Bericht Georgien von Grenze Sarpi - Grenze bei Marneuli
Vom 26.Juli.2014 - 11.August.2014; 17 Tage
Gesamt Georgien(484km)


Vom 27.Juli 2014 – 02.August 2014 Tag 121 – Tag 127
Etappe Batumi – Akhaltsikhe 172 km; Gesamtkilometer: 5530 km

Autor: Andrea Büchsenschütz

Morgens beginnen wir mit unserer Besichtigungstour, einfach raus aus der Privatunterkunft und schon stehen wir am Piazza Square mit schönem Glockenturm, dieser spielt alle 3 Stunden georgische Musik. Im Innenhof befinden sich mehrere Restaurants und Cafés, die zum Verweilen einladen, auch wird hier jeden Abend Live-Musik geboten. Es geht weiter in eine orthodoxe Kirche, die St. Nicola Church und durch die sehenswerte Altstadt zum Meer. Ein großer Park und eine Strandpromenade mit diversen Strandbars lassen schon das Nachtleben erahnen, denn Batumi ist auch Urlaubsregion und Partymeile! Wir sehen den Alphabet Tower, hier wird das georgische Alphabet dargestellt, für uns wird die Schrift eine unüberwindbare Hürde bleiben, aber sie sieht sehr schön aus! In unmittelbarer Nähe steht noch ein hohes Gebäude, sieht sehr futuristisch aus und gehört wohl zum Kempinski Hotel. Wir laufen bis zum Hafen und gehen dann lecker Pizza essen, neben uns sitzen 2 Pärchen aus Aserbaidschan und wir unterhalten uns nett, Micha ist für die Bespaßung des kleinen Sohnes zuständig. Im angrenzenden Park sehen wir uns noch die Musical Fontains an, zu Musik sind die Fontainen des Brunnens synchronisiert und „tanzen“ passend. Nett anzuschauen, jede Menge Menschen sind unterwegs und wir genießen die Atmosphäre.
Nachts beginnt es zu regnen, auch am Morgen ist es nicht besser und so verschieben wir unseren Start. Der morgendliche Verkehr hält sich in Grenzen, wir radeln eine gefühlte Ewigkeit raus aus der Stadt, die Vororte sehen nicht mehr so proper aus wie die schicke Innenstadt. Kleine Läden reihen sich aneinander, Gemüse wird direkt vom Transporter verkauft und überall laufen Kühe herum. Bisher dachte ich immer Kühe fressen Gras, aber Batumis Großstadt-Kühe suchen sich ihre Nahrung aus Mülleimern! Es geht stetig bergan, die Siedlungen werden kleiner und es wird endlich wieder ruhiger, doch ganz ruhig wird es auch hier nicht, denn gehupt wird immer. Die Fahrzeuge können noch so kaputt sein, aber die Hupe funktioniert auf jeden Fall! Meist ist das Hupen positiv zu werten, denn die Fahrzeuginsassen winken und grüßen ständig. Die schmale zweispurige Straße teilen wir uns mit Autos, LKW und unzähligen Kleinbussen, viele Fahrzeuge sind uralt und ziemlich kaputt. Kleinbusse meist übervoll und wenn möglich ist das Dach noch mit allem möglichem Kram beladen, man sieht Kisten, Bettgestelle, Herde, Schränke und auch Kleintiere wie Hühner müssen auf´s Dach. Die Kleinbusse sind die einzige Transportmöglichkeit für die Bergbewohner und dementsprechend viele Busse sind unterwegs.
Wir folgen dem Flusslauf, es ist hier sehr grün, denn von den Berghängen sprudelt ständig Wasser ins Tal, teils sogar als kleine Wasserfälle. Kühe laufen frei umher und grasen dort wo es ihnen gerade gefällt oder stehen auf der Straße im Weg. Ab und zu kommen kleine Orte, hier findet der Reisende aus den Kleinbussen und natürlich auch wir einen kleinen Mini-Market oder auch ein Speiselokal im Miniformat. Das Angebot ist überschaubar, es gibt das was gerade geliefert wurde, Getränke, insbesondere Alkohol gibt es immer!!! Bei Brot, Käse, Nudeln und anderen Lebensmitteln wird es schon schwieriger, aber wir sind nicht verhungert. Man erkennt auch nicht immer auf den ersten Blick, um was es sich bei dem jeweiligen Geschäft handelt, von außen ist selten erkennbar ob es eine Kneipe, ein Lebensmittelladen, ein Haushaltswarenladen oder eine Art Restaurant ist. Man geht einfach rein und lässt sich überraschen, manchmal findet man eine Mischung aus allem vor! In einem Laden gab es Bier und irgendwelche Teigwaren, wir erklären, dass wir hungrig sind und dürfen dann hinter den Tresen, um in Töpfe und Schüsseln zu blicken. Die ausgesuchten Teigtaschen waren mit Frischkäse und Gemüse gefüllt, super lecker und unglaublich billig. Das kühle Bier am Nachmittag gab wieder Kraft für die Weiterfahrt. Wir schrauben uns weiter den Berg hinauf und plötzlich stehen dort bepackte Räder am Weg, wir sind nicht die einzigen Verrückten auf dieser Strecke. Die 5 Armenier sind auf den Weg nach Batumi und haben schon das hinter sich, was uns noch bevorsteht. Unsere Befürchtung wird war, hinter Khulo ist die geteerte Straße zu Ende und es liegen ca. 50 km Schotterpiste vor uns! Zur Hälfte hoch zum Pass, die andere Hälfte als Abfahrt, Schotter ist auch bergab kein Vergnügen. Nun denn, ist eben so, wir verabschieden uns und halten Ausschau nach einem Zeltplatz. Ein schmaler Weg führt runter zum Fluss, hier schlagen wir das Zelt auf. Micha muss unser Lager verteidigen, denn eine Kuhherde droht ins Zelt zu stapfen. Er baut aus Ästen und unseren Rädern eine Art Barriere, dass beeindruckt die Kühe allerdings wenig, so muss er wie ein Kuhhirte die Herde in eine andere Richtung treiben. Als zukünftige Berufswahl scheint auch Kuhhirte eine Option! Wir schlafen friedlich ohne weiteren Tierbesuch ein.
Direkt nach dem Aufstehen die erste Panne, an Micha´s Vorderrad-Gepäckträger ist eine Schraube gerissen. Er hat alles dabei, seine Reparaturtasche ist gut sortiert und somit der Schaden zügig behoben. Am Weg stehen Schilder, die zu diversen Sehenswürdigkeiten führen, leider oft mehrere Kilometer abseits der Straße irgendwo am Berghang. Doch die historischen Brücken können wir besichtigen, genauso wie die Iraner, die mit einem Reisebus unterwegs sind! Auch Holländer treffen wir, das Paar ist nach Armenien geflogen und jetzt wollen sie mit ihren Rädern in die Türkei. Sie bestätigen die Aussagen der Armenier, die Straße wird hinter Khulo zur Schotterpiste. Wir sind froh, wenn wir es bis Khulo schaffen, es ist steil und vor allem sehr heiß! In Khulo gibt es eine Touristeninformation, die Dame freut sich, endlich kommt jemand vorbei, sie vermittelt uns ein Hotel. Der Ort ist überschaubar und besteht hauptsächlich aus der Hauptstraße an der die Kleinbusse halten. Es gibt diverse Minimärkte mit wenig Auswahl und zwei Kleinbusse mit Melonenstand, nur Bier und Schnaps gibt es reichlich. Wir haben neben Durst aber auch Hunger und betreten einen Laden, gehen mit der Wirtin in den hinteren Teil zum Herd und gucken in die Töpfe. Alles super, zur Auswahl stehen Fisch oder so etwas ähnliches wie Gulasch. Entscheidung ist schnell gefallen, wir nehmen das Gulasch, dazu gibt es Brot und georgisches Bier, sehr lecker, wie zu Hause bei Mama. Auf dem Weg zurück ins Hotel bestaunen wir noch eine Seilbahn mit nur einer Gondel, ein langes Stahlseil überspannt die Schlucht und verbindet das gegenüberliegende Bergdorf mit Khulo. Sieht abenteuerlich aus, ich würde mich nicht trauen damit zu fahren.
Wie versprochen beginnt hinter Khulo die Schotterpiste, neben PKW und Kleinbussen rumpeln jetzt auch noch große Lastwagen an uns vorbei. Wir kommen an verschiedenen Zwischenstationen von Baufirmen vorbei, die Lastwagen transportieren hauptsächlich abgesprengte Felsen, es wird wohl eine völlig neue Straße mit diversen Tunnel gebaut. Wir werden ordentlich eingestaubt und von einem vorbeifahrenden LKW mit Wasser abgeduscht! Der LKW besprengt die Straße mit reichlich Wasser, um irgendwie dem Staub entgegenzuwirken und dabei hat er auch uns erwischt. Glücklicherweise lässt der LKW Verkehr nach und wir mühen uns weiter den Berg hinauf. Immer wieder kommen kleine Orte zum Rasten. Mittagspause machen wir in einem kleinen Dorf am Brunnen, viele Leute sitzen herum, denn ihr Kleinbus hat aufgegeben. Der Ersatzbus kommt jedoch bald und das gesamte Gepäck wird umgeladen, ich hoffe ihr „neuer“ Bus hat durchgehalten! Für die Dorfkinder sind wir immer die Attraktion, sie kommen angerannt, begrüßen uns und wollen unbedingt, dass wir im Vorbeifahren ihre Hand abklatschen! Die Erwachsenen sind zurückhaltender, zuerst schleichen sie möglichst unauffällig um die Räder herum, schauen dann in Micha´s Karte, jetzt ist der richtige Zeitpunkt zur Kontaktaufnahme und schon entsteht ein Gespräch. Die Piste und die Hitze haben uns geschafft, die Passhöhe erreichen wir heute sowieso nicht mehr, also schlagen wir unser Zelt hinter einem Dorf auf einer schönen bunten Wiese auf. Zum Abendessen gibt es Nudeln und dazu einen wunderschönen Blick auf Berge und Täler. Kaum sind wir ins Zelt gekrabbelt beginnt es zu regnen, perfektes Timing!
Morgens ist der Weg teilweise schlammig vom Regen der letzten Nacht, was das fahren nicht einfacher macht und zusätzlich wird es zunehmend windiger. Es wird immer steiler, teilweise 10% Steigungen auf der Schotterpiste sind wahrlich kein Vergnügen. Um so erstaunlicher, dass hier ein neues schickes Skigebiet entstehen soll. Die nagelneue Liftanlage steht schon, Hotels befinden sich im Bau, nur die Straße auszubauen und zu asphaltieren ist wohl vergessen wurden! Hier oben leben noch immer Menschen, es gibt kleine Bauernhöfe, man sieht Kuhherden und viele Bienenkästen. Die Bauern stehen in kleinen selbst gezimmerten Holzbuden an der Straße und verkaufen ihre Ware direkt vor Ort. Eine Bauernfamilie schickt ihren Sohn zur Kontaktaufnahme vor, ich stelle uns vor und erfahre, dass er Luca heißt. Wir kaufen Käse, 2 große Stücke kosten unglaubliche 50 Cent! An der Bude hängen undefinierbare kleine Bündel mit braunen Kügelchen, wir sollen probieren. Die Kügelchen sind aus Baumharz und werden hier als Kaugummi verkauft, der Geschmack nach „Baum“ ist gewöhnungsbedürftig, aber die Einheimischen finden dass wohl lecker. Kurz nach dieser Pause sind wir endlich auf dem Goderdzi-Pass in 2025m Höhe. Hier ist richtig was los, viele Menschen verkaufen ihre Waren, meist Obst und Gemüse, es gibt kleine Markets wo man von Haushaltswaren bis Bier alles bekommt und ein Restaurant mit der Aufschrift Fast Food. Die Kleinbusse machen hier Station, bevor es ins nächste Bergdorf geht oder wieder ins Tal. Natürlich müssen wieder alle in unsere Karte schauen und irgendwelche Ratschläge geben bevor wir fahren dürfen. Schotterpiste bergab ist auch nicht besser, wir bekommen noch Gesellschaft, Kinder auf ihren klapprigen Rädern sausen eine Weile mit uns ins Tal und haben Spaß. Dann kommen keine Siedlungen mehr, viel Wald und steile Abhänge, Wasser rauscht die Hänge hinab und bildet Bäche auf der Piste. Teils bilden sich kleine Seen, an einem ziehe ich mir Schuhe und Socken aus und schiebe mein Rad auf die andere Seite. Micha ist schon drüben und hat nasse Schuhe! Und endlich, wir erblicken ein paar Serpentinen unter uns die asphaltierte Straße, doch vorher in einer Kurve rutscht mir das Vorderrad weg und ich liege im Dreck. Es ist nichts schlimmes passiert, kleine Schürfwunde und wohl eine Prellung am Arm, „Krankenpfleger“ Micha verarztet mich an Ort und Stelle. Asphaltierte Straßen sind nach 50 km offroad ein Traum, kleiner Zwischenstopp zum Einkaufen und Essen und zügig weiter. Wir treffen noch ein Radler-Paar aus Spanien, sie sind auf Rad- und Trekkingtour und wollen in einen Naturpark im Norden. Das Rabat Castle kommt in Sicht und bald darauf sind wir in Akhaltsikhe, ein Hotel ist angeblich voll, aber sie wollten uns staubige Radler wohl nicht. Das nächste Hotel sieht irre teuer aus, ist es eigentlich auch, aber da sie keine Gäste haben bekommen wir ein schickes Zimmer zum Schnäppchen-Preis! Micha hat trotzdem eine unruhige Nacht, Durchfall hat ihn heimgesucht. Ich gebe im Tabletten und schnell ist alles wieder im Lot. Neben den üblichen Mini-Markets mit wenig Auswahl finden wir noch einen großen Supermarkt und können unsere Vorräte auffüllen. Große Supermärkte gibt es hier kaum, der hier im Ort heißt Smart und gehört zur Wissol Petroleum Group, es gibt davon nur ganze 10 Märkte in Georgien! Auf unserer Route ist der nächste Markt etwa 250 km entfernt, bis dahin müssen wir mit dem Angebot der Mini-Markets und der Straßenhändler auskommen.
In Akhaltsikhe haben wir die Rabat Festung besichtigt, die Überreste der großen Anlage sind durch Rekonstruktionen vervollständigt wurden. Im Inneren steht u.a. eine alte Moschee und es gibt ein Museum mit Fundstücken von Ausgrabungen aus der Umgebung. Auf dem Rückweg treffen wir mal wieder Radreisende, einen Spanier und eine Kolumbianerin, die mit 2 Franzosen unterwegs sind und aus der Türkei kommen! Sie wollen hier eine Weile ausruhen und dann wie wir weiter nach Vardzia, dort befindet sich eine alte Höhlenstadt.


Vom 03.August 2014 – 11.August 2014 Tag 128 – Tag 136
Etappe Akhaltsikhe - Marneuli 292 km; Gesamtkilometer: 5822

Autor: Andrea Büchsenschütz

Von Akhaltsikhe radeln wir durch ein schönes enges Flusstal, Bäume und steile Felshänge spenden Schatten und machen das Radeln angenehm. Ab und zu kommen kleine Waldstücke und plötzlich höre ich ein Rufen aus dem Wald, ich erkenne zuerst ein Fahrrad mit gelben Gepäcktaschen und denke noch, der Robert hat doch die gleichen Taschen, als er im nächsten Moment aus dem Wäldchen gestapft kommt. Nach Geröme und Trabzon treffen wir ihn hier unerwartet mitten in der georgischen Natur wieder! Wir tauschen uns über die bisherige Wegstrecke aus und radeln dann gemeinsam weiter. Am Fort in Khertvisi machen wir eine kleine Pause und treffen einen deutschen Backpacker, der in Russland ein Semester studiert hat. Dann nehmen wir die letzten 16 km bis Vardzia zur Cave City in Angriff. Durch ein weiteres wunderschönes enges Flusstal geht es mit vielen Steigungen nach Vardzia. Gegenüber der Höhlenstadt liegt am Fluss ein kleines Restaurant, wir haben einige Zelte gesehen und auch wir dürfen hier unsere Zelte aufschlagen und das kostenfrei! Wir treffen auf einige Backpacker und auch viele Georgier genießen die Natur. Man kann am Restaurant sogar seine eigenen Sachen zubereiten und verzehren und so haben viele Leute ihre Grillsachen dabei! Wir haben kein eigenes Grillgut und bestellen leckere Fleischspieße zu günstigen Preisen, frisch gegrilltes Schweinefleisch, ein Traum. Da alle Tische besetzt sind, lassen sich bei uns ein paar Georgier nieder, sie sind mit dem Auto auf Tour und zeigen uns schöne Bilder, sie haben im Norden des Landes die Bergwelt erkundet. Ich bin auf der Suche nach der Toilette und als ich zurück komme, sitzen Micha und Robert mit Schnaps da, einmal nicht aufgepasst und schon geht es los. Ich muss auch einen Schnaps trinken, es handelt sich um Tschatscha, ein traditioneller Schnaps, meist aus Weintrauben gewonnen mit hohem Alkoholgehalt, ca. 60 % vol. Angeblich sind 3 Tschatscha Pflicht, wobei vor jedem Trinken ein Toast vom Toastmaster gesprochen wird, dann wird das Glas geleert, an dunklen Brot gerochen und es anschließend gegessen. Bevor das Trinken überhand nimmt bauen wir unsere Zelte auf. Die gesellige Runde erweitert sich noch um ein französisches Backpacker-Paar und ein Georgier, der die deutsche Sprache studiert hat. Die Verständigung klappt mit Englisch, es wir gelacht und gesungen bis spät in die Nacht. Der nächste Tag ist nicht mehr so erfreulich, Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein sind unser Begleiter. Wir ruhen im Schatten und hoffen auf Besserung! Die Besichtigung der Cave City holen wir am nächsten Morgen nach, es leben dort auch noch ein paar Mönche. Wir laufen über unzählige Treppen, durch Höhlenwohnungen, dunkle Tunnel und Galerien, in der Klosterkirche sind noch einige schöne Fresken erhalten. Von den Galerien hat man einen tollen Blick ins Tal und wir entdecken zwei Radler. Die Vermutung, dass es der Spanier Daniel und die Kolumbianerin Lili ist bestätigt sich, wir hatten Beide ein paar Tage zuvor in Akhaltsikhe getroffen. Doch diesmal hatten sie einen kleinen Begleiter, einen Hundewelpen, den sie in Akhaltsikhe vor der Burg gefunden haben, sie wollen ihn in die Hauptstadt (Tbilisi=Tiflis) bringen, da gibt es eine Hundestation mit Vermittlung nach Europa. Sie suchen noch ein Plätzchen zum Zelten und kommen mit uns, abends regnet es, wir sitzen im Mini-Restaurant zusammen, ein Holländer mit seinen 3 Söhnen kommt noch hinzu. Wir lassen den Abend ruhig ausklingen, denn am nächsten Tag soll es für uns weiter gehen.
Zunächst 16 km wieder zurück zur Hauptstraße und weiter Richtung Akhalkalaki, die Straße windet sich durch eine immer enger werdende Schlucht, bis uns ein paar Serpentinen hoch in den Ort bringen. Unterwegs hat es sogar ab und zu geregnet und so waren die Temperaturen angenehm. Wir versorgen uns im Ort mit Lebensmitteln und Benzin für den Kocher, der Ort ist wenig einladend und so machen wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Auf einer Wiese hinter einem zerfallenen Haus schlagen wir die Zelte zügig auf, denn es beginnt zu tröpfeln. Ein Auto hält, ein georgisches Pärchen steigt aus und macht Fotos, die Frau muss mich noch extra für ein Foto in den Arm nehmen, ich fühle mich ein wenig wie im Zoo, nur ohne Fütterung! Die Zelte stehen und nun schüttet es wie aus Eimern, kochen fällt leider aus! Ich höre Kühe, gucke vorsichtig oben aus dem Zelt und sehe eine große Herde mit zwei Hirten. Die Hirten sind in lange grüne Regenmäntel eingepackt und winken mir freundlich zu. Danach sind wir allein, der Regen prasselt auf unser Zelt und wir schlafen ein.
Die Kuhherde sehen wir am nächsten Morgen wieder und bekommen von den Hirten Pfirsiche geschenkt. Der Regen ist vorbei und die ersten Sonnenstrahlen lassen sich sehen, als wir über eine Art Hochebene nach Ninotsminda pedalen. Eine Großbaustelle mitten im Nichts verwundert uns, ein Plakat erklärt, das hier ein Bahnhof für die neue Schnellzugverbindung entsteht. Nun denn, es sieht so aus, als wird der Bahnhof vor der Bahntrasse fertig und wann die kaputte Straße, die zum Bahnhof führt instandgesetzt wird bleibt ein Rätsel. In Ninotsminda können wir dringende Einkäufe erledigen, Internetcafe´s gibt es hier leider nicht, unsere Handys funktionieren auch nicht. Micha findet einen netten Ladenbesitzer, der ihn kurz mit seinem eigenen Handy telefonieren lässt, denn Micha´s Mutter feiert heute ihren 80sten Geburtstag. Ich spiele den Aufpasser bei den Rädern und gebe Auskunft über unsere Ausrüstung, besonders interessant sind unsere Tacho´s, jedenfalls weiß kurze Zeit später die ganze Straße über Mund zu Mund Propaganda Bescheid. Zwei Männer aus Vardzia treffen wir auch wieder, sie machen hier Station und treffen alte Bekannte, man riecht es, denn sie haben wohl schon den einen oder anderen Schnaps mit den Bekannten konsumiert.
Über eine Nebenstraße fahren wir weiter über die Hochebene, ab und zu ein kleines Dorf und unendliche Weite sind alles was wir sehen. Wir genießen die Ruhe und die Natur, obwohl es hier auch nach Tbilisi (Tiflis) geht herrscht wenig Verkehr. Der erste kleine See kommt in Sicht, Tba Saghamo, spontan schlagen wir hier in einem kleinen Wäldchen unser Lager auf und kochen gemeinsam. Micha und Robert radeln ins nächste Dorf und hoffen auf einen Mini-Markt. Ich habe in der Zwischenzeit Gesellschaft von einem Fischer bekommen, der mir seine Reuse erklärt und die gefangenen kleinen Fische zeigt. Die Jungs waren wenig erfolgreich, kein Market, dafür haben sie bei einer Familie Wasser bekommen und bei ihnen Kaffee getrunken. Der Fischer ist noch da und lässt sich nicht davon abhalten uns Fische zu schenken. Alle Abwehr ist umsonst und so liegt ein Haufen kleiner Fische vor uns, als er weg ist versuchen wir sie ins Wasser zu werfen und zu retten, ein paar Wenige überleben es tatsächlich. Wir genießen die Ruhe am See, die Sonne geht unter, auf 2000m wird es schnell kalt und so kriechen wir bald in unsere Schlafsäcke.
Nach nur 2,5 km die erste Rast, ein Transporter hält uns an, zwei Männer steigen aus und wir müssen eine Melone essen. Das Interesse an uns ist groß und so können wir die Einladung einfach nicht ausschlagen, zum Abschied bekommt Micha noch ein Messer geschenkt und Robert eine große Tüte mit Bonbons. Endlich geht es weiter, wir lassen den See hinter uns und erreichen das nächste Dorf, passieren viele kleine Bauernhäuser meist mit kleinen Selbstversorger-Gärtchen. Jeder hat etliche Haufen Kuhdung aufgestapelt, diese werden getrocknet und als Brennstoff verwendet. Kinder spielen vor den Häusern und schauen neugierig, doch sie sind schüchtern und trauen sich kaum näher zu kommen. Ich schlage Robert vor die Bonbons hervor zu holen und an die Kinder zu verteilen, sie sind noch immer verunsichert, aber die Neugier siegt. Im nächsten größeren Ort namens Poka die gleiche Situation, doch dank der Bonbons ist der Bann gebrochen. Eine Frau ruft ihren Sohn zu sich, er eilt zu uns zurück und kurze Zeit später sitzen wir mit Kaffee vor ihrem Haus. Die Kinder sind begeistert, immer mehr Menschen aus der Nachbarschaft kommen hinzu, die größeren Kinder lernen in der Schule englisch und so klappt die Verständigung noch besser. Wir toben mit den Kindern, Micha und Robert müssen noch zum Fußballturnier antreten, es werden Foto´s gemacht und ich bekomme gezeigt wie die Wolle auf eine Spindel gewickelt wird. Daraus stricken oder häkeln die Frauen Pullover und Westen. Die Menschen sind sicher nicht reich an materiellen Dingen und gerade deshalb wird ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nach 2 Stunden verabschieden wir uns und wollen weiter, doch weit kommen wir nicht, an einem Gemischtwarenladen müssen wir erneut Kaffee trinken. Die beiden Jungs im Laden haben noch Schulferien und so kommen ein paar deutsch sprechende Touristen gerade recht, denn sie lernen deutsch in der Schule! Ihre Sprachkenntnisse wenden sie gleich an und alle haben großen Spaß! Micha hat wie immer Hunger und seine Neugier, was das für komische kleine Bällchen sind ist nicht zu bremsen. Gut, dass er probiert hat, die Bällchen sind leckere Kuchen und erinnern mich vom Geschmack her an Frankfurter Kranz, davon müssen wir noch einige essen! Gestärkt geht es endlich weiter, wir verlassen Poka, kommen an einem zweiten See vorüber und bewältigen den Pass mit 2175 m. Es folgt eine rasante Abfahrt ins Tal, ein gigantischer Weitblick und unser Tagesziel der See bei Tsalka kommt in Sicht. Wir fahren durch einige kleine Ortschaften, vor einem Mini-Markt stehen viele neugierige Jungs, sie bestaunen die Räder, müssen alles in Augenschein nehmen und mit ihren Händen vorsichtig berühren. Danach rennen sie eifrig nach Hause, um unsere Wasserflaschen auffüllen, denn hier gibt es kein Wasser zu kaufen, nur Bier in 2l Flaschen! Gut versorgt machen wir uns auf die Suche nach einem Zeltplatz und werden in einem kleinen Wald am See fündig. Ein altes Ehepaar aus der Schweiz reist mit dem Jeep an, sie kommen gerade aus Armenien, sie sind schon seit den 70er Jahren immer wieder in der Welt unterwegs und haben die Reiselust auch im Alter nicht verloren! Georgier aus der Nachbarschaft kommen zum Baden, manche bleiben, sie entzünden ein Feuer, holen ihre Instrumente hervor und singen schön klingende georgische Lieder. Leider gibt es auch hier Leute mit weniger Verstand, ein PKW rollt an, lässt permanent den Motor laufen, erhellt den ruhigen Wald mit Fernlicht und beschallt uns mit Musik aus der Konserve, schade, die schöne Stimmung ist dahin. Zum Glück bleiben sie nicht die ganze Nacht und so schlafen wir bei Vollmond doch noch ein.
In Tsalka haben wir unsere Vorräte vervollständigt, auch hier trafen wir auf eine Frau, die deutsch spricht, schon erstaunlich wie populär deutsch lernen ist. Wir müssen noch bergauf, teils 10% Steigungen bevor wir endgültig hinunter fahren. Unterwegs treffen wir auf ein älteres Paar aus den Niederlanden, sie sind auf Georgien-Rundreise und erkundigen sich bei uns nach dem Pass, der nach Batumi führt. Wir warnen sie vor der Route, da der Pass steil und offroad ist, aber ich denke, sie werden die Route trotzdem nehmen. Irgendwann ist die letzte Steigung bewältigt und es geht satte 14 km nur bergab, der Traum eines jeden Radfahrers. Im Tal folgen wird dem Flusslauf und finden einen schönen Platz zum Zelten, Georgier sind auch hier, wie immer sehr herzlich und aufgeschlossen, es wird schon wieder deutsch gesprochen, denn sie haben beruflich in Nürnberg zu tun. Robert ist nicht ganz auf der Höhe, ihn quälen Magenprobleme und leichte Übelkeit, daran ist sicher auch die Hitze schuld. Die Georgier fahren wieder nach Tbilisi und wir sind allein, man hört nur den Fluss rauschen und genießt die Natur. Wir liegen schon im Zelt als ich Brandgeruch bemerke, Micha sieht nach und löscht das Lagerfeuer der Georgier richtig, es hatten sich Papierreste in der Asche erneut entzündet. Nun können wir friedlich einschlafen.
Man meint einem Flusslauf folgen bedeutet wenig Steigungen zu haben, nicht so in Georgien.
Denn jeder Ort, durch den die Straße führt, liegt grundsätzlich ganz oben! Das heißt, man quält sich bei zunehmender Hitze Steigungen von 6-10% hoch, um nach dem Ort wieder ein wenig runter zu sausen und das Spiel wiederholt sich oft! In einer Ortschaft stehen wir im Schatten auf einer Anhöhe und verschnaufen, hier stehen Obst-und Gemüsehändler und ehe wir uns versehen halten wir eine Tüte mit Äpfeln, Birnen und Nektarinen in den Händen. Daraus wird später ein leckerer Obstsalat. Auto´s halten auf der Höhe, wieder wird deutsch gesprochen, die eine Familie lebt in Berlin und ein kleiner Junge kommt aus Kassel! Er verbringt in Georgien seine Ferien und ich freue mich Jemanden aus meiner alten Heimat zu treffen, mein Geburtsort Bad Wildungen ist schließlich nicht weit weg. Bald geht es nur noch bergab, wir kommen auf eine stärker befahrene Straße, die M6 bzw. M7, die Straße kommt von Tbilisi und führt zur Grenze nach Armenien. In Marneuli suchen wir nach einem günstigen Hotel, wir teilen uns mit Robert ein großes Zimmer. Die warme Dusche ist ein Genuss, sogar unsere Wäsche können wir hier in der Maschine waschen und den großen Smart-Supermarkt plündern. Ausgeruht und bestens versorgt geht es morgen weiter nach Armenien.

 

 

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