5 Räder 5 Länder 6 Flüsse

Wie es zu dieser Tour kam: Pepin (Michael) hatte vor, in seinem Urlaub Mitte Mai die Maas von Maastricht Richtung Frankreich zu fahren, von dort Richtung Trier der Mosel entlang wieder zurück. Für dieses Vorhaben suchte er Begleitung. Da ich für dieses Jahr auch eine längere Fahrrad-Aktivität plante, habe ich mich mit der Tour befasst, kleinere Flusstäler in den Ardennen mit in den Tourverlauf eingebaut und schon waren wir ein Team. Weitere Mitfahrer konnten wir nicht gewinnen. Trotzdem fieberten wir unserem Reisestart entgegen.


Tag 1: 12. Mai 2007

Um 8.45 Uhr treffen wir uns am Deutzer Bahnhof. Ruth, Renate, Klaus und Ralf begleiten uns bis nach Aachen, wollen von dort nach Köln zurück. Michael und ich wollen sie natürlich überreden, zumindest das Wochenende mit uns zu fahren.... Die Bahn spielt wieder mal nicht mit: Signalstörung kurz vor Aachen, 45 Minuten Verspätung. So sind wir erst kurz vor elf abfahrbereit und bewegen uns gemächlich Richtung Dreiländerpunkt.

Der Weg steigt heftig an und so haben wir uns den ersten Kaffee natürlich verdient. Nach der Rast verabschiedet sich unsere Radlerfründe-Delegation schon wieder Richtung Köln und überlässt uns unserem Schicksal. Also beginnen wir unseren Weg Richtung Ourthe-Tal. Schon nach kurzer Strecke verhaspeln wir uns, müssen improvisieren und fahren eine Weile nach Himmelsrichtung.

So sehen wir herrliche Landschaften, fahren winzige Strässchen quer durchs Land. Dann orientieren wir uns neu und nehmen die Nationalstraße Richtung Aubel. Die macht aber gar keinen Spaß: der Wind bläst uns heftig entgegen, sogar auf leicht abschüssiger Straße haben wir Schwierigkeiten, vorwärts zu kommen, Die Karte zeigt einen Wanderweg, der als Alternativ-Strecke auch zum Ziel führt. Den probieren wir, nur weg von dieser Straße. Der Weg entpuppt sich als relativ neu angelegter Weg, der auf einem stillgelegten Bahndamm gebaut wurde und so nicht in der Karte verzeichnet ist.

Und: er führt uns bis nach Lüttich. Welch ein Glück! Wir brauchen keine Orientierung mehr, müssen nur auf diesem Weg bleiben. Hin und wieder kreuzen wir Ortschaften, zwischendurch öffnet sich immer wieder der Blick auf schöne, dörfliche Landschaften.

Irgendwann sind wir im Einzugsgebiet von Lüttich, umfahren die Stadt und landen an einem Nebenfluss der Maas.

Pause, wir setzen uns auf einen Cafe hin. Der Wirt beschreibt uns den Weg an die Ourthe, den wir nach kurzen Orientierungsproblemen auch finden. Wir müssen nur eine Brückenböschung hochklettern, um den Radweg auf der anderen Flussseite zu erreichen. Jetzt gehts flussabwärts weiter. In Tilff überlegen wir kurz, uns das schöne Städtchen näher anzusehen, es ist schließlich schon tiefer Nachmittag. Michael möchte lieber noch einen Ort weiter. Wir verfahren uns, landen in einer Sackgasse, müssen zurück und über die Brücke. Macht nichts.

Der nächste Ort ist Esneux. Hier wollen wir übernachten, kurven durch die Stadt, finden aber kein Hotel. Wir fragen hier und dort. Es gibt tatsächlich keine Übernachtungsmöglichkeit. In einem Cafe hilft man uns, telefoniert herum und nach einer halben Stunde hat der gute Mann Erfolg: in Tilff. Nicht zu ändern, wir müssen zurück. Diesmal nicht am Fluss entlang sondern über den Berg der Straße nach, das ist kürzer. Das Zimmer ist „na ja“, das ist aber jetzt egal, wir sind froh, ein Dach über dem Kopf zu haben, wollen duschen, essen, Bier. Wir machen uns frisch und suchen die örtliche Pizzeria auf um uns zu stärken.

Nach dem Essen und einem kurzen Stadtrundgang gibt es noch einen Gute-Nacht-Trunk in der Brasserie am Marktplatz. Im Hotel gönnen wir uns noch eine Stunde Sport im Fernsehen, bevor wir uns schlafen legen.


heutige Fahrzeit: Strecke heute: 97km + Anfahrt Strecke bisher gesamt: 119km Durchschintt: 17,19km/h


Tag 2: 13. Mai 2007

Früh wach, Sonne scheint. Um 8 Uhr sind wir schon unten und bekommen ein spartanisches Margarine-Frühstück vorgesetzt. Im Raum hockt schon eine finster lallende Gestalt, die sich Bier und Schnaps einverleibt. Lieber rasch hier weg. So sind wir schon vor 9 draussen, verladen unser Gepäck und fahren los.

Die Strecke nach Esneux kennen wir ja schon, wenigstens können wir uns jetzt nicht schon wieder verfahren. Weiter folgt der Weg dem herrlichen Flusslauf, und ohne größere

Zwischenfälle erreichen wir Hamois, wo wir uns auf einen Kaffee niederlassen.

Bis jetzt hat sich die Sonne zwar wieder versteckt, aber wenigstens ist der Wind von gestern weg. Während wir uns stärken, setzt leichter Nieselregen ein Wir ziehen uns Regensachen an und fahren weiter. Aber nach einigen Minuten ist uns das wieder zu warm. Also wieder ausziehen und weiter. Da kommt endlich die Sonne hervor.

Jetzt strahlt alles wieder und wir zockeln über holprige Waldwege nach Durbuy hinein.

Wir durchfahren kurz die mittelaterliche Stadt, da herrscht das sonntags übliche Touristengewimmel. Also schnell weiter, ich kenne da ein kleines Gaststübchen etwas außerhalb, wo man eigenes Bier braut und der Gast recht ruhig oberhalb des Flusses sitzen kann. Das Bier und der Imbiss schmecken uns, wir halten uns aber zurück, weil der bergige Teil der Tagesetappe noch vor uns liegt.

Nachdem wir dutzenden von japanischen Touristen, die auf dem Weg zu ihrem Bus an uns vorbeidefilieren, zugejubelt haben, packen wir’s dann. Steil geht der Weg hoch Richtung Petange und von dort kreuz und quer, rauf und runter über kleine Landstraßen, durch kleine Dörfer und an schönen Schlössern und Landsitzen vorbei streben wir zur Maas nach Huy.

Nur die letzten 8 km bleiben wir auf der Nationalstrße. In Huy sitzen wir bald auf dem pittoresken Rathausplatz und stoßen auf die gelungene Etappe an. Doch eine Prüfung steht uns noch bevor: die Suche nach einem Schlafplatz. Zuerst eine Erkundungsrunde mit dem Rad – kein Erfolg. Dann fragen in Geschäften; wir bekommen den Hinweis auf ein Best-Western am anderen Maasufer. Dort werden wir aber abgewiesen. Begründung durch die Gegensprechanlage auf französisch: doppelt unverständlich. Zurück in die Stadt, nächster Tip: Endlich klappts. Kostet zwar € 70, aber wir sind kaputt und stimmen zu. Nach ausgiebiger Reinigung machen wir uns auf in die Stadt.

Michael hat Knieprobleme und humpelt schwer. Der BobYak mit der schweren Tasche fordert da doch seinen Tribut, besonders am Berg. Am Rathausplatz beraten wir, was wir nahrungstechnisch unternehmen sollen und einigen uns auf den Orts-Chinesen. Dort stärken wir uns mit leckeren Geflügel-Zubereitungen und beschließen den Tag in einer Taverne, wo wir dem Treiben des Wirtes zusehen, der sich nach Kräften bemüht, seine Gäste abzufüllen.

Ist ja auch sein Beruf. Nach zwei/drei Bier geht’s in die Kissen; Kraft sammeln für morgen.


heutige Fahrzeit: Strecke heute: 108km Strecke bisher gesamt: 227km Durchschintt: 17,33km/h


Tag 3: 14. Mai 2007

Schon in der Nacht hörte man die eine oder andere Windbö an den Fensterläden rappeln. Und es bewahrheitet sich: die Strecke an der Maas entlang kämpfen wir gegen eine Wand an. Für die 37 km nach Namur brauchen wir mehr als 2 ½ Stunden. Dafür ist es heute wenigstens flach.

Aber erst 10 km vor Namur wird die Landschaft richtig schön. Vorher müssen wir doch einige hässliche Industrieansiedlungen durchfahren. In Namur radeln wir schnurstracks in die Innenstadt, landen auf dem Theaterplatz direkt vor einem einladenden Straßencafe.

Kurze Rast, Orientierung, Pausenfoto. Bis Provondeville wollen wir noch weiter, um dort ein Mittagessen einzulegen. Die Frühstücksrationen hierzulande sind doch so inhaltsarm, dass man nach einer Stunde fahren schon was nachlegen muss. Provondeville überrascht mit einem Ristorante, das uns mit sehr leckeren Bolognese-Nudeln verwöhnt. Das gibt Kraft für die nächsten Abschnitte. Der Wind hat ein wenig nachgelassen, dafür weist unser weg jetzt einige Mängel auf.

Immer wieder hört die Asphaltstrecke auf und wechselt auf unregelmäßiges Pflaser. Oft verlassen wir so den Weg und fahren auf der parallel laufenden Straße weiter. Gegen 15 Uhr erreichen wir Dinant, eine wunderschöne kleine Flussstadt mit mächtiger Zitadelle, in deren Schatten wir eine Kaffeepause einlegen.

Wir beschließen, noch bis Givet zu fahren und somit auf französischem Boden zu übernachten. Das sind noch 2 Stunden Weg und damit reicht es vielleicht auch schon. Also nochmal Wasser nachfüllen und weiter.

Hinter Dinant verläuft unser Weg auf der flussbegleitenden Landstraße. Deshalb empfiehlt man eigentlich, ab Dinant eine Ausweichroute durch die Berge an die Semois zu nehmen. Wir wollen aber an der Maas bleiben, so lange es uns hier gefällt. Die Gegend ist auch sehr schön hier und der Verkehr nicht so stark.

Nur der wind hat seine Mittagsruhe wohl beendet und bläst uns wieder heftig entgegen. Michael hat jetzt doch recht wacklige Knie, er macht sogar seine Fotos, ohne das Fahrrad zu verlassen. Vor Givet können wir uns auf einer Tafel überzeugen, dass das Hotelangebot diesmal ausreichend sein müsste. Und dann haben wir auch bald eine Kaschemme gefunden.

Riesen-Zimmer, verblichene Pracht zwar, aber mit 21 € recht preiswert. Ich muss Michas Tasche hochschleppen, er hat an sich selbst genug zu tragen. Dann duschen und ins Städtchen, wo wir über eine Friture stolpern, und uns mit einem Tütchen Pommes erstmal ans Maasufer setzen. Es ist jetzt kühl und nieselig und so verziehen wir uns fettmäulig in die Brasserie, um ein Feierabend-Bier zu geniessen.

Zum „richtigen“ Abendessen gönnen wir uns ein leckeres 4-Gänge-Menu im Restaurant. Danach - es ist noch keine 22 Uhr – ist die Stadt wie ausgestorben. Eine Brasserie ist noch beleuchtet, und so schauen wir dem lustigen Treiben dort noch eine Weile zu und planen unsere morgige Weiterfahrt. Am Hotel nochmal Aufregung: wir kommen nicht rein. Wir rappeln an der Tür, ich sammele schon Steinchen, um sie gegen die Fenster zu werfen, als der Wirt endlich aufschließt. Er ist etwas zornig und gibt uns die Schuld für das Dilemma. Leg dich wieder hin, komischer Kauz.


heutige Fahrzeit: Strecke heute: 90km Strecke bisher gesamt: 317km Durchschintt: 17,03km/h


Tag 4: 15. Mai 2007

Pünktlich um 8 Uhr sind wir wach, ziehen uns an und setzen uns auf ein minimalistisches Frühstück in den Gastraum. Der Brummige Wirt hat weibliche Verstärkung bekommen und wurschtelt in Kochschürze in seiner Küche herum. Wir packen, laden auf, kaufen noch Proviant ein und sind weg.

Kaum aus der Stadt heraus, kommen uns in einem Dorf zwei winzige Lämmer entgegen, blöken uns an und rennen uns fast in die Speichen. Wir versuchen sie abzuschütteln, aber die beiden folgen uns durchs ganze Dorf. Erst als sie von der Besitzerin eindringlich gerufen werden, fallen sie zurück und wir können beruhigt weiterfahren. Ein steiler Berg nach dem anderen ist zu bewältigen, unterwegs stärken wir uns noch beim Bäcker und ruhen etwas aus.

Recht frisch ist es heute, bei 10° sind wir morgens losgefahren. Auf verkehrsarmen Wegen gehts weiter. Unser Ziel ist Bouillon, die Stadt mit der mächtigen Festung an der Semois. Dort wollen wir heute ankommen und übernachten.

Wir fahren von Dorf zu Dorf, orientieren uns in der Karte neu und weiter geht’s. Als wir einmal unsicher sind und nach dem Weg fragen, setzt sich der Befragte samt Familie und Hund ins Auto und fährt 400 Meter bergan, um uns die richtige Richtung zu zeigen. Die Leute hier sind wirklich sehr hilfsbereit.

So radeln wir weiter durchs schöne Ardennenland, bis ein Wegweiser einen Aussichtspunkt auf das Semois-Tal ankündigt. Das ist nicht mehr allzu weit, und, dort angekommen, sind wir überwältigt vom Ausblick auf die herrliche Flussschleife, auf die wir von hoch oben blicken.

Wir verweilen einige Minuten, ehe wir den Weg hinunter zum Fluss nehmen. Über Stock und Stein geht’s an der Semois entlang. Wir kommen an der imposanten Klosteranlage Abbaye Notre-Dame de Clairefontaine mit prächtigem Ausblick vorbei und sehen schon bald die gewaltige Burg des alten Kreuzritters, unter der wir hindurch in die Stadt einfahren.

Wir bremsen direkt vor einer Pizzeria am Ufer, wo wir uns gegen 16 Uhr endlich das längst verdiente Mittagessen genehmigen. Wir beschließen, den Komfort des einladend wirkenden Hotel de’Alsace in Anspruch zu nehmen und auf die Unterbringung in der örtlichen Jugendherberge zu verzichten. Das Zimmer bietet bisher nicht erlebten Komfort und wir duschen mit Genuss und ausgiebig, bevor wir uns auf den Weg machen, die Stadt zu Fuß zu erkunden.

Michas Knie erlauben sogar, dass wir bis zur Festung hinaufsteigen um von dort auf Bouillon hinabzublicken. Wieder im Ort, trinken wir ein Bier bei viel zu lauten, spanischen Gitarreklängen. Passt irgendwie nicht hierhin. Irritiert verziehen wir uns und starten Rundgang Nummer zwei. Eigentlich sind wir ja noch satt und so etwas unentschlossen, was die weitere Abendgestaltung angeht. Wir finden eine urige Taverne, wo wir gehaltvolles Klosterbier trinken.

Gegenüber ist eine Friture und wir gehen rasch einen Happen essen. Das dauert vielleicht 30 Minuten. Als wir zurück in die Kneipe wollen, ist die abgesperrt. So ein Mist. Also kehren wir in die Pizzeria zurück, wo Michael tatsächlich noch eine Margherita in sich hineinstopft; quasi sein drittes Abendessen. Dann reichts aber für heute und wir ziehen uns in die Herberge zurück.


heutige Fahrzeit: Strecke heute: 70km Strecke bisher gesamt: 387km Durchschintt: 16,97km/h


Tag 4:16. Mai 2007

Die im ersten Tageslicht am Hotelzimmer vorbeifahrenden Autos erzeugen hässlich zischende Geräusche. Das kann nur Regen sein. Als um 8 der Wecker geht, gießt es immer noch in Strömen. Was tun? Nochmal umdrehen und weiterschlafen. Dann rappeln wir uns doch auf und beraten. Michael möchte losfahren, ich lieber noch abwarten. Wir vertagen die Entscheidung und gehen erstmal zum Frühstück. Da gibt’s – oh Wunder – tatsächlich den Traum jeden Radlers: ein Buffet mit verschiedenen Brotsorten, Wurst, Käse, Schinken, Eier, Obst, Joghurt, Cornflakes ..., alles, was das Herz begehrt. Jetzt ist Michael erst mal ein Stündchen beschäftigt und wir legen den Abfahrtermin mal auf 10 Uhr. Bis dahin lässt der Regen tatsächlich etwas nach, und kurz nach 10 rollen wir hinaus ins pieselige Umland. Wir wollen erstmal dem Wanderweg folgen, der entlang der Semois verläuft. Wir kommen genau 300 Meter weit, dann müssen wir absteigen und unsere Räder eine steile, schmale, schlammige Böschung hinaufschieben. Oben angekommen, sind wir schweißgebadet. Einen fahrbaren Weg gibt es aber hier nicht. Stattdessen rauscht in unmittelbarer Nähe die Nationalstraße vorbei. Keine andere Chance, also drauf. Vier Spuren, LKWs, Steigung, Regen, Gegenwind; was kann es für Radfahrer schöneres geben. Nach wenigen Kilometern haben wir die Nase voll, gucken kurz in die Karte und biegen in einen Traktorweg ab. Nur weg hier, auch wenn es zurück nach Bouillon führen sollte.

Es geht an einem Bauernhof vorbei in den Wald hinein und ganz lange holprig bergab, bis wir wieder am Fluss landen. Wenigstens kommt jetzt von oben kein Wasser mehr.

Dann erreichen wir eine Straße, sehen Schilder: wir sind in der richtigen Richtung unterwegs. Bis zum Mittagskaffee (ausnahmsweise mit einem kleinen Schuss) geht’s ständig auf und ab.

Wir durchqueren ein großes Forstgebiet ohne Ansiedlungen. Die bietet eine Steigung vom allerfeinsten, Michael verschaltet sich, verliert seine Kette und (wie wir aber erst später feststellen) fährt sich ein Ritzel krumm.

Aber wir erholen uns wieder und behalten unsere gute Laune, auch wenn wir kurz einen Schauer unter den Bäumen abwarten müssen und wir ein wenig frieren. Später noch ein Zwischenstopp in Suxy in einem wohnzimmerartigen Cafe mit sehr netten Gastgebern.

Aber auch dort bleiben wir nur so lange, bis der nächste Regenschauer zu Ende ist. Schon sind wir wieder weg und der Kampf gegen die Höhen beginnt erneut. Bisher sind wir noch nicht durchgängig nass geworden, konnten uns immer retten. Aber dann, 5 km vor der luxemburgischen Grenze, hilft alles nichts mehr. Wir flüchten zunächst unter die Bäume, ziehen nochmal trockene Sachen an und warten. Vergebens. Es hört nicht auf. Schließlich entscheiden wir: Augen zu und durch. Die Fahrt nach Martelange dauert eine Viertestunde, wir sind natürlich quietschnass. Wir finden eine Kaschemme, die uns – verdreckt, wie wir sind – aufnimmt.

Der nächste Schock kommt aber bald: die Dusche ist nur lauwarm, der Heizkörper im Zimmer funktioniert nicht. Dann kriegen wir keine Klamotten getrocknet bis morgen. Gefrustet setzen wir uns in den Gastraum und trinken erstmal ein Bier. Dann in die Stadt, die aber auch etwas deprimierend ist.

Mitten durch Martelange verläuft die belg/lux. Grenze; die Stadt besteht aus Tankstellen und Zollfrei-Shops, dazwischen einige Kneipen, Restaurants; das wars. Wir essen beim örtlichen Italiener, der taugt aber auch nichts. Um 22 Uhr geht’s zurück; der Hotelier will zusperren und konnte uns keinen Schlüssel geben. Macht aber nichts, ist ja eh nichts los. Wenigstens kriegt Michael den Heizkörper ans arbeiten, so packen wir den voll mit nassen Klamotten und kriechen ins Bett.

Noch ne halbe Stunde lesen... Es regnet die ganze Nacht.


heutige Fahrzeit: Strecke heute: 72km Strecke bisher gesamt: 459km Durchschintt: 16,79km/h


Tag 6: 17. Mai 2007

Schlecht geschlafen. Es regnet noch immer, aber nur leicht. Unser Hotelwirt, die faule Sau, hat uns Frühstück erst für 9 Uhr versprochen. Wir sind trotzdem schon eine halbe Stunde eher unten. Die emsige Putzfrau schmeißt den Faulpelz aus dem Bett. Schlecht gelaunt serviert er Kaffee, Weißbrot und Butter. Lange wird uns das nicht auf den Beinen halten. Gut, dass wir gestern Bananen, Riegel und Kekse gebunkert haben.

So schnell es geht verlassen wir den ungastlichen Ort. Gleich geht es los mit einer knackigen Bergwertung, 4 km Anstieg. Unser Weg führt uns in Richtung der großen Sauer-Talsperre, von dort aus wollen wir dem Flusstal der Sauer bis zur Mosel folgen. Es ist neblig und wolkenverhangen, man kann nicht sehr weit schauen. Es regnet wieder und bald sind wir von innen und außen nass.

Kurz vor der Talsperre finden wir ein Cafe, wo wir uns ausruhen und umziehen können. Dann kommt das Flusstal der Sauer, eine wunderbare Landschaft.

Die Anstiege werden jetzt seltener, wir kommen rasch voran. Aber zwischendurch immer mal wieder ein Stop; die Ausblicke genießen, ein Foto machen ...

Zu Mittag lacht uns ein schönes Restaurant am Wegesrand an, das passt wunderbar. Wir sitzen an einem langen Heizkörper und können so auch noch einige Sachen trocknen. Die Nudeln geben uns auch wieder Power und es geht gestärkt weiter. Wir finden problemlos den Einstieg in den Sauer-Radweg und rollen ohne Anstrengung flussabwärts. Heute Abend wollen wir in deutschen Kissen schlafen, das haben wir uns vorgenommen.

In Echternach wollen wir noch mal rasten, ordern Kaffee + Kuchen und fassen den Entschluss, das Sauer-Tal zu verlassen und quer über die Anhöhe ins Kylltal zu wechseln. So schenken wir uns Trier, kürzen die Gesamtstrecke etwas ab. Die Straße, die wir uns aussuchen, ist sausteil und viel befahren. Wir sind schon kaputt nach über 100 km und tun uns das noch an ...

Auf der Höhe angekommen kurz verschnaufen, dann schießen wir bergab Richtung Kordel an der Kyll und landen gleich am Gästehaus, wo wir Quartier machen und erstmal was kühles, blondes trinken. Das versöhnt mit den erlittenen Strapazen. Dusche ist ein Segen, Matratzen sind gut, dann können wir frohgemut in die Abendgestaltung einsteigen.

Kordel bietet nicht überragend viel, das Restaurant Neyses allerdings ist ein kulinarisches Highlight unserer Tour. So wird fein gespeist und wir starten anschließend einen Ortsrundgang. Vor einer Kneipe findet gerade eine zünftige Vatertags-Keilerei statt. Wir wissen die Ursache nicht und verziehen uns. Mehr Action wird nicht geboten.

So setzen wir uns noch in die Gaststube unserer Herberge, wo wir uns noch einen Nachttrunk servieren lassen. Bald aber sind wir müde genug und freuen uns auf die Ruhe. Und auf die Mosel.


heutige Fahrzeit: Strecke heute: 113km Strecke bisher gesamt: 572km Durchschintt: 21,16km/h


Tag 7: 18. Mai 2007

Pünktlich wie immer: 8 Uhr aufstehen, 20 Minuten später schon sitzen wir beim Frühstück. Draußen ist es neblig/trüb, aber der Tag verspricht freundlich zu werden. Also starten wir voller Zuversicht nach dem Motto: „Keine Berge, etwas Sonne und mindestens 2 Weizen unterwegs“.

Heute ist – wohl durch den Brückentag – deutlich mehr los auf den Radwegen. Wir müssen uns öfters den Weg freiklingeln.

Die Mosel ist schnell erreicht, wir passieren einen netten Weinort nach dem anderen. Michael macht unterwegs mal eine Wartungspause und kratzt einen Eimer Dreck aus seiner verbogenen Schaltung. Danach geht’s etwas besser. Bernkastel ist hoffnungslos überlaufen heute, da halten wir nicht an.

Kurz dahinter liegt Graach, wir biegen in den Ort ein und finden rasch eine einladende Terrasse, wo wir uns in aller Ruhe zum Mittagessen hinsetzen und das erste Weizenversprechen einlösen.

Beim Essen beschließen wir, die Tour am morgigen Samstag zu beenden und den Sonntag der Entspannung bzw. der Familie zu widmen. Bei der Tour de France gibt’s schließlich auch nach einer Woche einen Ruhetag.

Wir fahren gemütlich weiter, genießen das schöne Wetter und die Landschaft.

In Bullay wollen wir für heute Schluss machen. Wir erhalten im Ort den Tip, bei der Familie Spies nachzufragen und erhalten dort ein preiswertes Zimmer mit Moselblick. Frühstück gibt’s allerdings in der Küche, weils vor einigen Wochen gebrannt hat und die neuen Esszimmermöbel noch nicht geliefert sind. Wir duschen und machen uns frisch für unseren letzten Abend.

Zum Essen empfiehlt man uns die örtliche Straußwirtschaft. Auf dem Weg dorthin stolpern wir noch über eine Kneipe, die Kölsch führt. Das müssen wir natürlich probieren.

Gaffel-gestärkt geht’s dann zum Straußen, wo wir lecker essen und so einiges aus den umliegenden Weinbergen probieren. Das macht lustig und müde.

Während wir fröhlich zechen, findet am Nebentisch eine Weinverkostung mit Beratung statt. Da lauschen wir natürlich und lernen noch einiges aus dem Alltag der Weinbauern. Der Heimweg führt natürlich wieder an der Kölschkneipe vorbei, wo wir auch kurz kleben bleiben und Mitbewohner unserer Herberge treffen, die einiges über unsere Tour erfahren wollen. Wir erstatten - so gut es unsere schweren Zungen zulassen - Bericht, dann verziehen wir uns rasch. <img src="http://www.radlerfruen.de/galerie/albums/2007_05_12_MaiTour/2007_0519Mai... http:="" www.radlerfruen.de="" galerie="" albums="" 2007_05_12_maitour="" 2007_0519mai_tour_20070514.jpg"="">

Also los, wer trinken kann, der kann auch radeln. Kaffeepause gegen 11 Uhr. Kurz hinter Cochem fällt uns auf, dass die andere Moselseite viel weniger befahren ist. Also rasch auf die Fähre und rüber.

Der Fährmann warnt allerdings: der Weg ist polizeilich gesperrt, da das Wegende an einem Baumarkt vorbei in einem Gewerbegebiet endet. Der Baumarkt ist vor kurzem abgebrannt und niemand darf auf das Grundstück, weil noch Spuren gesichert werden und Einsturzgefahr besteht. Wir wollen es aber versuchen, fahren 7 km durch den Wald und stellen fest, dass es wirklich nicht geht.

Dreifache Drahtzaun-Sicherung; irgendjemand würde mit Sicherheit die Polizei rufen, wenn wir da versuchen, unser Material drüberzuheben. Also Kommando zurück. Der Fährmann kann sich natürlich ein Grinsen nicht verkneifen, lässt uns aber gratis wieder übersetzen.

Zur Strafe gibt’s zu Mittag bloß Currywurst und erst kurz vor Koblenz – in Winningen – das erste Weizen. Dann sind wir am Deutschen Eck; der Rhein hat uns wieder.

Wir fahren noch einige Kilometer stromabwärts, landen zwischendurch noch auf einer Rheinterrasse (2. Weizen), erreichen dann Engers, müssen, um für den Fahrkartenautomaten Kleingeld zu haben, in einem schönen Biergarten Geld wechseln (3. Weizen) und fahren schließlich leicht beschwingt, aber auch ein wenig traurig, nach Hause.

 


heutige Fahrzeit: Strecke heute: 112,5km Strecke bisher gesamt: 801,5km Durchschintt: 21,3km/h


Fazit:

Da verabreden sich zwei Burschen, die bisher eigentlich nur ein paar Radtouren miteinander unternommen haben, dazu, eine Woche Ferien miteinander zu machen. Ein Risiko – sicherlich. Oder auch nicht: wenn man diese Art, Urlaub zu machen, schätzt; wenn man Mangel an Komfort, schlechtes Wetter, Umwege, ungewohntes Essen etc. nicht als Katastrophe empfindet, wenn man dazu noch in der Lage ist, sich ein wenig auf seinen Partner einzustellen, dann kann das ein richtig tolles Erlebnis werden. Und das war es auch. Auch wenn es etwas mehr Sonne hätte haben können, etwas weniger Regen,; auch wenn wir oft über die Sch...-Berge geflucht haben, uns Muskeln und Gelenke weh taten, es war schön. Hoffentlich kriegen wir so was noch mal hin.


ENDE

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