Berichte Grenze Nepal - Delhi zur Zeit in Varanasi
Vom 30. August – 17. September 2019; 20 Tage; 1.044 km; 3.764 Höhenmeter
Gesamt Teil 5: 190 Tage; 8.542 km; Höhenmeter: 50.389 m; Gesamte Traumradreise 2014-2019: 66.365 km
Autor: Michael Schreiber

#Vom 30.August 2019 - 04.September 2019 Tag 172 - Tag 177

#Vom 05.September 2019 - 17.September 2019 Tag 178 - Tag 190


Vom 30.August 2019 - 04.September 2019 Tag 172 - Tag 177
Etappe Genze Nepal-Darjeeling 132 km

Datum km Schnitt Höhenmeter Zielort
30.8.2019 50,06 17,76 52 Shiliguri
31.8.2019 48,36 10,03 1531 Kurseong
1.9.2019 33,49 9,08 881 Dajeeling

Zurück in Indien wo das Immigration Office noch schwerer zu finden war, den die ganze Straße war von wartenden LKW zugeparkt. So habe ich mich durchgefragt und es Abseits der Straße gefunden. Der Beamte kam mir entgegen und wollte gerade zum Essen schreiten, er ist wieder mit mir zurück in sein Büro und hat mich vorher noch abgefertigt. Auch hier kein Mensch der einen Stempel haben wollte. Nun hatte ich meinen zweiten indischen Einreisestempel im Pass und konnte starten.
Ich hatte gleich perfekten Asphalt unter den Rädern auf der 4 spurigen Straße nach Siliguri meiner ersten Stadion. Ich flog nur so dahin. Doch leider waren die letzten 10 km in die Stadt nicht mehr ausgebaut und es herrschte starker Verkehr. Es wurde wieder stickig und laut. Auch bei der Unterkunftswahl hat erst das 3 gepasst. Nach dem Duschen bin ich zum nahegelegenen Bahnhof, wo die Himalayen Darjeeling Railway startet, doch von einem Zug keine Spur.
Es war wieder brütend heiß, so bin ich zum Zielbier, heute wieder Kingfisher und wie für Indien üblich in einer dunklen Bar. Anschließend zum Essen in zwei unterschiedlichen Restaurants und danach habe ich gut geschlafen.
Ich konnte früh auf die Hill Car Road Richtung Darjeeling in die Berge starten. Die Bahnlinie verlief mit ihrer schmalen Spur von 610 mm oder 2 Fuß meist parallel der Straße und kreuzte sie dauern. Die ersten 8 km waren noch recht flach danach ging es stetig bergan und es setzte Nieselregen ein der zu Regen wurde. So war ich das erste Mal nass und bin in Rongtong in ein Restaurant eingekehrt und habe mich bei einer Cola trocken gelegt. Nachdem es draußen auch wieder trocken war, bin ich vorbei am Bahnhof des kleinen Ortes weiter Berg auf. Diesmal wurde ich durch starkes Schwitzen in der feuchten Luft nass. So habe ich mehrere Stopps eingelegt, um immer wieder mein Shirt, Handschuhe und auch Socken auszuwringen. Unglaubliche Wassermassen die da aus mir rauskamen. Die Strecke war auch unglaublich schön und sie hatte eine angenehme Steigung, da sie ja der Bahnlinie folgte.
Nun sitze ich in Kurseong schon auf 1500 m beim Essen in den Teebergen, die ich ab und zu mal sehen kann, denn immer wieder ziehen Wolken durch die Stadt und so öffnet und schließt sich immer wieder der weiße Vorhang. Beim Rundgang habe ich den kleinen Sackbahnhof besucht, im Lokschuppen vor meiner Unterkunft stand noch eine der alten Dampfloks und die kleine Drehscheibe wurde gerade renoviert. Weiter bin ich zur katholischen Kirche gelaufen, wo gerade ein Gottesdienst auf Hindi stattfand, so konnte ich nichts verstehen. Habe mittlerweile auch 2 fahrende Züge gesehen, doch leider nur mit Dieselloks.
Nun ruhe ich noch nach leckerem Reis süß-sauer und schauen den Nebelschwaden zu. Morgen sind es nur noch 32 km bis hinauf nach Darjeeling.
Ja die waren es am Morgen und es ging stetig weiter hinauf über die traumhafte Strecke bis fast auf 2300 m in Ghoom, dem Scheitelpunkt. Gleich zum Start holte mich der Toytrain ein und ich konnte und ich konnte einige Zeit sein Tempo halten, denn die Steigung blieb neben der Bahnstrecken angenehm. Jetzt wurde aus dem Zug nicht mehr die Landschaft gefilmt, sondern ich auf dem bepackten Rad neben dem Zug. Doch einige Kilometer später musste ich den Zug ziehen lassen und mich zum höchsten Punkt am Bahnhof Ghoom alleine Hochkämpfen. Nach einer Pause hatte ich den Scheitelpunkt erreicht. Nun ging es nach Darjeeling wieder leicht abwärts. Ich konnte das Ziel heute schon den ganzen Tag sehen. Auf der Abfahrt kam mir dann der erste Dampfzug schnaufend entgegen, der bis Ghoom unter dem Titel Joy a Ride verkehrt.
Heute war auch perfektes Wetter und keine feuchte Luft und ich wurde nicht nass vom Schwitzen, echt angenehm.
Dann hatte ich den Bahnhof in Darjeeling erreicht, wo zwei weitere Loks unter Dampf standen. Doch für mich hieß es nun Hotelsuche und das bei der riesigen Auswahl. Ich habe mich fürs Magnolia Regency Guesthouse entschieden, es stand in meinem Reiseführer. Doch die Anfahrt war dann doch noch mal scheiß treibend, denn es ging so steil bergauf das ich schieben musste. Ob die Unterkunft die richtige ist, werde ich sehen. Darjeeling ist nicht die schönste Stadt, wie ich beim ersten Rundgang feststellte. Doch mit der Attraktion der Dampfloks, die ich im offenen Lokschuppen am Bahnhof bewundern durfte eine interessante Stadt und noch in einer solchen Landschaft. Ich war im Subway essen und zum Bierchen ins Glenary´s. Hier war gerade eine Band beim Soundcheck und es hörte sich gut an. So muss ich jetzt noch 1,5 Sunden warten bis es losgeht. Da werde ich noch was Essen und auf den rockigen Abend warten. Die Musik der Red Orange Band war dann echt gut und sie haben den Laden gerockt. Doch als gegen 21 Uhr die Angetrunkenen vor der Bühne zu tanzen bin ich nach Hause ins Bett gewandert.
Nach dem Frühstück, was sehr reichhaltig war, bin ich zu meiner geplanten Wanderung zum Tiger Hill aufgebrochen. Doch wie ich feststellen musste hätte ich besser auf den Guesthousebesitzer als auf mein Navi hören sollen. Mein Navi führte mich nach 3 km in eine restricted Area und ich musste am Checkpoint umkehren und wieder 1 km bergab zurücklaufen, wo ein Weg zur Gandhi Road führte, der ich dann nach Ghoom gefolgt bin. So bin ich erstmal dort hin und habe mir das Schauspiel der Dampfloks angeschaut wie sie am Bahnhof vor sich hin schnauften und später durch die Häuserschlucht an der Hill Car Road dampften. Die Gandhi Road immer am teils bebauten Berghang vorbei, wo es auch viel Grün und tolle Ausblicke gab. Unter immer das Fauchen der Dampfzüge. Doch ich sah auch das immer mehr Wolken kamen und so habe ich mein Vorhaben Tiger Hill auf Morgen verschoben.
Stattdessen bin ich den Bahngleisen gefolgt inklusive des Batista Loop, einer kompletten Spirale.
Auf dem Weg lagen auch noch drei tibetische Klöster, die ich besichtigt habe.
Bei der Rückkehr nach ca. 18 km bin ich wieder im Subway und im Glenary´s eingekehrt. Ich werde mir gleich das Notebook schnappen und was tippen. Ich habe bis zur Live Musik, die hier jeden Tag ab 7:30 Uhr ist, den letzten Nepal Bericht fertig getippt. Während der Live Musik habe ich mal die Seite des Auswärtigen Amt, Klimatabellen und Flüge gecheckt, um zu sehen, wie es nach Delhi weiter gehen könnte. Dabei habe ich festgestellt das Zentral Asien zu kalt werden könnte und die Sicherheitslage ist auch nicht so prickelnd. So rückt immer mehr wieder Südamerika in den Fokus mit dem gleichen Startpunkt Trujillo in Peru wie damals. Doch keine Angst ich werde nicht die gleiche Route nach Feuerland fahren, eher nach Norden mit Equador und Kolumbien und das vielleicht mit kurzem Zwischenstopp in der Eifel.
Ach übrigens ist die Unterkunft Magnolia Regency ok mit super Frühstück.
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen habe ich den zweiter Versuch gestartet den Tiger Hill zu besteigen, diesmal habe ich den empfohlenen Weg auf der anderen Bergflanke Darjeelings gewählt und hatte damit neue Aussichten, doch ich konnte sehen das der Hill in den Wolken lag. Der nächtliche Regen hat aber tolle Wolken unter und über mir gebildet die sich ständig veränder. Auf dem Weg nach Ghoom durfte ich ein weiteres tibetisches Kloster besuchen, wusste nicht das es der so viele hier gibt, da brauche ich nicht mehr nach Tibet. Im Anstieg von Ghoom zum Tiger Hill musste ich bei Nieselregen meinen Schirm nutzen und wie befürchtet stand ich auf dem im Bau befindlichen Sunset Observatorium im Nebel. Ich war auf 2584 m (Navi) in den Wolken die mit Tempo über den Berg fegten. Ich konnte leider nicht nochmal den 8848 m hohen Mount Everest, den 8586 m hohen Kanchenjunga und den 8481 m hohen Makalu sehen. Doch es war eine schöne Wanderung. Einmal hin und zurück!
Nun wieder Tippen, Essen, Live Musik und morgen nochmal verlängern für Friseurbesuch, neuen Filter für das Objektiv zu besorgen und zu relaxen und meine Pläne zu vertiefen. Bis Delhi sind es nur noch 1700 km.
Nachtrag 04.09.: Am Morgen nach dem Frühstück bin ich noch in den nördlichen Teil Darjeelings mit dem Observation Hill auf dem es viele Tempel, Gebetsrollen und Gebetsfahnen gibt aufgebrochen. Er lag in dichtem Nebel wie ganz Darjeeling, doch so hatte es in dem Wald mit den Gebetsfahnen eine besondere Stimmung. Danach war ich an der Town Hall und der St. Andrew Church die aber geschlossen war. Sie liegen an der Mall Road die um der Hill führt. Bin dann weiter nach Norden zu einem gepflegten Park und von dort über eine Abkürzung hinunter zur Cart Road. Der Pfad führte über einen alten Friedhof. Bin der Cart Road wieder nach Süden ins Zentrum und dem alten Markt gefolgt. Habe mich lange in den Gängen zwischen den Holzverschlägen in denen Fleisch, Gemüse, Obst, Reis, Kartoffeln, Nudeln und alles andere angeboten wurde. Es gab auch Supermarktware, Kosmetik und Plastikwaren. Vieles wurde auf dem Rücken von meist Frauen transportiert, die die ganze Ladung mit einem Seil über die Stirn befestigt hatten. In einer Gasse weiter habe ich den Friseur meines Vertrauens gefunden und ich war gefühlt nach Haarschnitt und Rasur 1 kg leichter. Bin nach wiederholtem Besuch im Subway noch mal über die Mall Road um den Berg doch immer noch alles in den Wolken. So bin ich zurück in die Unterkunft und habe mein Zimmer bezahlt und etwas ausgeruht. Nun sitze ich zum Ausklang im Stammrestaurant und freue mich morgen auf die Abfahrt zurück nach Shiliguri.

Vom 05.September 2019 - 17.September 2019 Tag 178 - Tag 190
Etappe Genze Dajeeling-Varanasi 853 km

Datum km Schnitt Höhenmeter Zielort
5.9.2019 79,11 19,82 267 Siliguri
6.9.2019 112,84 19,08 168 Kishanganji
7.9.2019 108,10 18,97 83 Banmanki
8.9.2019 75,27 14,86 57 Saharsa
9.9.2019 93,13 17,31 72 Darbhanga
10.9.2019 64,77 18,60 102 Muzaffrapur
11.9.2019 123,89 16,79 148 Bairia
12.9.2019 113,66 17,76 144 Ghazipur
13.9.2019 82,31 16,21 259 Varanasi

Nach 4 Nächten in Darjeeling habe ich mich nach dem Frühstück im Regen erst die 8 km nach Ghoom hochgearbeitet. Doch dann durfte ich genießen, 60 km Abfahrt ohne Gegensteigungen. Von 2300 Meter Meereshöhe hinunter auf ca. 100 Meter. Obwohl ich die gleiche Strecke hinaufgekommen war, war der Blickwinkel doch anders. In Ghoom dem höchsten Punkt konnte ich mich meiner Regenkleidung wieder entledigen und sie wegpacken. Doch es war recht kühl und mein 20h Marathon Radshirt aus Fell wollte sich nicht mehr schließen lassen, Reißverschluss defekt, na gut auch der Stoff auf dem Rücken war schon recht dünn, so habe ich beschlossen es heute Abend gegen ein neues auszutauschen. Falls es in Fell eine Vitrine vom 20h Rennen gibt, bringe ich es mit zurück und spende es mit Bildern meiner Tour. Das Shirt hat viel gesehen.
Aber nun weiter zur Abfahrt. Es gab viele Wolken, durch die ich durch musste und nochmal einen Regenschauer der mich aufforderte erneut meine Regenkleidung anzulegen. Nach 3-4 km war es wieder trocken und die Sonne zeigte sich und umso tiefer ich kam, umso wärmer wurde es. Es war schön nochmal diese Landschaft zu sehen. In Rongtong habe ich am kleinen Bahnhof einen Trinkstopp eingelegt und durfte die Einfahrt und Ausfahrt eines bergan fahrenden Zuges bestaunen. Somit weiß ich auch das doch die komplette Strecke in Betrieb ist, auch wenn manche Stellen nicht danach aussahen.
Nach 4 Stunden reiner Fahrzeit bin ich wieder in Siliguri angekommen und das gleiche Zimmer von vor paar Tagen bezogen. Ab morgen heißt es dann wieder hot, hot, hot.
Ich habe noch einen Rundgang gemacht und neue Handtücher fürs Schweiß abwischen gekauft und zum Zielbier ins piepende Around the Corner eingekehrt. Es piepte die ganze Zeit die W-lan Box. Schade denn die Musik war gut, doch das Piepen nervte.
Bin dann weiter zum Sher-E-Punjab und es war um ein vielfaches günstiger, hier nervten nur die wartenden Zamato Fahrer des online Foodlieferservice, sonst war alles ok. Es gab Dum Aloo mit Roti, ebenfalls gut. Morgen geht es Richtung Varanasi, ich denke 8 Tage, bestimmt zu einem weiteren Highlight.
Am Morgen konnte ich gegen 5:30 Uhr mein Rad startklar machen und es ging auf die ersten 12 mir bekannten Kilometer. Diese war ich auf dem Weg von Nepal gekommen. Danach ging es Richtung Süden und es lief gut. Die riesigen Teeplantagen wurden bald wieder zu Reisfeldern und ich hatte bald schon Islampur mein geplantes Ziel erreicht, doch wie man mich kennt, bin ich noch 30 km weiter bis Kishanganj. Keine schöne Stadt, viel Müll auf den Straßen und stinkende verstopfte Abwasserkanäle. Bisher meine schmutzigste Stadt in Indien. Auch die Unterkunftssuche hat 5 km gedauert, vieles war ausgebucht und einiges das Geld nicht wert. Nach einem Rundgang bin ich im sauberen Pool Café gelandet und es gab kein Zielbier, sondern nur Pasta und Shakes. Hier in Bihar gibt es ein Alkoholverbot und somit kein Bier.
Am Morgen bin ich früh weiter Richtung Westen. Entlang der Strecke gab es viel Wasser mit tausenden von Seerosen und nur kleine Dörfer mit wenigen kleinen Shops im Zentrum. Sonst nur Bauern mit all Sorten von Vieh vor der Stroh oder Lemhütte. Ich habe wieder viel geschwitzt und so habe ich viele Pausen zum Trockenlegen eingelegt.
In Banmanki habe ich dann ein Guesthouse untersten Level bezogen, auch die Auswahl an Essen war recht dürftig. Am Abend habe ich noch auf einer Bank auf dem Bahnsteig am Bahnhof gelegen zum Relaxen.
Ich konnte wieder früh starten auf meine nächste Etappe durch Bihar. Doch Bihar ist irgendwie anders als das bisherige Indien, nicht nur das es kein Bier gib und der viel Müll in den Orten, sondern wenn ich nur kurz stehen bleibe bin ich schlagartig von Menschen umringt. Wenn ich an einem Shop halte, ist es noch schlimmer, es sind so viele das sie mir den erfrischenden Wind nehmen und sie starren einen die ganze Zeit an. Auch ist das sonst gute Englisch der Inder hier sehr dürftig, somit ist die Kommunikation schwieriger.
Die Straße zu meinem heutigen Ziel Saharsa wurde auch immer schlechter. Riesige Schlaglöcher um die, die LKW, Autos, Motorräder und ich versuchten drumherum zu kurven.
Bihar ist bisher die vermülltest Gegend Indien, so auch im Zielort, wo ich aber ein recht gutes Zimmer fand. Habe wieder einen Rundgang gemacht, um meine Beine zu entspannen. Er endete wieder am Bahnhof auf einer Bank auf Bahnsteig 1.
Am Morgen bin ich ins Ungewisse nach Darbhanga gestartet, denn auf meiner Landkarte waren nur kleinste Nebenstraßen eingemalt und wenn schon die dick eingemalten Straßen Schlaglochpisten sind, was wird mich da erwarten?
Bis zum Fluss Koshi war es wie am Vortag, die gleichen Schlaglöcher. Doch dann erblickte ich eine neue Brücke und im Anschluss folgte eine nagelneue Straße. Alle Befürchtungen waren verflogen und ich konnte rollen lassen, trotz der feuchtwarmen Luft. Dies kompensierte ich durch viele Stopps, so zum Beispiel an einem Unterstand vor einem kleinen Bauernhaus, wo mir von einem Kälbchen die Radschuhe sauber geleckt wurden. Aber auch die 6-7 Liter Flüssigkeit, die ich über den Tag zu mir nahm, halfen. Weitere beliebte Haltepunkte waren die kleinen Tempel in den Dörfern, an denen mindestens ein großer Schatten spendender Baum steht.
In Darbhanga angekommen gab es beim Rundgang noch einen See mit 4 größeren Tempeln zu bestaunen, sonst das normale Stadtleben.
Weiter ging es am nächsten Tag, nicht wie geplant nach Vaishali, sondern nur bis Muyaffrapur, wo ich nun im Schatten einer kleinen Gasse sitze und 3 Tage Tagebuch schreiben nachgeholt habe. Dann habe ich mir auf dem Zimmer mit dem vorhandenen Wasserkocher Instandnudeln gekocht und anschliesend gut geschlafen, sodass ich am Morgen in Versuchung kam einen Ruhetag zu machen.
Doch stattdessen sitze ich unerwartet nach 123 km in einem Verschlag beim wieder ersten Zielbier nach einer Woche, denn ich habe Bihar verlassen und bin wieder in Uttar Pradesh. Wenn morgen alles gut läuft, werde ich in 2 Tagen in Varanasi sein.
Der Tag lief gut, durch weiteres Flachland, viele große Flüsse waren zu überqueren. Unspektakuläre Landschaft. Mein geplante Ziel war nicht so toll und ich fand auch keine geeignete Unterkunft, so bin ich nach 94 km weiter. Ich wusste maximal noch 60 km bis Ballia und im Notfall hatte ich ja auch noch mein Zelt.
Vor mir musste ein Gewitter mit Starkregen niedergegangen sein, denn in den Orten stand Wasser auf und neben der Straße. Teilweise musste ich hindurch und die Straße an sich war auch nicht mehr die Beste. So war ich froh, als ich bereits nach 28 weiteren Kilometern eine Unterkunft fand, zwar nur ein Bett und ein Hockklo, doch nach 113 km schläft man überall. Beim Rundgang habe ich mal wieder an einem Rollwagen an der Straße gegessen. Zuerst einen Veg. Burger dann Nudeln, bin dann noch durch die Hintergassen gelaufen, wo noch die Tragepyramiden des muslimischen Maharam Fest standen. Nun genieße ich noch die Zeit mit den Locals im Verschlag.
Nach dem schönen Abend im Verschlag in dem kleinen Ort Bairia ging es aus meinem unklimaisierten Zimmer weiter Richtung Varanasi. Die Sonne stieg schon über dem Ganges empor. Ich folgte heute diesem mächtigen Strom. Doch ich merkte eine Unwucht in meinem Hinterrad. Ich fühlte die Oberfläche des Mantels ab, doch es war nichts zu fühlen, aber es war ungewöhnlich. So habe ich bei der zweiten Inspection des Mantels einen Riss in der Flanke entdeckt. Ich habe gleich an der nächsten Tankstelle meinen letzten neuen Mantel aufgezogen. Natürlich unter den 20 Augen der Anwesenden. Und das Problem der Unwucht war behoben und ich konnte weiter nach Ghazipur radeln, die nächste 100 km Etappe. Ich nutzte noch eine kleine Straße die den Highway um 20 km abkürzte. Leider war sie sehr hubbelig. Zurück auf dem Highway waren es noch 17 km und ich war an meinem Tagesziel.
Das erste Hotel ließ nach dem Check-in mein Rad nicht Indoor, so habe ich gleich wieder ausgecheckt und bin weiter zu einem Anderen, genauso gutem Hotel, wo mein Rad ein eigenes Häuschen für die Nacht hatte. Nach dem Duschen bin ich natürlich wieder auf Rundgang gegangen und zum Zielbier an der Müllhalde mitten im Ort. Morgen geht es dann nach Varanasi.
Der Weg nach Varanasi stand unter dem Motto Verkehrschaos. Neben den tausenden von parkenden LKW am Straßenrand, gab es viele Staus, wo nichts mehr ging. Das nur, weil irgendwo ein Auto quer stand und von anderen Autos von hinten und vorne blockiert wurde. Das hieß 4–5 km Stillstand in beiden Richtungen. Doch ich konnte mich glücklicherweise hindurchschlängeln. Diese Art von Staus hatte ich 3 Mal auf der Strecke. Dann folgte die Einfahrt nach Varanasi, wo gleiches Chaos oder größeres herrschte. Es war unbeschreiblich, ich habe mal meine Actioncam aufgesetzt, um es zu dokumentieren. Auch hier immer wieder Stillstand. Bis ins Zentrum waren es 12 km und ich hatte Glück und fand gleich ein passendes Hotel in der Altstadt. 300 m zu den Ghats.
Nach kurzem Relaxen zog es mich gleich zum ersten Rundgang, doch am ersten Ghat, durch die verschlungenen Gassen angekommen musste ich sehen, dass der Ganges Hochwasser hatte. Einige Tempel standen im Wasser und der sonst mögliche Weg entlang des Ufers war auch nicht begehbar. So bin ich weiter durch die engen Altstadtgassen bis zum südlichen Asi-Ghat und dann zurück nach Norden und habe in einem Beershop, wo nur stehend trinken möglich war mein Zielbier gefunden. Es gab gute Gespräche mit den Locals.
Im Dunkeln bin ich zurück zur Unterkunft gelaufen, wo es noch zum Tagesabschluss leckere Pasta gab.
Nach guter ruhiger Nacht ging es zum Frühstücksbuffet und dann auf große Stadtwanderung durch die Gassen der Altstadt, wo ich mir immer einen Weg zu den Ghats suchen musste, wegen des hohen Wasserstandes. Gleich am ersten Ghat was ich besuchte, dem Harishchandra Ghat, hatte ich dann gleich mein erstes Varanasi Erlebnis der Leichenverbrennung. Ich durfte zu einem der brennenden Scheiterhaufen. Ein besonderes, spezielles Erlebnis in meinem Leben und meiner Reise. Das Feuer loderte und dann sah ich aus den brennenden Baumstämmen Füße und Kopf herausschauen. Wahnsinn dies zu sehen. Nach diesem Erlebnis bin ich noch zum nebenan liegenden Krematorium, wo die Leute mit wenig Geld verbrannt werden bis zu 400-500 Leichen pro Tag.
Irgendwie ist es schade mit dem Hochwasser, das ich nicht entlang des Ufers gehen kann aber auch nicht tragisch. Habe die Wege zu den Ghats Richtung Norden immer gefunden und den Gang durch die Gassen genossen. Es folgte ein weiteres Verbrennungsghat. Ich konnte zuschauen wie die Leichen, Frauen in goldene Tücher gehüllt, Männer in weise Tücher gehüllt, auf Baren ins Gangeswasser getaucht wurden und dann zur Verbrennungsstelle getragen wurden. Nach langer Beobachtung habe ich mir dann den Weg zum goldenen Tempel gesucht. In diesem Bereich lässt der Prime Minister Modi alle Häuser abreisen, um den Tempeln freie Sicht zum Ganges zu gewähren. Um in den Tempel zu kommen, mussten alle elektronischen Geräte abgegeben werden, sie kamen in ein Schließfach. Auch hier im Tempel gab es Stau, doch die Sicherheitskräfte haben mir einen Weg zum allerheiligsten frei gemacht.
Danach hatte ich für den Tag genug Input und ich habe mir den Weg zum Biershop gesucht, wo ich mal wieder Tagebuch schreiben konnte. Bin dann noch weiter der Luxaroad gefolgt, umgekehrt und neben dem Beershop eine Tomato, Onion Pizza gegessen. Noch einen Absacker und Pasta in der Unterkunft. Morgen werde ich nochmal das Treiben an den Ghats bewundern.
Nach dem Frühstück war ich wieder am Harishchandra Ghat in der Nähe meiner Unterkunft und habe einen 65-jährigen Mann der Familie kennengelernt die hier die offenen Verbrennungen durchführt. Die gesamte Familie ist mit den Verbrennungen beschäftigt. Er nahm mich mit auf sein Haus, wo ich direkten Blick auf die Scheiterhaufen hatte. Komisch, du sitzt hier oben und schaust zu, wie du mal enden wirst. Ein Haufen war am Ausbrennen und es lag nur noch der verkohlte Kopf, der Korpus und das Becken dar, dies verbrennt nicht komplett. Es wird später dem Ganges übergeben. Auf einen zweiten Haufen wurde gerade eine Leiche von der Familie aufgelegt und in einem festgelegten Ritual angezündet. Der alte Mann erzählte mir das er hier aus Ausländer verbrennt, eine gute Option. Er macht 20-150 Verbrennungen pro Tag auf seinem Gelände. Ein echt spezieles Erlebnis mit dem Tod und e macht mir keine Angst. Vielleicht werde ich auch als weiße Ratte im Tempel von Deshnok wiedergeboren. Nachdem ich mich von dem alten Mann, der gut Englisch konnte, trennen konnte bin ich weiter in den südlichen Teil Varanasis zum Durga Tempel, Tusli Manas Tempel und zum Sankat Mochan Mandir, welches ich aber nicht betreten habe. Ich hatte keine Lust auf elektronische Sachen abgeben und Schuhe ausziehen. Ich bin stattdessen noch mal 2 km weiter zu einer der 2 Brücken die über den Ganges führen. Hier hatte man einen Blick auf die 3,5 km entfernte Altstadt und das nahe Ramghat Fort, doch mir war zu heiß es zu besichtigen.
Bin dann die 4 km zurück zur Unterkunft gelaufen, um mal wieder die Stimme meiner Mutter zu hören, bissel relaxen und zu Duschen. Zum Abend war ich im Beershop mit guten Information zum Hochwasser, denn die Hauptroute nach Agra wird frei bleiben. Aber das Wasser steigt weiter 5 cm pro Stunde. Habe wieder Pizza und Pasta in der Unterkunft gegessen. Doch meine Pasta musste ich mir erkämpfen, denn in der Banquethall war ein Meeting und draußen in der Abendhitze wollte ich nicht sitzen. Hin und her diskutiert und als ich gehen wollte, um woanders zu essen durfte ich doch in die gekühlte Hall und durfte dem Meeting zuschauen. Danach ab ins Bett zum Ruhetag.
Doch am Morgen habe ich mich doch noch zu einem Tuktuk Ausflug nach Sarnath entschlossen. Es ist eine der 4 wichtigsten Stätten des Buddhismus. Es ist der Ort wo Buddha nach seiner Erleuchtung die erste Predigt unter einem Baum gehalten hat. Neben dieser Stelle gab es einen großen neuen Tempel. Die alten Stätten mit dem Relikten Schrein waren nur noch Ruinen. Eine der beiden riesigen Stupas war noch einigermaßen erhalten und sie war mächtig in Umfang und Höhe. Es ist eher ein spiritueller Platz des Buddhismus als eine Sehenswürdigkeit. Doch die rasante Tuktuk Fahrt durch den verrückten Verkehr zurück nach Varanasi entschädigte.
Ich habe nun meinen Ruhetag auf morgen verlegt. Ich habe mich in der Luxa road absetzten lassen, wo ich Dum Aloo gegesen habe und ein Bierchen im Shop getrunken habe. Ich bin dann nochmal zum Verbrennungsghat, dem Manikarnika Ghat. Habe dort 2 Schweizerinnen getroffen und sie haben ihrem Guide die Spende verwehrt, was auch richtig ist, den der Zutritt ist frei, doch viele wollen mit den Toten ihr Geschäft machen. Nachher kam der Guide zu mir und meinte, ich hätte den Mädels erzählt, dass sie nicht zahlen sollen. Anschließend kam noch jemand der mir einen Platz zum Fotografieren verkaufen wollte. Ich erzählte ihm etwas von Respekt und Fotoverbot, er konnte es nicht verstehen denn er wollte Geld machen. Doch ich konnte einige Zeit am Ghat sitzen und zuschauen wie eine Leiche nach der anderen ins Gangeswasser getaucht wurde und dann ins Feuer gelegt wurde. Das ist Varanasi und der Ganges war heute mindestens 1 Meter höher als gestern.
Heute am Ruhetag sitze ich noch im Frühstücksraum, um den Bericht fertig zu tippen und online zu stellen. Sonst werde ich heute nicht viel machen bevor es morgen weiter Richtung Agra zum Taj Mahal geht.

Vom 17.September 2019 - 17.September 2019 Tag 190 - Tag 190
Etappe Genze Varanasi-Agra 0 km
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