Berichte Huancayo - Cusco
Vom 18.Mai 2016 – 07.Juni 2016; 19 Tage

Gesamt Peru: 1860 km; Höhenmeter: 26.387 m; Gesamt 2014/2015/2016: 22.373 km

Autor: Michael Schreiber
#Vom 20.Mai 2016 – 24.Mai 2016 Tag 84 (524) - Tag 88 (527)
#24.05.2016 Nachtrag zu Ayacucho

#Vom 25.Mai 2016 – 30.Mai 2016 Tag 89 (52) - Tag 94 (533)
#Fotos Huancayo-Abancay:
#Vom 31.Mai 2016 – 02.Juni 2016 Tag 95 (534) - Tag 97 (536)
#Vom 03.Juni 2016 – 07.Juni 2016 Tag 98 (537) - Tag 102 (541)
#Fotos Abancay-Cusco:


Vom 20.Mai 2016 – 24.Mai 2016 Tag 84 (524) - Tag 88 (527)
Huancayo - Ayacucho 263 km Rad; 9 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 4801 km

Datum km Schnitt;km/h Höchst;km/h Höhenmeter Zielort
20.05.16 67,17 14,72 56,36 816 Izcuchaca
21.05.16 84,73 14,86 50,7 863 La Esmeralda
22.05.16 61,14 13,39 61,74 934 Huanta
23.05.16 50,01 12,81 49,23 828 Ayacucho

Schon ist man wieder unterwegs und es gibt wieder was zu erzählen. Erst der Abschied nach 5 Übernachtungen in Huancayo. Es wurden noch Abschiedsbilder gemacht und Kontaktdaten ausgetauscht. Es dauerte einige Zeit bis ich Huancayo verlassen hatte und mal wieder frische Luft schnuppern durfte. Doch dann führte die Straße auch gleich schon bergauf zum Abra Tellevio auf 3902 m. Für 3 km des Anstiegs hatte ich mal wieder einen langsamen LKW zur Hilfe. Im letzten Abschnitt hielten plötzlich 3 peruanische Motorräder mit Gepäck vor mir und warteten auf mich. Es waren 2 Deutsche auf 13 tägiger Rundreise. Sie hatten sich die Motorräder geliehen. Kurz später war ich auch oben und hatte mal wieder eine atemberaubende Abfahrt zurück ins Tal des Rio Montaro vor mir. Es lohnt sich hier in Peru jeder Anstieg. Um 14 Uhr hatte ich in Izucuchaca mein Tagesziel erreicht, mein Hotel lag direkt an der Bahntrasse und war nur über die Schienen zu erreichen. Nach der Dusche stand ein kleiner Rundgang zur historischen Steinbrücke und dem Bahnhof am Dorfplatz an. Der Bahnsteig, wenn man Ihn so nennen will, war in den Dorfplatz integriert. Hier tauchte plötzlich ein Bus mit Musikkapelle auf und es war Fiesta auf dem Dorfplatz. Man tanzte um einen Stapel Bierkästen die gleichzeitig geleert wurden. Im Restaurant unterhielt ich mich noch mit einer peruanischen Englischlehrerin. Sie konnte nicht viel besser Englisch als ich. Sie erzählte das die Fiestagesellschaft aus einem kleinen Dorf zwischen Huancayo und Izcuchaca stammt. So bin ich heute durch das Dorf geradelt den ich konnte mich erinnern das ich dort die gleiche Musik vernommen hatte. So sitze ich nun noch auf dem Dorfplatz und beobachte das Treiben. Zurück im Hotel habe ich noch im Dunkeln Tagebuch getippt, denn es war Stromausfall.
Heute konnte es mal wieder früh losgehen denn es gab kein Frühstück. Nachdem ich wieder über die Bahntrasse zurück auf der Route war, folgte die Straße weiter dem Rio Mantaro bergab mit vielen Gegensteigungen. Aber mal wieder eine tolle Landschaft, man kann sich gar nicht satt sehen. In jedem Dorf war Markt an der Straße, es tobte das pralle Leben. Es wurde Getreide, Gemüse, Obst, Saatgut und vieles mehr veräußert. Nach 50 km kehrte ich zum Mittag ein und es gab zum ersten Mal Cuy (Meerschweinchen) worauf ich schon länger mal gewartet hatte. Es schmeckte wie Hühnchen, dazu gabs Reis und Kartoffeln.
Und dann denkt man es sind nur noch 30 km bis zum Tagesziel aber das noch mal ein, zwei schöne Gegenanstiege von fast 300 Höhenmeter kommen denkt man nicht. Aber die habe ich auch bald geschafft, diesmal ohne LKW Unterstützung.
In La Esmeralda auf nur noch 2500 m und immer noch im Tal des Rio Montaro mache ich mich auf Unterkunftsuche Einige sagen mir nicht zu und bei einem Hotel wollten sie mich nicht. Erst Ja, dann hatte sie plötzlich das Hotel geschlossen, vielleicht mochte sie auch keine Gringos. So freute sich eine andere Unterkunft über meinen Besuch.
Ich machte noch einen obligatorischen Rundgang durch den Ort um auch einzukaufen. Auf dem Dorfplatz ließ ich mich nieder, aber nicht lange den ein Gewitter war im Anmarsch und ich flüchtete mich in einen Shop mit Bar. Hier saßen 3 Männer die mich gleich zum peruanischen Trinkspiel einluden. Da ich es schon öfter beobachtet hatte wusste ich was auf mich zu kam. Es gibt eine Flasche Bier und ein Glas das die Runde macht. Man schüttet von der Flasche ins Glas ein, trinkt bis auf einen Rest den man dann in einen Behälter auf dem Tisch kippt. Nun reicht man Flasche und Glas an den Nachbarn weiter. Trinkt man die Flasche leer muss man die nächste bezahlen. Wenn man klever ist kommt man billig weg. Es war ein schöner peruanischer Abend. Vor dem Shop musste ich noch Bilder von den Kleinkindern in traditioneller Kleidung machen mit dem Auftrag die Bilder per E-Mail zuzusenden.
Schöner Abend!
Juhu geschafft, ich sitze 1 km vor Huanta in einer Oase der Gemütlichkeit, Las Totoritas. Schöne Musik im Hintergrund und ein blondes vor mir. Sonst ging es heute erstmal 30 km bergab, was man in Peru bergab nennt, auch heute wieder etliche Gegensteigungen, so das ich am tiefsten Punkt bei 2173 m schon 400 Höhenmeter absolviert hatte. Nun verlies ich den Rio Montaro in ein Seitental bergauf nach Huanta. Und in der Oase war ich schon wieder auf 2500 m. In der Tiefe plagten einen auch wieder die Moskitos, also schnell einsprühen. Die heutige Landschaft könnt ihr euch wieder auf den Bildern anschauen. Als Unterkunft habe ich die Oase klar gemacht. Der Chef des Hauses hat mir erlaubt hier zu Zelten. Zur Stärkung gab es Fisch mit Kartoffeln und Salat. Dann wurden noch Fotos fürs Internet gemacht vom Zelt und mir. Mal schauen was heute noch so alles passiert und wie lange die Musik im Hintergrund läuft. Aber morgen sind es ja nur 45 km bis Ayacucho.
Nachts hat es die ganze Nacht geregnet, so musste ich mein Zelt halb nass einpacken. Ich habe mal wieder gut in meinem Zelt geschlafen.
Nun musste ich mich zuerst durch Huanta bergauf und durch viel Verkehr kämpfen. Mein Traum vom gemütlichen nach Ayacucho radeln war auch schnell ausgeträumt denn es ging anstatt flach weiter hoch, auf 2900 m hatte ich den Scheitel zu einem neuen Tal erreicht. An einem Suppenstand gabs mal wieder Caldo de Gallina für mich. Schön dachte ich mir, dann geht es ja jetzt nur noch runter nach Ayacucho das auf 2761 m liegt, aber denkst du es ging auf Ausgangshöhe von heute Morgen hinunter, so waren es schnell nochmal 300 Höhenmeter bis zum Ziel. Ich war trotzdem gegen Mittag an der Unterkunft. Ich war froh das mein Husten wieder weg war und mich nun mal wieder ein Sonnenbrand an der linken Wade und paar Mückenstiche plagten. Man sollte auch nicht die Socken nach unten ziehen ohne sich dort nochmal einzucremen.
In der Unterkunft freute ich mich auf die heiße Dusche und den Kontakt nach Deutschland, es war ja noch früh genug, wenn es hier 12 Uhr ist, ist es in Deutschland 19 Uhr. Alles in Ordnung auf beiden Kontinenten.
Nun auf zur ersten Erkundungstour. Viele Kolonialgebäude mit Innenhöfen und Kirchen mit kleinen Parks davor prägen das Bild von Ayacucho. In der Stadt verlaufen auch wieder die Straßen im Schachbrettmuster wie fast in jeder peruanischen Stadt, so brauch man nur die Straßen zählen und man findet wieder zurück. Mir gefällt es hier ganz gut, es ist eine schöne Atmosphäre. In einem Innenhof ließ ich mich im Café El Monasterio nieder, für mich gabs endlich mal wieder Pizza Hawaii, nicht nur mit frischen Ananas belegt auch mit Pfirsich. Also Pizza können die Peruaner auch.
24.05.2016 Nachtrag zu Ayacucho
Nun habe ich heute noch einen Ruhetag einen echten Ruhetag bis 8 Uhr geschlafen, dann Frühstück und Bericht online gestellt, mit Mutter telefoniert und gegen Mittag in die Stadt aufgebrochen, noch eine Salbe für Mückenstiche besorgt und neues Geld. Anschließend im Café La Miel endlich mal peruanische Torte probiert. Sie lächelten mich schon so oft an. Es gab Torta Tres Leche und einen Kaffee. Dann noch etwas verweilen auf dem Hauptplatz und nochmal zum Restaurant des Vorabends. Doch zuvor habe ich noch in einem Radladen Beinlinge erstanden, als Ersatz für meine in Spanien verlorengegangene lange Radhose. So fahre ich jetzt für das Radteam FDJ. Jetzt lasse ich bei Spagetti die schöne kurze Zeit in Ayacuchao ausklingen. Auf dem Rückweg zum Hotel baute man merkwürdige Türme aus Bambus vor der Kathedrale auf, bei näherer Betrachtung war Pyrotechnik zu erkennen. So war der Abend mit dem Ereignis ausgefüllt, denn kurze Zeit später bog eine Prozession mit vielen Schulkindern um die Ecke, sie führten ein Tragegestell mit der Mutter Gottes mit sich. Die ersten Raketen starteten in die Luft. Doch die Prozession machte noch einen Bogen durch die Stadt um nun zur Kathedrale zurückzukehren. Nun wurden die Feuerwerkstürme entzündet. Ein echtes Spektakel, nicht alles ganz Sicher, aber mit Abstand kein Problem. Nachdem die Türme mit Feuerrädern und anderen Effekten abgebrannt waren, startete noch ein Großfeuerwerk, genau über dem Zentralen Platz kamen die Feuerwerksblumen hinunter. Ich fühlte mich wie bei Bilbo Beutlins Geburtstag wenn Gandalf das Feuerwerk entzündet. Gut das ich mir das angeschaut habe, so war ich halt erst um 23Uhr im Bett und werde morgen trotzdem die vielen 4000 m Pässe nach Cuzco in Angriff nehmen.


Vom 25.Mai 2016 – 30.Mai 2016 Tag 89 (528) - Tag 94 (533)
Ayacucho - Abacany 389 km Rad; 10 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 5159 km

Datum km Schnitt;km/h Höchst;km/h Höhenmeter Zielort
25.05.16 52,90 8,60 52,74 1562 Abra Huamina
26.05.16 106,56 16,06 57,02 1222 Chincheros
27.05.16 86,13 12,46 52,55 1512 Andahuaylas
28.05.16 61,42 10,45 47,84 1337 Kishuara
29.05.16 82,93 13,62 58,72 945 Abancay

Guter Laune startete ich in den Tag, auch wenn es wieder im stinkenden Stadtverkehr aus Ayacucho hinaus ging und gleich bergan, denn ich musste heute 1500 Höhenmeter gewinnen um den Pass zum Rio Pampas zu erreichen. Die Aussicht zurück war fantastisch und auf dem Weg nach oben durchquerte ich wieder alle verschiedenen Vegetationszonen. Bei 4000 m zogen Gewitterwolken auf und kurz später musste ich durch einen Hagelschauer, das Thermometer fiel direkt um 20 Grad. Also mal wieder Regenkleidung anziehen. Im Regen erreichte ich den Abra Toccto, hier zweigte die Straße in ein anderes Tal ab, doch für mich ging es weiter aufwärts. Die PE 3 bewegte sich zwischen 4000 m und 4300 m. Da es hier keine Orte gab, war zelten angesagt. Ich fand schnell einen schönen Platz mit rundum Blick. Es war mittlerweile auch wieder trocken und die Sonne kam wieder hervor. Die Aussicht aus dem Zelt war echt toll. Nachts sank die Temperatur auf -2 Grad und am Morgen war mein Zelt wieder weiß eingehüllt, nur ich habe nicht gefroren. Bin ich froh.
Zum Zeltabbau zog ich meine neuen Beinlinge und die Langfingerhandschuhe an und ich startete der Sonne entgegen. Die Straße zog sich immer noch auf über 4000 m durch die tolle Landschaft. Vicunja Herden zogen entlang meines Weges und immer wieder kleine Biotope rechts und links. Aus Cusco kam mir eine Französin entgegen auf dem Weg nach Ecuador. Sie hatte auch hier oben gezeltet und war von der Landschaft ebenso begeistert.
Nun nach 25 km wartete eine 60 km Abfahrt hinunter zum Rio Pampa auf mich, von 4200 m auf 1960 m und super Asphalt. Das hat Spaß gemacht. An der Brücke legte ich an einem Shop eine Pause ein, bevor es gleich wieder bergan zum nächsten Pass ging. Nach weiteren 700 Höhenmetern machte ich in Chincheros Stopp. Schöne Dusche gutes Essen im La Casa del Sabor, so werde ich morgen den Rest des Passes auch noch schaffen.
Ja wer hätte es gedacht, ich habe den Pass Abra Soraccocha geschafft, die Steigung war wieder gut fahrbar mit meinen fast 60 kg. Unterwegs Stopp am Shop und die ganze Familie war zu gegen. Ich stärkte mich mit Pan und Joghurt. Vor der Passhöhe konnte ich noch Alpacas beobachten als Sie vor mir die Straße querten. Sie weideten hier auf den weiten Bergwiesen. Auf 4258 m hatte ich den Pass erreicht, nun wieder 50 km bergab nach Andahuaylas. Die Kilometer bergab sind immer schnell absolviert, zwischen 30 und 50 km/h zeigt der Tacho, man überholt den ein oder anderen LKW oder liefert sich ein Rennen mit einem Motorad.
In Andahuaylas angekommen beschloss ich den Ruhetag nach Abancay zu verlegen. Dann noch kleiner Rundgang durch den Ort, im Café gabs für mich Kaffee und Kuchen, später Pizza aus dem Steinofen im Il Gatto. Brauche immer Kaloriennachschub.
Am nächsten Morgen, wie sollte es anders sein wieder hinauf zum nächsten Pass dem Abra Huayllaccasa und natürlich wieder Stopp am Shop, diesmal bei Joghurtdrink, Pan und Banane. Auf dem weiteren Weg nach oben begegnete ich zuerst zwei Radlern aus Frankreich und Deutschland die aus Ushuaia kamen und später einem französischem Paar auf dem Weg nach Ecuador. Echt viele Radler unterwegs. Auf 4258 m waren die Wolken wieder zum Greifen nahe. Im nächsten größeren Ort in der Abfahrt, in Kishuara suchte ich das einzigste Hostal auf. Zimmer mit Bett das wars. Toilette war im Garten. Der Spaß kostete mich 4 Euro. Der Ort war ähnlich, denn er hatte auch nicht viel zu bieten, auf dem Markt gabs 2 mal Kartoffeln zum Abendessen und im Shop, wo ich fürs Frühstück Besorgungen machte, ließ ich mich mit der Familie des Hauses auf Höckerchen auf der noch nicht fertigen Straße zu einem Abend Bier nieder.
Ich hatte erstaunlich gut geschlafen und saß bereits um 6:30 Uhr auf dem Rad. Ich folgte der alten PE 3S. Sie wurde mir von den Einheimischen empfohlen. Zwar war sie Offroad aber es ging nur noch 200 m bergauf und von dort hinab. Hier oben waren es gerade mal 1 Grad, die Gräser waren noch weiß, doch 6 Stunden später und 2100 m tiefer zeigte das Thermometer 34,8 Grad, soviel zu den Temperaturunterschieden. Von der alten Straße waren die Ausblicke gigantisch auf das Ziel Abancay. Doch es waren noch lange 50 km bergab über die Schotterpiste. Es dauerte und dauerte und immer wieder diese Ausblicke. Im Hintergrund schauten auch wieder weise 6000der Gipfel hervor.
Fast unten traf ich wieder auf die neue PE 3S und ich war nach einem halben Tag Abfahrt am Rio Pachachaca auf 1820 m und durfte nun wieder hinauf nach Abancay. Denn ich schaute nun nicht mehr auf den Ort hinab, sondern hinauf. Doch dank eines LKWs an dem ich mich mal wieder festhalten konnte gingen die 600 m recht fix. Am Ortseingang gabs noch ein Willkommensbier. Um 15 Uhr bezog ich mein Zimmer im Dubai Palace. Nun Rundgang, Frühstückseinkauf und im Il Gatto Essen. Es war dasselbe wie in Andahuaylas. Da ich in beiden war gabs vom Chef einen Rotwein gratis.
Am Ruhetag in Abancay buchte ich zuerst meine Unterkunft in Cusco für 6 Nächte, ja ich mache dort Urlaub vom radeln und keinen Radurlaub. Danach machte ich Büroarbeiten im Innenhof der Unterkunft, am Nachmittag werde ich nochmal ein Café aufsuchen und am Abend nochmal zum Il Gatto um in den nächsten 3 Tagen Cusco zu erreichen.


Fotos Huancayo-Abancay:


Vom 31.Mai 2016 – 02.Juni 2016 Tag 95 (534) - Tag 97 (536)
Abacany – Cusco 196 km Rad; 7 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 5346 km

Datum km Schnitt;km/h Höchst;km/h Höhenmeter Zielort
31.05.16 72,72 11,05 51,33 1562 Curahuasi
01.06.16 100,48 11,49 55,92 1981 Anta Izuchaca
02.06.16 22,7 10,56 32,72 334 Cusco

Nach dem Ruhetag in Abancay standen nun die letzten 3 Etappen nach Cusco auf dem Programm. Heute erst mal hinauf zum Abra Sorllaca und wieder hinunter zum Rio Apurimac. Es war auch der Tag der Versuchung, denn nach dem ich die Ausfahrt aus der Stadt gefunden hatte hält neben mir ein Pickup. Ola Gringo höre ich, aber diesmal war es ein positives Gringo, denn die beiden, Vater und Sohn, wollten mich mit nach oben nehmen. Doch ich konnte widerstehen und kämpfte mich alleine nach oben. Heute eine Punktlandung, genau 4000 m zeigte mein GPS auf dem höchsten Punkt, denn Passhöhenschilder gibt es hier nicht.
Irgendwie war ich heute von dem Verkehr, Beziehungsweise von den nicht fahren könnenden Autofahrern genervt. Bevor sie reagieren z.B. zum Überholen wird erst mal gehupt. Doch durch hupen kommt man nicht an einem Hindernis vorbei. Manchmal habe ich das Gefühl das die Fahrer ihr Auto nicht im Griff haben oder es hat ihnen keiner gezeigt wie man mit einem Auto umgeht. Die meisten fahren auch noch die großen Pickups von Toyota. Manch ein Fahrer hat heute meine Flüche abbekommen.
Nun gut, ich bin trotzdem gut oben angekommen und dann der Blick: Eine Wand von Bergen stand nach der Passüberquerung vor mir mit weißer Haube. Die Aggression gegenüber den Autofahrern war schlagartig in nettes Grüßen umgeschlagen. Der 6271 m hohe Nev. Salcantay kann vieles bewirken. Genau hinter dieser Bergkette liegt der Machu Picchu. Rechts schweifte mein Blick ins Tal des Rio Apurimac. Ich hatte eigentlich gehofft nicht wieder soweit hinunterzumüssen. Aber egal, das ist halt Peru mit seinen Anden. Aber bald ist der Andencross geschafft, ich muss, wenn ich zurück in Deutschland bin, mal einen Alpencross zum Vergleich machen.
In Curahuasi machte ich für heute Schluss. Beim Rundgang konnte ich vom Zentralen Platz schon den nächsten Anstieg in Augenschein nehmen, aber laut Karte soll er nur bis auf 3750 m führen.
Heute ergab sich die vorläufige Königsetappe, 100 km und knapp 2000 Höhenmeter, aber zuerst kamen noch einige Tiefenmeter. Ich konnte noch ein einviertel Stunde bergab rollen zum Rio Apurimac bis ich die Brücke tief in der Schlucht erreicht hatte. Von hier nur noch bergauf bis Limatambo in langen Geraden und sanften Kurven, nach dem Ort in Serpentinen, es war gefühlt der steilste Pass. In Limatambo stärkte ich mich mit Tallarin de Pollo. Eigentlich wollte ich ja im Anstieg zelten, doch es fand sich kein geeigneter Platz. So war ich gezwungen weiter zu radeln und schaffte somit den Anstieg an einem Tag. Die Bergkulisse mit den weißen Gipfeln war imposant und auf der anderen Seite des Passes war eine Ebene die ich noch bis Izcuchaca/Anta durchquerte. Viel Getreide und Weideland war hier zu sehen, welches durch die Bergketten eingerahmt war. Hotelsuche habe ich heute abgekürzt und das erstbeste genommen. Mit ein paar Bierchen ist es ok. Nach der heutigen Poweretappe sind es nur noch 25 km und 300 Höhenmeter bis Cusco und ich habe 6 Tage Urlaub.
Die 25 km zogen sich, ich hatte schwere Beine und die 300m taten weh, doch als ich das Willkommensschild von Cusco erreicht hatte war ich happy. Wieder einen Meilenstein meiner Reise erreicht. Natürlich führte mich mein Navi über die steilste Straße mit Belag des Inka-Trails ins Zentrum der Stadt. Ich hatte den Zentralen Platz mit den zwei Kirchen erreicht und gleich nebenan war meine Unterkunft. Sie war genau so wie ich sie mir vorgestellt hatte. Gemütlich mit Innenhof genau im Zentrum. Ich machte gleich einen Rundgang. Cusco war mir gleich Sympathisch und so freue ich mich auf die nächsten Tage. Als ich auf dem Zentralen Platz als Fotograf missbraucht wurde teilte man mir mit das heute ein besonderer Tag sei. Die umliegenden Gemeinden präsentierten sich heute in der Stadt. Als ich nach einer Pause in meinem Hostel wieder aufbrach, war der Zentrale Platz (Plaza de Armas) voller Leute und es war eine Prozession im Gange. Jede Gemeinde trug einen Heiligen um den Platz mit eigener Musikkapelle. Es war wieder Fiesta. Also bin ich immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich feierte nach der Prozession der Gemeinde aus San Sebastian. Die Musikkapelle spielte. Die Trompeter und Posaunisten standen auf einem Brunnen und zogen ihre Show ab. Der Mann mit der dicken Trumm (Trommel) baute einen 3 stöckigen Turm aus Bierkästen und beauftragte mich mit einem Peruaner den Stapel der Bierkästen festzuhalten, während er ihn bestieg. Er schlug enthusiastisch auf die Trommel ein und ich mit meinem Kopf gleich daneben. Es war aber schön mitten drin zu sein. Als Belohnung fürs Festhalten gabs Freibier mit dem gewohnten Spielchen, die Flasche wanderte von einem zum Anderen. Zum Glück bestand meine Runde nur aus 4 Personen, so kam ich schneller wieder an die Reihe. So ging der erste Abend in Cusco in der peruanischen Gemeinschaft zuende.


Vom 03.Juni 2016 – 07.Juni 2016 Tag 98 (537) - Tag 102 (541)
Aufenthalt in Cusco 0 km Rad; 10 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 5159 km

Am Morgen war immer noch Fiesta, die Gruppen zogen aus mit ihren Heiligen zurück in Ihre Gemeinde. Sie hatten Masken auf und ihre bunte Kleidung an. Für den Nachmittag hatte ich gleich noch die erste Tour zu den lokalen Inka Ruinen gebucht. Zuerst besuchten wir die im Ort liegende Tempelanlage Qoricancha oder Temple del Sol. Hier befindet sich auch der Kleinste Stein in einer Mauer von ca. 1x1 cm, den größten haben wir später in Sacsayhuaman gesehen. Zweite Stadion war Qenqo. An diesem rituellen Ort befand sich in einer natürlichen Höhle der aus dem Fels gehauene Ritualtisch. Weiter fuhren wir nach Sacsayhumana, ein Symbol der Macht. Diese Macht wurde durch die riesigen massiven Mauern symbolisiert, hier befand sich auch wie schon erwähnt der größte Stein Perus. Die Anlage stellt von oben gesehen den Kopf eines Pumas da. Die Mauern sind Zickzack angelegt und stellen die 22 Zähne da, der Körper ist die Stadt Cusco begrenzt durch die Straßen Av. El Sol und Av. Tullumayo. Nächster Stopp war Pucapucara, ein Militärposten der Inka auf dem Weg nach Machu Picchu. Gegenüber lag das Inka Bad Tambomachay, das noch heute durch unterirdische Quellen gespeist wird. Alles sehr imposant was die Inka erschaffen haben. Doch alles nichts gegen Machu Picchu.
Für den nächsten Tag hatte ich mir meine eigene Tour organisiert. Im Office der Peru Rail hatte ich ein Bahnticket gekauft, nebenan das Ticket für Machu Picchu und im Hostel den Gemeinschaftsbus nach Ollantaytambo gebucht.
Der Wecker klingelte um 3:15 Uhr und der Tag des Highlight hatte begonnen. Um 4 Uhr ab in den Bus und 2 Stunden später waren wir in Ollantaytambo an der Bahnstatadion, ich hatte genügend Zeit bis zur Abfahrt des Zuges, so war noch ein gemütliches Frühstück im Bahnhofscafe möglich. Stärkung war wichtig denn ich wollte den Machu Picchu zu Fuß besteigen. Die Fahrt nach Aguas Calientes sollte 1,5 Stunden dauern doch bei uns dauerte sie 2,25 Stunden, denn der entgegenkommende Zug hatte ein Auto mitgenommen. Meine Nachbarn im Zug waren US-Amerikaner, wir hatten eine nette Unterhaltung und unsere Wege kreuzten sich später in Machu Picchu immer wieder.
Die Fahrt durchs Urubambatal war atemberaubend. Die steil abfallenden Hänge waren unglaublich, sie waren teilweise bewaldet. Der Fluss schlängelte wild brausend entlang der Bahntrasse. Der 5330 m hohe schneebedeckte Pumawanka war immer wieder zu sehen. In Ollantaytambo angekommen machte ich mich auf den 5 km Fußmarsch hinauf zum Berg der Berge. An der Brücke über den Fluss konnte ich schon die Inka Stadt oben in schwindelerregender Höhe erblicken. Ich musste aber noch 1300 m über den Jungletrail hinauf klettern. Teilweise begleitete mich ein argentinischer Tourist. Und dann war es soweit, durch die Ticketkontrolle und noch um eine Ecke und der erste Blick zur Inka Stadt Machu Picchu war frei. Ein unglaubliches Gefühl hier zu sein. Zusehen was die Inka in solch einer wahnsinnigen Landschaft erschaffen hatten. Die steil abfallenden Terrassen die als Agrarflächen dienten und die Stadt an sich mit dem Haus des Inkas, dem Observatorium, dem Sonnentempel und dem riesigen Hauptplatz der nicht zu betreten war und von Lamas genutzt wurde. Ich bin zuerst Richtung Sungate marschiert um den Blick auf die Stadt von oben zu genießen. Doch nicht nur die Stadt zog meine Blicke auf sich, sondern auch die unbeschreiblich schöne Berglandschaft. Die schroffen komplett bewaldeten Berge waren das perfekte Umfeld der Stadt. Anschließend begab ich mich auf den Rundweg durch das weitläufige Areal, vorbei am Tempel der 3 Fenster, dem Observatorium, dem heiligen Felsen, dem Tempel des Condor, den Wasserspiegeln, dem Haus des Inka und vorbei am Sonnentempel dessen Fenster genau zum Sonnentor ausgerichtet ist. Nach fast 3 Stunden Rundgang habe ich mir ein schattiges Plätzchen mit Blick auf die Stadt gesucht und einfach den Augenblick genossen.
Nun folgte der Abstieg auf gleichem Weg. Erschöpft machte ich an der Brücke am Fluss Rast in einem Lokal bei Cusquena, dem Bier des Machu Picchu, und einem leckeren Hamburger. Hier hatte ich zuerst ein Gespräch mit einem französischen Paar und später mit einer Kolumbianerin. Sie wollte durch die Hintertür zum Machu Picchu, doch es hat nicht funktioniert, man hat sie entdeckt, doch unterwegs hat sie noch eine Touristen freie Inkastätte gefunden. Übrigens fand ich das sich die Touristenmassen auf dem Machu Picchu in Grenzen hielten. Ich konnte immer noch nicht ganz verstehen was ich da gesehen hatte.
Nach 1,5 Stunden Zugfahrt war ich wieder in Ollantaytambo. Nach Verhandlungen mit den vor dem Bahnhof wartenden Taxifahrern bin ich zusammen mit einem peruanischen Paar für 30 Soles zurück nach Cusco gefahren. Unterwegs war ich von dem Nachthimmel verzaubert. Es war eine Sternenkuppel über die Erde gelegt. Die Milchstraße war sehr gut zu sehen. Um 22 Uhr waren wir zurück und ein super Tag mit vielen netten Begegnungen und einem wirklich unvergesslichen Highlight Machu Piccu war zu Ende.
Am nächsten Tag habe ich nichts gemacht und habe die Zeit in der Unterkunft genossen, Beine hochgelegt und relaxt.
Nach dem Ruhetag habe ich heute nochmal Programm gemacht. Circuito Religioso. Ein Ticket für 6 Besichtigungen. Mein Start war der Templo (Kirche) de San Blas, eine der ältesten Kirchen Cuscos mit einem uralten Fresko Mariens, einer Kanzel mit feinsten Schnitzereien und vergoldeten Altären. Durch die Gassen von San Blas ging es hinüber zum Templo San Cristobal, auch hier vergoldete Altäre, davor die Figuren auf den Tragegestellen der vergangenen Fiesta. So konnte man genau die Dimensionen der Tragebalken und der Figuren darauf betrachten. Vor der Besichtigung des Museo Arzobispal bin ich in einem kleinen Café zum Kaffee eingekehrt. Hier gab es sogar Baguette und anderes Brot. Im Anschluss besuchte ich den Palacio Arzobispal mit Springbrunnen im Innenhof. Hier waren viele Gemälde zu sehen und eine Kapelle. Doch der Höhepunkt war die Kathedrale mit ihren Nebenkirchen. Zuerst ging es in die Kirche der heiligen Familie. Der Hauptaltar war komplett vergoldet und zeigte die heilige Familie auf dem Tabernakel. Zwei Seitenaltäre waren verspiegelt. Von hier führte mich der Audioguide, der inklusiv war, in die Kathedrale, die im Baustiel der Kathedralen von Granada und Cordoba in Spanien erbaut wurde. In der riesigen Kirchenhalle waren ebenfalls die Tragegestelle mit den Heiligenfiguren der Fiesta Korpus Christi aufgebaut. Der Hauptaltar war mit purem Silber beschlagen. Interessant war auch die Darstellung des letzten Abendmahls. Auf dem Teller war kein Brot zu sehen, sondern ein Cuy, gegrilltes Meerschweinchen und drumherum Früchte aus Peru. In den Fenstern des dargestellten Raums waren in einem die Geburt durch eine Sternschnuppe und in dem anderen der Tod durch das Kreuz zu sehen. Die letzte Stadion war der Templo Triunfo. Der zentrale Innenraum war ein Triumpfbogen mit hoher Kuppel. Hier soll die Mutter Gottes nieder gekommen sein um ihren Mantel schützend über die Peruaner zu hüllen. Es soll und ist eine der schönsten Kirchen der Welt. Die 30 Soles für das Kombiticket sind völlig gerechtfertigt und dazu noch der deutsche Audioguide. Neben Machu Picchu ein Ort den man besucht haben muss.
Nach erneut so vielen Eindrücken habe ich mich bei Ravioli auf einem der Balkone am Plaza de Armas niedergelassen und das Treiben auf dem Platz beobachtet.
Letzter Tag in Cusco. Nochmal nach Hause telefonieren, Bilder-DVD's nach Hause schicken und frisches Geld tanken. So fing der Tag an. Natürlich war auch heute wieder etwas in der Stadt los, eine Militärparade mit VIP Tribüne vor der Kathedrale. Mal was anderes als immer eine Prozession. Im Anschluss besuchte ich noch die Kirche Compania de Jesus am Plaza de Armas. Noch ein Besuch im Café des Vortages bei lecker Lünette. Abends war ich nebenan Nudeln tanken fürs Radeln am nächsten Tag. Beim letzter Rundgang über den Plaza de Armas durfte ich noch dem Fahnenappell beiwohnen. Vorm schlafen noch Copa Amerika schauen, das wars mit Cusco!


Fotos Abancay-Cusco:

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