Berichte Guilin - Grenze Vietnam zur Zeit in Pingxiang
Vom 19. September 2017 – 03. Oktober 2017; 15 Tage; 574 km; 3.793 Höhenmeter
Gesamt Teil 4: 30 Tage; 1.550 km; Höhenmeter: 9.012 m; Gesamte Traumradreise 2014-2017: 37.821 km

Autor: Michael Schreiber
#Vom 19. September 2017 - 24. September 2017 Tag 6 (794) – Tag 17 (799)
#Vom 25. September 2017 - 28. September 2017 Tag 6 (800) – Tag 17 (803)

#Vom 29. September 2017 - 04. Oktober 2017 Tag 27 (804) – Tag 33 (809)


Vom 19. September 2017 - 24. September 2017 Tag 6 (794) – Tag 17 (799)
Etappe Guilin – Binyang 483 km Rad; 21,2 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 1.149 km

Datum km Schnitt H/KM/h Höhe Ziel
19.09.17 82,60 16,40 53,80 726 Baishou
20.09.17 87,94 14,84 50,63 1136 Rongshui
21.09.17 111,46 19,18 49,05 586 Yizhou
22.09.17 119,32 19,02 47,96 543 Heshan
23.09.17 81,84 19,38 40,21 234 Binyang

Nach 2 Tagen Ruhe hieß es wieder radeln. Es ging in die Berge. Die zuvor gesehenen einzelnen Berghügel verschmolzen nun zu Bergzügen. Ich musste nach einem langen Flachstück auf 470 Meter hinauf. Das Thermometer zeigte 38 Grad, den die Abkühlung am Morgen durch einen Regenschauer war schon wieder verflogen. Nach dem Anstieg, der auf halber Höhe einen weiten Blick in das Land bot, führte die neu asphaltierte Straße von einem Flusstal ins Nächste. So läpperten sich die Höhenmeter und in Baishou machte ich nach 82 km wie geplant Schluss für heute. Vor dem Ort gab es noch eine kleine Höhle in der ein kleiner Buddha stand. Die Verbreitung von Tempeln ist nicht so hoch, ich denke sie sind damals der Kulturrevolution zum Opfer gefallen. Die Landschaft wechselten von den fruchtbaren Tälern zu Urwald ähnlicher Bewaldung an den Hügeln. Hier war ich wieder mit den Chinesen alleine.
Nach dem Duschen erkundigte ich den Ort. Zuerst über den Straßenmarkt der sich durch eine komplette Gasse zog. Wieder das normale Leben in China. Der eine lag mit seinem Kopf schlafend auf dem Tisch zwischen seinen dargebotenen Fleischbrocken, während seine Kollegen mit den Fliegen auf dem Fleisch beschäftigt waren. Eine andere Frau lag komplett schlafend auf ihrem Marktstand der ausverkauft war. Obst und Gemüse waren wieder fein dekoriert auf der Straße. Am Ende dieser Gasse wurde lebendes Geflügel verkauft. Einer trug seine schnatternde ganz nach Hause, man konnte aber auch das Vieh gleich an Ort und Stelle töten und rupfen lassen.
Weiter durch die Gasse in die andere Richtung gab es auch noch echte alte Häuser mit ihren dicken Holztüren zu bestaunen. Sonst war der Rest des Ortes eingerüstet, wenn dann stellt man nicht nur an einem Haus ein Gerüst auf, sondern gleich im halben Ort. Hermann Spanier aus Fell hätte da seinen Spaß und wenn die Stahlgerüste ausgehen kommt wieder Bambus zum Einsatz.
In dem heutigen Shop, wo ich eingekehrt bin, habe ich mich mit dem Sohn des Inhabers über sein Smartphone App verständigt. Das ging ganz gut, zum Dank gab er mir so ein Päckchen mit Fisch, quasi eingeschweißte Fastfood Fisch. Er war sehr scharf doch das zusätzliche süße Törtchen minderte die Schärfe. Ich sagte ihm das ich später noch mal vorbeikomme. Er und seine Familie freute sich. Ich sollte unbedingt mit Ihnen chinesisch Essen. Erst wollte ich nicht, da ich ja morgens früh starten wollte, doch plötzlich fing man an alle Waren die vor dem Geschäft aufgebaut waren weg zu räumen und man baute an dieser Stelle einen Tisch mit Stühlen drumherum auf. Und so konnte ich nicht anders als bleiben. Der Vater der Familie war sehr Stolz das ich sein Gast war. ES gab Schwein süß-sauer und Schweinerippchen in einem großen Wok dazu Nudeln und Reis. Auch Ihren eigenen Schnaps musste ich probieren, er kam aus einer großen Cola Flasche und hatte nur 26 % also keine Gefahr. Bier gab's soviel man wollte. Ich habe auch brav mit Stäbchen gegessen. Die Mädels haben die mir in den Fingern sortiert, was mir natürlich gefiel. Am Anfang hatten alle ihren Spaß wenn ich nur eine Nudel erwischte, doch später klappte es ganz gut, dank der Mädels. Es saßen bestimmt 10 Familienmitglieder am Tisch, die Kleinkinder nicht mitgerechnet. Dank Übersetzungsapp konnten wir uns ganz gut unterhalten. In den angrenzenden Läden standen die Inhaber davor und schauten dem Treiben zu. Ich war sehr glücklich die Einladung angenommen zu haben.
Am Morgen war ich trotzdem vor dem Sonnenaufgang auf dem Rad, so früh war ich noch nie. Doch irgendwie war die Luftfeuchtigkeit noch höher als sonst. Am ersten Berg der mich auf 558 m katapultierte, war ich so nass als wenn ich durch einen starken Regenschauer gefahren wäre. Ich konnte mein Shirt auswringen und es entstand eine Pfütze. Der Wahnsinn und da dies nur der erste Berg war könnt ihr euch vorstellen wie es weiter ging. An jeder Passhöhe einmal Klamotten auswringen, habe sogar einmal meine Radhose gewechselt und auch mit freiem Oberkörper die Abfahrt bezwungen, so konnte mein Körper trocknen. Nach 87 km am Rong River hatte ich über 1100 Höhenmeter bewältigt und das durch tolle Landschaft und ursprüngliche Dörfer.
In Rongshui habe ich ein Hotel für 7 Euro bezogen, so sah es auch aus, renovierungsbedürftig aber es war sauber und es gab Standard Wasserkocher, Klopapier, Duschgel, Zahnbürste und sogar ein Kondom. Beim Rundgang habe ich eine Trauerfeier gesehen, es gab dort auf der Straße vor dem Sarg Essen und Trinken. Die Särge waren hier aus echtem Holz und sahen wie ein Baumstamm aus. Aus Rücksichtabnahme mache ich da kein Foto.
Sitze nun auf einer Terrasse über dem breiten Rong-River, wo dauernd ein Ruderboot mit Trommelschlag auf und ab fährt, ob das was für Karl Reiners ist?
Ich über legen noch, ob ich morgen meine geplante Route vorsetze oder doch ein paar Höhenmeter einspare.
Als ich das Restaurant verließ und bezahlen wollte nahm man kein Geld von mir an. Ich war erstaunt. Die Chinesen sind sehr gastfreundlich, ich kann mir nicht vorstellen das ein Wirt in Deutschland sagt das er für drei Bier kein Geld will.
Da es mal wieder kein geöffnetes Essenslokal gab bin ich ins Hotel und habe 5 Minuten Terrine gegessen. Eigentlich wollte ich zurück auf die Terrasse am Fluss, doch da lächelte mich ein Brauhaus an. Ja tatsächlich gab es gezapftes Bier aus silbernen Fässern. So habe ich hier Tagebuch getippt.
Ich habe mich am Morgen für die einfachere Route entschieden auch wenn es nach 40 km erneut nach oben ging. Auf den ersten Kilometer war es nach den letzten zwei Bergetappen war ruhiges dahinrollen angesagt. Ich überquerte immer wieder Zuflüsse zum Rong-River, der die Größe des Rheins hatte. Die Landschaft war wieder durch den Karst geprägt. An einer Stelle wies ein Schild auf einen besonderen Berg hin, man konnte durch ihn hindurch schauen. Nach dem ersten heftigen Anstieg ging es kaum merkbar weiter bergauf. Auf dem Weg erwischte mich heute mal wieder ein Regenschauer und ich zog Überschuhe und Regenjacke an, obwohl ich eh schon nass geschwitzt war. Dann tauchte zwischen den Bergen mal wieder eine große Stadt auf, die ich auf einer Umgehungsstraße umfuhr. Eigentlich hatte ich diese Stadt als Tagesziel gewählt, doch es war erst kurz nach 10 Uhr. So bin ich weiter nach Yizhou und kam so nach 111 km am Long Jiang River an. Es gab genug Hotels.
So langsam macht mir mein Gesäß Probleme, durch das Schwitzen wird mein Po ziemlich beansprucht und sieht bestimmt so aus wie bei einem Pavian. Bin dann trotzdem gelaufen, erst über die Promenade oberhalb des Flusses, wo ich gerade sitze und Tagebuch schreibe, dann durch alte Gassen, moderne Einkaufstraßen und über den Markt. Hier wurde wieder alles angeboten von Baumarktartikeln wie Hacken und Bohrmaschinen, nebenan totes und lebendiges Vieh und diesmal waren auch neben den Hühnern und Gänsen auch Hunde und Katzen im Käfig. So ist das wie essen ja auch Schweine und Kühe und Pferde, die Peruaner Meerschweinchen.
Habe in einem Restaurant Nudeln mit Huhn gegessen und nach kurzer Rast im Hotel bin ich wieder zu Promenade. Wo nun bei Dunkelheit alle herumlaufen, tanzen, Federball spielen und sich lautstark unterhalten. Und als ich so da saß sich plötzlich alte Frauen um mich herum setzten und nach ihrem Liedbogen anfingen zu singen. Tolle Atmosphäre hier am Long Jiang River.
Meine Route werde ich über eine in der Karte klein dargestellte Straße nach Nanning fortsetzen und dann mal schauen, wo ich einen Ruhetag mache.
Heute bin ich mal wieder vor Sonnenaufgang gestartet. Yizhou lag noch im Schlaf, doch als die Sonne über den Berghügeln aufstieg erwachte alles zum Leben. Mofas, chinesische Arpen jeder Ausführung, Linienbusse, Bauern mit ihren knatternden Kisten tummelten sich nun wieder hupend auf der Straße. Einmal bin ich von der Hauptstraße in ein kleines Dorf abgebogen, um das Treiben mal zu filmen.
Mein heutiges Tagesziel konnte ich wieder nicht halten, ich war dort bereits wieder gegen 10 Uhr, so habe ich mich weiter durch die Landschaft treiben lassen. Berge, Flüsse, Reisfelder zogen vorbei und vor Heshan hatte ich das Gefühl durch das Mittelrheintal zu fahren, nur die Burgen fehlten. Bei dem längeren Bergaufstück zeigte das Thermometer mal wieder über 40 Grad aber dafür war es trockener und nicht ganz so schwül. Das war auch gut für meinen Po der heute keine Probleme machte.
Am tatsächlichen Zielort habe ich endlich mal eine Post aufgesucht, um diese zu verschicken die ich seit Guilin schon mit mir rumschleppe. Mit der Adresse und Germany konnte man nichts anfangen. Man zeigte mir einen Zettel mit USA or Fragezeichen und ich zeigte wieder auf Germany. Mal schauen, ob die Post ankommt.
Nun sitze ich an einer Bahnlinie, wo dauernd ein Zug rangiert beim Zielbier am Getränkehandel mit angeschlossenem Saftladen. Der Inhaber wollte mir gleich einen ganzen Karton mit kalten Flaschen füllen, doch ich machte ihm klar, das ich nur eine Flasche will und das ich sie hier trinken will. Hier in China gibt es auch keine Bierkisten wie wir sie kennen, sondern sie sind in Kartons verpackt.
Nachdem ich mal wieder in einem Burgerladen, Chickenburger mit Pommes gegessen habe bin ich noch mal zum, Getränkehandel zum Tagebuch tippen. Natürlich durfte der vorherige Marktbesuch nicht fehlen. Diesmal waren auch die Kinder des Inhabers da und hatten ihr Vergnügen mit dem komisch ausschauenden Menschen.
Am Morgen bin ich auf die fünfte Etappe seit Guilin gestartet und es gab zum ersten mal nichts besonderes. Nur mal wieder einen Regenschauer nach 14 km. Ich verbrachte ihn bei Tee an einem Kiosk. Schnell gesellten sich wieder Einheimische dazu die ebenfalls den Regen abwarteten. Einer von ihnen quatsche mich unaufhörlich zu, obwohl ich ihm verständlich machte nichts zu verstehen, doch er redete als weiter.

Nachdem die Sonne wieder da war, war die Luft wieder super schön feucht bei 37 Grad. Die Straße war ruckzuck trocken, doch durch eine Stadt die ich fuhr muss es wohl stärker geregnet haben. Die Hauptstraße war total überflutet. LKW und PKW düsten volles Tempo durch das Wasser und es spritzte durch ihre offenen Autofenster. Mofas und ich suchten am Rand der Straße ein trockenes Durchkommen. Die Sonne blieb wieder über die restlichen 66 km auf höchster Stufe.
Mittags war ich in Binyang und beschloss dort 2 Nächte zu bleiben und dann weiter nach Nanning zu radeln. Dort werde ich wohl 4-5 Nächte bleiben. Durch meine Routenänderung habe ich nun Zeit ohne Ende bis zum 4. Oktober der Einreisetag nach Vietnam.
Binyang ist wie alle chinesischen Städte, doch nach dem ersten Rundgang habe ich gesehen das es noch einen größeren Bereich mit alten ursprünglichen Häusern gibt. So weiß ich was ich morgen mache, heute Abend das übliche Zielbier im Straßenmarkt an der Ecke. Seitlich konnte ich wieder beim Fleisch hacken zusehen gegenüber verkauften alte Frauen ich Gemüse und Kräuter. Am Markt wo ich saßen, stoppten dauernd Roller die meisten stiegen noch nicht mal ab und riefen nur in den Laden was sie brauchen und es wurde ihnen gebracht. Habe dann noch Frühstück eingekauft mal wieder Toastbrot doch leider gab es keinen Käse, so habe ich eine Dose Fisch gekauft. Doch der Fisch war gebraten und fest nicht wie bei uns der Dosenfisch. Doch er hat auch geschmeckt.

Habe morgens die Übernachtungen in Nanning klar gemacht und nach Büroarbeit und Kaffeetrinken auf dem Zimmer ging es gleich in die Stadt.
Habe heute nochmal mit aller Kraft das chinesische Leben in mich aufgesaugt, auf meinen 9 km zufuß durch die Stadt. Die Straßen waren am gesamten Wegesrand mit Marktverkäufern belegt sogar im kompletten Bereich der modernen Einkaufstraßen, und in meiner Lieblingsgasse von Binyang kennt mich wohl schon jeder Verkäufer, so oft wie ich hier schon hin und hergelaufen bin. Habe es mal auf Film festgehalten wie ich durch die Massen von Rollern und Leuten laufe, so hoffe ich das ich auch später noch etwas davon habe. Heute gabs auch wieder mal Hund auf dem Markt. Ich hätte noch einen Kopf bekommen können.
Im Hotel habe ich mir danach noch einen vietnamesischen Reiseführer heruntergeladen und die erste Übernachtung in Lang Son gebucht und freue mich schon auf ein neues Land auf meiner Radreise. Es wird mein 29 zigstes Land sein. Doch ich bin und bleibe von China total fasziniert. Alle sind super nett und hilfsbereit und die krassen Unterschiede zwischen Hypermodern und gleich daneben Märkte wie aus lang vergangener Zeit. Schaue nun noch bei einem 2,8 % Bierchen den Rollerfahrern, die auf ihrer Fußablage alles transportieren, von Kisten und Kanistern, über ihr eingekauftes Fleisch und Gemüse bis zu ihren Kleinkindern und die kleinsten sogar auf einem auf der Ablage stehenden Kinderstuhl sitzend.
Morgen geht es nach dem benötigten Ruhetag nach Nanning.


Vom 25. September 2017 - 28. September 2017 Tag 18 (800) – Tag 21 (803)
Etappe Binyang – Nanning 92 km Rad; 40,6 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 1.240 km

Datum km Schnitt H/KM/h Höhe Ziel
25.09.17 90,76 19,16 51,06 568 Nanning

In der Morgendämmerung saß ich wieder auf dem Fahrrad und habe die alte Hauptstraße nach Nanning genutzt. Sie verlief mit paar Schleifen mehr neben der Neuen und daneben wird schon der neue Highway mit Brücken und Tunneln gebaut. Doch die Wahl die alte Strecke zu nehmen war richtig auch wenn sie im Verlauf immer mehr zu einer Offroad-Piste verkam. Sie führte durch kleine Orte und Dörfer in denen das Leben pulsierte. Zwischen durch gab es in den Hügeln viele Ziegeleien wie sie früher auch bei uns bekannt waren mit den Brennöfen und hohen Schornsteinen. Es gab aber auch die Furnierhersteller die ich auf meiner bisherigen Reise schon oft gesehen habe. Ganze Areale stehen voll mit dünn abgeschälten Holztafeln die zum Trocknen aufgestellt sind.
40 km vor Nanning mündete die alte Hauptstraße in die Neue und das Radeln fiel wieder leichter und ich tauchte so in die nächste Mega Metropole ein. Stand 2010 hatte die Stadt 6,6 Millionen Einwohner, die in den 7 Jahren wohl weit darüber hinaus gewachsen ist und nun bestimmt 8-10 Millionen hat. Mein Hotel lag im 14 Stock eines Hochhauses mitten im Zentrum. Samt Gepäck und Rad bin ich in den Aufzug und habe an der Rezeption eingecheckt.
In so einer großen Stadt muss man sich erst einmal orientieren, dies mache ich einfach durch herumlaufen. Zur Sicherheit markiere ich mir das Hotel in meinem Navi damit ich es auch wieder finde. Ich lief durch Shoppingstraßen, Malls an jeder Ecke mit piekfeinen Läden und entlang eines kleinen Baches der nicht mehr viel Wasser führte. Unterwegs habe ich noch eine Bank aufgesucht, denn ich konnte mein Hotel nur anzahlen. Doch leider sprach der erste Geldautomat nur chinesisch, so fragte ich und wurde zu einem englisch sprechenden geführt und ich war wieder flüssig. In den kleinen Städtchen gibt es kaum Automaten die VISA akzeptieren. Ich gehe meist zur ICBC, dort habe ich keine Gebühren.
An einer Ecke des besagten Bachs habe ich mein Yanjing Fresh Beer genossen nach den 92 km Radeln und dem 9 km Erkundungslauf. Und Nanning ist durch seine Größe wieder anders als Binyang am Vortag.
Gut ausgeschlafen war heute mein erstes Ziel der People´s Park 1,7 km Fußmarsch vom Hotel, nicht weit für so eine Stadt. Die Parks sind immer einen Besuch hier in China wert. Sie sind sehr gepflegt und abwechslungsreich. Es gab einen See mit Insel auf die eine verwinkelte Brücke führte, einen botanischen Garten inklusive Kakteengarten und einen Vergnügungspark mit Wilder Maus und so weiter. Die Fahrgeschäfte waren aber geschlossen. Zum Ende meines Besuchs gab es wieder einen Regenschauer und da ich wieder nasse Füße bekam, habe ich mir gleich in der nächsten Gasse neue Schuhe gekauft. Bei meinen Schuhen die ich in Brasilien gekauft hatte waren wohl die Sohlen durch, kein Wunder bei den Kilometern die ich laufe. Nun schaue ich mal wie lange die chinesischen Treter halten. Hier gibt es wenigstens Schuhe in meiner Größe, in Deutschland ist das schon diskriminierend das es Männer Schuhe erst ab 41 gibt.
Da ich nun wieder gut besohlt war, bin ich weiter Stadt auswärts zu einem weiteren Park am Nanhu Lage gewandert. Der Park erstreckte sich rund um den 3 km langen Fluss ähnlichen See, und eingerahmt durch die Skyline. Kaum zu beschreiben was so eine Stadt für Ausmaße hat. Es wurde wieder musiziert und es gab viele verschieden gestaltete Abschnitte im Park. Von hier bin ich wieder 4 km zurückgelaufen und die neuen Schuhe haben mich gut getragen. Bin noch am Büdchen vom Vorabend eingekehrt und habe dort meine Beine relaxt. Als ich gehen wollte und kein angebotenes Bier mehr wollte drückte mit der Inhaber die 4,5 RMB für ein Bier in die Hand.
Am nächsten Morgen wollte ich mir mal den Bahnbetrieb in China anschauen und bin zur Railstation gegangen. Doch ich bin nur durch die ersten beiden Sicherheitskontrollen gekommen, bei der letzten um auf den Bahnsteig zu gelangen brauchte man ein Zugticket. Also dachte ich gehst du zur nächsten Brücke die über die Gleise führt und schaust dir das von oben an, doch Fehlanzeige es war eine Unterführung, da bin ich einfach durch eine schattige Seitenstraße mit Baumbewuchs gelaufen. In einem angrenzenden Park wurde wieder in Formation getanzt und da ich nur 2 km vom People´s Park entfernt war habe ich diesen nochmal aufgesucht und siehe da ich hatte noch nicht alles in diesem Park gesehen. An einem Obelisken auf einer Anhöhe wurde für eine Parade geübt. Mein Filmen wurde aber nicht gerne gesehen, so habe ich es eingestellt. Weiter bin ich noch zu einer kleinen Festung in dessen Mitte eine schwere im Kreis drehbare Kanone stand. Auf dem Informationsschild konnte ich nur 5 Buchstaben entziffern, KRUPP!. Wo die damals überall ihre Waffentechnik hin exportiert haben.
Anschließend gab es eine Portion Pommes und ich habe eine Apotheke aufgesucht. Denn mich plagten Halsschmerzen, kein Wunder bei dem Wechsel von heiß schwüler Luft draußen und eiskalter Klimaanlagen Luft drinnen. Am Morgen hatte ich mir Halsschmerzen am PC übersetzen lassen und habe die Zeichen abgemalt und so habe ich ohne Probleme meine Tabletten bekommen und bin stolz das man meine 3 chinesischen Zeichen lesen konnte. Auf dem Weg zurück bin ich mal wieder spontan von der Hauptstraße in eine Gasse abgebogen und schwuppdiwupp war ich in einem Straßenmarkt der üblichen Art gelandet. Er erstreckte sich durch die dunklen Pfade des Viertels, das außen herum durch die zur Hauptstraße zeigenden modernen Läden abgegrenzt war. Heute gab es statt Hund mal lebende Frösche im Bündel zusammengeschnürt.
Nun am Büdchen machte ich mir mal wieder über die weitere Route Gedanken, da ich schon im neuen Vietnam Reiseführer geschmökert habe. Vielleicht doch die Grenze direkt an der Küste überqueren um dann nach Ha long um dann nach Hanoi doch noch in den Norden zu radeln oder zuerst in den Norden und dann zurück an die Küste. Werde ich mir morgen nochmal in Ruhe anschauen.
Morgens beim Kaffee und Toastbrot auf dem Zimmer habe ich dann beschlossen meine Route wie geplant zu radeln und in Hanoi entscheiden, ob ich noch einen Nördlichen Schlenker einbaue. Sonst werde ich heute nicht viel machen und Tagebuch tippen, am Abend mit meiner Schwester skypen und mich fürs morgige Weiteradeln ausruhen.

Vom 29. September 2017 - 04. Oktober 2017 Tag 27 (804) – Tag 33 (809)
Etappe Nanning – Friendship Pass Grenze Vietnam 335 km Rad; 20 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 1.575 km

Datum km Schnitt H/KM/h Höhe Ziel
29.09.17 111,02 18,60 43,89 558 Fusui
30.09.17 51,02 18,15 43,65 259 Qujiu
01.10.17 102,13 16,59 47,65 934 Chengzhou
02.10.17 45,87 16,31 49,30 416 Pingxiang
04.10.17 43,85 15,52 45,76 417 Long Son Vietnam

Was war das für ein Tag heute! Zuerst wurden aus den geschätzten 55 km nach Fusui 111 km und dazu teils Regen aber dafür war zum Glück meine Erkältung kaum noch merkbar. 2-3 Mal husten sonst war es gut. Zuerst bin ich 15 km stadtauswärts bis die Straße plötzlich in den Express Highway und sonst gab es keine andere Straße mehr zur Auswahl. Also was machen? Bin einfach am Bezahlhäuschen vorbei und ab auf den Highway, es gab nicht viel zusehen aber es war zweckmäßig So kam ich auch einfach über den Fluss den ich zu überqueren hatte und nach 7 km bin ich abgefahren auch eine 4 spurige Nebenstraße, die aber auch bald 2 Spuren verlor. Ich hatte wohl nun nach 40 km den Ballungsraum von Nanning verlasse.
Die Mehrkilometer kamen dadurch zu Stande das es keine direkte Verbindung zum Zielort gab, so bin ich meinem Navi gefolgt das mich über schöne Landstraßen führte die leider nicht immer in bestem Zustand waren. Diese kleine Beschwerlichkeit machte die Landschaft wieder weg, den der Weg führte durch Bananenplantagen, Mais und Zuckerrohrfelder und später und den Karsthügeln durch Reisfelder, Danke ans Navi für die schöne Route auch wenn es 56 km Umweg waren. Ziemlich geschafft bin ich gleich nach Bezug des Hotels in Fusui im Kiosk gegenüber zum Zielbier eingekehrt. Die Besitzerin musste gleich wieder ein Foto von mir machen.
Wo ich so hier sitze und schaue, muss ich den Mädels und Frauen ich China mal ein Kompliment machen, sie sind echt hübsch. Aber auch das dauernd gefegt wird uns Mülltonnen geleert werden ist ein Kompliment wert. Gerade ist wieder eine Frau auf ihrem klapprigen Rad auf drei Rädern mit Müllbox vorgefahren und fegt mit ihren Naturbesen den Gehweg und die Straße. So ist es bei den Menschenmassen immer relativ sauber.
Bei meiner Runde durch die Stadt bin ich mal wieder in einem Schnellimbiss zu einer großen Portion Pommes und Chickenburger eingekehrt um gestärkt den ca. 1,5 km entfernten Fluss anzusteuern. Dort waren wieder die Karstformationen in Hintergrund zu sehen und am Flussufer wurden alte Schiffswracks zerlegt. Zurück ging es entlang einer Straße an der noch alte Häuser standen.
Wo ebenfalls China schon einen Schritt weiter ist, ist das bezahlen per Handy. Man scannt den Code des Ladens ein und zeigt dem Kassierer auf dem Display das man bezahlt hat.
Wieder zurück am erst besuchten Kiosk am Ort, die Dämmerung setzt ein, der Junge des Ladens sitzt bei Hausaufgaben am Tresen und ich schaue ihm über die Schulter. Die Obststände gegenüber sind jetzt ins Licht von Sparstromlampen gehüllt. Geburtstagsgrüße an meinen Freund Herbert konnte ich auch noch loswerden, doch da er in der Schweiz war, war auch das Guthaben schnell aufgebraucht, aber das ist es mir immer Wert. Auch die Frau des Fegens war zum wiederholten mal da. Nun kam noch eine neue Obstlieferung und die Waage wurde gleich mitten auf die Straße gestellt und die Obstverkäuferinnen kämpften um die beste Ware. In wenigen Minuten war der Kleintransporter leer.
So ist mal wieder ein Abend im Nu vergangen und ich gehe gleich hinüber auf mein Zimmer.
Nach verlassen von Fusui habe ich mir die Straße gesucht die nach Westen führte, den sie war nur teilweise auf meinem Navi verzeichnet und so habe ich mir die 4 km Lücke gedacht, wo der Verlauf sein könnte. Meine Vermutung stimmte mit der Wirklichkeit überein, bald kam ein Schild, sogar in arabischen Schriftzeichen mit dem Ort Qujiu. Es war wieder eine schöne kleine Straße die mich dort hin führen sollte. Übers Land wieder durch Zuckerrohr kleine Teiche und Seen, Dörfer und Karsthügel. Während des Radelns kreuzten große Schwärme Libellen den Weg und funkelten in der Sonne, auch viele riesige Schmetterlinge verfolgten mich. Leider sind sie so schwer zu fotografieren, doch sie werden als Bild in meiner Erinnerung bleiben.
Es gab auch immer wieder kurze Regenschauer, so das ich wieder nass durch Schweiß und Regen war. So habe ich immer wieder Stopps in den Dörfern eingelegt und in dem schon erwähnten Ort Qujiu habe ich um 10 Uhr und 51 km Quartier bezogen und um 12 Uhr hatte ich das kleine Dorf schon komplett erkundet. Den Ortskern prägt eine langgezogene Markthalle die auf beiden Seiten von Häusern mit Arkaden gesäumt war. Es gab Fischteiche in denen gerade geerntet wurde, doch der nahe Fuß war nicht zugänglich. Die Schule weist schon mit Ihren Zeichnungen auf der Wand auf die urzeitlichen Felsmalereien hin, die nicht weit von hier sind. Nun genieße ich erst mal den wieder den blauer werdenden Himmel, und die auch somit wieder schöner aussehenden Hügel ringsum.
Hier muss ich noch über ein weiteres Thema berichten, Rauchen. Ich glaube es gibt keinen männlichen Chinesen der nicht raucht. Es wird immer und überall geraucht, sogar einmal im Aufzug trotz Verbots. Die Auswahl ist riesig, sie werden in einer extra Auslage vor jedem Kiosk präsentiert. Die Preise variieren je nach Marke, aber ich habe auch schon in Nebengassen gesehen wie Tabak frisch gehackt wurde und zu Zigaretten gedreht wurde. Bestimmt günstiger in so einer Hintergasse. Werde gleich nochmal zum Essen schreiten und den Tag ausklingen lassen.
Früh am Morgen konnte ich zum ersten Mal den mystisch wirkenden Nebel erleben die sich um die Karsthügel schlingen. Durch die aufgehende Sonne war es eine atemberaubende Szenerie. Wieder durfte ich den ganzen Tag der kleinen Landstraße X052 folgen die in der groben Richtung des Zou River verlief. Heute war es auch mal wieder regenfrei und als der Nebel entschwunden war brannte mal wieder die Sonne und trieb das Thermometer zeitweise auf 41,3 Grad.
Dann verlor sich meine kleine Straße plötzlich in einem Bauerndorf. Vor jedem Haus stand ein mächtiger Ochse der hier noch zur Feldarbeit und zum Karren ziehen eingesetzt wird. In den Gassen in denen ich meine Route verlor, half mir mal wieder ein netter Chinese mit seinem dreirädrigen Gefährt und sagte follow me und so kam ich wieder auf den richtigen Weg.
Die Etappe war anstrengend nicht nur durch die Hitze, sondern durch das ständige auf und ab, wenn auch nicht viel aber es summierte sich. Zusätzlich kam noch ein Minipass vom Zou River zum Ming River an dem mein Zielort lag. Bei Ming River kamen gleich wieder köllsche Gefühle aus, übersetzt Mein Fluss. Ich sitze nun gemütlich an diesem beim Tagebuch schreiben, Zielbier trinken und Aussicht genießen. Morgen noch 50 km bis zum letzten größeren Ort vor der Grenze, wo ich nochmal 2 Nächte bleibe.
Heute stand nun die letzte Etappe an die komplett in China verläuft, den die nächste wird schon nach Vietnam gehen. Heute wurden die Berge etwas höher und auch die Straße stieg weiter an, so hatte ich nach den guten 40 km bis Pingxiang über 400 Höhenmeter zu bewältigen. Nun sind es noch 17 km bis zur Grenze. Habe hier für 2 Nächte eingecheckt. Es gibt einen Kanal der sich durch die Stadt schlängelt und einen großen Footmarket mit Spießchen, Hot Pott, Wok Gerichte die frisch zubereitet werden, wo ich ebenfalls einen Teller Nudeln aus dem Wok bestellt habe. War sehr lecker und nur 1,5 Euro gekostet. Doch war mir nicht bewusst das eben an diesem Kanal auch die abendliche Ausgehmeile liegt. Gegen Einbruch der Dämmerung positionierten sich alle. Beginnen gegenüber meines Hotels begann die etwas professionelle Produktpräsentation mit Tanzgruppen und Gesang, im weiteren verlauf normal Tanzgruppen mit ihren Boxen wie ich sie aus anderen Parks kannte dazwischen waren Beamer mit Leinwänden und noch größeren Boxen mit Karaoke und dies alles gemischt in voller Lautstärke so das die Alarmanlagen der Autos angingen und sich in den chaotischen Mix aus Musik schiefen Gesängen und Bass Dröhnung einreiten. Kaum zu beschreiben. Und an schlafen war nicht zu denken, so habe ich die Zeit genutzt und mit meiner Schwester telefoniert. Doch gegen 10 Uhr verstummte der Lärm.
Am Morgen habe ich mal nach den letzten Tagen mit 6 Uhr wecken ausgeschlafen, gemütlich Kaffee getrunken und endlich mal von den letzten 5 Tagen Tagebuch getippt. So langsam fängt auch der Lärmpegel wieder anzusteigen. Also mit Ruhetag ist nicht, bin mal auf Vietnam gespannt.
Nach dem vielen Regen gestern war es heute Morgen trocken und ich konnte zur Grenze aufbrechen. Mit den Gedanken was alles sein kann bin ich gestartet immer leicht bergan. Es kam das erste große Kilometerschild ohne chinesische Orte, es zeigte den Weg nach Dong Dang 13 km, Lang Son 26 km und Ha Noi 179 km welches ich aber über einen Umweg über die Ha Long Bucht erreichen werde. In der kleinen Grenzstadt verzweigten sich die Wege in einer geplanten Zoll freien Zone. Ich wusste nicht, wo hin, folge ich meinem Navi oder den Autos und den Ansagen der von mir befragten Leuten dnach dem Weg nach Vietnam. Ich entschied mich für Zweites und die Straße führte steil Berg auf bis auf 440 Meter. Dann kam eine Kontrolle und ich dachte ja die Grenze ist erreicht, doch falsch gedacht ich musste wieder zurück und doch dem Navi folgen. Hier ging es nur in eine weitere freie Zollzone. So ging es den gesamten Berg wieder hinunter und natürlich über einen anderen Berg wieder hoch und ich hatte die Touristik Scenic Area Friendship Pass erreicht. Ich dachte in einem Park ein Grenzübergang das kann nicht sein, so bin ich erst mal zu neben anliegenden Express Highway gefahren der durch einen Tunnel auf die vietnamesische Seite ging. Doch hier war alles ausgestorben, kein Auto, kein Mensch, wie befürchtet Grenze geschlossen? Denn es war seit Sonntag die goldene Woche die mit dem Flaggentag am Sonntag begonnen hatte. Also bin ich zurück zum Scenic Area Park um zu fragen, wo die Bodercontrol ist. Man verlangte gleich meinen Pass und sagte mir auf gutem Englisch das sie in 300 m kommt. Bald erblickte ich das Tor des Friendship Pass das ich aus dem Internet kannte. Ich war erleichtert und lies mich erleichtert von den Touristen vor dem Tor ablichten.
Anschließend bin ich zur Passkontrolle China, aus stempeln, der Beamte fragte noch, wo ich in China war und ich hatte den Ausreisestempel im Pass. Dann musste ich noch mein Gepäck scannen lassen also alles vom Rad runter und hinter dem Scanner wieder drauf und ab zu den Vietnamesen.
Ciao China es war wieder sehr schön.

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