Berichte Safi-Tanger
Vom 30. Dezember – 26. Januar 2020; 28 Tage; 933 km; 9.357 Höhenmeter; 216 km zu Fuß

Gesamt Teil 5: 320 Tage; 13.146 km; Höhenmeter: 82.440 m; Gesamte Traumradreise 2014-2020: 70.968 km
Autor: Michael Schreiber
#Vom 30.Dezember 2019 - 06.Januar 2020 Tag 294 - Tag 301

#Vom 07.Januar 2020 - 10.Januar 2020 Tag 302 - Tag 305
#Vom 15.Januar 2020 - 26.Januar 2020 Tag 310 - Tag 321


Vom 30.Dezember 2019 - 06.Januar 2020 Tag 294 - Tag 301
Etappe Safi-Rabat 354 km; Zu Fuß 86 km

Datum km Schnitt   Höhenmeter Zielort
30.12.2019 63,24 16,39 35,97 363 Oualida
31.12.2019 85,71 18,72 38,10 213 El Jadida
2.1.2020 106,69 19,04 44,41 261 Casablanca
4.1.2020 99,16 17,60 35,74 263 Rabat

Als ich am Morgen nach dem Frühstück mein Rad aus der Tiefgarage holte, war es sehr herbstlich. Alles voller Nebel und das sollte die ersten 40 km so bleiben. Dies war ein weiterer Grund warum ich nicht weiter der Küstenstraße gefolgt bin, sondern über die Höhe die zwischen 60 und 130 m lag. Im Nebel hätte ich sowieso nicht viel vom Meer gesehen. So habe ich aber die Bauern mit ihren Pferden im Nebel gesehen die ihre großen Felder noch mit dem einfachen Flug pflügten und anschließend das Saatgut von Hand verstreuten. Der Nebel, der vom Meer aufstieg, befeuchtete ganz gut meine Kleidung und bergan kam noch der Schweiß von innen dazu, denn es waren warme 12 Grad.
Genau nach 40 km durch den Nebel, der nun von der Sonne verdrängt wurde, hatte ich mal wieder einen Plattfuß und wieder die gleiche Stelle wie beim letzten Mal. Der Grund, ich hatte wohl den Metallsplitter nicht ganz aus dem Mantel entfernt. Als ich gerade beim Flicken war, hielt ein Polizist in Zivil und half mir den Splitter mit meiner Kombizange aus dem Mantel zu entfernen.
Nun waren es noch 20 km bis zur Lagune von Oualidia. Hier habe ich nach etwas suchen ein Zimmer im obenliegenden Zentrum gefunden. Nun sitze ich unten an der Lagune in der Kalypso Bar und hoffe Morgen am letzten Tag des Jahres die 80 km nachEl Jadida zu schaffen, denn an der Küste kann ganz guter Wind wehen. Dann können 80 km lang werden. Nach dem Zielbier ging es an die See mit einer phänomenalen Brandung. Es war toll das spritzende Wasser im Sand sitzend anzuschauen. Doch die schlechte Seite dieses traumhaften Ortes waren die Quads, die um die Ferienhäuser zum Strand knatterten oder ein, ich denke 35-jähriger mit seinem überdimensionierten mit Chrom Felgen bestückten Geländewaren vor der Kalypso Bar stoppte und meinte seine Musikanlage voll aufzudrehen. Als ich mich dazu äußerte, meinte er nur da es seine Stadt sei. Doch ich glaube das hier mehr als nur er wohnt. Ich konnte mir dann ein Lächeln nicht verkneifen als er davon brausen wollte und 2 mal seine Karre abwürgte. Comedy Live am Abend. Nun genieße ich noch das Bierchen am Vorabend von Silvester bevor es zum Essen hinauf in die Unterkunft geht. Dort gab es eine Pizza Tonno.
Am Morgen bin ich mal wieder in den Sonnenaufgang gestartet, kein Nebel, das sollte am heutigen Tag umgekehrt sein wie am Vortag. Der Nebel kam erst nach 40 km radeln. Links und rechts des Weges waren Gemüsefelder von Kohl bis Möhren. Die Möhren wurden in rotierenden Röhren von ihrem Grün getrennt. Die Felder waren mit Schilfmatten gegen den Wind geschützt. Bevor der Nebel kam, konnte ich noch eine Pause machen und die zweite Hälfte meines Frühstückbrotes essen als kleine Stärkung. Die Straße lief immer etwas erhöht und somit hatte ich einen guten Blick auf die Lagunen und die Sanddünen.
An einem thermischen Kraftwerk, ich bin mir nicht sicher, doch ich denke es handelt sich um ein Kohlekraftwerk, führte die Straße über eine Anhöhe. Es kreuzten vollgeladene Kipp-LKW die Straße und auch Förderbänder führten zum Werk. Als ich es passiert hatte, war der Himmel wieder strahlend blau. So denke ich das der Nebel, den ich nun schon zweimal in den letzten Tagen hatte, ist nicht natürlich, sondern Menschen gemacht. Über eine schnurgerade Straße bin ich zum Jahreswechsel in El Jadida eingelaufen. Ich habe zuerst ein Riad in der kleinen portugiesischen Festung angesteuert, doch ich habs nicht gefunden, stattdessen gab es von einem kleinen Jungen Tritte gegen meine Vorderradtaschen. Ich war froh, das mein Notebook hinten war. Auch, wenn der Vater auf meine Aufforderung, seinen Sohn ermahnte, wollte ich hier nicht bleiben. Doch das außerhalb liegende IBIS war zu teuer und das IBIS Budget abgerockt. Doch es fand sich noch eine Bleibe und ich bin nach Bezug auf Besichtigung zur Festung und konnte einen kostenfreien Blick in die alte Zisterne werfen. Der Eintritt mit 60 Dh fand ich zu hoch, um nur einen Raum zu sehen.
Nun sitze ich in einer Nebengasse außerhalb der Festung in einer lokalen Bar wo ich von den Tischnachbarn, jeweils ein Bier ausgegeben bekam. Einer dieser Marokkaner ließ ich noch mit seiner deutschen Frau aus Berlin telefonieren, die in Casablanca an der UNI arbeitet.
Ob ich noch einen Tag länger in El Jadia bleibe entscheide ich nächstes Jahr.
Mein Silvestermal habe ich auch hinter mir: ein Panni Kefta und ein Sharwama Sandwich mit jeweils einer Portion Pommes. Anschließend ging meine Silvesterkneipentour weiter. Kneipen gab es hier an jeder Ecke. Ein ganz anderes Marokko als abseits des Atlantiks. So war ich in der zweiten und auch hier kostete es nur 15 Dh. Nach kurzem Besuch auf meinem Zimmer und Rundgang am Flutlicht beleuchteten Strant bin ich in der ultimativen Bar in einer Hintergasse gelandet. Schon die Dekoration mit der Mischung an Postern vom Film Wilde Kerle, uralten vom Film Casablanca und der Gruppen Brosis war echt geil. Über einer der beiden rustikalen Theken hing Michael Jackson und anderer Kram. Erst kam die Musik auch einer elektronischen Musikbox mit Münzautomat, anschließend Livemusik von einer Stork und Haschisch rauchenden 2 Mann Band, die aber echt gute Musik machten. Zwischen durch mal Gesang von einer Frau und eine Bauchtänzerin animierte zum Geldgeben. Ich natürlich mal wieder der einzige Auswärtige. Wird wohl doch noch ein gelungener Silvesterabend. Doch dann war das Stork aus und ich bin um die Zeit zum Jahreswechsel zu überbrücken in die erste Kneipe zurück und danach zum Strand. Auf dem Weg traf ich nach auf die Trommlergruppe Ywood Tomboli die auf einem Platz ihr Bestes gab. Am Strand war dann um 0 Uhr nichts von unserm Silvester zu sehen. Aber auch schön so ohne Böller und Raketen. Das war 2019 und Morgen geht es dann weiter Richtung Nordosten.
Nein ging es nicht, denn ich habe gut weiter geruht. Nach spätem Frühstück bin ich zum Strand und habe den zahlreichen Fußballspielen zugeschaut. Die Mannschaften habe ihr Spielfeld in den Sand geritzt und es gab sogar bei einigen Spielen echte Schiedsrichter. Es wurde guter Amateurfußball geboten. Bin dann nochmal in der portugiesischen Zitadelle gewesen und auf dem Markt und von dort zum außerhalb liegenden Supermarkt wo ich mir zum neuen Jahr ein Mars und eine Tüte Haribo gegönnt habe. Zurück habe ich Tagebuch getippt und den Abend bei Pasta und Bierchen verbracht, natürlich in der Bar von Silvester. Die Animierdamen waren schon bei ihrer Arbeit. Die Musikband kam später. Ich hatte mal wieder viel zu schauen. Es hätte auch eine Kneipe auf St. Pauli sein können. Doch als das erste Bier über meine Hose ging, bin ich weiter. Auf dem Rückweg gab es nochmal eine Stärkung für die morgige 30 km Etappe.
Am Morgen des zweiten Tag des Jahres ließ ich mir Zeit denn in meinem Kopf schwirrten nur die 30 km zum meinem Ziel Azemmour herum. Als ich nach dem Frühstück einschaltete, sagte musste ich feststellen, dass es sogar nur 18 waren. So habe ich mich für den Weg entlang der Küste über die alte verweiste Straße genommen nach dem ich El Jadida auf den N1 verlassen hatte. Doch bald wies schon ein Schild auf eine Barriere in 4 km hin, doch zum Glück gab es eine Umfahrung durch einen Wald, ja der erste echte wahrzunehmende Wald nach langer Zeit, und ich landete wieder auf der N1 diese verließ ich bald wieder nach Haouzia zum Strand. Der Ort war, verweist wie zuvor die alte Küstenstraße. Er ist wohl nur in der Hauptsaison belebt. Am Strand waren nur Reitergruppen im vollen Galopp unterwegs.
Nach 4 km hatte ich mein vermeintliches Ziel Azemmour erreicht. Warum vermeintlich? Denn das eine Riad welches ich in der Medina fand war zu teuer und von der im Reiseführer beschriebenen Streetart war vieles über pinselt oder war verfallen, so bin ich nach der Runde durch die Medina weiter Richtung Casablanca.
Mein Navi führte mich mal wieder über eine kleine ruhige Straße zwischen der Autobahn und der Küstenstraße. Sie führte über 35 km durch sanfte Hügel- und Bauernlandschaft, bevor es zurück auf die von 2 auf 6 Spuren immer breiter werdende Küstenstraße zurückging.
Die Wohngebiete aus der Retorte, die sich zum Meer erstreckten wurden, immer mehr. So näherte ich mich der Millionenstadt Casablanca und stieß im dichten Verkehr in ihr Innerstes vor. Nach 3 Hotelbesichtigungen bin ich Hotel Salam abgestiegen. Günstig doch ok für die zwei geplanten Nächte.
Ich sitze nun in der Petit Poucet am Boulevard Mohamed V bei günstigem Stork und mal ohne den Rauch der Haschischpfeifen, nur ein wenig Zigaretten Qualm, auch die zweite Kneipe war ganz gut, doch wieder mit den Animierdamen aber auch ein Marokkaner, der in Köln studiert hatte. Nebenbei lief das Fußballspiel Casablanca-Tetouan. Weiter ging es für mich zum Taco Essen und Absacker in der Lauto Bar. Doch als ich am Hotel ankam, war laute Musik von nebenan zu vernehmen. Ich reagierte etwas ungehalten, doch man sagte mir das diese Musikgastronomie eine Lizenz bis 3 Uhr habe, doch zum Glück war es gegen Mitternacht ruhig.
Am Morgen habe ich mir Casablanca erlaufen es waren Ende 18 km. Durch die Medina zur Moschee Hassan II, die größte außerhalb Mekkas. Sie war sehr Imposant mit ihrem 200 m hohen Minarett. Für eine Besichtigung war ich zu spät und auch zu früh. Denn freitags gibt es über Mittag keine Führungen. So bin ich entlang der Corniche zum Leuchtturm. Der Weg zurück führte mich wieder durch die Medina. Ein Tag reichte voll zur Besichtigung und so werde ich morgen versuchen die knapp 100 km bis Rabat zu strampeln. Am Abend habe ich lecker gegessen und zum Abschluss eine Kneipenrunde mit Abschluss im Lauto gemacht. Wieder sehr nett, zuerst wurden die Wetten auf die Pferderennen beobachtet, dann lief gute Musik aus der elektronischen Musikbox an der Wand, während ich Bilder geschaut habe. Dann klatschte der Türsteher mal wieder in die Hände, was bedeutete austrinken und ab nach Hause. Auf dem Weg gab es noch ein Sandwich an der Fastfood-Bude und ich war im Bett. Am Hotel war es heute ruhiger.
Am Morgen zum Frühstück, dann Sachen gepackt und es ging ab nach Rabat. Casablanca war bis jetzt die uninteressanteste Stadt Marokkos. Die heutigen 100 Radkilometer waren geprägt von der Brandung des Atlantiks und den neuen Wohngebieten die an der Küste aus dem Boden sprießen. Es leif ganz gut auch, wenn ich seitlichen Gegenwind hatte. Über die Oceanroad die 11 km vor dem Zentrum Rabats wieder auf 6 Spuren angewachsen war bin ich zur Medina vorgestoßen. Rundum habe ich viele Hotels besichtigt. Einige waren gut aber zu teuer, andere zu schlecht für mehrere Tage, so wohne ich nun am Rande der Medina und hoffe auf eine gute Nacht.
Nach lauwarmer Dusche bin ich zum, na was schon, Zielbier. Hier wurde ich von einem Deutsch sprechenden Marokkaner voll gequatscht. So sitze ich nun im La Paix Restaurant und führe Kalorien zu. Ich freue mich schon morgen Rabat zu erkunden, denn irgendwie kommt mir Rabat ruhiger vor als der Rest der marokkanischen Städte.
Wo ich nun mein Sandwich vor mir habe finde ich immer mehr gefallen an der Bar, sie ist recht gepflegt und ganz gute Luft, da zahle ich gerne 3 DH mehr fürs Bier. Hier buhlen die Damen auch um die Herren für einen Job am Abend. Ich konnte dagegen mal wieder Brings und Cat Ballou hören. In der Medina gab es nochmal ein Sandwich.
Am Morgen nach dem Frühstück habe ich für 2 weitere Nächte bezahlt und danach stand die erste Besichtigungstour an. Vorbei am unterirdischen Bahnhof, der gerade modernisiert wird und in der Neustadt liegt und vorbei am Bab Er Rouah bin ich um den halben, durch eine Mauer geschützten Bereich des Königspalastes bis ich das kleine unscheinbare Tor zur Registrierung gefunden hatte. Nach Vorzeigen des Passes konnte ich mich dem Royal Palais nähern und einige Fotos schießen. Ich habe den Palastbereich nach Osten verlassen, um zur Chellah zu laufen, meinem nächsten Ziel. Die Grundmauern stammen aus römischer Zeit. Hier gab es eine heilige Quelle und so wurde es im 19. Jahrhundert zu einem Pilgerzentrum. Viele Gelehrte und Gläubige ließen sich hier bestatten. Heute gibt es in dem wilden Garten viele Störche die vor sich hinklapperten.
Von hier ging es für mich zum Hassan II Turm, das Wahrzeichen von Rabat. Es ist das Minarett das genau wie die Moschee nie vollendet wurde. 1199 wurde der Bau eingestellt. Es sollte die größte Moschee auf marokkanischem Boden werden. Von hier hatte man auch einen schönen Blick auf den Fluss Bouregreg und auf die gegenüberliegende Stadt Sale. Neben der Moschee war das Mausoleum, in dem die Gebeine Hassan II und Mohammed V liegen, zu bestaunen. Glänzender Marmor, maurisches Mosaik und eine imposante Holzdecke mit Kuppel und das zu freiem Eintritt.
Nun hatte ich schon wieder einige Kilometer in den Beinen und vieles schöne gesehen, so habe ich eine kleine Pause bei einem Flag Pils, welches ich bisher noch nicht kosten konnte, eingelegt.
Anschließend bin ich zum Kai am Fluss, wo kleine Fischerboote lagen und man den besten Blich auf die Kashbar des Qudayas hatte. Es ist ein weiteres ummauertes Viertel Rabats. Ich bin durch die verwinkelte Rue Bassou. Das ganze Viertel ist in Weißblau gehalten und erinnerte mich stark an Andalusien. Ich landete auf der Rue Djoumaa an deren Ende eine große Aussichtsterrasse mit Blick auf die Flußmündung in den Atlantik, den Strand Rabat und auf den Leuchtturm. Hier habe ich meine 6-stündige Besichtigungstour für beendet erklärt und bin kurz zurück in die Unterkunft. Zum Abend bin ich mit Notebook unter dem Arm wieder in die Neustadt ins La Paix, wo ich dann schon meine Unterkunft für Meknes gebucht habe.
Von Rabat bin ich total begeistert.
Am nächsten Tag nach dem Frühstück bin ich zuerst durch die Medina gelaufen, di teilweise noch ihre ursprünglichen Gassen hatte, doch die Hauptgassen waren schon neu gemacht und mit einer Überdachung versehen. Jeder Laden sah nun gleich aus. Es gab in den Gassen viele Graffitis der Ultras des heimischen Fußball Clubs, genau wie in allen anderen Städten mit Erstligaclubs. Hier habe ich mal wieder neue Schnürsenkel für meine Schuhe erworben. Anschließend bin ich durch den Park Nouzhat Hassan spaziert, wo es kleine Gehege und Volieren gab und 2 Kinderspielplätze. Zurück durch die Medina bin ich nochmal zur Corniche am Flussufer und durch die Kashbar und bin diesmal hinunter zum Strand, den ich bis zum Leuchtturm abgelaufen bin. Hier bin ich durch das normale Stadtviertel Ocean, wo es aussah wie in allen größeren Städten, so auch in der Rue Berlin die es hier gab. Da ich noch Tagebuch schreiben wollte, bin ich ins Restaurant Injoy.
Bin zum frisch machen aufs Zimmer und ab zum Pizza Tonno Essen und hatte einen wunderbaren Abend in geselliger Runde im La Paix. Dabei habe ich nochmal meine Bilder von meinem Abschnitt in Indien geschaut. Es war vieles ähnlich, besonders die Märkte. Auf meinem Rückweg zu Unterkunft habe ich mir nochmal eine Pizza Tonno machen lassen und mit aufs Zimmer genommen. Stärkung für den nächsten Tag Richtung Meknes.

Vom 07.Januar 2020 - 14.Januar 2020 Tag 302 - Tag 309
Etappe Rabat-Fes 240 km; Zu Fuß 59 km

Datum km Schnitt Max km/h Höhenmeter Zielort
7.1.2020 84,96 17,42 39,43 589 Khemisset
8.1.2020 59,33 13,68 44,59 819 Meknes
11.1.2020 27,60 14,42 42,01 524 Moulay Idriss
12.1.2020 68,90 13,32 40,64 855 Fes

Früh habe ich Rabat verlassen und bin zur RN6. Es ging erst unmerklich immer weiter bergan. An meinem Zielort Khemisset sollte ich wieder auf 444 Höhenmeter gestiegen sein. Anfangs führte die noch breite Straße durch Korkeichenwälder. Viele Stämme waren schon geschält. Es gab große Verbotsschilder zum Eicheln einsammeln, denn daraus sollen hier auf natürliche Weiße neue Bäume entstehen. Die Wälder lagen am Morgen noch im Nebel was mit der aufgehenden Sonne ein stimmungsvolles Bild ergab. Umso höher ich kam, wechselten diese Wälder wieder zu Olivenplantagen. Nach einer Pause an einer Kreuzung in der Sonne wo ich mir Doppelkekse kredenzte, erreichte ich die unbedeutende Stadt Khemisset. Am Ende fand ich meine Unterkunft und ich konnte den guten Preis noch etwas drücken und war zufrieden. Habe anschließend wie immer die Stadt erkundet. Relativ groß mit den üblichen Geschäften und den Märkten mit Gemüse und Obst. Mein Zielbier gab es zuerst aus einem Shop, welches ich auf einem Hinterhof in der Sonne genoss. Doch dann kam ein Polizist auf dem Motorrad und forderte mich berechtigterweise aufzugehen. Aber ohne unfreundlich zu sein. Ich habe nach einem Handschlag Folge geleistet und bin zurück Richtung Unterkunft und habe im Zentrum gegessen. In einer unscheinbaren Bar, die so nicht zu erkennen war, habe ich den Absacker genommen und das gratis. Denn ich traf auf 2 Marokkaner die Angehörige ich Bielefeld und Frankfurt hatten. Von beiden gab es das Freibier. Auf dem Tresen stand eine alte Registrierkasse von NCR made in Brasil. Ich kannte die Firma von unserm alten Server in der Firma wo ich zuletzt tätig war. Darauf habe ich noch per Akustikkoppler Daten aus England übertragen. Waren das noch Zeiten. Zurück in der Unterkunft gab es noch ein Kännchen Tee im schönen Ambiente des Hotel Cafés.
Am Morgen bin ich nach langer Zeit mal wieder ohne Frühstück gestartet und der Weg führte weiter bergauf. Es folgte eine eiskalte Abfahrt zu Fluss Qued Beth. Auf halber Strecke musste ich meine Kurzfingerhandschuhe gegen meine Winterhandschuhe tauschen und auch meine Jacke überstreifen. Nach der Abfahrt war ich wieder auf 150 m abgesackt. Die Landschaft hatte sich verändert in den 2 Monaten die ich in Marokko unterwegs war, als ich vor 2 Monaten in dem nur noch 70 km entfernten Fes gestartet bin. Es war alles grün, satt grün. Am Straßenrand immer wieder die Hecken aus Kakteen, so wie ich sie in vielen Teilen Marokkos gesehen habe. Durch die grünen Hügel hinabzugleiten war toll, doch genauso anstrengend auf der anderen Seite, um wieder hinauf zu kommen. Diesmal wieder auf 670 m denn ich war nicht wie geplant der RN6 gefolgt, sondern einer kleinen Landstraße mit wenig Verkehr. Auf dem fast höchsten Punkt habe ich mich zu einer Doppelkekspause niedergelassen, um die tolle Landschaft zu genießen.
Die letzten Kilometer über die Höhe habe ich über eine 5 km Abkürzung genommen, diese war dafür aber Offroad. Der Blick schweifte über die immer mehr anwachsenden Olivenplantagen. Ich konnte zuschauen wie neue Bäume gepflanzt wurden. Nun ging es von über 670 m noch mal in ein tiefes Tal hinunter, es war schon mehr eine Schlucht. Ich konnte gleich auf der anderen Seite den Anstieg nach Meknes in Augenschein nehmen. Ich kam mit Schweiß befeuchtetem Shirt und Hose oben an und erblickte das noch 12 km entfernte Meknes, eine weitere Königsstadt Marokkos. Durch ein prächtiges Stadttor bin ich in die Medina und habe gleich mein vor gebuchtes Riad in einer kleinen Gasse gefunden. Ich wurde freundlich empfangen, das Zimmer und das Bad waren super. Zur gleichen Zeit wie ich checkte auch ein deutsch-italienisches Pärchen ein. Das Duschen hat diesmal richtig Spaß gemacht und so habe ich umgehend um einen weiteren Tag verlängert und so bleibe ich nun 3 Nächte in Meknes.
Mein erster Spaziergang führte mich in die 1 km entfernte Neustadt zum Zielbier im La Coupole. Am Abend habe ich noch einen kleinen Rundgang durch die Medina zum belebten Hauptplatz gemacht und an der Hauptstraße entlang der Mauer zum königlichen Bereich gegessen.
Im Riad Royal hatte ich eine gute Nacht, genauso gut war das Frühstück.
So bin ich losgezogen durch Niemandsland zum Agdal Basin einem großen rechteckigen Wasserbecken welches an den alten Stallungen Heri Souani lag. Man hatte einen Blick zur Stadt. Der Eintritt für die Stallungen war mir mit 7 Euro zu hoch, so ging es weiter vorbei am Palais Royal, durch ein kleines Stadtviertel, zum in Renovierung befindlichen Mausoleum Moulay Ismail, dem damaligen König Meknes. Habe einen Blick auf den königlichen Golfplatz, der auch von einer stattlichen Mauer umgeben war, geworfen. Anschließend habe ich das sogenannte Prison besichtigt. Doch es ist kein Gefängnis, sondern war ein unterirdischer Getreidespeicher, der als er genutzt wurde über 7 km lang gewesen sein soll. Davon waren nur noch ein kleiner Teil zu sehen, doch die Dimension der Gewölbe wurde sichtbar. Nach einer kurzen Pause auf dem Zimmer habe ich mir die Medina angeschaut und die Gassen der alten Mehlla, wo wie immer reichlich Handel getrieben wurde. Somit weitere Kilometer Zufluss, nun war es gut und ich habe mir mein Notebook geschnappt und bin in meine für Meknes auserkorene Stammkneipe, nebenan gab es wieder Taco Poulet zum Essen.
An meinem weiteren Tag in Meknes habe ich nach dem Frühstück meinen weiteren Plan gemacht und Unterkünfte in Moulay Idriss und Fes gebucht. Ja wieder Fes, dort wo ich meine Runde durch Marokko begonnen habe. Von dort werde ich das Rif Gebirge nach Norden durchqueren und den Weg nach Tanger einschlagen, um die Fähre nach Tarifa zu nehmen.
Heute am Freitag waren die Läden in der Medina geschlossen und eine besondere Ruhe. Jetzt am Mittag wo ich beim Essen sitze, regt sich langsam wieder das Leben. Nach der weiteren Ruhezeit auf dem Zimmer bin ich noch mal mit Notebook zum Abschluss ins La Coupole.
Dort habe ich gleich von einem Stammgast ein Bier ausgegeben bekommen. Es ist wie in den kölschen Kneipen. Ma muss och jönne könne oder drink doch ene mit.
Doch am Morgen hieß es dann erstmal wieder strampeln. Auf den ersten 10 km locker den die Straße führte hinunter zum Oued Ouislane und natürlich auf der anderen Seite gleich wieder hinauf. So ist das immer. Doch heute hatte ich ja nur 26 km zu bewältigen, um Moulay Idriss zu erreichen. Es liegt 3,5 km von der römischen Stadt Voubilis entfernt. Diese wollte ich heute noch besichtigen. Zuvor musste ich aber meine vor gebuchte Unterkunft finden. Nicht so einfach hier. Ich fragte einen Polizisten am Zentralen mit Taxis zugeparkten Platz. Er telefonierte mit der Unterkunft nach dem ich ihm die Telefonnummer mitgeteilt hatte. Nach einer Weile kam die Unterkunftsbesitzerin im für Marokko und Frauen typischen, für uns nach Schlafanzug aussehenden Outfit. Als Sie mich in eine Gasse führen wollte, die nur über eine Treppe zu erreichen war, habe ich gleich storniert und mir was Neues gesucht und habe es in der Kashbar Senhaji gefunden zum fast gleichen Preis und inklusive Heizung.
Nun hieß es fertig machen zum Spaziergang zum UNESCO Welterbe, doch dann stellte ich fest das meine Hose am Hintern ein riesiges Loch hatte. Also habe ich sie entsorgt und meine Zweithose rausgekramt und dann konnte es losgehen.
Nach 3,5 km laufen durch Olivenplantagen entlang der Hauptstraße hatte ich die Ruinen von Voubilis erreicht. Von den Gebäuden standen fast nur noch die Fundamente und einige Säulen. Von der Kathedrale war noch eine Fassade übrig und der Triumphbogen war noch fast vollständig erhalten. Das eigentliche Highlight waren jedoch die vielen großen noch gut erhaltenen Mosaike, die jedes größere Haus besaß. Vom Triumphbogen führte die Hauptmeile zum Tangier Gate. Es war ein interessante Stätte, die hier zu besichtigen war. So habe ich nun den südlichen Teil und mit Xanten am Niederrhein den nördlichen Teil des damaligen Imperium Romanum besucht.
Nach 1,5 Stunden Rundgang sitze ich nun auf der Terrasse des einzigste Hotel, es hat 4 Sterne, mit Blick auf die Ruinen und genieße das Zielbier in der Sonne. Auch der Blick auf Moulay Idris ist imposant wie es, wie eine Festung an den Felsen klebt.
Für morgen zeigt mein Navi 66 km nach Fes an, doch es zeigte mir auch einige Offroad Passagen an. Ich bin mal gespannt.
Den Rückweg zur Unterkunft in Moulay Idriss habe ich auf einer anderen Straße zurückgelegt und ich bekam Aussichten auf den Ort und das grüne abfallende Hügelland welches ich hinauf geradelt war geboten. Zurück im Ort habe ich Kefta gegessen. Anschließend bin ich bis zur Barriere der Moschee vorgedrungen nach dem ich eine Runde um den zweiten Platz mit den ganzen Cafés gedreht hatte. Es ist ein heiliger Ort, den hier, gibt es, ein Mausoleum welches von vielen muslimischen Pilgern besucht wird. Ein Einheimischer, der hier stand, führte mich noch durch seine Stadt hinauf zum grün gefliesten Minarett und auf die Grand Terrasse, mit Blich aufs Mausoleum und die Moschee. Dann gab es sich als Guide aus und wollte 150 Dhiram haben. Ich machte ihm klar, dass er das vorher aushandeln sollte und habe die Aussicht genossen, die ich auch mit meinem Navi gefunden hätte. Ich habe ihn abblitzen lassen und bin eine andere Gasse zurück als er mich führen wollte. Hätte er es mir vorher gesagt hätte ich mit ihm einen fairen Preis ausgehandelt, so gabs nichts.
Nach einem Tee mit Fußball bin ich zurück auf mein Zimmer, wo wir noch die Mobile Heizung ausgetauscht haben, doch diese war nicht besser, doch durch die schönen, warmen, bunten marokkanischen Decken war es mir warm genug hier auf knapp 500 m.
Das Frühstück war super und stärkend. Das war auch gut so den es ging steil aus Moulay Idriss hinaus. Nach der Steilpassage durch den Ort führte die kleine Straße durch tolle Landschaft weiter hinauf. Der höchste Punkt lag laut meinem Navi bei 818 m. Hier gab es einen kleinen Nadelwald und einzelne Obstbäume standen in voller Blühte. Es war echt anstrengend hier hinauf den der mittelschwere Gegenwind fehlte ebenfalls nicht. Ich wurde oben mit einem phänomenalen Blick in die weite Tiefe Richtung Fes belohnt.
Doch das mit der Anstrengung sollte sich noch steigern an Höhenmetern, den es ging durch ein Bauernbergdorf steil bergab und gleich steil wieder bergauf wo ich nach der Steigung einen 1,5 km langen Eselspfad zur in meinem Glauben Hauptstraße wählte. Mein Navi zeigte den Eselspfad als auch die Hauptstraße als normale Straße an. Doch was kam, war wieder ein echtes Abenteuer. Der Weg war erst noch fahrbar doch dann kamen Bewässerungsrinnen, über die ich mein Rad schieben musste. Dann folgten Schlammlöcher die durch die teils überlaufenden Rinnen weiter befeuchtet wurden. Meine Räder nahmen immer mehr Schlamm auf der sich zwischen Reifen und Schutzblech fest setzte. Immer wieder musste ich den Schlamm entfernen damit sich die Räder wieder drehten. Nun musste ich zum ersten Mal meine Vorderradtaschen abnehmen, da sie sonst im Schlamm versunken wären. Ich habe sie 50 m vorgetragen und mein Rad hinterhergeschoben und nach dem Schlammloch wieder von diesem befreit. Immer wieder überholten mich Esel oder mir kamen kleine Schafherden entgegen. Zum guten Schluss um auf die Hauptstraße zu kommen, die ebenfalls nur eine Dirtroad war musste ich alles Gepäck vom Rad abschnallen und einzeln über eine versumpfte Wiese tragen, denn auf den Weg wäre ich bis zu den Waden im Schlamm versunken. Auch nun waren meine Räder wieder fest und ich musste die säubern, um weiterzufahren. Die nun folgende Dirtroad war ganz gut zu fahren bis auf die steilen bergab Stücke wo ich langsam gemacht habe. Also genauso langsam hinunter als hinauf. Der Weg schlängelte sich durch sehr schöne Landschaft. Nach einem weiteren Tal hatte ich wieder die RN6 und ich habe mir zur Erfrischung eine Cola gegönnt, bevor es auf die 30 Kilometer im Gegenwind zu meiner Stammkneipe Le Progres nach Fes Neustadt ging. Nach einem vorgezogenen Zielbier habe ich meine Unterkunft in der engen Gasse der Medina gleich wieder gefunden aber diesmal ein anderes Zimmer bezogen, welches diesmal sogar eine wärmende Klimaanlage hatte. Die Dusche war nach der heutigen Schlammschlacht auch geil, wenn man das so sagen darf.
Man konnte sich nach 2 Monaten sowohl in der Unterkunft, als auch in der Churchill Lounge, wo ich am Abend nach der Durchquerung der mir bekannten Medina war. Hier traf ich einen tschechischen Reiseradler, der in Oslo einen Radladen besitzt. Er war in Marokko nur auf begrenzter Urlaubsrunde.
Anschließend bin ich zum Essen ins mir bekannte Restaurant und zum Abschluß Tee ins mir von vor 2 Monaten bekannte Café.
Im warmen Zimmer habe ich gut geschlafen und gut im Innenhof des Riad Gefrühstückt und mal richtig lange bis zum Mittag auf dem Zimmer relaxt. Das ist der Vorteil, wenn man an einem Ort ist, den man schon kennt, so verspürt man keinen Drang gleich was zu besichtigen. Gegen Mittag bin ich über neue Wege zur Neustadt aufgebrochen. Über einen Hügel mit tollem Ausblick auf Fes. Beim Bierchen mit vielen Tapas habe ich fleißig getippt. In der Mall auf dem Rückweg gab es Pasta und in der Mediena  Noch ein kleine Special beim hippeligen Barkeeper in der Churchill Bar und Tee bei meinem lieblings Teebringer im Cafe in der nähe des Place Rcif.
Am nächsten Morgen bin ich nochmal durchs Gerberviertel und die Medina, durch die Mellah in die Neutadt zur Stammkneipe, wo e heute nicht so toll war. So bin ich ums Eck zum Essen und habe noch eine neue Kneipe gefunden mit netten Leuten, wo ich mich mit einem länger in gutem Englisch unterhalten konnte. Das Bier war günstiger und es gab mehr Tapas. Mal schauen ob ich hier bleibe oder noch zum Tee gehe.
Am weiteren Ruhetag bin ich nochmal durch die Medina, die Mellah und die Neustadt zur Stammkneipe. Dann zum Essen und habe noch eine neue Kneipe aaufgetan. Das war nun zum zweiten Mal Fes.

Vom 15.Januar 2020 - 26.Januar 2020 Tag 310 - Tag 321
Etappe Fes-Tanger 398 km; Zu Fuß 70 km

Datum km Schnitt   Höhenmeter Zielort
15.1.2020 85,63 15,75 44,85 914 Taounate
16.1.2020 72,88 11,02 45,03 1869 Ketama
17.1.2020 110,88 16,81 43,98 1400 Chefchauen
19.1.2020 63,67 17,23 42,97 622 Tetouan
22.1.2020 64,44 16,21 45,83 665 Tanger

Am Morgen habe ich vor dem Frühstück meine 7 Sachen oder besser gesagt meine 6 Taschen gepackt und die engen Treppen des Riad hinuntergetragen.
Die ersten 20 Kilometer ging es hinab bis der erste nennenswerte Anstieg kam der hinüber ins Tal des Lebens führte, so hieß der Fluss. Hier waren wie auch schon zuvor viele grüne Felder, auf denen gerade die Saat aufging. Der Weg hinüberführte auf 470 Meter über Meereshöhe hinauf und gleich wieder auf unter 200 Meter hinunter. Von diesem Fluss zu Fluss Hügel sollte noch einer kommen. Doch an den Anstiegen wurde ich durch die vielen Daumen, die nach oben zeigten motiviert. Im weiten Tal am Fluss Leben war es recht flach. So bin ich schon weit ins Rif, so heißt das berüchtigte Gebirge wo Haschisch angebaut und auch angeboten und konsumiert wird, eingedrungen. Doch es sollte heute noch ein Anstieg kommen in Form einer Bergankunft auf 600 m und die Steigung war nur 4 km lang und ich betätigte auf dieser kurzen Strecke 450 Höhenmeter.
Im Ort Taounate wurde ich wegen meines Fahrrades abgelehnt, da man nach Aussage mit Radlern und ihren Fahrrädern schon Probleme hatte. Im Hotel Wifag mit Teestube und Snackbar, wo ich vorher schon das Zimmer ohne Bad besichtigt hatte, nahm man mich trotz meiner ersten Ablehnung für umgerechnet 8 Euro auf. Doch das Duschen in dem Gemeinschaftsbad habe ich mir geschenkt.
Ich habe lieber einen Rundgang durch die kleine Stadt auf dem Bergkamm gemacht. Es gab tolle Aussichten nach beiden Seiten, so konnte ich auch schon sehen, wo es am morgigen Tag hinuntergeht und auch wieder hinauf. Ich konnte auch sehen, dass die Berge des Rif höher werden. Die nächste Unterkunft ist 70 km entfernt. Nach Pasta Essen und schönem Sonnenuntergang sitze ich beim dritten Tee, denn heute gibt es endlich mal kein Bier, vor meiner einfachen Unterkunft. Ich bin gespannt, wann ich schlafen kann, denn es läuft mal wieder lauter Fußball.

Die Nacht war trotz allem sehr gut, vielleicht auch, weil ich in meinem Schlafsack geschlafen habe, das war mir doch angenehmer. Am Morgen bin ich gleich meinem Navi gefolgt, welches mich abseits der RN8 führte. Es ging durch schöne Landschaft vorbei an einem Stausee und von dort durch ein kleines Tal wieder bergauf. Doch dann wurde die kleine Straße wieder zu einem wilden Feldweg, der mich noch weiter hinauf führte, dabei war einmal schieben angesagt. Als ich oben wieder eine asphaltierte Straße erreichte wurde ich mit den ersten Ausblicken auf die 2000er Berggipfel des Rif belohnt. Wieder eine kleine Straße wie auch die folgende RR509 die aber mehr befahren war. Ich folgte ihr bis zu meinem Zielort Issaguen oder auch Ketama. Die Landschaft des Rif muss man gesehen haben. So anstrengend es auch ist mit den ganzen up und downs bin ich froh durch doch so gefährliche Rif Gebirge gefahren zu sein. Am Ziel hatte ich fast 1900 Höhenmeter auf 73 km absolviert.
Im Ort war gerade ein großer Wochenmarkt der sich vom Waldrand über eine freie Fläche bis in den Ort erstreckte. Es wurde wieder alles gehandelt. Alles war verstopft auf der Straße ins kleine Zentrum wo auch das einzige und teure Hotel lag. Doch so war ich und mein Rad sicher vor der Haschisch-Mafia die es hier geben soll. Haschisch wurde mir entlang der kompletten Route immer wieder angeboten.
Im Ort wurden an jeder Ecke und in jeder Baulücke alte Autos, vor allem Mercedes wieder Fahrtüchtig gemacht, sonst war es ein trostloser Ort mit viel Müll auf der Straße und auch sonst nicht gerade gepflegt.
Die erste Dusche nach 2 Tage war aber im Hotel perfekt. Nach dem Rundgang gab es noch einen ebenso teuren Tee in der Hotelbar und Flag Speciale auf dem Zimmer, welches eine Höhensonne auf dem Schreibtisch angenehm warm gemacht hatte.
Es war mal wieder ein toller Radreisetag, der alles zu bieten hatte.
Am Morgen nach dem Frühstück welches inklusive sein sollte, wollte man mir doch berechnen doch ich lehnte die Zahlung ab. So startete ich weiter hinauf durch dichten Nadelwald. Der erste Höhepunkt in Meter lag auf 1670 m. Ich kann nur sagen grandioses Rif bis auf kleine Ausnahmen, denn hier wurde mehr Hello gerufen und es gab Kinder die wohl keine gute Erziehung genossen haben. Einige liefen mir bergauf hinterher und zerrten aus meiner Seitentasche mein Schloss und Flickzeug heraus und warfen es auf die Straße. Englisch konnten sie auch denn ich hörte Fuck you aus ihrem Mund entweichen. Aber es war ein Einzelfall, von vielen habe ich auch Bonjour gehört und Daumen hoch gesehen.
Es folgten viele Gegenanstiege, die ich mit Keuschen genauso genossen habe, wie die letzte Abfahrt von 800 m hinunter auf nur noch 350 m, dies aber ohne Keuchen. Doch wie befürchtet durfte ich nach Chefchauen mit den letzten Kräften nochmal hinauf auf 500 m. Chefchauen klebt an einem Hang zwischen zwei Bergspitzen die ca. 1700 m hoch sind. Was dem Ort den Namen gab, schau die Hörner.
Die erste Unterkunft die ich ansteuerte war ok doch nicht für mehrere Nächte, auch das 4 Sterne Hotel, welches ich über einen steilen Anstieg erreichte war zu teuer und auch nicht frei, so habe ich eine Unterkunft mit 3 Zimmern für 20 Euro gefunden, wo das Zimmer meinen Wünschen entsprach. Frühstück inklusive. Nach guter Dusche habe ich eine kleine Runde gedreht und am Oum Rabie gewartet bis es öffnete. Es gab Stork, Dire Straits und viele Leute aus dem Ort.
Auf dem Rückweg habe ich mir noch ein Sandwich Poulet mit Nudel und Pommes Beilage mit aufs Zimmer genommen. Dank E-Heizung war es mollig warm auf dem Zimmer und ich hatte eine gute Nacht.
Doch um 7:30 Uhr fiel eine spanische Reisegruppe ins kleine Café unter mir ein und ich wurde durch sie laut klingende spanische Sprache geweckt. So habe ich mich ins Café zu meinem Frühstück dazu gesellt denn ich hatte auch Hunger und das Frühstück war reichhaltig.
Anschließend bin ich zur kleinen alten Moschee auf einem den Bergen vorgelagerten Hügel aufgestiegen. Von hier hatte man einen fabelhaften Blich auf Chefchauen mit der Medina in der noch eine alte Kasbah steht. Auf dem gleichen Weg bin ich zurück und über die alte portugiesische Brücke und bin über einen Berg Trail hinauf zwischen die beiden Hörner gestiegen, dort konnte ich von 1032 m hinunter auf den Ort schauen. Hier gab es keine Touristen mehr, die den kleinen Ort als Tagestouristen besuchen, kein Lärm außer bellenden Hunden, die die Berghütten aus Wellblech und Steinen bewachten. Abgestiegen bin ich über die Dirtroad, um die blaue Medina zu erkunden. Ich bin über das obere Bab (Tor) in sie eingedrungen und den engen steilen mit Treppenstufen bestückten Gassen zum Hauptplatz gefolgt der mit Touristen bevölkert war. Es wurde laut musiziert nicht immer perfekt aber laut. Hier habe ich eine der Dachterrassen bestiegen und habe Pasta gegessen, während neben mir Joints geraucht wurden. Ich habe mich hier entschieden doch morgen weiter nach Tetouan zu radeln. Habe im 4 Sterne Hotel neben der Kasbah meine Homepage aktualisiert und noch ein Flag genossen und ich bin dann zum Abschluss bei vielen Tabas und Stork ins Oum Rabie, wo es heute voller war. Scheinbar gehen manche am Freitag doch nicht in eine Bar. Mir war der Ort einfach zu touristisch um zu bleiben, doch gesehen haben sollte man ihn schon.
Am Morgen nach dem Frühstück bin ich Richtung Tetouan gestartet. Nach 50 m musste ich meine Regenkleidung anlegen. Ja Niederschlag, es war der erste nach dem Schnee in Telouet im hohen Atlas vor über einem Monat. Ich wusste schon gar nicht mehr was Regen ist. Doch nach 4 km wurde er so stark begleitet von starken Windböen das ich unter einem Vorbau eines Hauses das schlimmste abgewartet habe. Dann ging es weiter hinab zurück zur Nationalstraße und hier war der Schauer zu Ende doch die Wolken hingen immer noch bedrohlich in den Bergen rundum. Doch ich konnte mich meiner Regenkleidung erst Mal entledigen. Das war auch gut so, denn auf der Nationalstraße ging es wieder hinauf auf 640 m über dem Meer. Die Straße führte entlang eines Stausee, auf dessen Staumauer der marokkanische Stern prangte. Auf der höchsten Stelle konnte ich den nächsten Schauer aus dem Tal Tetouans auf mich zu kommen sehen. So habe ich gleich zu Beginn der Abfahrt wieder die Regenklamotten angelegt. Doch egal ich hatte ja die Anhöhe nach Tetouan überwunden. Doch der Schauer traf mich mit voller Wucht. Er war nur kurz aber dafür heftig und es gab keine Unterstellmöglichkeit. Anschließend konnte ich trocken vorbei an einem weiteren Stausee hinab rollen. Hier konnte ich sogar einen Rennradler überholen der sich über 5 km in meinen Windschatten klemmte. Dann musste ich stoppen den ich erblickte die weise am Berg hängende Stadt Tetouan. Es ist nach Tanger die zweitgrößte Stadt Nordmarokkos.
Nahe der Medina habe ich ein Zimmer im Hotel Regina bezogen. Es liegt in einem der prächtigen weisen Stadthäuser außerhalb der Mauer um die Medina. Die Stadthäuser habe meist kleine Balkone. Ich bin zum Ziel Bier ins Andaloussia was mal wieder nicht gleich zu erkennen war. Doch wofür nicht so ein Garmin Navi mit OSM Map gut ist. Nach dem Bier brauchte ich kein weiteres Essen mehr, denn es gab dauernd Tapas in Form von Dicken Bohnen, Kartoffelsalat, Fisch, Hänschenspieße, Oliven, … Es hat was von Spanien, was ja bald kommt. Zwischen durch bin ich mal auf eine Dachterrasse eines Riad in der Medina um das Bergpanorama zu bewundern. Hier waren zu viele junge Leute die ihr Handy ohne Headset benutzen.
Am nächsten Tag hatten sich die Regenschauer in Dauerregen verwandelt. So habe ich nur eine kleine Runde durch die Medina gemacht und bin wieder aufs kalte Zimmer, denn hier gab es keine Heizung, doch unter der Bettdecke war es warm. Am Abend bin ich wieder ins Andaloussia und auch heute wurde ich wieder satt. Bevor der Barmann zum Ladenschluss in die Hände klatschte, traf ich noch auf einen Deutschen der auch auf Radreise war.
Am Morgen war es trocken und sonnig, so bin ich geblieben und habe meine Besichtigungsrunde gestartet. Durch die Medina in die andere Neustadt auf der anderen Seite der Medina. Habe mir dort mal wieder im Acima Haribo gegönnt und ich bin zurück über den jüdischen Friedhof noch mal hinauf oberhalb der Medina um den Blick zu genießen. Vorbei an der alten Kasbah die sich in Renovierung befindet, bin ich wieder quer durch die Medina um den Royal Palace, der hier mitten im Zentrum liegt. Der Platz davor ich mit Gittern abgesperrt. Nach Skypen mit Familie bin ich zum Pizzaessen und habe den Abend, na wo schon, im Andaloussia bei Tagebuch tippen und Tapas Essen verbracht.
Nun hoffe, dass es morgen einigermaßen gutes Wetter gibt und ich nach Tanger komme. Es wäre die letzte Etappe.
Ich habe soeben meine letzte Etappe in Marokko am Strand von Tanger beendet. Dort habe ich nach einer Hotelbesichtigungsrunde durch die Stadt und die Medina nun das Hotel Biarritz an der Promenade bezogen. Es hat neu renovierte Zimmer, nun bin ich nur noch auf die Nacht gespannt. Es waren heute noch mal 63 km und ein kleiner Pass mit 334 m. Das Wetter war auch auf meiner Seite, denn der angesagte Regen blieb aus und so kam ich trocken in Tanger an, wo ich nun 3 Nächte bleibe. Nach dem ersten Spaziergang entlang der Marina Bay sitze ich nun in der VIP Bar. Danach ging es zum Loch in der Wand. So hieß dies ca. 5 × 5 Meter Bar. Es gab eine 2,5 m Meter Theke und insgesamt gab es 5 Barhocker. Diese Bar besteht schon seit 1916. Es waren mit dem Barkeeper und mir 9 Leute anwesend. Es war ein schöner angenehmer Abend.
Am nächsten Morgen hat es dann geregnet, so bin ich im Bett geblieben und habe weiter geruht. Kurz vor Mittag wurde es trockener und ich konnte endlich Tanger erkunden. Ich habe mich auch über die Fährverbindungen informiert und kurz den Gedanken gehegt die Fähre nach Barcelona zu nehmen doch dafür hätte ich ins 40 km entfernte Tanger Med radeln müssen. Die Stadterkundung habe ich entlang der Medina Mauer begonnen und hatte damit einen Blick aufs Mittelmeer und Europa. In der Ferne war auch der Felsen von Gibraltar zu sehen. Dann bin ich ins Innere der Medina, die hier blau aber auch gelb gestrichen ist. Das Kashba Museum habe ich ausgelassen und bin durch den kleinen Markt, wo es wieder alles von Fleisch über Gemüse bis Obst gab. Alles bunt gemischt. Bin am Grand Plaza herausgekommen, der zwischen Medina und Neustadt liegt. In der Neustadt habe ich gegessen und bin wieder ins Loch.
Das Wetter soll morgen wieder schlecht sein, so schaue ich wann ich dann die Fähre nehme. Zum Tages Abschluss war ich dann mal in einer anderen Bar mit anderen Tapas zum Bier.
Die Nacht habe ich wieder gut geruht und den Morgen ruhig auf dem Zimmer verbracht und habe mir um 10 Uhr Frühstück gemacht und entschlossen am 26.1. die Fähre nach Europa zu nehmen. Mit welcher Fährgesellschaft werde ich dann morgen entscheiden und mir dann ein Ticket kaufen.
Am Mittag bin ich zur großen Moschee am Hafen gelaufen, wo ich sogar mal bis an den Rand des Gebetsteppichs vordringen durfte. Sie füllte sich gerade zum Freitagsgebet. Über die Bastion mit den alten schweren Eisengeschützen bin ich nochmal in die Medina und zum Essen wieder in die Neustadt und natürlich zu meinen Freunden ins Loch. Hier traf ich auch einen finnischen Reiseradler, der genau wie ich schon einige Länder dieser Welt durch radelt, hat. Der nächste nette Abend in Tanger. Auf dem Weg heim war ich auch wieder in der gleichen Bar des Vorabends eingekehrt. Wieder perfekt geschlafen.
Auch den dritten Morgen wieder auf dem Zimmer gefrühstückt und gegen Mittag das Fährticket nach Tarifa gekauft. Auf dem weiteren Rundgang war ich nochmal für 3 € beim Friseur und habe zurück auf dem Zimmer mit der Heimat telefoniert. Zum letzten Mal im Loch in der Wand gewesen und wieder dieselben Verdächtigen getroffen.
Nach guter Nacht sitze ich nun auf der Fähre, der Ausreisestempel ist im Pass und der Zollbeamte wollte nur mal kurz in eine Tasche schauen und das war es. Nun geht es gleich hinüber nach Tarifa.

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