Berichte Grenze Bolivien - Potosi
Vom 18.Juni 2016 – 07.Juli 2016; 20 Tage

Gesamt Bolivien: 712 km; Höhenmeter: 5616 m; Gesamt 2014/2015/2016: 23.613 km

Autor: Michael Schreiber

#Vom 18.Juni 2016 – 21.Juni 2016 Tag 113 (552) - Tag 116 (555)
#Vom 22.Juni 2016 – 26.Juni 2016 Tag 117 (556) - Tag 120 (559)
#Vom 27.Juni 2016 – 29.Juni 2016 Tag 121 (560) - Tag 123 (562)
#Vom 30.Juni 2016 – 03.Juli 2016 Tag 124 (563) - Tag 127 (566)
#Vom 04.Juni 2016 – 07.Juli 2016 Tag 125 (564) - Tag 128 (567)
#Fotos Grenze Bolivien-La Paz:
#Fotos La Paz-Potosi:


Vom 18.Juni 2016 – 21.Juni 2016 Tag 113 (552) - Tag 116 (555)
Etappe Grenze Bolivien – Cobacabana 9 km Rad; 5 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 5881 km

Am Grenzübergang herrschte ein kleiner Grenzverkehr. Hinter dem Bogen der die Grenze markierte hatte ich nun Bolivien erreicht, mein zweites Land in Südamerika.Im Migationsoffice beantragte ich meine Einreise in Bolivien und erhielt 30 Tage, also werde ich wohl eine Verlängerung beantragen, aber das sei nur Formsache so der Beamte.
Nun ab nach Cobacabana, dem original, denn der Ursprung des berühmten Strands in Rio liegt hier in Bolivien. Hier aus Bolivien hat der Titicaca-Seenoch ein intensiveres Blau, einfach unglaublich dieses Blau. So zog es mich förmlich von der Hauptstraße über einen Feldweg an den Strand von Cobacabana. Ein Willkommensbild geschossen und dann an den Bootsanlegern bin ich um 12 Uhr, nein um 13 Uhr eingekehrt um gleich das peruanische Bier zu testen. Ja in Bolivien bin ich wieder 1 Stunde näher an der Zeit in Deutschland. Das Hostal war auch schnell bezogen im ruhigen Teil von Cobacabana. Nach einem kurzen Rundgang über die Hauptplätze und dem Besuch der Wallfahrtskirche bin ich aufg einer Terrasse am Hafen aufgeschlagen und den ersten Sonnenuntergang über dem See genossen. Nach dem ich einen Flyer für Fussball auf Großlinewand bekommen hatte bin ich dort noch zum spiel Argentinien-Venezuela vorbeigegangen. Hoffe hier auch das dritte Deutschlandspiel schauen zu können.
Beim Frühstück am nächsten Morgen traf ich ein deutsches Pärchen. Wir unterhielten uns und da wir Männer heute die gleiche Tour geplant hatten haben wir uns zusammen getan. Seine Frau wollte sich nach einer Erkältung ausruhen. Wir machten uns auf zum Hafen und holten uns ein Ticket zur Isla del Sol. Wir fuhren zum nördlichsten Hafen um von dort über den Panoramahöhenweg zurück zur südlichen Anlegestelle zu wandern ca. 12 km. Der prägende Blick war zur Codilera Real mit dem 6421 m hohen Illampu. Ebenso war der Blick auch immer wider auf die Buchten der Insel und dem tiefblauen Titicaca-See gerichtet. Auf dem Weg passierten wir die drei Gemeindegrenzen der Insel und mussten jedes mal Zoll bzw. Eintritt zahlen. Es war angenehm mal wieder den ganzen Tag deutsch zu sprechen dank meines Begleiters aus Frankfurt. Beim Abstieg zum Hafen sind wir nach zu Käsebrot und Cola eingekehrt.
Nach Rückkehr und kurzem Stopp im Hostal bin ich zum Essen. Vorspeise gabs in einer Bar in Form eines Cheeseburger und im Lokal des Vorabends gab es das Menu, Tomatensuppe, Lasagne, Banane mit Schokosose für 30 Bolivianos umgerechnet 4 Euro, danach gings ab ins Bett.
Am morgen bin ich nach dem Frühstück auf den 4018 m hohen Kalvarienberg gestiegen. Hier sind auch Gräber rund um den Gipfel. Von hier kann man senkrecht hinunter auf den Ort schauen und den Blick über den weiten Titicaca-See schweifen lassen. Nach dem Abstieg habe ich noch eine kleine Inka-Stätte im Ort besucht. Zum Bericht tippe habe ich mich wieder auf der Terrasse am Hafen niedergelassen.


Vom 22.Juni 2016 – 26.Juni 2016 Tag 117 (556) - Tag 120 (559)
Etappe Grenze Copacabana – La Paz 152 km Rad; 5 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 5881 km

Datum km Schnitt;km/h Höchst;km/h Höhenmeter Zielort
22.06.16 96,1 12,76 51,61 952 Batallas
23.06.16 56,19 13,3 33,54 331 La Paz

Nach dem Frühstück ging es hinaus aus Copacabana und hinauf auf über 4250 m. Also erstmal wieder hinauf schnaufen, die wurde aber auch wieder belohnt. Nach dem höchsten Punkt führte die Straße über eine Landzunge und sie wechselte immer mal wieder die Seite der Berghänge und so waren die Ausblicke sehr abwechslungsreich, noch mal so richtig zum geniessen des Titicaca-Sees. In San Pablo erreichte ich die Fähre die den See an der engsten Stelle überquerte. Die Fähren waren einfache Holztröge mit Außenbordmotor. Sie transportierten aber auch Busse und schwer beladene LKW in Schieflage aber es funktionierte. Ich hatte es nun auch geschafft, nach dem ich auf 2 mitfahrende Autos warten musste, und war nun am Ostufer. Nach einem weiteren Anstieg über 4000 m führte die Straße nun entlang des Sees. In meinem angepeilten Zielort gab es keine Unterkunft so kaufte ich noch etwas ein. Am Shop lehnte schon ein anderes Reiserad und zur Freude war es der Südafrikaner mit dem ich zu Anfang Perus schon zusammen geradelt war. Er war etwas mehr zugewachsen im Gesicht aber ich habe ihn wiedererkannt.
Wir beschlossen in den nächsten Ort zu radeln doch auch hier gab es keine Unterkunft. So zelteten wir auf dem Bolzplatz des Ortes. Mit einem Zaun gesichert. Der Platzwart schloss Abends ab und morgens wieder auf. Es weideten hier sogar Kühe. Als ich um 22Uhr aufs Thermometer schaute waren es -10,5 Grad doch mir war es angenehm warm in meinem Schlafsack.
Die Sonne weckte mich und jetzt waren es auch nur noch -1 Grad. Ich startete vor meinem Radlerkollegen, den er war eh schneller. Bis El Alto dem Vorort von La Paz waren es noch 47 km und es ging stetig bergan bis auf 4100 m. Dann führte mich mein Navi noch über den größten Wochenmarkt der Welt und dann der Blick hinunter auf La Paz. Kaum beschreibbar! Die Millionenstadt eingepresst in einem 600 m tieferliegenden Talkessel. Und ich wollte La Paz umfahren, wäre für diesen Blick ein großer Fehler gewesen. Auch wenn ich über die stark befahrene Straße durch El Alto fast Erstickungsanfälle erlitten hätte war es die richtige Entscheidung doch nach La Paz zu radeln. Auch die Abfahrt nach La Paz konnte ich nicht genießen, denn das ließ die Fahrbahndecke nicht zu.
An der Unterkunft angekommen war ich zufrieden denn sie lag an einen autofreien Straße. Alles Kolonialgebäude wie auch die Unterkunft. Mit Innenhof und gemütlichen Aufenthaltsräumen, ideal zum chillen und La Paz kennen zu lernen. Das Hostel liegt nicht weit vom Zentralen Platz, doch ist er weiträumig abgesichert, denn hier liegt auch das Regierungsviertel von Bolivien. Sonst ist es bis jetzt eine Abgas verseuchte Großstadt. Ich hoffe ich finde noch die ein oder andere schöne Ecke. Am Abend bin ich nochmal auf die Dachterrasse des Hostels und was sah ich der Sternenhimmel war zu Boden gefallen. Das Lichtermeer von La Paz war der Wahnsinn. Muss ich wohl noch eine Abendrunde mit der Seilbahn machen.
Morgens nach dem Frühstück habe ich nach langem hin und her doch die Tour zu den Ruinen von Tiawanaku gebucht für den nächsten Tag. Doch heute bin ich Seilbahn gefahren. La Paz modernes Verkehrsmittel, zur Zeit gibt es 3 Linien und weitere sind im Bau. Es ging vom ehemaligen Bahnhof hinauf nach El Alto. Ein tolles Erlebnis über die Dächer von La Paz zu schweben und es hat fast nichts gekostet 6 Bolivianos (ca.1 Euro) hin und zurück. In El Alto habe ich dann nochmal den größten Wochenmarkt der Welt besucht, einfach beeindruckend, er zieht sich durch den ganzen Stadtteil und hat alles zu bieten. Von Fleisch, Gemüse, Obst, Pflegemittel bis hin zu Heilmitteln wie kleine getrocknete Lamas. Unglaublich.
Übrigens habe ich auch mittlerweile paar nette Ecken in La Paz gefunden, so war ich bei einem Inder zum Tagesmenü für 35 Bolivianos (ca. 4,5 Euro). Broccolisuppe, Chicken Marsala, Dessert Kuchen. Und nun sitze ich im Sol y Luna und tippe Bericht. Dieses Lokal wird auch mein Lokal fürs Achtelfinale. Übrigens ist der Chef Holländer.
Nach dem Frühstück am Morgen wartete ich auf die Abholung zur Tour nach Tiwanaku oder auch Tiahuanacu einem Ruinenkomplex aus der vor Inkazeit. Er ist bis heute nur zu 5 % ausgegraben. Kurz nach 9 Uhr wurde ich von der Reiseleiterin an der Unterkunft abgeholt. Im Minibus warteten schon 11 weitere Mitstreiter so auch 2 deutsche die demnächst in der Botschaft in La Paz anfangen zu arbeiten. Über den sogenannten Highway (Einspurige Holperpiste) fuhren wir hinauf nach El Alto wo die Straße nach Tiahuanacu abzweigte. Noch über einen Berg und wir waren da. Es war ein riesiger Komplex. Besonders war das Sonnentor auf dem durch Symbole der Kalender dargestellt war, ebenso die Stehlen die Figuren darstellten. In der einen Hand hielten sie das göttliche Zepter in der anderen das politische. Die größte 7 m hohe Stehle stand im Museum nebenan welches wir auch besuchten. Leider fand ich die Reiseleiterin nicht besonders, wie auch einige andere fanden. Mal hat man Glück manchmal nicht. Die 7 stufige Pyramide war das größte Gebäude der Anlage und soll damals mit Silber und Gold verkleidet gewesen sein. Nach der Besichtigung des Museum wurden wir an einem Restaurant abgeladen zum Mittag. Ich habe mich auf in den Ort gemacht und noch die Kirche angeschaut in der ein teil des Goldes der Pyramide verarbeitet sein soll. Danach habe ich noch an einer Garküche was gegessen. Zum Schluss besuchten wir noch das Pumator, ebenfalls nur noch eine Ruine. Doch hier waren riesige Steinblöcke verarbeitet, ein Rätsel wie diese hierher geschafft und verarbeitet wurden. Doch damals reichte der Titicaca-See bis hierher und man vermutet das die Blöcke mit Schilfbooten transportiert wurden.
Am Abend bin ich dann wieder zum Inder und ins Sol y Luna.

Heute am 25.6. war mal wieder Fußballtag. Nachdem ich mal wieder eine Stunde mit Deutschland geskypet hatte ging es auch schon zum Fußball schauen. In der reservierten Bar fanden sie nicht den richtigen Sender, so bin ich mit einem anderen Paar aus Deutschland welches gerade die Bar betrat zu dem englischen Pub zurück wo ich schon die letzten 3 Minuten des Frankreichspiels gesehen hatte. Dabei habe ich mal wieder einen Radler wiedergetroffen den ich schon im Ort Juli in Peru getroffen hatte. Ich finde es schon lustig das man sich immer wieder trifft. Den Sieg der Deutschen haben wir dann in einer großen Gruppe von deutschen Reisenden geschaut. Und ein Paar das in Potosi lebt. Nach dem Spiel habe ich den Sieg auf der Dachteeasse der Unterkunft gefeiert und nochmal den Blick über La Paz genossen, während sich ein französisches Paar mit dem Benzinkocher sein Mittagessen bereitete. Mit einer Holländerin die schon seit 4 Monaten auf Reisen ist (Australien, Neuseeland, Südafrika, Südamerika) habe ich mich dann noch lange übers Reisen unterhalten.
Als ich zum Abschluss ins Sol y Luna gehen wollte, fanden gerade Dreharbeiten vor der Unterkunft statt. Das Ambiente der Gasse ist dazu perfekt geeignet.
Morgen geht’s dann Richtung Oruro und Uyuni.


Fotos Grenze Bolivien - La Paz:


Vom 27.Juni 2016 – 29.Juni 2016 Tag 121 (560) - Tag 123 (562)
Etappe La Paz - Oruro 392 km Rad; 12 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 6265 km

  Datum km Schnitt;km/h Höchst;km/h Höhenmeter Zielort
  27.06.16 102,79 16,61 52,61 773 Patacamaya
  28.06.16 128,66 17,83 54,75 457 Oruro

Am Morgen war endlich wieder radeln angesagt. Ich musste mich über den Highway wieder hinauf nach El Alto und zurück auf den Altiplano kämpfen. Für die 12 km und 450 Höhenmeter habe uch gut zwei Stunden gebraucht. Anschließend habe ich mich durch den Stau kämpfen müssen. Mit Fahrbahnhopping vom Randstreifen bis auf die dritte Überholspur war ich schneller als der Rest.
Nun war ich zurück in der Weite des Altiplanos, mal leicht bergan und wieder bergab auf der vierspurigen Straße mit breitem Randstreifen.
In Patacamaya machte ich nach 103 km Stadion im einzigsten Hostal. Ich konnte sogar im Restaurant noch den Sieg von Island verfolgen. Das Essen konnte ich nicht ganz definieren, ein Ei, Pellkartoffeln, gekochter Mais, und komisches frittiertes Zeug drüber, naja ich war erst einmal satt. Jetzt bin ich nur noch gespannt ob die Toilette noch von der Schei... des Vorgängers befreit wird.
Freue mich morgen weiter über den Altiplano zu reiten.
Ja das war wohl heute ein echter Ritt von 128 km und bin so schon in Oruro. Es waren nicht nur die 128 km, anfangs war der Himmel bedeckt und ich hatte Rückenwind, doch später kam der Schnee aus den Wolken. So bin ich zwei Stunden im Schneegestöber geradelt und das Thermometer sank von nicht warmen 9 Grad auf 1 Grad. Nach dem passieren der letzten Kuppe vor Oruro lies sich die Sonne wieder blicken, dafür hatte ich jetzt auf der 35 km langen Geraden nach Oruro Gegenwind. Meine Kräfte schwanden so langsam, immer öfter stoppte ich, erst noch in 5 km Abständen dann 3-2 km. Doch ich hatte es geschafft, Oruro war erreicht und ich fand den Ort nicht so schlimm wie in den Reiseführern beschrieben, ich fand ihn sogar ganz nett. Viele Plätze, Cafés, Restaurants, Aussichtspunkte und eine im Bau befindliche Seilbahn die zu einer riesigen Marienfigur über der Stadt führte. Ich bezog ein Hotel mit super Dusche und Frühstück, danach bin ich in eine Patisserie zu Kaffee und Erdbeersahnetorte.
Morgen will ich zum Migrationsoffice wegen der Aufenthaltsverlängerung, danach plane ich weiter ob ich doch eventuell noch die Schleife über Sucre und Potosi mache oder weiter wie geplant radele.
Am Morgen gab es ein minimal Frühstück. Und das Migrationsoffice war auch nicht mehr da wo es im Reiseführer und im Navi beschrieben war. Es hing nur noch das Schild am Haus. Der neue Bürobesitzer beschrieb mir aber den Weg zum heutigen Sitz der Behörde in der Alle Sucre Ecke Calle Presidente Wantes. Es war kein Problem der Beamte schickte mich 2 Kopien meines Passes machen und nach Rückkehr stempelte er mir 30 Dias in den Pass das wars, nun habe ich Zeit genug.
Anschließend bin ich zur Santurio del Socavon dem Heiligtum der Stadt, innerhalb dieser Kirche befindet sich auch das Museum der Bergarbeiter das ich am Nachmittag noch besuche. Weiter bin ich durch die Stadt gebummelt habe noch Socken auf dem Straßenmarkt gekauft und dann zur Pause ins Hotel. Am Nachmittag habe ich noch das Bergwerk unter der Kirche besichtigt, hier werden noch heute Rituale abgehalten. 2 Figuren waren zusehen denen Zigaretten, Cocablätter, Bier und anderes geopfert wurde. Nach der Besichtigung habe ich der Schutzheiligen 2 Kerzen angezündet. Den Abend habe ich im Suigenerig verbracht und die Tour für Bolivien neu geplant. Ich werde nun über Potosi nach Uyuni fahren. Dann über den Salar zum Vulcano Tunulpa und zurück über den Salar zur Isla und nach Chile.


Vom 30.Juni 2016 – 03.Juli 2016 Tag 124 (563) - Tag 127 (566)
Etappe Oruro-Potosi 320 km Rad; 4 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 6586 km

Datum km Schnitt;km/h Höchst;km/h Höhenmeter Zielort
30.06.16 120,48 17,77 37,04 259 Challapata
01.07.16 77,14 12,63 48,48 827 Zelten vor Ventilla
02.07.16 80,81 14,86 60,50 946 Zelten nach Yocalla
03.07.16 41,99 10,74 54,75 954 Potosi

In einem großen Bogen führte die Straße hinaus aus Oruro um den Uro Uro See den ich aber nicht wirklich zusehen bekam nur am Vortag von dem Aussichtspunkt in Oruro. Die Straße war eben und meist schnurgerade. Links Berge, rechts Ebene die immer größere Salzflächen aufwies. Eine bizarre Landschaft in die sich die Natur zurück kämpft mir einzelnen grünen Flechten und Grasbüschel. Ab und zu mal ein kleiner Ort, wie Pazna in dem ich Pause an einem Shop machte. Es gab Joghurt und Pan. Unterwegs habe ich mal wieder einen Reiseradler getroffen diesmal aus Spanien, er ist unterwegs nach Alaska. Nach 120 km erreichte ich Challapata. Nun der übliche Ablauf, Hostal beziehen, Essen gehen, schlafen.
Am heutigen Tag stand mal wieder eine Bergetappe an. Ich musste über die Codelliera Azanaques da ich nach Potosi wollte. Am nahen Stausee waren viele Flamingos zu sehen. Der Fluss und die Bäche waren am Rand vereist und gab mit dem grün des Gases ein schönes Bild. Später waren Lamas und Alpakas auf den kargen Hochflächen beim Grasen zu beobachten.
Und dann war es endlich so weit nach 6400 km der erste Plattfuß bei meinen Flickarbeiten schaute mir in aller Ruhe ein bolivianischer Bauer zu. Beim Überprüfen des Mantels steckte dort ein Draht drin den ich entfernen konnte.
An einem Windgeschützten Ort kochte ich mir zu Mittag, denn größere Orte gabe es hier nicht, wo ich hätte essen können. So war auch Zelten angesagt, au 4311 m stellte ich mein Zelt auf die parallel verlaufende alte Straße hinter ein paar Büschen und Steinhaufen. Die war glaube ich bisher mein höchster Zeltplatz. Ich konnte das Zelt noch im Sonnenschein aufbauen und so konnte es noch Wärme für die Nacht tanken. Am liebsten hätte ich die Nacht ohne Zelt verbracht und nur in den Sternenhimmel gestarrt. So bin ich halt 2x in der Nacht aus dem Zelt gekrochen um mir die strahlende Milchstraße anzuschauen und habe noch mal probiert Bilder zu machen. Nur lange konnte ich nicht draußen bleiben da es mit Unterhose bei 0 Grad sehr frostig ist.
Mit Sonnenaufgang bin ich erwacht, habe zusammengepackt und war wieder zurück auf der Panoramastraße, so nenne ich sie mal, nach Potosi. Die Nationalstraße Bolivar 1 führte auf einer Höhe von 4000 m – 4300 m durch eine fantastische Bergwelt aus vielen verschiedenen Gesteinsarten. Diese schimmerte in vielen verschiedenen Farben. Von der Höhe hatte man einen grandiosen Blick hinunter in die Canyon. Genau in so einem habe ich nun mein Zelt aufgeschlagen und genieße den Nachmittag auch ohne EM-Viertelfinale. Die tolle Landschaft entschädigt.
Auf der Strecke hierher wurde ich von einer Gruppe Bolivianer heran gewunken. Als ich näher kam, sah ich das sie an einer so offt gesehenen Gedänkhäuschen am Straßenrand saßen. Ich sollte an ihrer Zeremonie teilnehmen. Sie gedachten des hier verunglückten Mann und Vater. Ich bekam von der Ehefrau einen Becher alkoholischen Getränks gereicht. Ich schüttete erst einen teil um die Gedänkstätte und trank den Rest. So hatte ich es schon bei anderen Ritualen z.B. in Tihawanaku beobachtet. Anschließend bekam ich von der Ehefrau noch Cocablätter gereicht die ich ebenfalls opferte.
Am nächsten Tag folgte die Fortsetzung der fantastischen Bergwelt, dies spürte ich auch an den Höhenmetern. Es war die gleiche Anzahl wie am Vortag doch nur auf 40 km anstatt auf 80 km. Die La Puerta, das Tor zu Potosi war ein in den Berg geschlagene Schlucht mit steil aufsteigenden Bergwänden. Doch der verseuchte Bach ließ schon die Bergbaustadt erahnen.
In St.Antonion machte ich noch einen Stärklungsstopp am Shop. Pan, Schokolade, Wackelputting. Unterhaltung mit der Shopbesitzerin über woher und wohin und schon ging es weiter hinauf bis über 4000 m nach Potosi.
An der Unterkunft angekommen war die Tour noch nicht zu Ende, denn das Hostal war ausgebucht. Die Rückmeldung der Chefin konnte ich unterwegs nicht empfangen, doch ich wurde für eine Nacht in ein anderes Hotel eingecheckt inklusive Chauffeur
Nach Dusche suchte ich mir ein Lokal zum Fußball schauen Frankreich – Island im Potocchi (5-2) Schade! Anschließend bin ich weiter zum Essen gezogen. Auch hier in Bolivien gibt es die ein Liter Bier Flasche, die kleinen waren im Restaurant aus. Potosi ist ganz nett auch wenn es eine Bergarbeiterstadt ist, Völklingen ist da wesentlich schlimmer. Ich freue mich schon auf die nächsten Tage.


Vom 04.Juni 2016 – 07.Juli 2016 Tag 125 (564) - Tag 128 (567)
Aufenthalt in Potosi 0 km Rad; 4 km zu Fuß, Gesamtkilometer: 6586 km
Der erste Tag in Potosi begann mir dem Hotelumzug, Doch diesmal wurde ich nicht mit dem Auto abgeholt sondern der Laufbursche des Casa Real holte mich ab und musste meine Tasche durch die halbe Stadt tragen. Nach dem ich mich im neuen Hostal eingerichtet hatte machte ich mich auf den Weg die Touranbieter ab zu klapper. Eine Tagestour nach Sucre wird nicht angeboten, Einer machte mir ein Angebot für 800 Bs. 105 Euro. So habe ich erstmal für morgen eine Minentour gebucht. Danach bin ich einfach weiter durch die Gassen und Straßen Potosis geschlendert. Es ist die höchstgelegene Stadt der Welt mit 180.000 Einwohnern. Über ihr immer sichtbar der Cerro Rico dies heist Reicher Berg, dessen Silberreichtum Potosí im frühen 17. Jahrhundert zu einer der größten Städte der Welt machte und von dessen Silber- und Zinnvorkommen die Stadt noch heute abhängig ist. Ich bin morgen schon auf die Aussicht von dort gespannt.
Bevor ich am Abend wieder auf Streifzug durch die Stadt aufgebrochen bin, habe ich eine ausgiebige Pause in meiner Unterkunft eingelegt und bin dann ins 4060 Eingekehrt. Der Name der Bar ist die Höhe auf der die Stadt Potosi liegt. Es gab Burritos und danach Hamburger Classic. Ruhetag=Kalorien tanken.
Auf dem Rückweg zur Unterkunft habe ich noch ein Kolumbianisches Pärchen auf einem kleinen Motorrad getroffen, die Auf Südamerika-Tour waren, mit vollem Gepäck.

Am zweiten Tag ging es nun unter Tage. Pünktlich war ich beim Touranbieter Big Deal Tour und nach und nach kamen die Anderen Teilnehmer, darunter noch 3 Deutsche eine Österreicherin und 2 Engländer. Eines der Pärchen war schon 7 Monate mit einem eigenen Bus unterwegs. Auch wir fuhren mit einem Minibus zuerst zu einem Markt der Mineros. Er war eigentlich wie jeder andere den ich bisher gesehen hatte, doch hier gab es auch Dynamit und andere Sprengstoffe im freien Verkauf. Aber auch Schubkarren, Hacken, Hammer und Meißel. Unser nächster Stopp war die Umkleide des Touranbieters. Wir bekamen Blaumann, Helm mit Lampe und Gummistiefel, zusätzlich Mundschutz. Den werde ich mir behalten für extreme Abgasbelastungen. So ging es weiter zu den Erzwaschanlagen, wo mir Chemikalien das Erz (Silber, Zinn, usw.) aus dem Gestein gewaschen wird. Nicht sehr Umweltfreundlich für Mensch und Natur. Weiter bergauf zu einer der Mineneingänge. Licht an und hinein. Wir folgten den Gleisen der Lorenbahn, immer tiefer in den Berg hinein. Teils nur in gebückter Haltung. Es zweigten immer wieder Gänge rechts, links, nach oben und nach unten ab. Der Berg schien wie ein Schweitzer Käse. Um so weiter es hinein ging umso wärmer wurde es bis zu 31 Grad und stickiger wurde es, den Belüftungsanlagen kannte man hier nicht. Die einzelnen Bergwerke bzw. Grabungsmannschaften sind zu Kooperativen zusammen geschlossen und somit kein großer ausländischer Konzern an der Mine beteiligt der das Geld abschöpft.
Ich weis nicht wie weit wir schon in den Berg vorgedrungen waren als wir auf ein 3 Mannteam mit einer Lore, einer Hacke, einerx Schaufel und Hammer und Meißel trafen. Unglaublich wie die Jungs hier das Erz aus dem Berg hauen. Sie hatten gerade einen Wagen mit Abraum voll und 2 Säcke mit Erz. Einer der Arbeiter stehlt sich auf die Lore und saust los. Es erinnerte mich an Indiana Jones.
Nach einer Pause und Erklärungen zu der Mine und den Kooperativen ging es durch einen noch engeren Schlupf 20 m tiefer auf eine andere Ebene. Ich konnte dem Guide am schnellsten folgen, liegt wohl an meiner Größe, wäre hier als Bergarbeiter gut geeignet. Dies ist aber nichts für Leute mit Platzangst. Es war ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Zum Abschluss wurde uns am Schrein der für Tio Jorge stehen das Ritual vor geführt. Die Gipsstatuen sind Abbilder des Herren der Stollen. Die Bergarbeiter beten um seinen Schutz. Sein angeschwärztes Gesicht ist mit bunten Luftschlangen gekrönt, sein Mund mit Kokablättern und Zigaretten vollgestopft. Meist findes am Freitag ein Ritual statt, dabei sprenkeln die Bergarbeiter zwei Tropfen Ceibo-Schnaps (96% Alkohol) auf den Boden - einen für Tio und einen für Mutter Erde. Dabei wurde uns ebenfals der Schnaps gereicht wie es bei dem Ritual üblich ist. Wow! Er brannte ganz schön. Nun ging es wieder zurück ans Tageslicht. Es war einfach grandios und ich muss es erst einmal verarbeiten was ich da erlebt habe.Ich bin froh, dass ich gekommen bin, ich habe jetzt viel Respekt vor den Leuten, die hier arbeiten.
Zurück in der Unterkunft erstmal unter die Dusche, auch meine Umschnalltasche musste entstaubt werden. Anschließend ein Nickerchen den die Tour war nicht unanstrengend.
Den Ausflug nach Sucre werde ich mir glaube ich schenken und morgen noch die Kathedrale besichtigen.
Tagesabschluss war wieder im 4060. hier traf ich die 2 Engländer von der Minentour wieder. Wir haben uns nett unterhalten, Sie sind 18 Monate unterwegs um die Welt. Wir werden uns wohl in Uyuni wiedersehen.

Der dritte Tag war ruhig, ich habe nur die Kathedrale besucht. Der Innenraum war nicht besonders, nur der Aufstieg auf den Glockenturm mit Rundumsicht war den Eintritt wert. Danach bin ich zum Schuster und habe eine meiner Gepäcktaschen nähen lassen. Anschließend zum Friseur zum Haare scheren. Nach dem Mittagsschlaf bin ich zum Fussball schauen gegangen und wie sollte es anders sein danach zum Essen ins Stammlokal 4060. Hier traf ich auch wieder das englische Pärchen aus Bristol die ebenfalls einen Tag länger geblieben sind um Tennis aus Wimbledon zu schauen.

Letzter Tag in Potosi? Fragezeichen was mache ich wenn Deutschland gewinnt bleibe ich noch zum Finale? Na schauen wir mal. Am Morgen war ich damit beschäftigt die Post zu finden, jeder den ich fragte schickte mich wieder in eine andere Richtung, doch nach 45 Minuten hatte ich sie gefunden und ich konnte meine Erledigungen tätigen, sonst habe ich mal wieder nichts gemacht. Um kurz nach 14 Uhr bin ich dann zum Phisqa Warmis zum Fußball Deutschland – Frankreich. Die Stimmung war super 4 Deutsche 20 Franzosen. Ergebnis nach dem Spiel: Nein ich bleibe nicht zum Finale, Deutschland unterliegt 2:0 mit einer Top Leistung. Aber ich freue mich auch nun wieder ohne Termindruck radeln zu können. Die Stimmung im Lokal war super und ich habe dem grüßten Frankreich Fan für den Sieg mit einem Rückenklopfer Gratuliert.
Doch ich freue mich Morgen weiter zu radeln, nach Aussagen von Reiseführern und Reisenden soll die Strecke nach Uyuni atemberaubend sein, nicht nur die Höhenmeter.
Letzter Stopp war im 4060 zu Tocos und Frustbier und ab ins Hostal zum packen.

 


Fotos La Paz-Potosi:

 

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