Maitour Holland - Belgien - Luxemburg mit Karl, Stefan, Hubert und Michael.

Tag 1. Samstag, 28.Mai

Treffpunkt ist um 9 Uhr am Hansaring. Micha und Stefan sind schon da, ich komme leicht zu spät. Fühle mich nicht optimal, offensichtlich ein Infekt im Anmarsch, Ohren und Hals tun weh. Also heute mit Bandana und Halstuch radeln. Wir starten durch Ehrenfeld und Bickendorf und fahren per GPS raus aus der Stadt, traumhaft sicher geht’s bis Bergheim, wo der erste Kaffee-Stopp lockt. In der belebten Fußgängerzone ruhen wir etwas aus.

Das Wetter ist gut, nur der stetige Westwind drückt das Reisetempo. Weiter geht’s bis Jülich, wo wir an einer Festung entlangfahren und rasch den Rurtal-Radweg finden.

 

Der ist landschaftlich wunderbar, nur die Wegequalität lässt zu wünschen übrig. Gegen 15 Uhr sind wir aber schon in Hückelhoven, hungrig kehren wir ein, stärken uns mit Currywurst und Kölsch.

Die Abrechnung mit der Kellnerin ist etwas kompliziert, sie kommt sich betrogen vor, obwohl alles korrekt gelaufen ist. Okay, wir nehmen wieder Fahrt auf. Bei Tageskilometer 100 passieren wir die holländische Grenze und sind bald darauf in Herkenbosch.

Zielbier in der ersten Kneipe im Ort. Es gibt Mini-Gläser (0,18 l) aber der Inhalt ist lecker.

Es sind dann locker 6-7 Gläschen, bevor wir bei Familie Abel, unserer Pension, klingeln. Zimmer werden bezogen, Staub vom Körper geduscht, dann flugs in die Friture zum Abendessen. Dann lockt unsere Nachmittagskneipe mit dem Finale der Champions-League und weiteren Bierchen. Es gibt gottlob keine Verlängerung, dafür wären wir jetzt zu müde. Steff spendiert noch einen Genever zum Abschluss, dann wanken wir ins Bett. Schöner Auftakt.


Tag 2. Sonntag, 29. Mai

Frau Abel serviert ein traumhaftes Frühstück in edlem Ambiente (Micha: Minuspunkt, weil es davon kein Foto gibt). Draußen ist es bedeckt und windig. Wind aus Süden, das bedeutet Kampf heute an der Maas.

Wir rollen durch den Wald auf einem handtuchbreiten Sandweg nach Roermond. Im Zentrum nehmen wir Kaffee, bevor wir an die Maas fahren, einen Steilhang hinunter müssen (schieben bzw. tragen) und die Wind-Herausforderung angehen.

 

Gefühlter Schnitt von 12 km/h. Gott sei Dank wird’s immer sonniger. Gegen halb zwei treffen wir inmitten eines Volks-Radfahrens auf einen schönen Biergarten und nehmen auf der Terrasse Platz.

Hier ist es so schön, dass man gerne verweilen möchte. Geht natürlich nicht, Zimmer in Vise ist ja vorbestellt. Also wieder in den Windkanal, der uns die Kraft aus den Beinen saugt.

In Maastricht sind wir schon recht platt nach 80 km. Bierpause. Ca. 15 km müssen wir noch schaffen. Plötzlich vermisse ich meine Brieftasche, suche alles mehrmals durch. Ich rufe unsere gestrige Vermieterin an, die wollte heute Morgen noch den Ausweis sehen, und ich gehe davon aus, dass die Brieftasche auf ihrem Tisch liegen geblieben ist. Fehlanzeige. Steff erbarmt sich und sucht meine Satteltaschen (die ich schon einige Male durchstöbert habe) in Ruhe durch und findet sie. Ein Stein fällt mir vom Herzen, die Tour wäre für mich wohl vorbei gewesen. Darauf noch ein Bier, dann auf in Kampf. Platt wie die Flundern erreichen wir Vise, essen rasch eine Tüte Pommes. Dann geht’s den Berg hoch zu Frau Bax, unserer Vermieterin. Oh Gott, was für ein Drecksloch; das komplette Gegenteil zu gestern. Schnell duschen, ein Bierchen im Garten, dann ab ins Städtchen.

Vise ist nett, wir schlürfen ein Bier in der Brasserie, es ist ein lauer Sommerabend, und wir haben es uns verdient. Um 22 Uhr ist es Zeit für eine Pizza. Dann gibt’s noch Rotwein, damit man die furchtbaren Matratzen nicht so merkt. Vorher aber noch kühles Bier, dass Steff der guten Frau abgeschwatzt und für uns kühl gelegt hat. Jetzt aber weg, morgen warten die Ardennen – und Karl.


Tag 3. Montag, 30. Mai

Wir wollen hier weg, also früh raus. So nett die Madame auch ist, die Unterkunft sollte man meiden. Frühstück auch nicht gut, der Abschied fällt leicht. Heute wird es warm.

Rasch finden wir unseren Weg an der Maas wieder und sind eine Stunde später in Lüttich. Jetzt müssen wir Karl aufgabeln, was nicht leicht wird, weil wir den Bahnhof nicht finden. Wir verabreden uns telefonisch an einem zentralen Platz und nach einer knappen Stunde haben wir uns.

Jetzt ist die Gruppe komplett. Also raus hier. Wir fahren zur Ourthe-Mündung und folgen dem Fluss aufwärts. Hier ist es herrlich, wir kommen flott voran.

Mittags Trinkstop und 2. Frühstück. Wieder zum Fluss, bis die Ambieve mündet.

Jetzt diesen Fluss hoch, es wird bergig. Wir erreichen Stavmont, machen einen Stopp bei Kaffee, Hexenbier und Erdbeerkuchen (gewagte Mischung).

Es folgt eine rauschende Abfahrt nach Trois-Ponts. Dort finden wir einen „Ravel“, einen Radweg auf einer stillgelegten Bahntrasse. Der Ravel führt uns 14 km nach Malmedy, unserem Ziel.

Dort geht’s auf einen schönen Platz, es gibt Bier in großen Krügen. Herrliches Gefühl. Wir studieren schon mal die Speisekarte und sprinten dann die 3 km hinauf zur Jugendherberge. Einchecken ins 4-Bett-Mini-Zimmer, frisch machen und ohne Gepäck zurück nach Malmedy, wo wir den ganzen Abend draußen verbringen, gut essen und trinken. Stefan besorgt noch Getränke für den restlichen Abend; den lassen wir dann in der Herberge ausklingen.

Die Jugendlichen aus Holland machen heute Disco-Abend, wir gesellen uns dazu und werden langsam müde. Ab in die Kojen. In der Nacht wache ich auf, weil es beständig regnet.


Tag 4 Dienstag, 31. Mai Der Regen hält an. Frühstück inmitten einer Hundertschaft Jungvolk. Wir lassen uns Zeit, der Regen soll im Laufe des Vormittags wegziehen, wie Micha im Internet ermittelt. Packen geht nur nacheinander, sonst wäre es im Zimmer zu eng. Wir zögern den Start hinaus, weil sich der Regen nicht an die Vorhersage hält.

Um 11 Uhr machen wir dann ernst, durchqueren Malmedy, Regenintensität nimmt kurz zu, dann pegelt es sich als Niesel ein, das kann man aushalten. Unseren schönen „Ravel“ von gestern düsen wir zurück, fahren dann auf der Nationalstraße weiter. Bis Micha auf eine kleine Querstraße verweist, die er in sein Routing eingebaut hat. Hätte er mal besser nicht gemacht: steil, steiler, dann gröbster Schotter. Wir fluchen und schieben. Auf der anderen Seite runter, Gott sei dank Asphalt, bis an die parallel laufend Nationalstraße. Der folgen wir auf und ab bis Manhay. Immer noch leichter Nieselregen. Wir kehren kurz ein, Karl schwatzt der Wirtin eine heiße Suppe ab, eigentlich ist die Küche zu. Noch den aktuellen Schauer abwarten, dann nehmen wir Kurs auf Durbuy. Das ist eine mördergeile, ca. 8 km lange Abfahrt hinunter ins Tal der Ourthe.

Wir finden den Ufer-Radweg, kommen unmittelbar an einen Camping und feiern die Abfahrt und die baldige Ankunft.

Was sich als Irrtum herausstellt. In Durbuy sind wir rasch. Von dort noch ca. 6km bis zur vorbestellten Unterkunft, die nicht leicht zu finden ist. Wir klingeln – nichts. Wir klopfen, rufen, gehen ums Haus herum, rufen an – alles tot. Wir fragen die Nachbarin, die weiß auch keinen Rat. Nach einer halben Stunde haben wir die Schnauze voll. Wir fahren zurück nach Durbuy. Mittlerweile ist es 19.30 Uhr, wir sind hungrig und müde. Zurück im Ort kommen wir an einem schnuckeligen Hotelchen vorbei, Karl fragt, alles bon.

Freundlich, sauber, nicht zu teuer. Den Laden müssen wir uns merken. Wir duschen, nehmen im Gastraum Platz und stärken uns mit Spaghetti und diversen Bieren. Herrlich nach all den Strapazen. Der eigentlich geplante Stadtrundgang entfällt wegen Mattigkeit.

Karl geht schlafen, wir 3 sitzen noch, probieren regionale Flüssig-Spezialitäten, lauschen der amerikanischen Reisegruppe, die eine Belgien –Bier-Reise unternehmen (bekloppt, die Amis). Dann geht nix mehr – ab ins Bett.


Tag 5 Mittwoch, 1. Juni

Unsere Madame macht grandioses Frühstück: Spiegeleier, leckeren Käse, einen Berg Brot. Dann Kettenpflege, eine kurze Stadtrundfahrt und steil aus Durbuy hinaus.

Herrliche Landschaft, es ist sonnig aber kalt. Zurück an der Ourthe gibt’s Kaffee in der Sonne.

Wieder in die Berge, zurück an den Fluss. Wir halten an einem Supermarkt und picknicken. Die Kraft brauchen wir auch, es geht immer wieder bergauf. Wir träumen von einem Bier, aber keine Kneipe lockt unterwegs. Mittlerweile in Luxemburg geht’s auf herrlichen Wegen durch die Felder.

Kurz vor Wiltz müssen wir noch mal klettern, dann rollen wir in den Ort runter und ... endlich gibt’s das heiß ersehnte Bier im sonnigen Biergarten.

Es werden einige Biere, ordern noch Schnitzel mit Bratkartoffeln und sind wohl gelaunt.

Auf ins Youth Hostel, das liegt in der Rue de la Montagne, zu deutsch Bergstraße. Uff, also noch mal schwitzen. Wir verfahren uns, hecheln einen Mörderberg ninauf, fragen noch mal, müssen zurück. Wir sind am Hotel vorbei gefahren.

Dann endlich da, Betten beziehen, pflegen. Nebenan ist ein Italiener, eine Kleinigkeit muss noch sein. Kurzer Spaziergang anschließend, nicht weit, weil gleich eine Kneipe am Weg liegt. Nix wie rein, noch einige Bierchen. Dann rauf ins Stockbett, selig schlafen und Kraft tanken.


Tag6 Donnerstag, 2. Juni

Strahlende sonne, noch kühl, wir sind früh auf. Zu früh, denn Frühstück gibt’s noch nicht. Kein Mensch da, alles verschlossen. Der Herbergs-Manager hat verpennt, taucht erst um 8:30 Uhr auf. Wir frühstücken koffeinfreien Kaffee und Brot und hauen ab. Wo sollen wir fahren, die Seenplatte oder das Flusstal? Wir entscheiden uns für das Flusstal, weil Micha und ich das noch kennen von der 2007er Tour.

Unterwegs ist Massen-Grillfest am Straßenrand. Den Einstieg in die Sauer-Uferstraße verpassen wir zunächst, müssen umkehren, dann müssen wir über einen Bergrücken und sind im Sauer-Tal.

Strecke wunderschön, wir kommen gut voran. An der Bourscheider Mühle halten wir, tanken Koffein. Da heute Vatertag ist, kommt auch noch ein Bier hinzu.

Dann weiter herrlich an der Sauer entlang bis Ettelbrück. Dort finden wir auch unseren Radweg nach Luxembourg.

Bis Mersch folgen wir dem, suchen eine Kneipe und essen etwas. Bis zum Ziel sind es noch 20 km und es ist erst 14 Uhr.

Dann zögert sich unsere Abfahrt doch noch hinaus, weil Steff 2 Räder aneinandergeschlossen hat und der Schlüssel weg ist. Suchen überall, sogar auf dem Klo, hilft nichts. Am Nachbartisch sitzt eine portugiesische Familie, die nebenan wohnt. Kabeltrommel holen, Trennscheibe anschließen und 10 Sekunden später ist das Schloss Geschichte.

Das kostet Steff natürlich noch eine Runde Bier, wir feixen noch etwas herum und rollen dann fröhlich weiter. Letzte Etappe zur Herberge.

Während ich die Eincheck-Formalitäten erledige, hat Steff schon 4 große Gläser besorgt. Also erst einmal chillen auf der supermodernen Terrasse der schönen Jugendherberge, dann das übliche Procedere und frisch gestylt rein in die quirlige Hauptstadt.

Es ist rappelvoll aber wir finden noch einen Tisch bei Pizza-Hut und freuen uns auf feste und flüssige Nahrung. Nach dem Essen wollen wir aber raus aus dem Gewusel, kehren ins Hostel zurück und nehmen einen Drink auf der Terrasse.

Steff schlägt ein Tischtennis-Blitz-Turnier vor. Karl und Micha scheiden kampflos aus, das Finale gewinne ich nach hartem Kampf gegen Steff. Die Cafeteria schließt, Karl geht schlafen, wir drei machen nochen einen Nacht-Bummel und treffen auf eine bizarre Punk-Kneipe, wo der Umgang mit offenem Feuer sehr leichtfertig gepflegt wird und etliche Drogen-Sorten ihre Anwendung finden.

Wir sehen dem Treiben eine Weile zu, dann übermannt auch uns die Müdigkeit, und wir beschließen unseren letzten gemeinsam Abend.


Tag7 Freitag, 3. Juni

Heute ist das Hostel-Frühstück perfekt vorbereitet. Strahlende Sonne, viel wärmer als gestern. Aufsatteln, kurz orientieren. Micha findet super aus der Stadt hinaus auf unseren Weg Richtung Echternach. 20 Minuten Anstieg, dann geht’s flach durch Feld und Wald.

Schon kurz nach 10 Uhr sind wir in Hostert zum Kaffee. Der Radweg endet dann bald, weiter geht’s nach Karte an die Mosel durch schöne Landschaften.

In Grevenmacher ist erste Mittagsrast. Sommerlich warm ist es, Zeit für ein kühles Bier.

Dann an den Fluss und auf dem Mosel-Radweg nach Wasserbillig.

Da ist „Spatzenfest“, es gibt Grillwurst, Bier und später zollfreie Tabakwaren zu kaufen.

Dann adieu Benelux; wir sind zurück in der Heimat. Trier wird ins GPS programmiert - Ziel ist die Porta Nigra.

Da tobt ein Stadtfest, wir lauschen der Kapelle, trinken ein letztes Bier zusammen. Karl und Steff fahren von hier nach Köln zurück.

Micha und ich ziehen weiter und radeln noch bis Schweich. Im Hotel Grefen ist reserviert, wir sind platt von der Sonne, zischen ein Weizen vor dem Haus, bevor wir unserer Zimmer in Beschlag nehmen. Staub runterwaschen und frisch ins Dorf. Da gibt’s große Schnitzel-Portionen und Fußball auf der Großbild-Leinwand. Deutschland besiegt Österreich 2:1, Scheiß-Spiel. Auf dem Heimweg können wir nicht an dem Winzerhof vorbei, wir müssen noch ein Gläschen Moselwein kosten. Dann reichts aber – Gute Nacht.


Tag 8 Samstag, 4. Juni

Heute ist Übergabe. Wir radeln zurück zum Trierer Bahnhof, warten auf den Zug aus Köln. Da drin sitzt Andrea, die mit Micha die zweite Woche an Saar und Nahe radeln wird. Die beiden ziehen voll froher Ertwartung ab, ich warte auf meinen Zug und denke mir, das könnten wir nächstes Jahr eigentlich wiederholen.

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