht. Unser Abend war gerettet, schnell noch beim Türken lecker Dönerteller essen, dann der vorerst letzte Abschied und ab in unser Zelt.

Kleine Körperpflege am Morgen musste reichen, denn im Garten gibt’s kein fließendes Wasser. Wir hatten noch genug Wasser dabei, so gabs wenigstens einen guten heißen Kaffee. Das Klamotten packen dauert noch recht lange, wir sind noch nicht richtig in Übung und ständig landen Sachen in anderen Taschen, Chaos macht sich breit, aber das wird noch, ich bleibe zuversichtlich. Weiter durchs Mittelrheintal, sogar in dem doch bekannten Touristenziel sieht man immer mehr leerstehende Gaststätten und Unterkünfte, erstaunlich. Wir schaffen es bis Bingen, nehmen ein gepflegtes Zielbier zu uns, bauen das Zelt auf und gehen duschen. Bei mir blieb das Duschwasser eher kalt und ich kam schlotternt ins Zelt gekrochen, Micha musste mich wieder irgendwie aufwärmen.

Am nächsten Tag gings zunächst bis Mainz, kleiner Zwischenstopp, den Rhein verabschieden und nun dem Mainradweg folgen. Abends in Frankfurt an der vollen Uferpromenade entlang. Wie immer fallen wir mit unseren vollgepackten Räder auf wie bunte Hunde. Kaum stehen wir, weil wir ein „Dönerschiff“ entdeckt haben und natürlich schon wieder Hunger haben, da werden wir auch schon angesprochen. Diesmal von einem Deutsch-Türkischen Pärchen mit kleinen Kindern. Wir kommen ins Gespräch, das Übliche woher, wohin und plötzlich Begeisterung, den der Mann ist in Istanbul geboren und zudem auch noch Reporter, er will sofort Fotos mit uns machen, lässt Kontaktdaten da, eine sehr nette Begegnung. Danach endlich essen, ich hab nochmal am Campingplatz angerufen, das wir noch kommen, denn die haben eigentlich Ruhetag. Wir wurden erwartet, alles gut und aus den Duschen kam heißes Wasser und die Heizung bollerte vor sich hin, super.

Am Morgen keine Lust selber Kaffee zu machen, also packen und zügige Abfahrt, denn wir wollten nur eine kurze Etappe bis Aschaffenburg fahren, ich kenne die Stadt nicht und will sie mir in Ruhe ansehen, Micha war schon mal kurz hier und hat die Stadt in guter Erinnerung.

Der Kaffeedurst wird größer wir fragen uns durch zu einer Bäckerei, folgen schließlich einer Dame auf dem Rad und gelangen zu einem super Bäcker, der noch alles selbst macht. Endlich Kaffee, Brötchen und für Micha Kuchen, small talk mit den Einheimischen. Bei der Abfahrt hält uns eine Frau auf, sie hat unsere Räder beim Bäcker stehen sehen und wollte unbedingt wissen wo es hingehen soll. Eine sehr nette Unterhaltung folgt, sie berichtet von eigenen kleineren Touren, ist selbst gern viel draußen unterwegs und ihr Sohn fährt nächsten Samstag mit dem Motorrad Richtung Türkei, die Jahre davor war er ebenfalls schon mit dem Fahrrad unterwegs und hat viele positive Erfahrungen gemacht. Uns geht es genauso, viele Menschen sind sehr offen und hilfsbereit und teilen sich gerne mit.

Kurz vor Aschaffenburg trafen wir noch eine alleinreisende Frau, die mit ihrem Rad auf Deutschlandtour ist, sie plant etwa ein halbes Jahr unterwegs zu sein.

In Aschaffenburg angekommen vermittelt uns die Touristeninformation eine nette kleine Pension, schnell duschen und dann die Stadt erkunden. Den Abend lassen wir im Brauhaus Schlappe Seppl ausklingen.


Vom 04.April 2014 - 07.April 2014; Tag 7 - Tag 10
Etappe Aschaffenburg - Bamberg 263km; Gesamtkilometer: 593km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Frühstück in der Pension, dann wieder Räder bepacken und weiter gehts. Wir folgten zunächst der Route, die unsere Pensionswirtin empfohlen hat, Richtung Miltenberg. Bei Großheubach rasten wir an einem Wander-Rast-Platz für Ruderer und kochten lecker Nudeln. Gut gestärkt bei schönem Wetter folgten wir dem Main. In Stadtprozelten taucht ein Campingplatz auf, dieser gehört einem Bootsbauer, der eigentlich angestrebte Platz auf der gegenüberliegenden Seite existiert nicht mehr. Also lassen wir uns hier nieder, unschlagbar günstig mit 9,50 Euro, dafür mit antik anmutender Dusche. Die Duschautomaten sahen abenteuerlich aus, ich glaube die hat seinerzeit noch der Kaiser gesehen! Man muß die Duschmarke einwerfen, an einem Rädchen drehen bis die Marke durchfällt und dann irgendwie mehrmals hin und her drehen bis irgendwann Wasser kommt, erstaunlicherweise klappt es und das Wasser ist warm. Die Ortsbegehung fiel mager aus, keine Kneipe weit und breit, nur eine Dönerbude, neben der in einer Garage die ortsansässige Jugend saß. Glücklicherweise hatte der Norma auf, so gabs halt Brot, Joghurt und Müsli. Danach ab in den Schlafsack, es war kein Laut zu hören, bis Micha meinte Geräusche wahrzunehmen. Er glaubte irgendwas schleicht ums Zelt, vielleicht ein Dachs oder Waschbär. Ich hab nix gehört, aber Micha hielt mich mit seinen Geräusche hören wach. Also blieben wir beide mucks-mäuschen-still liegen ... nix zu hören, endlich schlafen. Kaum eine Minute verstrichen, fing Micha wieder mit seinen Geräuschen an und trieb mich langsam in den Wahnsinn! Ich höre hier keine Tiere und auch sonst nix! Plötzlich lacht er los, als er sich etwas beruhigt hat erklärt er, sein Stoppelbart reibt am Schlafsack und macht die Geräusche, die er für ein Tier gehalten hat, unglaublich dieser Mann! Jetzt aber endlich schlafen.
Am nächsten Morgen zunächst weiter am Main bis Urphar, hier haben wir den Main verlassen, um die Mainschleife nach Würzburg abzukürzen. Wir mussten das erste Mal mit den schweren Rädern wirklich länger bergan kurbeln, ging besser als zunächst gedacht. Kurzer Stopp an der Pralinenfabrik in Wertheim-Village (große künstlich angelegte Einkaufswelt), ich bin mit Scheuklappen durch den Einkaufsbereich, alles voller lecker Pralinen, aber leider kein Platz in den Packtaschen, aber eine Praline zum Cappucchino gabs zum Trost. Noch weiter bergauf auf der relativ stark befahrenen Bundesstraße 8 und ab Waldbüttelbrunn rollten wir auf einer teilweise zweispurigen Straße runter bis Würzburg, zügig vorbei an der Festung Marienberg bis zum Main. Auf dem Mainradweg keine Spur von Biergärten, nach einer gefühlten Ewigkeit kam endlich eine Strandbar, freu, lecker Weizen und Currywurst. Gestärkt weiter bis Ochsenfurt und auf dem Campingplatz niederlassen. Über die Mainbrücke in den Ort, schöne Altstadt, aber kaum Leute unterwegs, obwohl es Freitagabend war. Wir fanden noch ein nettes Lokal, haben hier einen kurzen Regenschauer überbrückt und dann zurück ins Zelt.
Mit Mühe haben wir am nächsten Morgen noch Kaffee kochen können, Gaskartusche ging zu Ende. Der Campingplatz hat keinen Ersatz, nannte uns aber einen Baumarkt in Kitzingen. Das liegt auf dem Weg und ist ca. 17km entfernt. Der Baumarkt war mit Navi schnell gefunden, Gaskartuschen gekauft und gleich noch Kaffee und Berliner verzehrt. In Schwarzach am Main wechselten wir auf einen anderen Radweg und haben so 6km bis Volkach gespart. Kurze Rast hinter dem Ort, Nudeln kochen und Haribo essen. Ab Bergrheinfeld haben wir nach Unterkünften gesucht, da wir keine Lust auf zelten hatten und es irgendwie nach Regen aussah. Ein ehemaliges Gasthaus, dass jetzt nur noch Zimmer vermietet hat Micha nach langem rumtelefonieren für kleines Geld gefunden. Kaum in der Unterkunft (Hotel Alibi in Schweinfurt) angekommen, fing es an ordentlich zu regnen, das nennt man Glück. Die Besitzer des Hotels waren sehr nette freundliche, hilfsbereite entspannte Leute. Schweinfurt ist zwar eine relativ große Stadt, aber es ist nix los, Samstagabend, kaum was los, trotz Fest auf dem Marktplatz, sogar der Mc Donalds ist total abgerockt und leer, das Personal wartet auf Kundschaft. Gut, dass ich bisher in Köln wohnen durfte!
Nächster Tag weiter Richtung Bamberg, hier wollen wir uns einen Ruhetag gönnen. Dank des Rückenwindes kamen wir zügig vorwärts, kleiner Zwischenstopp in Haßfurt auf dem Marktplatz bei Cappucchino, auch hier trotz herrlichen Sonnenschein nichts los. Weiter über Sand am Main, endlich Leute, denn hier war Korb- und Weinfest. Hinter dem Ort eine kleine Rast, bei Brot mit Marmelade bzw. Käse und den üblichen Fragen der Einheimischen nach dem woher und wohin.
Es ist Sonntag, der Radweg füllte sich stetig mit Leuten, nur es kam einfach keine Einkehrmöglichkeit für müde Radler. Endlich in Viereth eine Eisdiele, voll besetzt, denn anscheinend treffen sich hier alle Ausflügler der Umgebung! Nach einem leckeren Eis weiter nach Bamberg, dass Hotel war gebucht und schnell gefunden. Zügig Zimmer einräumen, duschen und ab in die Stadt. Hier tobt endlich das pralle Leben, Wirtshäuser ohne Ende, Menschen auf den Straßen und eine wunderschöne Altstadt. Einkehr bei Bier und lecker Essen ist schnell gefunden, so lassen wir den Abend ausklingen.
Heute ist Ruhetag, also endlich mal ausschlafen und gegen 9 Uhr das Frühstücksbuffet plündern. Micha musste noch mit der Firma Ortlieb telefonieren, eine Packtasche ist bereits kaputt, eine Naht löst sich auf, Ortlieb will Ersatz schicken, wir sind gespannt. Dann wollen wir noch unsere Kasse auffüllen, aber leider streikt die Visa-Card bei diversen Banken. Nach einem weiteren Telefonat ist auch das Problem gelöst und wir können endlich den Ruhetag genießen. Auf zum Stadtrundgang, wir schaffen 5 Stunden, mit Pause bei Kaffee und Kuchen und abends ins Brauhaus Fässla. Dabei denken wir natürlich an unseren Radlerfründ Radted, der das gleichnamige Bier im Rather Hof in Kölle gerne zu sich nimmt.


 Vom 08.April 2014 - 10.April 2014; Tag 11 - Tag 13
Etappe Bamberg - Grenze Tschechien 177 km; Gesamtkilometer: 770km
 

Autor: Andrea Büchsenschütz

Laut Wetterbericht sollte der Morgen mit Regen beginnen, der uns aber erspart blieb, es war bewölkt, teils sogar sonnig. Wir fanden gut aus Bamberg raus und folgten weiter dem Mainradweg. Bei Rattelsdorf wollten wir eine Abkürzung über eine Nebenstraße nehmen, bald kam eine Baustelle und wir mussten zurück auf den offiziellen Weg. Wegen Neubau einer Bahntrasse ist der offiezielle Weg zur Zeit umgeleitet, aber kein Problem, weil gut ausgeschildert. Erste Einkehr in Reundorf, Michael erinnerte sich an den Ort, war hier schon einmal auf "Männerradtour". Im Restaurant haben wir gut gespeist, sogar mit Erdbeer-Tiramisu, zu moderaten Preisen. Wegen unserem vielen Gepäck fielen wir hier auch wieder auf, also wieder einmal erzählen woher und wohin. Unterwegs im Supermarkt einkaufen und weiter Richtung Kulmbach. Das Wetter sieht nach Regen aus, also Touristeninfo anrufen wegen Unterkunft. In Willmersreuth, kurz vor Kulmbach, ein Zimmer im Gasthaus gefunden, doch leider liegt der Gasthof auf dem Berg, 15% Steigung überwinden! Netter Abend mit Aussicht auf das nächtliche Kulmbach.
Neuer Tag, wieder Glück mit dem Wetter, es hat nur in der vergangenen Nacht geregnet. Heute wollen wir "hoch hinaus", zum Campingplatz am Fichtelsee bei Fichtelberg/Neubau. Die ersten Anstiege moderat, ab Bad Berneck konnten wir einen Bahntrassenradweg befahren der bis Bischofsgrün geht. Kurz vor Bischofsgrün, in Glasermühle, wechselten wir auf die kleine Landstraße BT 4 Richtung Fichtelberg. Jetzt geht es ordentlich rauf, teilweise 11% Steigung, irre anstregend mit dem vielen Gepäck. Wir sind auf über 700m und es wird zunehmend kalt. In Fichtelberg/Neubau eine schöne lange Abfahrt in die Ortsmitte und am anderen Ende ein ebenso steiler Anstieg zum Campingplatz, der auf ca. 770m liegt. Zelt ist schnell aufgebaut, noch heiß duschen und eine warme Gaststätte suchen. Am Fichtelsee soll das Waldhotel geöffnet haben, kurzer Fußmarsch um den See und dann an der Tür ein Schild, geschlossen wegen Küchenumbau! Also weiter, die steile Straße zurück in den Ortskern und ab ins nächste Lokal, abend gerettet. Trotz zunehmender Kälte schlafen wir sehr gut in unseren warmen Schlafsäcken. In der Nacht kommt auch die Schlechtwetterfront und es regnet.
Noch immer Regen am Morgen, wir verschieben das Aufstehen auf später. Doch irgendwann wird es Zeit und das Zelt wird trotz Regenschauer abgebaut. Erst um kurz vor 11 Uhr sitzen wir auf den Rädern, es geht zum Scheitelpunkt der Fichtelbergstraße (B303) auf 777m. Die Bundesstraße ist relativ stark befahren, viel LKW-Verkehr, aber alles kein Problem, Straße ist breit genug und es geht bergab. Der Regen hört auf, raus aus den Regenklamotten! In Tröstau haben wir einen Radweg entdeckt, eine stillgelegte Bahntrasse. Später entpuppte sich der Weg als Brückenradweg Bayern-Böhmen, ist ein von der EU gefördertes Projekt.Schöner Weg, ein einheimischer Mountainbiker hält an und erklärt noch weitere mögliche Strecken Richtung Cheb in Tschechien. In Thiersheim sprechen uns zwei ältere Damen an, sie schicken uns weiter über Schirnding, hier sollen die Steigungen mäßig sein und es soll in Schirnding ein tolles Cafe geben. Weil es kurz vor Schirnding steil bergab geht und wir befürchteten, dass wir den selben Berg zurück müssen, haben wir Schirnding links liegen gelassen und sind nach Hohenberg an der Eger gefahren. An der Burg, mit bewohntem Storchennest, eine Einkehr. Der Wirt erklärte uns den weiteren Weg, nämlich doch durch Schirnding und dann dem Radweg hinter der Brücke folgen. Gute Beschreibung, haben den Weg direkt gefunden, noch 10km bis Cheb (Wallensteinradweg).
Nach 1,6km kommt der Grenzstein zu Tschechien mit Spruch von Gandhi:"Keine Staatsgrenzen können uns hindern, unseren Dienst auf die Nachbarn auszudehnen, diese Grenzen hat nicht Gott gezogen".
Endlich in Cheb, an einer Kneipe gestoppt, weil hier ein Schild Pension hängt, alles belegt, aber die Wirtin telefoniert für uns und kurze Zeit später werden wir abgeholt. Wir entscheiden spontan zwei Nächte hier zu verbringen.

 

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